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Vier Paare, die den Wahnsinn des Alltags erleben – eingepackt in über 20 Wolfgang-Petry-Songs, so dass garantiert kein Hit vermisst wird. Mit viel Witz und ein wenig Tiefgang wird es am Ende ein kurzweiliger Abend, auch wenn sich das Stück nicht entscheiden kann, ob es ernst genommen werden oder nur Mitklatsch-Show sein will.
Im Foyer sind vor der Vorstellung erkennbar viele Wolfgang-Petry-Fans, viele mit der typischen Frisur, dem Schnurrbart, den Freundschaftsbändchen und natürlich dem karierten Hemd. Endlich die Songs wieder live hören – und dann noch in vom Künstler abgesegneter Form, nachdem er sich vor über 15 Jahren von dem bis dahin bekannten Bühnenleben verabschiedet hat.
Doch die Party beginnt sehr langsam. Nach und nach werden die vier Paare vorgestellt, um die es in den nächsten drei Stunden gehen soll: Da sind Peter (Enrico de Pieri) und Sabine (Vera Bolten), die 20. Hochzeitstag haben, den er aber vergessen hat. Ein wohlhabendes Paar, Besitzer einer Speditionsfirma. Doch fährt er gerne noch selbst LKW, so dass er selten zu Hause ist. Pieri und Bolten sind für den Tiefgang des Stückes zuständig und versuchen zu beleuchten, warum die Ehe nach so langer Zeit gescheitert scheint. Sowohl das Buch von Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth als auch die Regie von Gil Mehmert lassen dazu aber nicht allzu viel Zeit. Rasant folgt stets die nächste lustige Nummer. Doch mühen sich die beiden redlich, und vor allem Bolten rührt immer wieder für kurze Momente an.
Gesanglich sind beide Darsteller bestens aufgelegt. So gefällt Bolten beispielsweise besonders bei dem ruhigen „Ich will das alles nicht mehr“ oder beide im Duett bei „Bronze, Silber und Gold“, das ebenfalls von Sebastian de Domenico (Musical Supervisor) als schöne Ballade arrangiert worden ist. Im Übrigen hätte man sich gewünscht, dass für Pieri die Songs einen Ton tiefer gesetzt worden wären, um es für ihn gesanglich etwas bequemer zu machen.
Karsten (Detlef Leistenschneider) und Gabi (Jessica Kessler) sind das zweite Paar.
Beide waren auch schon einmal glücklicher. Er war früher selbst Musiker und sieht die musikalischen Ambitionen seines Sohnes Tobi mehr als kritisch. Dass seine Frau den Jungen unterstützt, stellt die Beziehung auf die Probe. Die beiden sind das typische Ruhrgebietspaar „aus’m Poot“ und sprechen so starkes Ruhrgebietsdeutsch, dass schon aufgrund der Intonation fast jeder Satz zum Lacher wird. Inhaltlicher Tiefgang ist dabei eher sekundär. Leistenschneider ist rollenbedingt eher der ruhige Typ, Kessler die Energiebombe. Beides funktioniert prächtig, so dass sie alle Sympathien auf ihrer Seite haben. Auch gesanglich bleibt bei beiden kein Wunsch offen, wie sie beispielsweise bei „Nichts von alledem“ zeigen dürfen.
Tobi wird gespielt von Thomas Hohler, seine Freundin Gianna von Dorina Garuci. Aus einem One-Night-Stand wird Verliebtsein. Um das richtig zu entwickeln bleibt wenig Raum, ebenso wie für die Darstellung des Vater-Sohn-Konflikts. Doch im Rahmen der Möglichkeiten gelingt es den Darstellern dennoch gut. Auf jeden Fall bringen Hohler und Garuci pure Lebensfreude auf die Bühne und haben Spaß. Ein Höhepunkt ist, wenn sie in einem viel zu kleinen VW Käfer zum Holzfällerfest „Ho Chi Kaka Ho“ fahren und währenddessen das Lied „Gianna“ anstimmen. Die einzelnen Wagenteile werden übrigens vom Ensemble gehalten, so dass zusätzlich ein witziger Moment entsteht.
Am wenigsten ausgearbeitet ist die Geschichte von Wolf (Mischa Mang) und Jessica (Carina Sandhaus), die sich vor vielen Jahren aus den Augen verloren haben und noch immer aneinander denken. Er hat jetzt eine Whiskeykneipe auf dem Schrottplatz, wo große Teile des ersten Akts spielen, sie eine Wellness-Oase dort, wo das berühmte Holzfällerfest stattfindet. Natürlich landen alle acht Hauptdarsteller durch einen Zufall am Ende dort. Auch Mang und Sandhaus machen das Beste aus ihren Rollen und dürfen im zweiten Akt das schöne „Du bist ein Wunder“ anstimmen.
Das Bühnenbild dominiert Peters Truck. Fahrerhaus, Ladefläche und Anhänger bilden drei unabhängige Teile. Der Mittelteil beherbergt die siebenköpfige Band unter der Leitung von H.C. Petzoldt, die somit stets sichtbar auf der Bühne ist und immer dann im Fokus ist, wenn Sänger Tobi einen Song performt. Die anderen beiden Fahrzeugteile können per Hand gedreht werden und zeigen immer wieder neue Räume. Gerade für eine Tournee-Produktion klug gemacht.
Zur Premiere war der Ton noch nicht perfekt: Oft ist die Band zu laut, so dass es an Textverständlichkeit mangelt. Dass das Haus erst vor wenigen Tagen eine neue Tontechnik bekommen hat, spielt hier sicher auch eine Rolle, doch den zahlenden Gast dürfte das allerdings nicht interessieren.
Was bleibt ist eine handwerklich gut gemachte Inszenierung in guter Besetzung und energiegeladenem Ensemble. Doch das Potential, das in den (meist im Original belassenen) Songs von Wolfgang Petry steckt, kann das Stück nicht ausreizen und so bleibt ein eher lauer Eindruck zurück. Lingnau und Wolgemuth haben ja für die Schmidt-Theater in Hamburg Werke geschaffen wie „Heiße Ecke“, „Die Königs vom Kiez“ oder „Cindy Reller“, die allesamt bestens funktionieren, doch „Wahnsinn!“ ist eben kein Acht-Personen-Stück auf einer kleinen Bühne.
Den Zuschauern, die „nur“ eine Wolle-Party feiern wollen, wird vor allem der behäbige Anfang nicht recht gefallen. Möchte man einen Musical-Abend, in dem es nicht nur um das Abfeuern der Hitkanone geht, fehlt ein wenig Substanz. „Wahnsinn!” sucht einen Zwischenweg, der für keinen vollständig befriedigend ist.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | Gil Mehmert |
| Musical Supervisor / Arrangeur | Sebastian de Domenico |
| Musikalische Leitung | Hans Christian Petzold |
| Choreografie | Simon Eichenberger |
| Musik | Wolfgang Petry |
| Autoren | Heiko Wohlgemuth Martin Lingnau |
| Licht-Design | Michael Grundner |
| Sound-Design | Cedric Beatty |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| = April 2020 bis Juni 2020 = | ||||
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| Peter | Enrico De Pieri | |||
| Sabine | Vera Bolten (Nina Janke) | |||
| Karsten | Frank Winkels (Martin Planz) | |||
| Gabi | Jessica Kessler (Tanja Schön Juliane Bischoff Nina Janke) | |||
| Tobi | Thomas Hohler (Christoper Dederichs Jürgen Strohschein) | |||
| Gianna | Tamara Pascual (Sharon Rupa Clara Mills-Karzel) | |||
| Wolf | Mischa Mang | |||
| Jessica | Carina Sandhaus (Juliane Bischoff Tanja Schön Nina Janke) | |||
| Polizist, u.a. | Martin Planz | |||
| Yoga-Lehrer, u.a. | Stefan Tolnai | |||
| Therapeutin, u.a. | Florentine Kühne | |||
| Security, u.a. | Tanja Schön | |||
| Reisekauffrau, u.a. | Juliane Bischoff | |||
| Tanz-Track | Dominique Brooks-Daw Cheyne Whichello | |||
| Ensemble | Sharon Rupa Paul Csitkovics Christopher Dederichs | |||
| Swings | Clara Mills-Karzel Nina Janke Jürgen Strohschein Richard Patrocinio | |||
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| CAST (HISTORY) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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