Jason Robert Browns kleines, feines Kammerspiel über Beginn und Ende einer Beziehung ist eins der meistgespielten Musicals auf deutschsprachigen Bühnen. 2014 verfilmte Richard LaGravenese die Liebesgeschichte mit Anna Kendrick und Jeremy Jordan. Aber kann eine Vorlage, die mit ihrer eigenwilligen Dramaturgie so sehr der Bühne verhaftet ist wie Browns Zwei-Personen-Stück, auf der Leinwand funktionieren?
Lazarus (seit 04/2026)
Staatstheater, Darmstadt
Sascha Hawemann inszeniert einen Schwebezustand zwischen absurder Realität und Rauschfantasie, der offenlässt, ob die Figuren wirklich oder nur im Kopf des Protagonisten existieren. Die Umsetzung der Songs gelingt dabei dank eines stimmlich starken Ensembles und einer hervorragenden Band überzeugender als die der vorlagenbedingt fragmentarischen Handlung.
Der Film „Blue Moon“ über das Ende der Zusammenarbeit des Komponisten-Texter-Duos Richard Rodgers und Lorenz Hart, hat mich dazu gebracht, für die aktuelle Fernsehsessel-Ausgabe einen Film mit ihren Songs auszusuchen. Und dabei habe ich eine echte Entdeckung gemacht: „Love Me Tonight“ von 1932 ist ein Musical-Märchen, eine Operettenfilm-Parodie, ein Spiel mit Bild und Ton, mal geistreich, mal albern und sehr, sehr unterhaltsam. Eine mir bislang unbekannte Perle des Filmmusicals, die ich unbedingt empfehle.
Ethan Hawke glänzt als Songschreiber Lorenz Hart, der nach Team-Erfolgen mit dem Komponisten Richard Rodgers dessen Triumph mit „Oklahoma!“ – allerdings jetzt mit den Texten von Oscar Hammerstein II – verdauen muss. Der Film wirkt zwar wie elegant abgefilmtes Theater, besticht aber durch ein Drehbuch mit großartigen Dialogen und nuancierten Darstellerleistungen. Ein tragikomischer Blick in die Broadway-Geschichte.
Eine neue Fernsehsessel-Kolumne zu schreiben kann wie das Öffnen der Büchse der Pandora sein. Ich denke erst, ich sehe mir einfach einen Film an, mache ein paar Notizen, recherchiere einige Punkte nach und ruckzuck ist der Text fertig. Doch dann kommt während des Ansehens des Films der "Warte mal"-Moment. Ich stelle mir Fragen, ich wühle in Büchern und in den Tiefen des Internets und fördere immer mehr Dinge zu Tage. Diesmal kam dieser Moment, als ich mich fragte, warum ich nahezu alle Charaktere in "A Chorus Line" entweder unsympathisch oder einfach nur langweilig finde. Es muss doch einen Grund geben, warum das mal die erfolgreichste und am längsten laufende Show am Broadway war, dessen Buch sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Also kremple ich meine Ärmel hoch und los geht’s!
"All singing, all talking, all dancing!“ Diesmal mache ich eine Zeitreise - knapp 100 Jahre zurück ins Jahr 1929 - zum allerersten Filmmusical überhaupt. "The Broadway Melody“ war noch dazu der erste Tonfilm, der mit dem Oscar als "Bester Film" ausgezeichnet wurde, und die erfolgreichste Produktion des Jahres. Ein von der damaligen Kritik bejubelter Blick auf die Hollywood-Version der Roaring Twenties vor der Großen Depression, der durch seine neue Technik das Publikum von den Sitzen riss.
Die Mitglieder der MUZ-Redaktion verraten ihre Musicalhighlights des Jahres. Vorgabe für die Auswahl war: Die Produktion musste 2025 besucht worden sein - egal, ob sie da schon länger lief oder erst Premiere hatte. Ein bunter Blick auf die vielfältige Musicallandschaft des fast vergangenen Jahres .
Dezember bedeutet: Märchenzeit für mein Fernsehsessel-Programm. Zwar ist "Die tollkühne Hexe" kein Märchen im klassischen Sinn, sondern die Verfilmung eines Kinder-Fantasyromans, aber es geht um Hexen und Zauberei - das genügt mir, um in die Kategorie zu passen. Der Streifen hat eine ziemlich holprige Entstehungsgeschichte und die Disney-Studios gingen ganz schön rabiat mit ihm um, was dazu führte, dass die Songs schreibenden Sherman-Brüder nie mehr für Disneyfilme arbeiteten. Trotzdem besitzt er dank eines tollen Ensembles und der Mischung aus Real- und Animationsfilm Charme und unterhält ausgesprochen gut. Eigentlich überraschend, denn die Eingriffe und Schnitte sind unübersehbar.
In diesem trüben Monat habe ich mich für bunte Unterhaltung entschieden. "Bells Are Ringing" ist eins dieser "Hab nur den Namen mal gehört“- Musicals, die heute kaum noch zu sehen sind. In einigen deutschen Theatern lief es unter dem Titel "Ein Engel in der Leitung". Die Hauptrolle in der Verfilmung von 1960 übernahm die Schauspielerin, für die es kreiert wurde und die es am Broadway zum Hit machte. Die Filmversion ist ein Denkmal für die vielen Talente der Judy Holliday.
Kristina (konzertante Voraufführung) (2025)
Theater, Koblenz
Es ging ein Raunen durch die deutsche Musical-Landschaft, als das Theater Koblenz zu Recht stolz verkündete, man habe die Rechte an der Deutschen Erstaufführung von "Kristina från Duvemåla", dem schwedischen National-Musical, bekommen. Mit dieser prestigeträchtigen Produktion wollte man das Theater nach seiner Sanierung feierlich eröffnen. Doch weil sich die Arbeiten länger hinziehen als geplant, gibt es in dieser Spielzeit nur drei gekürzte konzertante Aufführungen. Intendant Markus Dietze nennt sie "Appetithappen". Es fühlt sich aber mehr wie ein Provisorium an.
