Wir sind mitten in der Sommertheater-Saison und deshalb habe ich mich für "Summer Stock" entschieden – leichtgewichtige 50er-Jahre-Unterhaltung mit Judy Garland und Gene Kelly. So unterhaltsam der Film an sich daherkommt, so beschwerlich waren die Dreharbeiten.
Wie im Himmel (seit 07/2026)
Burgfestspiele, Bad Vilbel
"Wie im Himmel" ist ein tückisches Musical. Einerseits eine Feelgood-Geschichte von Menschen, die durch Chorgesang zu sich selbst finden, andererseits werden teils drastisch Mobbing, häusliche Gewalt und konservative Moralvorstellungen thematisiert. Ein Drahtseiltakt, der eine sichere Regie mit Sinn für subtile Zwischentöne erfordert. Christian H. Voss bleibt gerade diese Zwischentöne in seiner Inszenierung schuldig.
Cabaret (2026)
Freilichtspiele, Schwäbisch Hall
Lange Zeit war "Cabaret" ein "So war das damals"-Stück. In den letzten Jahren ist daraus "So passiert es gerade wieder" geworden. In Schwäbisch Hall überlässt man die Übertragung auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen dem Publikum. Die Figuren sind zeitlose Prototypen aus Unterstützern, Mitläufern, Anpassern und Desinteressierten. Die steile Große Treppe wird dabei zum Sinnbild einer aus den Fugen geratenen Zeit.
Olivia Newton-John und ihre Bandkollegen werden von Aliens entführt, denn nur ihre Musik kann das Überleben dieser Spezies sichern. Klingt bizarr? Ist es auch! Das Science-Fiction-Popmusical war jahrzehntelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und erscheint jetzt in luxuriöser Aufmachung als Blu-ray.
West Side Story (2026)
Schlossfestspiele, Ettlingen
Regisseurin Solvejg Bauer verlegt den Musicalklassiker in eine postapokalyptische Welt nach einer nuklearen Katastrophe und macht den Kampf um Lebensraum in einem Bunker zum zentralen Konflikt. Ein spannender Ansatz, der vom Publikum von Anfang an Aufmerksamkeit erfordert.
Eigentlich sollte ich besser auf der Couch liegen als in meinem Fernsehsessel zu sitzen. Denn im Film meiner Wahl lässt sich Barbra Streisand unter Hypnose therapieren. Hoffentlich lullt mich das nicht so ein, dass auch mir die Augen zufallen …
Jason Robert Browns kleines, feines Kammerspiel über Beginn und Ende einer Beziehung ist eins der meistgespielten Musicals auf deutschsprachigen Bühnen. 2014 verfilmte Richard LaGravenese die Liebesgeschichte mit Anna Kendrick und Jeremy Jordan. Aber kann eine Vorlage, die mit ihrer eigenwilligen Dramaturgie so sehr der Bühne verhaftet ist wie Browns Zwei-Personen-Stück, auf der Leinwand funktionieren?
Lazarus (2026)
Staatstheater, Darmstadt
Sascha Hawemann inszeniert einen Schwebezustand zwischen absurder Realität und Rauschfantasie, der offenlässt, ob die Figuren wirklich oder nur im Kopf des Protagonisten existieren. Die Umsetzung der Songs gelingt dabei dank eines stimmlich starken Ensembles und einer hervorragenden Band überzeugender als die der vorlagenbedingt fragmentarischen Handlung.
Der Film „Blue Moon“ über das Ende der Zusammenarbeit des Komponisten-Texter-Duos Richard Rodgers und Lorenz Hart, hat mich dazu gebracht, für die aktuelle Fernsehsessel-Ausgabe einen Film mit ihren Songs auszusuchen. Und dabei habe ich eine echte Entdeckung gemacht: „Love Me Tonight“ von 1932 ist ein Musical-Märchen, eine Operettenfilm-Parodie, ein Spiel mit Bild und Ton, mal geistreich, mal albern und sehr, sehr unterhaltsam. Eine mir bislang unbekannte Perle des Filmmusicals, die ich unbedingt empfehle.
Ethan Hawke glänzt als Songschreiber Lorenz Hart, der nach Team-Erfolgen mit dem Komponisten Richard Rodgers dessen Triumph mit „Oklahoma!“ – allerdings jetzt mit den Texten von Oscar Hammerstein II – verdauen muss. Der Film wirkt zwar wie elegant abgefilmtes Theater, besticht aber durch ein Drehbuch mit großartigen Dialogen und nuancierten Darstellerleistungen. Ein tragikomischer Blick in die Broadway-Geschichte.
