Wer mit Elisabeth Sikora und Markus Olzinger über Theater spricht, merkt sofort: Stillstand ist für die beiden keine Option. Nach dem großen Erfolg mit dem unkonventionellen „Girl from the North Country“ stecken die beiden Gmundner Intendanten schon wieder voller Tatendrang und Pläne für die Saison 2027. Wir haben uns zu einem persönlichen Austausch zusammengesetzt – über Mut, das bewusste Spiel mit Kontrasten und ein neues Stück, dessen Geheimnis sie hier im Interview exklusiv lüften.
Rudolf - Der letzte Kuss (seit 05/2026)
Festspielhaus Neuschwanstein, Füssen
Der Mythos Mayerling staubt normalerweise in den Archiven der Habsburger-Historie vor sich hin, doch das Musical-Genre lässt die tragische Affäre um Kronprinz Rudolf nicht los. Nach der Budapester Uraufführung 2006 und der Wiener Fassung von 2009 landet Frank Wildhorns Historien-Drama nun als deutsche Erstaufführung im Festspielhaus Füssen – allerdings in einer Form, die mit den Vorläufern nur noch das Skelett gemein hat. Unter dem neuen Titel "Rudolf – Der letzte Kuss" hat Christian Struppeck das Buch von Jack Murphy einer Radikalkur unterzogen, und Wolfgang Adenberg eine neue Textversion geschaffen. Diese großflächige Überarbeitung schält den Kern der Geschichte neu heraus und rückt die persönlichen Schicksale hinter der bekannten Tragödie ins Zentrum des Geschehens – eine Rechnung, die in der Füssener Inszenierung aufgeht.
Avenue Q (seit 03/2026)
Shaftesbury Theatre, London
Es gibt Musicals, die altern mit Würde, und es gibt "Avenue Q": Die Puppen-WG, die vor genau zwanzig Jahren erstmals das Londoner West End unsicher machte, kehrt zum Jubiläum ins Shaftesbury Theatre zurück – und wirkt dabei so frisch, als hätten Princeton, Kate Monster und Co. gerade erst ihr College-Diplom in der Tasche. Dass diese komplette Spielzeit überhaupt zustande kam, ist wohl dem überwältigenden Erfolg der konzertanten Jubiläums-Fassung vor einiger Zeit zu verdanken, die bewiesen hat: London hat immer noch verdammt große Lust auf politisch unkorrekten Filz...
Nele Neugebauer ist von den deutschsprachigen Musical-Bühnen längst nicht mehr wegzudenken. Seit vielen Jahren ist sie dort zuhause und hat das Publikum in verschiedensten Facetten begeistert – ob als Monika in „Ku’damm 56“ am Theater des Westens, in der Tour-Produktion von „Sister Act“ oder zuletzt in Stücken wie „Rent“ und „School of Rock“. Doch Nele steht nicht nur im Rampenlicht: Auch hinter den Kulissen hat sie sich bereits einen Namen gemacht, unter anderem als Choreografin am Staatstheater Kassel für Produktionen wie „Emil und die Detektive“...
Lange hat es gedauert, bis "Ludwig²" eine umfassende Live-Dokumentation bekommt. Mit "A Night Live in Shanghai" ist sie nun da – aufgenommen bei der konzertanten Premiere im Dezember 2024. Die Doppel-CD bringt vieles mit, was man sich lange gewünscht hat: ein großes Orchester, eine erfahrene Besetzung und den Anspruch, das Werk nahezu vollständig abzubilden. Und tatsächlich geht diese Rechnung auf – die Aufnahme überzeugt vor allem dort, wo sie sich ganz auf ihre musikalischen Stärken verlässt.
In Linz wird das Musical nicht als Beigeschmack, sondern als eigenständige Sparte gelebt. Dahinter stehen seit über einem Jahrzehnt zwei Köpfe: Matthias Davids, der künstlerische Leiter der Musicalsparte und Arne Beeker, der Dramaturg und Produktionsleiter. In unserem Interview lüften die beiden das Geheimnis um den Spielplan 2026/27...
The Phantom of the Opera (2026)
Sydney Opera House, Sydney
Es gibt Stoffe, die untrennbar mit der samtenen Schwere eines Opernhauses verbunden scheinen. Andrew Lloyd Webbers "The Phantom of the Opera" ist der Inbegriff des Melodrams – ein Stück, das von prunkvollen Kulissen, tiefen Schatten und der psychologischen Dichte unter der Erde lebt. Die Inszenierung der Handa Opera on Sydney Harbour bricht radikal aus diesen Mauern aus und beweist, dass das Phantom auch ohne Dach seine dunkle Magie entfaltet...
Zwischen der feierlichen Verleihung der „Oper! Awards“ als bestes Opernhaus des Jahres und den intensiven Vorbereitungen auf die erste Spielzeit unter dem neuen Banner des Staatstheaters, herrscht in Regensburg Aufbruchstimmung. Wir haben Intendant Sebastian Ritschel zum Gespräch getroffen, um über den „Mut zur Zumutung“, seine Leidenschaft für Stephen Sondheim und den exklusiven Broadway-Scoop für die kommende Saison zu sprechen...
Frau Luna (2026)
Bühne Baden, Baden
Wer heute nach den Wurzeln des deutschsprachigen Musicals sucht, landet unweigerlich bei Paul Lincke. Seine "Frau Luna"" brach bereits 1899 mit der Wiener Walzerseligkeit und setzte stattdessen auf zackige Marschrhythmen und Revue-Elemente, die viel eher an den Broadway als an die Hofoper erinnern. Das Stadttheater Baden nutzt diesen historischen Genre-Grenzgang unter der Intendanz von Andreas Gergen nun konsequent aus: Mit einer Besetzung, die fast ausschließlich aus der Musicalwelt stammt...
Wenn Frank Wildhorn die Bühne des Musiktheaters verlässt und seine Melodien in den Konzertsaal überführt, rückt ihre rein musikalische Erzählkraft in den Mittelpunkt. Nach großformatigen Werken wie seiner "Donau Symphonie" oder "Odessa" schlägt er mit "The Symphonic Suites" die Brücke zu seinem Schaffen für die Bühne. Während Motive aus "Dracula" und "Jekyll & Hyde" längst zum Standardrepertoire gehören, bietet die CD mit "Artus – Excalibur" und dem bisher nur in St. Gallen gezeigten "Einstein - A Matter of Time" auch für Kenner frische Impulse.
