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Frank Wildhorns Rache-Musical „Der Graf von Monte Christo“ folgt einem konsequent aufgebauten Rache-Narrativ, das die Handlung eng an die Entwicklung der Hauptfigur Edmond Dantès bindet und im Verlauf eine innere Brechung erfährt. Die weiblichen Figuren sind dabei überwiegend funktional angelegt und deutlich auf ihre Rolle im Handlungsgeschehen reduziert. In seiner Inszenierung im Parktheater Plauen entscheidet sich Regisseur Manfred Ohnoutka für eine durchgehend traditionelle Lesart des Stoffes und verzichtet auf zusätzliche zeitgenössische Kommentierungen oder interpretierende Brechungen dieser Anlage. Dass der Abend dennoch funktioniert, liegt vor allem an der starken Besetzung der Hauptrollen, allen voran Jannik Harneit, der den Edmond Dantès mit eindringlicher Bühnenpräsenz und großer stimmlicher wie darstellerischer Intensität gestaltet.
Dieser bewusst werkgetreue Zugriff prägt die gesamte Regiearbeit. Manfred Ohnoutka belässt die Handlung konsequent in ihrer historischen Epoche und setzt auf eine lineare, an der Partitur orientierte Erzählweise. Die Inszenierung vertraut auf die Eigenlogik des Stoffes und seiner Figurenentwicklung. Die Personenführung bleibt dabei häufig im klassischen Rampenspiel verhaftet: Ensemble und Solisten präsentieren ihre Partien oft frontal an der Bühnenkante, wodurch psychologische Verdichtungen und feinere Spannungen nur eingeschränkt entstehen. Dass Ohnoutka durchaus ein Gespür für prägnante Bilder besitzt, zeigt sich in einzelnen Momenten. In der Ensemblenummer „Hölle auf Erden“ etwa versinkt die Menschenmenge schrittweise, während Edmond Dantès sie aus erhöhter Position dominiert. Auch im zweiten Akt gelingt ein markanter Effekt, wenn sich die Lichtstimmung im Moment der Wiedererkennung zwischen Mercédès und Edmond abrupt verändert. Umso deutlicher tritt das konventionelle Regiekonzept bei Nummern wie „So wie man hört“ hervor, die statisch arrangiert sind und das choreografische Potenzial der Szene kaum ausschöpfen.
Das Bühnenbild (Christopher Melching) ist zwangsläufig durch die Gegebenheiten der Open-Air-Spielfläche geprägt – ein Umstand, den die logistischen Möglichkeiten dieser Anlage bedingen. Zur linken und rechten Seite eröffnen mehrstöckige Häuserfassaden den Blick in kleinteilig gestaltete Räume. Das Zentrum dominiert eine ausladende, beidseitig begehbare Treppenkonstruktion, die auf eine erhöhte Plattform führt. Diese erfüllt im Laufe des Abends hochgradig funktionale Aufgaben und verwandelt sich flexibel vom intimen Balkon in das Deck eines Piratenschiffs. Unterhalb der Plattform verbirgt sich ein prägnanter Effekt: Während die Frontseite das Schiff zeigt, geben zwei klappbare Türen im Fundament bei Bedarf Raum für Edmonds Gefängniszelle oder die spätere Schatzkammer. Ihre atmosphärische Wirkung entfaltet die Szenerie vor allem im zweiten Akt. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wertet das präzise Lichtdesign (Radan Scholz, Matthias Fieseler) die Kulissen deutlich auf und verleiht den zuvor funktionalen Bauten eine ungeahnte Plastizität.
Die Kostüme von Christopher Melching bewegen sich für die Hauptcharaktere in einem historisch stimmigen Rahmen. Sie sind handwerklich sauber gearbeitet, betonen die Epoche und fügen sich in die Szenerie ein. Eine eigenwillige visuelle Entscheidung betrifft jedoch das sechsköpfige Tanzensemble. Melching stattet sie mit stark modernisierten Barockkostümen aus: Weiße Zopfperücken treffen auf kurze Pluderhosen und Kniestrümpfe in auffälligem Pink und Hellgrün. Dass diese Figuren in diesem Outfit auch in Edmonds Gefängniszelle erscheinen, erzeugt einen Stilbruch innerhalb der ansonsten stringenten Ausstattung. Ähnlich verhält es sich mit der Choreografie von Sergei Vanaev. Die Bewegungen der sechs Tänzerinnen und Tänzer wirken isoliert und lassen sich nur schwer mit dem restlichen Ensemble verbinden. Diese setzt die Vorgaben zwar präzise um, bleibt inhaltlich jedoch als Fremdkörper wahrnehmbar. Ein choreografisches Highlight gelingt der Produktion auf anderer Ebene: Die von Fabian Broermann (der zusätzlich als Edmonds Begleiter Jacopo auf der Bühne steht) einstudierten Kampfszenen sind präzise konzipiert und mit hoher Dynamik umgesetzt.
Dass die Inszenierung das Publikum im Parktheater so mitzureißen vermag, liegt an der durchweg exzellenten Besetzung der Solorollen. Allen voran Jannik Harneit bietet großes Kino: Er gestaltet die psychologische Wandlung vom ungestümen, jungen Mann über den verzweifelten Gefangenen bis hin zum unerbittlichen Rächer absolut glaubwürdig. Gesanglich berührt sein mit großer Verzweiflung und bewusst gebrochener Stimme vorgetragenes „Jeder Tag ein kleiner Tod“ ebenso wie die großen, kraftvollen Ausbrüche in „Hölle auf Erden“, die er mit enormem Stimmvolumen und lang gehaltenen Schlusstönen meistert.
Christina Maria Gass erweist sich als ideale Besetzung für die typischen, übergroßen Wildhorn-Balladen. Erscheint sie zu Beginn stimmlich noch als ungewöhnliche Wahl, erobert sie die Herzen des Publikums spätestens mit einem packenden „Wie mich die Welt umarmt“. Schauspielerisch zeichnet sie eine wütende, verzweifelte Mercédès, die lange gegen ihr Schicksal ankämpft, sich ihm letztlich jedoch beugt.
Die drei Gegenspieler André Gass (Fernand Mondego), Nikolaus Nitzsche (Gérard von Villefort) und Gabriel Wernick (Danglars) agieren rollendeckend mit markig-männlichem Gehabe und kräftigen Stimmen. In den kleineren Rollen holt Marian Hadraba das Beste aus dem Abbé Faria heraus. Ebenso sorgt Karen Helbing als Luisa Vampa mit ihrer Nummer für immense Stimmung. Nathalia Willot verleiht der Valentine mit „Schöner Schein“ eine feine Note. Ein beinahe intimer Showstopper gelingt zudem Tobias Gerisch als charmantem, ehrlichem Albert im Duett „Frauen“ an der Seite von Edmond.
So glücklich die Hand bei den Solisten war, so deutlich zeigt sich beim Ensemble ein strukturelles Problem vieler Stadttheater im Musicalbereich: Der hauseigene Opernchor passt stilistisch nur bedingt zu einem modernen Wildhorn-Stück. Bereits in den Eröffnungsszenen wird bei „Hebt das Glas“ deutlich, dass das unbeschwerte Treiben durch klassische Gesangstechnik und statisches Agieren gebremst wird.
Am Pult der Clara-Schumann-Philharmonie Plauen-Zwickau sorgt Michael Nündel für präzise musikalische Führung. Das Orchester trifft die Tempi der Partitur sicher und entwickelt einen satten Klang. Gleichzeitig stößt die Open-Air-Situation an akustische Grenzen: Die Platzierung hinter der Bühne führt stellenweise zu einer etwas dröhnenden Verstärkung. Die Tonabmischung gelingt insgesamt jedoch ausgewogen und hält die Balance zwischen Orchester und Bühne weitgehend stabil, wodurch die musikalische Ebene fest in das szenische Geschehen eingebunden bleibt.
Die Plauener Produktion von „Der Graf von Monte Christo“ verlagert ihre Wirkung deutlich hin zur unmittelbaren Präsenz ihrer Besetzung, während die szenische Umsetzung vergleichsweise zurückgenommen bleibt. Dadurch entsteht ein Musicalabend, der weniger aus einer eigenständigen Regiehandschrift als aus der Energie und stimmlichen Qualität der Darstellerinnen und Darsteller lebt – und genau daraus seine stärkste Wirkung bezieht.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Regie | Manfred Ohnoutka |
| Musikalische Leitung | Michael Nündel Leo Siberski |
| Ausstattung | Christopher Melching |
| Choreografie | Sergei Vanaev |
| Kampfchoreografie | Fabian Broermann |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 28.08.2026 19:00 | Freilichtbühne am Schwanenteich, Zwickau | |
| Sa, 29.08.2026 19:00 | Freilichtbühne am Schwanenteich, Zwickau |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 13.06.2026 - 28.06.2026 | Parktheater, Plauen | 5 x |
| 28.08.2026 - 29.08.2026 | Freilichtbühne am Schwanenteich, Zwickau | 2 x |
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