„Come From Away“ hat in diesem Jahr mit der deutschsprachigen Erstaufführung am Theater Regensburg eine Sensation für die hiesige Musicallandschaft ausgelöst. Sebastian Ritschels Non-Replika-Inszenierung wurde mit hervorragenden Kritiken bedacht. Dabei trugen Sabine Ruflairs makellose Übersetzung und die intensive Darbietung der Besetzung zum großen Erfolg bei...
In diesem trüben Monat habe ich mich für bunte Unterhaltung entschieden. "Bells Are Ringing" ist eins dieser "Hab nur den Namen mal gehört“- Musicals, die heute kaum noch zu sehen sind. In einigen deutschen Theatern lief es unter dem Titel "Ein Engel in der Leitung". Die Hauptrolle in der Verfilmung von 1960 übernahm die Schauspielerin, für die es kreiert wurde und die es am Broadway zum Hit machte. Die Filmversion ist ein Denkmal für die vielen Talente der Judy Holliday.
Fortsetzung folgt… Als vor einem Jahr dieser Schriftzug am Ende von "Wicked: Teil 1" auf der schwarzen Leinwand erschien, saßen viele mit dem Bühnenstück vertraute Zuschauerinnen und Zuschauer mit offenem Mund und völlig versunken im Kino. Völlig verblüfft und erstaunt über diese Musicalverfilmung, die im Gegensatz zu vielen anderen Exemplaren ihrer Gattung wider Erwarten nichts falsch gemacht hatte und einen mit all ihrer Wucht in den Kinosessel hineinzudrücken vermochte. Viele wären am liebsten gleich sitzen geblieben, um sich sofort im Anschluss den zweiten Teil anzuschauen, der aber noch ein ganzes Jahr auf sich warten lassen sollte...
Nach dem starken Abschneiden beim Deutschen Musicalpreis – mit Auszeichnungen unter anderem für beide Hauptrollen und eine Nebenrolle – erscheint nun die Live-Gesamtaufnahme von „Einstein – A Matter of Time“. Die Doppel-CD hält die Uraufführung aus dem Theater St. Gallen fest und vermittelt sehr direkt die musikalische Kraft dieses Abends. Schon die ersten Minuten machen spürbar, wie konsequent...
Julie Andrews feierte gerade ihren 90. Geburtstag. Das nehme ich zum Anlass, mich näher mit ihrem Comeback-Film "Victor / Victoria" zu beschäftigen. Genauer gesagt: auch mit dessen Wurzeln. Ich befasse mich in dieser 'Fernsehsessel'-Ausgabe gleich mit vier Filmen, denn Blake Edwards‘ Meisterwerk ist das dritte Remake eines deutschen Films von 1933. Mich interessiert, ob – und wenn ja, wie sehr – sich die verschiedenen Verfilmungen von "Viktor und Viktoria" von der ersten UFA-Fassung bis zur Hochglanz-Hollywood-Version beeinflusst haben. Ich kann schon mal verraten: Spuren des deutschen Originals finden sich selbst in der knapp 50 Jahre später gedrehten US-Version wider.
Die Mutter aller Kultfilme wird 50 – 1975 flimmerte „The Rocky Horror Picture Show“ zum ersten Mal über die Leinwand! Mit dem Begriff „Kult“ wird für meinen Geschmack etwas zu inflationär umgegangen, aber dieser Film trägt dieses Etikett zu Recht. Zuschauer verkleiden sich, es gibt Zwischenrufe und Publikumsaktionen. Der Film ist eigentlich nur Anlass für die im Saal stattfindende Party. Aber funktioniert er auch einfach nur so im heimischen Wohnzimmer – ich allein in meinem Fernsehsessel, nicht in Frank'n'Furter-Corsage, ohne Wasserpistole und ohne Reis zu werfen? Okay, vielleicht singe ich ein kleines bisschen mit …
Mit einem Gala-Konzert feiert die Wiener Musicalszene im Frühjahr den 80. Geburtstag von Sylvester Levay. Die nun veröffentlichte Live-Aufnahme – erhältlich als CD, DVD und demnächst auch als Blu-ray – bietet einen abwechslungsreichen Überblick über sein Schaffen. Neben Klassikern wie „Elisabeth“ oder „Rebecca“ stehen neu arrangierte und teils überraschend interpretierte Versionen im Mittelpunkt – etwa wenn „Sie ergibt sich nicht“ als beinahe hypnotisches Duett zwischen den beiden Mrs. Danvers...
Als ich die Verfilmung von "Anatevka" zum ersten Mal gesehen habe, war ich ziemlich verwundert. Ich wusste grob, dass es um den jüdischen Milchmann Tevje und seine Familie in einem Dorf geht, und erwartete gefällige Unterhaltung mit folkloristischer Musik. Dass die Geschichte zutiefst tragisch ist und man eigentlich drei Stunden dabei zusieht, wie Tevjes Welt auseinanderbricht, wusste ich nicht. Norman Jewisons Verfilmung hält sich zwar eng an die Vorlage von Jerry Bock (Musik), Sheldon Harnick (Songtexte) und Joseph Stein (Buch), geht aber formal weg von der stilisierten Optik des Broadway-Originals hin zu einem fast dokumentarischen, um Authentizität bemühten Realismus. Für das Medium Film eine gute und mutige Entscheidung.
Nachdem ich gerade Stephen Sondheims letztes Werk "Here We Are" in London gesehen habe, kehre ich für meinen Fernsehabend zu seinem ersten zurück. Die Verfilmung an sich ist eine Hommage an den Slapstick-Humor der Stummfilmzeit (passenderweise mit Buster Keaton in einer Nebenrolle) mit hohem Tempo und Gags im Sekundentakt. Das ist irre lustig – nur der Musical-Charakter kommt dabei unter die Räder.
Als Frank Wildhorns Freund Walter Feucht ihm vorschlug, eine Symphonie über die Stadt Odessa zu schreiben, war schnell klar, dass es dabei um mehr als nur ein musikalisches Projekt gehen würde. Für Wildhorn ist die ukrainische Hafenstadt ein Ort mit familiären Wurzeln – seine Mutter stammte aus Odessa. Die Erinnerung an sie sowie an Feuchts Vater, der dort am Ende des Zweiten Weltkriegs stationiert war, wurden zur emotionalen Grundlage für die Odessa-Symphonie. Es ist nach seiner "Donau Symphonie" bereits Wildhorns zweite großangelegte Komposition für Orchester...
