David Brophy und das WDR Funkhausorchester © WOW Magazin, Murat Bilir
David Brophy und das WDR Funkhausorchester © WOW Magazin, Murat Bilir

NEUE REZENSION
Rise Like A Phoenix: ESC-Hits in Concert (2026)
Tournee

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Mit dem Titel „Happy Birthday ESC“ feiert das WDR Funkhausorchester das 70-jährige Jubiläum des Eurovision Song Contest – und dieses Konzert wird dem Anlass mehr als gerecht. Das Klangbild des Orchesters überzeugt durch Präzision, Dynamik und enorme musikalische Bandbreite. Zusammen mit stimmstarken Solist:innen, einer charmanten Moderation und einer klugen Liederauswahl wird dieser feierliche Abend unvergesslich.

1956 fand der erste „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ in Lugano statt – damals noch mit lediglich sieben teilnehmenden Ländern. Seitdem hat sich der Wettbewerb stark verändert. Der ESC hat polarisiert, begeistert und immer wieder gesellschaftliche Debatten ausgelöst. Heute läuft die größte Musikveranstaltung der Welt unter dem Motto „United by Music“. Für viele gehört die Veranstaltung zum alljährlichen Pflichtprogramm, bei dem es neben allem Kitsch und Camp, Nebelmaschinen-Orgien, Projektionsschlachten, Paillettenspektakeln, all der nackten Haut und der immer wieder für Empörung sorgenden, infamen Punktevergabe in den frühen Morgenstunden vor allem um eines geht: die Musik, die als Weltsprache Menschen durch die Kulturen Europas und darüber hinaus bewegt. Das Jahr 2026 markiert aufgrund politischer Entwicklungen, die auch vor der Europäischen Rundfunkunion keinen Halt machen, den neuesten, vielleicht einschneidendsten Wendepunkt des Formats; der ESC ist keineswegs frei von Kritik und scheidet die Gemüter mehr denn je. Das mindestens ebenso traditionsreiche WDR Funkhausorchester, das neben den Bereichen Filmmusik, Operette und Klassik auch das Genre Musical sowie sogar Videospielmusik abdeckt, ist aufgrund seiner breiten Aufstellung geradezu prädestiniert für einen Konzertabend zum diesjährigen Song-Contest-Jubiläum, das eine Zeitreise durch viele Farben der Populärmusik verspricht. Zu diesem Anlass lädt der WDR in ausgewählte Locations, darunter das BASF-Feierabendhaus, das den musikalischen, akustischen und technischen Ansprüchen einer elaborierten Bühnenshow und nicht zuletzt dem großen Klangkörper des WDR Funkhausorchesters vollends gerecht wird.

Mit gegenwärtig 52 Mitgliedern ist das sinfonisch ausgelegte Ensemble hervorragend besetzt. Unter der virtuosen Leitung von David Brophy, der das Orchester seit 2024 führt, entwickelt das Konzert musikalische Wucht. Das Ensemble entwickelt ein ebenso machtvolles wie differenziertes Klangbild, das mühelos zwischen leisen und kraftvollen Momenten wechselt. Die Interpretation lebt von einer außergewöhnlichen Plastizität: Leise Passagen steigern sich immer wieder zu kraftvollen orchestralen Höhepunkten. Dennoch erschöpft sich der Abend bei aller epischen Intensität nie in bloßer Lautstärke; vielmehr entwickelt das Ensemble eine atmende Klangsprache voller Schattierungen und Raffinesse. Eine derartige orchestrale Brillanz ist in den hiesigen Konzerthäusern nur noch selten zu erleben.

Die Songauswahl erweist sich als ideales Material für den opulenten Klangapparat und nutzt dessen musikalische Möglichkeiten konsequent aus. Statt bloßer Vergrößerung entstehen eigenständige Neuinterpretationen der Songs aus 70 Jahren ESC-Geschichte, die im Original zwischen Revuemelodien, klassischem Schlager, Jazz, Swing, Dance-Musik und Pop changieren. Besonders gelungen ist dabei die Balance aus Wiedererkennbarkeit und orchestraler Neudeutung, wobei der große instrumentale Höhepunkt mit „Riverdance“ kommt, das 1994 als Pausenakt des Song Contests aufgeführt wurde: Mit dieser Darbietung schickt der Dirigent sein Orchester und das Publikum auf eine Achterbahnfahrt durch alle Emotionen. Gerade der Kontrast zwischen dem anrührenden Streicherauftakt und der späteren rhythmischen Entfesselung macht den Reiz des Titels aus, der weit über den Abend hinaus nachhallt.

Technisch makellos eingebettet und sorgfältig kuratiert kann dieser Abend auch in den weiteren Gewerken durchweg überzeugen: 1Live-Moderator Benni Bauerdick setzt die richtigen Akzente zwischen feierlicher Stimmung, lockeren Überleitungen sowie ernsten und kritischen Anmerkungen zum Anlass und dem Kultcharakter der TV-Veranstaltung. Dabei zeigt er Spielfreude, zelebriert offen den queeren Ikonenstatus des ESC, wagt sogar ein Tänzchen zum diesjährigen deutschen Beitrag „Fire“ von Sarah Engels, das einer Pop-Diva würdig ist, und leiht sich kurzerhand Jonas Heins Steppschuhe, um selbst eine Sohle aufs Parkett zu legen. Charmant, witzig, aber nie schematisch: eine Moderation, die den Spagat zwischen Feierlichkeit und augenzwinkernder Selbstironie bemerkenswert sicher meistert.

Die Stimmen des Abends begeistern ebenso. Musicaldarsteller Jonas Hein und Popsängerin Katja Friedenberg erweisen sich als ideales Gesangspaar, um sowohl solistisch als auch in gemeinsamen Duetten durch die unterschiedlichsten Genres der großen ESC-Hits und Song-Contest-Kleinode zu führen. Zusammen mit dem überaus charismatischen wie leidenschaftlichen Dirigenten Brophy, den „in action“ zu erleben den Abend bereits zu einem Ereignis macht, erfassen sie die Stimmung im Saal und übertragen die Emotionalität der vielgestaltigen Songs unmittelbar aufs Publikum. Achtzehn Songs präsentieren Hein und Friedenberg – beginnend mit dem bekannten „Volare“ aus der ESC-Anfangszeit und kulminierend im durch den Song Contest unsterblich gewordenen ABBA-Hit „Waterloo“. Zu Heins Glanzmomenten des Abends gehören Udo Jürgens’ „Merci Chérie“ und „What’s Another Year“ von Johnny Logan im ersten Akt sowie der Olsen-Brothers-Hit „Fly on the Wings of Love“ und das emotional tiefgehende „You Let Me Walk Alone“ von Michael Schulte im zweiten Teil. Hein überzeugt mit stimmlicher Vielseitigkeit und einer markanten, poppigen Klangfarbe mit wunderbaren Phrasierungen, durch die er jedem Song eine eigene Note verleiht.

Katja Friedenberg brilliert ebenso in ihren Solo-Nummern, zu denen Evergreens wie Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ und Nicoles „Ein bisschen Frieden“, aber auch weniger bekannte Titel wie „Love Shine a Light“ von Katrina and the Waves gehören. Weitere Highlights gelingen Friedenberg mit einem fulminanten „Ne partez pas sans moi“ von Céline Dion, dem unerwartet in der Setlist verankerten Balkan-Pop-Song „Wild Dances“ der ukrainischen Sängerin Ruslana sowie mit jenem Song, der Deutschland aus der Song-Contest-Flaute zog: „Satellite“ von Lena Meyer-Landrut, zu dem das Publikum begeistert mitsingt. Der gesangliche Höhepunkt kommt zum Ende im triumphalen Duett zu Conchita Wursts Siegersong „Rise Like a Phoenix“, bei dem Hein und Friedenberg alle stimmlichen Geschütze auffahren. Zur ABBA-Zugabe hält es das Publikum schließlich nicht mehr in den Sitzen: Der Jubiläumsabend im BASF-Feierabendhaus erweist sich als voller Erfolg, der erfreulicherweise als offizieller Live-Mitschnitt auf YouTube und der Mediathek des WDR nacherlebt werden kann.

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungDavid Brophy
 
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CAST (AKTUELL)
mitJonas Hein
Katja Friedenberg
Benni Bauerdick
WDR Funkhausorchester
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
01.05.2026 - 02.05.2026WDR Funkhaus, Köln2 x
08.05.2026BASF Feierabendhaus, Ludwigshafen1 x
09.05.2026Aula am Berliner Ring, Monheim/Rhein1 x
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