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„Wie im Himmel“ ist ein tückisches Musical. Einerseits eine Feelgood-Geschichte von Menschen, die durch Chorgesang zu sich selbst finden, andererseits werden teils drastisch Mobbing, häusliche Gewalt und konservative Moralvorstellungen thematisiert. Ein Drahtseiltakt, der eine sichere Regie mit Sinn für subtile Zwischentöne erfordert. Christian H. Voss bleibt gerade diese Zwischentöne in seiner Inszenierung schuldig.
Ein Herzinfarkt zwingt den berühmten schwedischen Dirigenten und Violinisten Daniel Daréus zum Umdenken. Er verlässt den Klassikbetrieb und zieht sich in sein Heimatdorf zurück. Das hatte er als Kind mit seiner Mutter verlassen, weil der Geige spielende Junge von seinen Mitschülern gehänselt und verprügelt wurde. Nun bewohnt er das alte Schulhaus und will sich dort eigentlich vor der Welt einigeln, doch er folgt einer Einladung, sich die Probe des Kirchenchors anzuhören. Er erkennt, dass in den Mitgliedern starke Stimmen schlummern, und will diese zum Klingen bringen. Gerd Achilles verkörpert den ausgelaugten Daniel überzeugend und es ist schön zu sehen, wie ihn das Feuer packt, mit diesem Chor etwas zu leisten, und er wieder Lebensmut findet.

Christian H. Voss stellt die restlichen Choristen erst mal als eine Gruppe schräger Hinterwäldler dar, was Monika Seidls klischeehafte Kostüme und Perücken noch unterstreichen. Die Fröhlichen unter ihnen tragen bunt – im Fall des hyperaktiven Alphamännchens Arne noch dazu großkariert; die Introvertierten und Verklemmten blasse Farben und enganliegende Kleidung. Diese Auswahl scheint wie den Figuren übergestülpt; die Darstellerinnen und Darsteller wirken verkleidet. Das ändert sich erst, wenn sie nach dem erfolgreichen Konzert folkloristisch angehauchte Kostüme tragen und darin viel natürlicher wirken – weil auch die Figuren gelöster sind.
Aber erst einmal lässt Voss auf die Komödienpauke hauen und seine Inszenierung gerät in den ernsten Handlungssträngen ins Schlingern. Das trifft besonders Emanuel Jessel, der als Pfarrer Stig Berggren verkrampft grinst, linkisch winkt, und zum Klamaukpriester degradiert wird. Dann verändert sich schlagartig sein Charakter. Er missbilligt, dass der Chor sich von rein kirchlichen Liedern abkehrt, und findet das ausgelassene Verhalten seiner Frau Inger anstößig. Doch das nimmt man ihm aufgrund der vorherigen Figurenzeichnung nicht ab; es gibt in seiner ernsten Szene sogar Lacher. Das Solo gegen Ende singt Jessel am Boden zerstört und glaubhaft – und ebenso glaubhaft wäre auch seine Figur gewesen, hätte man sie nicht als Lachnummer eingeführt.
Sonja Herrmann gibt als Pfarrersfrau eine ebenso berührende Darstellung wie Hanna Mall als die von ihrem Mann misshandelte Gabriella sowie Lukas Schwedeck als Thore, einem jungen Mann mit kognitiver Beeinträchtigung. Björn Geske bricht seine Figur des Außenseiters und Mobbing-Opfers Holmfried mit einem emotionalen Ausbruch auf. Er wehrt sich endlich gegen die Hänseleien des selbsternannten Chorchefs Arne, den Stefan Kiefer adäquat nervig anlegt. Lena Poppe kann aus der sympathischen und offenen Verkäuferin Lena, die immer an die falschen Männer gerät, einen Charakter formen. Allerdings gibt ihr das Buch dazu mehr Möglichkeiten als anderen Darstellern wie Annika Müller als trockene bisherige Chorleiterin Siw, der stimmgewaltigen Anne Hoth als Amanda, Andrea Spatzek als dauerstrickende Olga oder Armin Dillenberger als Rentner Erik. Auch Gabriellas Mann, der Schläger Conny, ist keine vielschichtige Figur, aber Markus Düllmann spielt ihn mit maximal bedrohlicher Körperlichkeit.

Auch wenn die meisten Figuren keine ausgefeilten Charaktere sind, sieht man dem harmonischen Ensemble gern zu – und noch viel lieber hört man ihnen zu. Der mehrstimmige Gesang klingt ausgesprochen gut, besonders wenn sich der kleine Kirchenchor im Lauf der Handlung erweitert und Sängerinnen und Sänger des Projektchors der Burgfestspiele dazustoßen. Die Band um Philipp Polzin begleitet umsichtig in den ruhigen Momenten und sorgt in den Uptempo-Nummern für Schwung. Kerstin Rieds Choreografie von „Ein Lied aufs Leben“ reißt mit, „Frag Arne“ und der Kaffeepausen-Song orientieren sich am übertriebenen Komödienstil, der im ersten Drittel vorherrscht. Oliver Kosteckas Bühnenbild ist skandinavisch nüchtern, aber praktisch. Es zeigt ein schräg aufgeklapptes Holzhaus, dessen Teile als Daniels Wohnung, Probenraum oder Pfarrerswohnung bespielt werden können.
Sein Kernthema, durch Klang und Gemeinschaft zum Einklang mit sich selbst zu finden, macht „Wie im Himmel“ zu einem Crowdpleaser. Das funktioniert auch in der holprigen, aber dank des Ensembles kurzweiligen Aufführung im Hof des Wasserschlosses.
Der Film, auf dem das Musical basiert, löste vor gut 20 Jahren in Schweden einen Chorboom aus. Ob sich das in Bad Vilbel wiederholt, bleibt abzuwarten.
Musical nach dem gleichnamigen Film von Kay und Carin Pollak
Musik von Frederik Kempe
Deutsch von Gabriele Haefs und Roman Hinze
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inszenierung | Christian H. Voss |
| Musikalische Leitung | Philipp Polzin |
| Bühne | Oliver Kostecka |
| Kostüme | Monika Seidl |
| Choreografie | Kerstin Ried |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Daniel Daréus | Gerd Achilles |
| Stig Erggren | Emanuel Jessel |
| Conny | Markus Düllmann |
| Lena | Lena Poppe |
| Olga | Andrea Spatzek |
| Arne | Stefan Kiefer |
| Homfrid | Björn Geske |
| Erik | Armin Dillenberger |
| Amanda | Anne Hoth |
| Inger | Sonja Herrmann |
| Siv | Annika Müller |
| Gabriella | Hanna Mall |
| Tore | Lukas Schwedeck |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 14.08.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
| Sa, 15.08.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
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| Mi, 02.09.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
| Do, 03.09.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
| Fr, 04.09.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
| Sa, 05.09.2026 20:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | ||||||||
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| So, 06.09.2026 18:15 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | Dernière | |||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 02.07.2026 - 06.09.2026 | Burgfestspiele, Bad Vilbel | 22 x |
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