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Mit „Rebel, Rebel“ liefert Ivo van Hove 11 Jahre nach „Lazarus“ ein weiteres Musical mit der Musik von David Bowie und beschert der Ruhrtriennale damit zum Abschied einen echten Publikumshit. Die gute Nachricht für alle, denen „Lazarus“ seinerzeit zu mühsam war: Diesmal passt die Handlung auf den sprichwörtlichen Bierdeckel – was den Unterhaltungswert aber nicht schmälert.
Der belgische Regisseur Ivo van Hove gehört zu den erfolgreichsten Vertretern seiner Zunft weltweit und war mit seinem eigenen Internationaal Theater Amsterdam über Jahre auf den größten Festivals der Welt zu Gast. Musicalfans kennen ihn als Regisseur einer recht avantgardistischen „West Side Story“ am Broadway (die durch die Pandemie ein frühzeitiges Aus erfuhr) und durch „Lazarus“: Gemeinsam mit David Bowie selbst und seinem Keyboarder Henry Hey, der hier als musikalischer Leiter und Orchestrator fungierte, nutzte Van Hove den Roman „The Man Who Fell to Earth“ von Walter Tevis als Grundlage für ein Jukebox Musical, das 2015 am New York Theatre Workshop in Manhattan Premiere feierte und durch den Tod von David Bowie im Januar 2016 noch einmal zusätzliche Aufmerksamkeit erfuhr. Noch im gleichen Jahr wurde das Stück auch in London gezeigt und seitdem in zahlreichen Aufführungen weltweit, darunter auch in Deutschland.
Mit David Bowie war Ivo van Hove jedoch nach „Lazarus“ noch nicht fertig: Im dritten und letzten Jahr seiner Intendanz der Ruhrtriennale präsentiert er nun mit „Rebel, Rebel“ ein weiteres Stück, das offiziell natürlich lieber als Musiktheater mit Songs und nicht als Jukebox-Musical bezeichnet wird. Dem deutschen Feuilleton war es wohl dennoch zu schlicht und zu sehr auf ein Mainstream-Publikum ausgerichtet und so wurde „Rebel, Rebel“ eher lauwarm aufgenommen. Leider. Denn was in der Bochumer Jahrhunderthalle auf die Bühne gebracht wurde, konnte sich wirklich sehen und vor allem hören lassen.
Wo „Lazarus“ für viele dann doch zu schwere Kost war, verzichtet „Rebel, Rebel“ auf eine komplizierte Geschichte und lange Dialoge. Die Handlung spielt in einer verrohten, post-apokalyptisch anmutenden Welt, in der zwischenmenschliche Beziehungen verboten sind und Isolation gesetzlich vorgeschrieben ist. Dies hindert nicht nur ein junges Paar daran, sich trotzdem zu verlieben, sondern auch andere, sich zu Gangs zusammenzuschließen und ihre Mitmenschen zu terrorisieren – und das Paar zu verfolgen.
Jan Versweyveld schuf dazu ein Bühnenbild, das verblüffend perfekt in die einstige industrielle Jahrhunderthalle passt und mit ihr zu verschmelzen scheint: Schiffscontainer rahmen eine leere Bühne ein, auf der das 11-köpfige Tanzensemble viel Platz für die modernen Choreographien von Sidi Larbi Cherkaoui hat. Christopher Ash liefert dazu abwechslungsreiche Videodesigns für die Rückseite, die mal weitere Schiffscontainer zeigen und mal fast hypnotische Aufnahmen wie die Iris eines riesigen Auges (Gruß an George Orwell) oder ein ganz langsames Heranzoomen an den roten Planeten während des Liedes „Life on Mars“. An D’Huys entwarf dazu Kleidung, wie sie wohl tatsächlich in jedem Hipsterviertel der Großstädte zu finden ist. Schön auch die Idee, die siebenköpfige Band unter Leitung von Henry Hey in einem offenen und mit Lichterketten geschmückten Schiffscontainer unterzubringen, der wie tausende leicht schäbige Probenräume in aller Welt aussieht.
Für die Hauptrollen holte sich Ivo van Hove prominente Verstärkung aus New York: Ari Nortartomaso, bekannt aus der kurzlebigen Fernsehserie „Grease: Rise of the Pink Ladies“, spielt hier das namenlose Girl und punktet mit einer starken Rockstimme, die an das sensationelle Debüt der damals erst 15-jährigen Sophia Anne Caruso in „Lazarus“ erinnert, aber auch leise sensible Töne beherrscht.
Aris Partner als ebenfalls namenloser Boy ist der erst vor zwei Jahren von Jamie Lloyd entdeckte Diego Andres Rodriguez, der im letzten Sommer im London Palladium als Che neben Rachel Zeglers „Evita“ glänzte. Während er stimmlich voll überzeugen kann, ist die Rolle des Boy etwas zu leidend angelegt und steht damit im Kontrast zu der absoluten Urgewalt von Daniel Donskoy als brutaler und doch charismatischer Gang Leader. Dem deutschen Publikum ist der international tätige Künstler vor alle als “Sankt Maik“ aus der gleichnamigen RTL-Serie ein Begriff, doch daneben ging er auch als Sänger auf Tournee und gewann 2022 die siebte Staffel der hiesigen Version von „The Masked Singer“. Hier präsentiert er sich nun mit fantastischer Rockstimme und einer Bühnenpräsenz, neben der alle anderen leider etwas verblassen.
Anders als die meisten Jukebox-Musicals versucht „Rebel, Rebel“ erst gar nicht, eine echte Handlung um die 26 Songs von Bowie herumzustricken, die Ivo van Hove nach eigenen Angaben unter gut 400 Titeln auswählte. Die Gang jagt die beiden heimlichen Liebenden, die viele tolle Songs singen dürfen – mal rockig, mal verletzlich und verträumt – bis dann am Ende tatsächlich die Liebe siegen darf, während die Gangmitglieder die Bühne verwüsten. Eine vielleicht nicht ganz subtile Anspielung auf die heutige Zeit, in der sich die meisten Menschen wünschen, aus den unzähligen Zwängen auszubrechen und einfach nur sie selbst sein zu dürfen. Neben altbekannten Hits wie „Heroes“, „Diamond Dogs“ und „Let’s Dance“ sind dabei auch etliche weniger bekannte Songs von David Bowie zu hören und verhindern, dass das Stück wie eine banale „Best Of“-Aneinanderreihung daherkommt. Wie wichtig Bowies oft tiefgründige Songtexte für diese Geschichte sind, zeigte sich auch daran, dass gleich zwei Bildschirme vorhanden sind, die einmal die Songtexte im englischen Original einblenden und einmal in deutscher Übersetzung.
Das Publikum – darunter auch einige Fans in David-Bowie-T-Shirts – darf sich hier anders als bei „Lazarus“ zurücklehnen und einfach nur die von den drei Hauptdarstellenden und der kraftvoll aufspielenden Band grandios gut dargebotenen Songs, dem hervorragenden Tanzensemble und den Videoprojektionen mitnehmen lassen in eine Welt voller Musik, Tanz und Emotionen.
Dem Feuilleton mag das zu wenig sein, doch wer einfach nur mitreißende Unterhaltung sucht, wird in Bochum bestens bedient. Die wenigen Vorstellungen in der Jahrhunderthalle waren so schnell ausverkauft, dass noch Zusatzvorstellungen arrangiert wurden. Dazu ist zu erwarten, dass „Rebel, Rebel“ wie sein Vorgänger wohl auch zumindest noch in New York zu sehen sein wird. Es hätte es verdient.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Konzept, Inszenierung | Ivo Van Hove |
| Musikalische Leitung, Arrangements | Henry Hey |
| Choreografie | Sidi Larbi Cherkaoui |
| Bühnenbild, Lichtdesign | Jan Versweyveld |
| Videodesign | Christopher Ash |
| Kostümbild | An D'Huys |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 20.08.2026 - 04.09.2026 | Jahrhunderthalle, Bochum | 11 x |
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