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Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten im Theater des Westens geht „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ erstmals im deutschsprachigen Raum auf Tournee. Neun Theaterhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen auf dem Spielplan. Bei der Tourpremiere in der Kölner Philharmonie läuft ab dem zweiten Akt schließlich auch technisch alles rund. Erst dann kann die Inszenierung ihre Stärken voll ausspielen.
Für die ATG-Tourproduktion zeichnet dasselbe Kreativteam verantwortlich wie bereits für die Berliner Inszenierung, deren künstlerische Handschrift weitgehend erhalten bleibt. Der Mix aus Shakespeares Dialogen und der Musik von Ulf Sommer, Peter Plate und Joshua Lange zündet, – das ist nicht neu. Die ursprüngliche Tragödie bekommt mit einer Ausrichtung auf Deutsch-Pop einen zeitgenössischen musikalischen Anstrich und wird mit viel Witz in Szene gesetzt. Auch die Figurenzeichnung ist deutlich moderner angelegt: Die Frauenfiguren treten selbstbewusster auf, gleichgeschlechtliche Liebe wird selbstverständlich erzählt. Julia ist weit mehr als eine Stichwortgeberin, ihre Amme selbstbewusst und humorvoll, Mercutio unglücklich in Romeo verliebt.

Die Geschichte erfährt durch ihre Songs und ihre choreographische Umsetzung einen Sprung ins Hier und Jetzt. Ulf Sommer und Peter Plate setzen mit ihren Songtexten bewusst auf moderne Alltagssprache. Diese steht im starken Kontrast zu Shakespeares Dialogen, wirkt einnehmend und macht einfach Spaß. Up-Tempo-Nummern und Balladen eröffnen zugleich einen direkten Zugang zum Innenleben der Figuren: Romeo verarbeitet in „Herz schlag laut“ einen Albtraum, Julia ruft „Ich kann nicht ohne dich!“, während die Amme in „Hormone“ über die Begleiterscheinungen der eigenen Perimenopause klagt.
Beim Bühnenbild nahm Andrew D. Edwards nur kleine Änderungen am ursprünglichen Set vor. Der Glühbirnen-Himmel, der bei der intimen Begegnung von Romeo und Julia in Berlin eine besondere Atmosphäre geschaffen hat, ist nicht mit auf Tournee gegangen. Stattdessen wird die auch hier im Zentrum des zweistöckigen Bühnenaufbaus stehende Drehbühne mit Standleuchtern bestückt. So entsteht mit tourneetauglichen Mitteln eine vergleichbar schöne Stimmung. Durch ein Tor in der Mitte des Aufbaus finden Auftritte und Abgänge statt. Die zwei bespielbaren Ebenen, die einem elisabethanischen Theater nachempfunden sind, ermöglichen eine gelungene Balkonszene. Die Kostüme, ebenfalls von Andrew D. Edwards, verbinden weiterhin die Opulenz des elisabethanischen Zeitalters mit modernen Akzenten. Die Damen des Ensembles treten entgegen der historischen Vorlage ebenso wie die Herren oft in Hosen auf.

Für die Choreografien zeichnet Jonathan Huor verantwortlich. Er versteht es, die Emotionen der Songs tänzerisch zu übersetzen und die Gegebenheiten der Bühne geschickt zu nutzen. Aufwendige Gruppenkämpfe und klassisch getanzter Contemporary lassen eine besondere Dynamik aufkommen und bringen die Gefühlswelt der Figuren mit großer Wucht zum Ausdruck.
Während des ersten Aktes der Premierenvorstellung gibt es allerdings noch erhebliche technische Probleme. Die Verfolger suchen und verlieren die Solist:innen, sodass diese immer wieder im Halbdunkeln stehen. Auch der Sound (Florentin Bierwisch) weist noch seine Tücken auf, gegen die das spielfreudige und leidenschaftliche Ensemble kämpferisch ansingt. Die Band unter der Leitung von Justin Lehrmann-Friese hat bei der zunächst unglücklichen Tonabmischung kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Im zweiten Akt sind die Mikrofone schließlich rechtzeitig offen, und auch das Lichtdesign von Tim Deiling steht zuverlässig. Erst jetzt kann die Inszenierung von Christoph Drewitz ihre volle Wirkung entfalten. Auch das Ensemble scheint von da an noch eine Schippe draufzulegen:
Mats Visser ist mit der Rolle des Romeo bereits aus Berlin bestens vertraut und hat sie sich mittlerweile völlig zu eigen gemacht. Zunächst schwärmt sein Romeo offenkundig für Rosalinde, dann für Julia. Im Kreise seiner Clique wirkt er trotz seines Gefühlschaos selbstbewusst. Glaubwürdig zeichnet Visser den Bogen bis zur selbstzerstörerischen Verzweiflung nach. Gefühlvoll und leidenschaftlich interpretiert er seine Songs. Mit Laura Schatz, die als Julia ihr Rollendebüt gibt, harmoniert er besonders schön im gemeinsamen „Luftschloss“. Zart und doch frech interpretiert Schatz ihre Julia und gibt ihr viel jugendlichen Charme. Mit ihren Soli „Ich gebe dich nicht auf“ und „Ich habe keine Angst“ schafft sie besonders berührende Momente und zeichnet die junge Julia mit emotionaler Tiefe.
Beatrice Reece verleiht der Amme ausgesprochen viel Charme und Witz und füllt das einnehmende Wesen ihrer Figur mit Hingabe aus. Mit ihren Songs „Jung sein“ und „Hormone“ landet sie zwei Showstopper des Abends . Pascal Cremer zeichnet Pater Lorenzo einfühlsam und melancholisch, zugleich aber auch mit einer Portion Schalk im Nacken. Gefühlvoll interpretiert er seine Nummern „Kein Wort tut so weh wie vorbei“ und „Es tut mir leid“. Giuseppe Dulcetta beschert dem Publikum als Todesengel bereits während der Ouvertüre die erste Gänsehaut: Sein ungewöhnlicher Countertenor verleiht den emotionalsten und tragischsten Momenten des Stücks eine besondere Intensität.
Lady Capulet ist eine durchweg toxische Mutter. Sophie Mefan interpretiert sie treffsicher kühl und unerbittlich. Gemeinsam mit Fredy Kuttipurathu bildet sie ein auf erschreckende Weise stimmiges Elternpaar. Kuttipurathu legt seinen Lord Capulet dem Buch entsprechend glaubhaft hart und herzlos an. Zunächst schelmisch und hitzig zeichnet Cedric Schröter seinen Mercutio, dessen unglückliche Liebe zu Romeo in „Die Liebe kennt mich nicht“ unerwartet zart und emotional zum Ausdruck kommt. Christian Bock stellt Tybalt vor allem mit seinem Solo „Es lebe der Tod“ treffend kämpferisch und dynamisch dar. Dominik Räk verleiht Benvolio ein leidenschaftliches Profil an der Seite Romeos und Mercutios („Wir sind Verona“).
„Der Krieg ist aus“ – so lautet der Titel des ausgelassenen Finalsongs, bei dem die Darstellenden in Alltagskleidung auftreten und ihre Rollen bereits abgelegt haben. Gemeinsam fackeln sie ein letztes Mal die Bühne ab und reißen das Publikum mit. Die Aufforderung, das Kämpfen sein zu lassen und stattdessen Liebe in die Welt hinauszutragen, setzt einen versöhnlichen Schlusspunkt unter die Tragödie. Nach einem technisch holprigen Start hinterlässt die Tourproduktion damit am Ende vor allem den Eindruck einer künstlerisch starken Inszenierung.
Musik: Peter Plate, Ulf Leo Sommer, Joshua Lange
Liedtexte: Peter Plate, Ulf Leo Sommer
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Choreografie | Jonathan Huor |
| Regie | Christoph Drewitz |
| Lichtdesign | Tim Deiling |
| Kostüm- und Bühnendesign, Co-Regisseur | Andrew D. Edwards. |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 12.08.2026 - 23.08.2026 | Philharmonie, Köln | 15 x |
| 26.08.2026 - 25.10.2026 | Capitol Theater, Düsseldorf | 63 x |
| 10.11.2026 - 22.11.2026 | Deutsches Theater, München | 12 x |
| 24.11.2026 - 29.11.2026 | Theater 11, Zürich | 8 x |
| 16.12.2026 - 03.01.2027 | Alte Oper, Frankfurt am Main | 22 x |
| 06.01.2027 - 10.01.2027 | Theater am Marientor, Duisburg | 6 x |
| 12.01.2027 - 16.01.2027 | Festspielhaus, Baden-Baden | 4 x |
| 19.01.2027 - 24.01.2027 | Metropol Theater, Bremen | 7 x |
| 27.01.2027 - 07.02.2027 | Museumsquartier - Halle E, Wien | 15 x |
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