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Alles andere als Schiffbruch erleidet Till Naus ergreifende Inszenierung über eines der größten Unglücke der Menschheitsgeschichte. Im Chemnitzer Opernhaus gerät der Musical-Abend um die dramatische Jungfernfahrt der „Titanic“ auch wegen des fantastischen Casts zu einem Triumph.
Zwischen blubbernden Luftblasen sinken langsam ein Schuh, ein Stuhl, ein Tisch und ein Teddybär auf den Meeresboden hinab. Danach erscheinen auf der die Bühne verschließenden Projektionsfläche die sieben Lettern T-I-T-A-N-I-C. Momme Hinrichs Video zur Ouvertüre erinnert in seiner Ästhetik stark an einen Vorspann zu einem klassischen James-Bond-Film.
In den kommenden drei Stunden orientiert sich auch Till Naus Inszenierung des Schiffskatastrophen-Musicals an dieser cineastischen Optik. Die rotierende Drehbühne sowie auf- und abwärts fahrende Hubpodien vor großformatigen Video-Schwenks von wogenden Wellen oder funkelnden Sternen im Hintergrund unterstreichen die filmische Illusion. Mit wenigen Versatzstücken und herabfahrenden Wänden ermöglicht das Bühnenbild, das ebenfalls von Momme Hinrichs stammt, schnelle Szenenwechsel. Besonders eindrucksvoll gelingt dabei nicht nur der schicksalhafte Zusammenstoß mit dem riesigen, auf den Bühnenvordergrund projizierten Eisberg. Auch der finale Untergang der „Titanic“ mit seinen stark angeschrägten Hubpodien auf der mit Nebelschwaden überzogenen, leeren Drehbühne ist beklemmend.
Anders als in James Camerons ebenfalls im Jahr 1997 erschienen Kino-Blockbuster, konzentriert sich die knapp ein halbes Jahr zuvor uraufgeführte Musical-Fassung nicht auf ein einzelnes Liebespaar, sondern widmet sich den Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten an Bord. Regisseur Till Nau meistert bravourös diese Mammut-Aufgabe und zeigt in liebevoller wie individueller Personenführung unter anderem hoffnungsvolle Auswanderer, wohlhabenden Geldadel, pflichtbewusstes Kabinenpersonal und erfahrene Schiffsoffiziere. Jede Figur ist getrieben von eigenen Träumen, Eitelkeiten und Gefühlen. Der unbeschwerten Euphorie über die „Titanic“-Jungfernfahrt von Southhampton nach New York im ersten Akt weicht nach der Pause die bittere Gewissheit einer unausweichlichen Katastrophe zwischen herzzereißendem Abschied und kollektiver Pflichterfüllung. Naus Inszenierung ist nicht nur menschelnd und berührt zutiefst, sie greift auch die unfairen Bedingungen der dritten Klasse, den unbeugsamen Technikglauben und den Überlebenskampf von Passagieren und Personal emotional greifbar auf. Als Choreograf gelingen Nau zudem packende Massenszenen und eine dem Tanz auf dem Vulkan gleichende Ragtime-Nummer mit Steppeinlage auf dem Sonnendeck.
Conny Lüders Kostümbild berauscht mit schnieken Uniformen für Offiziere sowie glitzernden Abend-Roben und überbordenden Hutkreationen für die Upperclass. Die Passagiere der dritte Klasse charakterisiert sie über rustikale Karo-Muster. Allerdings wirken die Mitreisenden vom Unterdeck in ihren frisch gestärkten, weißen Blusen und Hemden und ordentlich frisierten Haaren ebenso unglaubwürdig overdressed wie die frisch herausgeputzten Männer, die im Maschinenraum schuften und Kohlen schippen.
Maury Yestons Partitur, eine abwechslungsreiche Mischung aus sinfonischen Klängen zwischen Melodram, Oratorium und schmachtenden Balladen, ist bei der groß besetzten Robert-Schumann-Philharmonie in den besten Händen. Als musikalischer Kapitän am Pult führt Kens Lui in der besuchten Vorstellung seine Musiker in den sicheren Hafen einer vielschichtig ausgewogenen musikalischen Begleitung.
Bis in die Nebenrollen hinein glänzt die Chemnitzer Aufführung mit einem gesangsstarken, ausgewogenen Cast aus Mitgliedern des Opernchores, des hauseigenen Musiktheater-Ensembles und gastverpflichteten Musical-Darstellern. Auch wenn es unfair ist, einzelne Protagonisten hervorzuheben, hat rein vorlagenbedingt Karen Helbing als Zweite-Klasse-Passagierin Alice Beane, die immer wieder die Nähe der Millionäre sucht, darstellerisch die dankbarste Rolle. Gesanglich springt sie zudem für die indisponierte Sylvia Schramm-Heilfort ein, die die Rolle der Ida Straus nur szenisch darstellt. Auf der Suche nach einem Mann stellt Anna Langner als Kate McGowan, die ebenso wie Lisa-Marie Rettenbacher (Kate Murphy) und Alina Simon (Kate Mullins) hoffnungsvoll von einem Neuanfang in Amerika träumt, dem Objekt ihrer Begierde (Felix Santangelo als fescher Jim Farrell) den Heiratsantrag gleich selbst.
Frank Joseph Winkels fordert als hartbesaiteter Reeder Bruce Ismay mit Nachdruck eine Atlantik-Überquerung in sechs Tagen. Auch im Angesicht der Katastrophe verliert er seine Koste-es-was-es-wolle-Mentalität nicht und sichert sich skrupellos mit einer Pistole in der Hand den letzten freien Platz in einem Rettungsboot. Jannik Harneit als besessener Funker-Nerd Harold Bride begeistert mit seinem schönen Musical-Tenor ebenso wie Lucas Baier als schwärmerisch verliebter Heizer Frederick Barret und André Naujoks als frierender Ausguck Frederick Fleet im Krähennest. Lukas Witzel ist ein von Selbstzweifeln zerfressener „Titanic“-Konstrukteur Thomas Andrews. Wenn Felix Rohleder in der Rolle des 1. Offiziers William Murdoch „Die Last des Kapitäns“ singt, verwandelt sich seine persönliche Vorsicht in spürbare Verantwortung für Mensch und Schiff. Als Kapitän Edward J. Smith gefällt Bernhard Hansky mit rundem Bariton, der kurz vor dem beruflichen Ruhestand die „Titanic“ völlig desillusioniert aufgeben muss.
Mit dieser „Titanic“-Produktion ist den Theater Chemnitz ein ganz großer Wurf gelungen, dessen emotionale Tiefe bewegt. Wer dieses berauschende Musical-Unglück miterleben will, sollte schnell sein. Viele der bis Juli 2027 angesetzten Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
Story und Buch von Peter Stone
Musik und Liedtexte von Maury Yeston
Orchesterarrangement von Volker Plangg
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | Benjamin Reiners Kens Lui Maximilian Otto |
| Inszenierung, Choreografie | Till Nau |
| Bühne, Video | Momme Hinrichs |
| Kostüme | Conny Lüders |
| Choreografische Assistenz | Rhys George |
| Deutsch | Wolfgang Adenberg |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 16.10.2026 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Sa, 31.10.2026 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Do, 05.11.2026 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Fr, 06.11.2026 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| So, 22.11.2026 18:00 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| So, 27.12.2026 16:00 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Sa, 02.01.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Mi, 24.03.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Do, 25.03.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Sa, 15.05.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| ▼ 5 weitere Termine einblenden (bis 11.07.2027) ▼ | |||||||||
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| So, 16.05.2027 18:00 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Sa, 03.07.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| So, 04.07.2027 18:00 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| Mi, 07.07.2027 19:30 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
| So, 11.07.2027 18:00 | Opernhaus, Chemnitz | ||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 19.09.2026 - 11.07.2027 | Opernhaus, Chemnitz | 20 x |
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