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Sascha Hawemann inszeniert einen Schwebezustand zwischen absurder Realität und Rauschfantasie, der offenlässt, ob die Figuren wirklich oder nur im Kopf des Protagonisten existieren. Die Umsetzung der Songs gelingt dabei dank eines stimmlich starken Ensembles und einer hervorragenden Band überzeugender als die der vorlagenbedingt fragmentarischen Handlung.
David Bowie und der Dramatiker Enda Walsh stricken um Lieder des britischen Musikers eine bewusst bruchstückhafte Geschichte, die Raum für Deutungsmöglichkeiten lässt. Sie spinnen damit die Handlung des Romans „The Man Who Fell to Earth“ („Der Mann, der vom Himmel fiel“) von Walter Tevis und dessen Verfilmung, in der Bowie 1976 die Hauptrolle spielte, weiter.
Ein unsterblicher Außerirdischer lebt als Thomas Newton auf der Erde. Er kam hierher, weil er Wasser für seinen Heimatplaneten suchte. Nachdem ihn seine große Liebe Mary-Lou verlassen hat, lebt er innerlich gebrochen in einer luxuriösen, aber sterilen Wohnung und verbringt seine Tage mit Alkohol, Fernsehen und Erinnerungen.

Sascha Hawemann hat sich für seine Inszenierung in David Bowies Biografie eingegraben und sieht nachvollziehbare Verbindungen zur Bühnenfigur Newton. Er nimmt Bowies Leben als Rahmen und baut etwa dessen prägenden Berlin-Aufenthalt in den 1980er Jahren, die Vorliebe für schwarze Mercedes-Limousinen und seine Faszination für „Uhrwerk Orange“ in das Bühnengeschehen ein. Ines Burisch knüpft mit ihren Kostümen an diesen Ansatz an und variiert die Outfits von Bowies Bühnenpersönlichkeiten wie Ziggy Stardust.

Wolf Gutjahr hat für Newtons Rückzugsort einen weißen Raum entworfen, der auf den ersten Blick weit wirkt, durch Kälte und Sterilität aber wieder einengt. Auf die Wände werden passend zu Situationen oder Songinhalten von Konrad Kästner gestaltete Animationen, Nachrichtenbilder und Filmausschnitte projiziert. Mal unterstreicht das die Atmosphäre, mal droht das Bildergewitter die Bühnenaktion unter sich zu begraben. Besonders gut wirkt ein Einspieler, in dem sich in einem wilden Durcheinander – wie eine grafische Darstellung unkoordinierter Synapsen – nach und nach das Gesicht einer Person bildet; die für Newton ständig präsente Mary-Lou.

Spielorte außerhalb der Wohnung werden entweder hereingeschoben oder durch die Hebebühne geschaffen. Bei den Orten liegt wieder der Schwerpunkt durch einen Probenraum und einen Backstage-Bereich bei Bowies Musikerleben oder dem Nachbau der U-Bahn-Station Kleistpark auf seiner Zeit in Berlin, nicht auf Orten, an denen diese Szenen mit den mehr oder weniger realen Figuren logisch spielen könnten. Es wird nie klar, ob die Personen um Newton herum wirklich existieren. Am realsten scheint seine Haushälterin / Assistentin Elly, die sich immer mehr Mary-Lou angleichen will, am unwirklichsten das „Mädchen“, das plötzlich in Newtons Wohnung auftaucht und eine enge Verbindung zu ihm aufbaut, sowie der bedrohliche Valentine, der am Ende zum Todesengel stilisiert wird.
Leider verfranst sich Enda Walshs Buch mit seinem reizvollen Surrealismus in Nebenhandlungen wie Ellys Eheproblemen und nicht näher erklärten Nebenfiguren, die Newton aus dem Fokus nehmen.
Selbst wenn man mit der Geschichte fremdelt – schon allein die musikalische Seite dieser Produktion lohnt den Besuch. Die siebenköpfige Band unter Leitung von Xell. schafft psychedelische Klangräume, lässt es ordentlich krachen und kann auch zartere Töne anschlagen. Der Klang ist satt und voluminös; die Singstimmen sind dazu perfekt und textverständlich abgemischt.

Nur die drei „Teenage Girls“ sind mit Musicaldarstellerinnen besetzt. Sarah Steinemer, Victoria Isabel Pfitzner und Annika Netthorn fungieren in diesen Rollen auch als mehrstimmige Backgroundsängerinnen. Alle anderen Ensemblemitglieder gehören zum Darmstädter Schauspielensemble – und ihre Stimmen sind bemerkenswert. Aleksandra Kienitz als Elly und Stefan Schuster als Valentine bedienen mehr die Rock-Schiene, während Laura Eichten als das „Mädchen“ (nicht nur) sanftere Töne anschlägt. Eichten holt aus der emotional abwechslungsreichsten Figur des Stücks auch darstellerisch viel heraus. Das „Mädchen“ gibt Newton wieder Halt und Hoffnung, sein unsterbliches Erdendasein zu verlassen, das er nur noch mit Alkohol erträgt. Sebastian Graf lässt die Qualen hinter Newtons Apathie spürbar werden und überzeugt mit rauem Gesang.
Enda Walsh hat seinen Charakteren nicht viel Hintergrund und Komplexität gegeben. Doch das Darmstädter Ensemble holt durch Präsenz und Ausdrucksstärke mehr heraus, als ihnen der Autor mitgibt.

Sascha Hawemann nannte das Stück im Podcast des Staatstheaters „eine Kopfgeburt“. Verkopft ist auch seine Inszenierung. Sie ist gut durchdacht, aber ohne Hintergrundwissen lässt vieles das Publikum ratlos zurück.
„Lazarus“ ist keine leichte Musicalkost. Traum, Fieberzustand oder Alkoholfantasie? Auch Bowie und Walsh entziehen sich einer genauen Erklärung. Am Staatstheater Darmstadt überzeugt das Stück musikalisch jedenfalls auf ganzer Linie.
Ein Musical von David Bowie und Enda Walsh
Nach dem Roman „The Man Who Fell To Earth“ von Walter Tevis
Deutsch von Peter Torberg
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inszenierung | Sascha Hawemann |
| Musikalische Leitung | Xell . |
| Bühne | Wolf Gutjahr |
| Kostüm | Ines Burisch |
| Video | Konrad Kästner |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mädchen | Laura Eichten |
| Newton | Sebastian Graf |
| Elly | Aleksandra Kienitz |
| Michael / Zach | Thorsten Loeb |
| Teenage Girl 3 | Annika Netthorn |
| Teenage Girl 2 | Victoria Isabel Pfitzner |
| Ben | Hubert Schlemmer |
| Valentine | Stefan Schuster |
| Teenage Girl 1 / Maemi | Sarah Steinemer |
| Band | Amanuel Abato Thea Florea Katharina Groß Elija Kaufmann Luca Micetta Gesa Schulze Karoline Vogt |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 30.05.2026 19:30 | Staatstheater, Darmstadt | |
| Fr, 12.06.2026 18:00 | Staatstheater, Darmstadt | |
| Do, 25.06.2026 19:30 | Staatstheater, Darmstadt | zum letzten Mal 2025/26 |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr, 24.04.2026 19:30 | Staatstheater, Darmstadt | Premiere |
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