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„Shockheaded Peter“ gehört zu den ungewöhnlicheren Musicalstoffen. Basierend auf Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ formt die britische Band The Tiger Lillies gemeinsam mit Julian Crouch und Phelim McDermott daraus eine sogenannte „Junk Oper“, die die bekannten Moritaten in eine groteske, musikalisch eigenwillige Bühnenfassung überführt. Die Musik bewegt sich dabei zwischen düsterem Cabaret, Zirkusklängen und bewusst schrägen Arrangements und verbindet schwarzen Humor mit morbider Bildsprache.
Die Oldenburger Inszenierung greift diesen Ansatz auf und entwickelt daraus eine eigene Mischung aus düsterem Märchen und makaberer Komik. Durch zusätzliche musikalische Elemente und eine erweiterte Figurenzeichnung entsteht ein Abend, der visuell stark geprägt ist und darstellerisch überzeugt, auch wenn nicht jeder inhaltliche Ansatz konsequent ausgearbeitet wird.
Regisseurin Milena Paulovics entwickelt eine Lesart, die die bekannten Episoden enger miteinander verknüpft und ihnen durch die stärkere Einbindung der Elternfiguren eine zusätzliche Ebene verleiht. Dadurch entsteht ein roter Faden, der über die reine Abfolge einzelner Geschichten hinausgeht. Ansätze, die Vorlage kritisch zu hinterfragen, sind vorhanden, tauchen jedoch nur punktuell auf und verlieren sich schnell wieder, wodurch sie eher wie eingestreute Kommentare wirken als wie ein tragendes Motiv.
Besonders prägend ist das Bühnen- und Kostümbild von Pascale Arndtz. Ein perspektivisch verzerrter Raum in dunklen Tönen mit kratzartigen Strukturen an den Wänden schafft eine dauerhaft unruhige Atmosphäre. Stühle haften an den Wänden, werden gelöst und wieder dorthin zurückgesetzt, als folgten sie einer eigenen Logik. LED-Streifen durchziehen das Bühnenbild und sorgen in Kombination mit Projektionen für schnelle Wechsel der Bildwelten. Innerhalb weniger Momente verwandelt sich die Bühne in eine Unterwasserlandschaft oder scheint in Flammen zu stehen.
Neben diesen großflächigen Effekten setzt die Inszenierung auch auf kleinere, bewusst spielerische Einfälle. So zieht während der Szene um Hanns Guck in die Luft ein ferngesteuerter Hai-Ballon über die Bühne, der das Geschehen um eine absurde, fast schon slapstickhafte Dimension erweitert und den Humor der Inszenierung unterstreicht, auch wenn er in der besuchten Vorstellung kurz ein Eigenleben entwickelt.
Übergroße, ferngesteuerte Augen, die blinzeln, verstärken den unheimlichen Eindruck zusätzlich. Auch die Kostüme greifen diese Bildsprache auf. Auffällige Haarfarben sorgen für Wiedererkennbarkeit, während Tiermasken den grotesken Charakter der Inszenierung unterstreichen.
Die Choreografie von Lester René González Álvarez verbindet darstellerischen Ausdruck mit klaren Bewegungsbildern. Besonders einzelne Rollen profitieren von körperbetonten Momenten und akrobatischen Elementen, die sich stimmig in das Gesamtbild einfügen. Ergänzt wird dies durch ein Lichtdesign von Steff Flächenhaar, das die visuellen Effekte gezielt unterstützt und verstärkt. Die Tonarbeit von Nils Wendelken und Dierk von Domarus trägt die musikalische Umsetzung zuverlässig, auch wenn die wenigen englischsprachigen Passagen nicht immer die gleiche Verständlichkeit erreichen wie die deutschen.
Musikalisch geht die Inszenierung eigene Wege. Neben überwiegend deutschen Übersetzungen der Songs kommen zusätzliche Titel zum Einsatz, etwa aus dem deutschsprachigen Popbereich. Diese Erweiterungen fügen sich größtenteils in die Originalgeschichte ein und wirken trotz des stilistischen Bruchs mit dem morbiden, kabarettistischen Sound von The Tiger Lillies überraschend organisch. Unter der musikalischen Leitung von Jochen Kilian entsteht ein voller Klang, getragen von einer vierköpfigen Band, die den Abend sicher begleitet und den Gesang der Darsteller stützt.
Die Besetzung präsentiert sich geschlossen stark und trägt den Abend mit spürbarer Spielfreude durch die unterschiedlichen Tonlagen des Stücks. Dabei gelingt es dem Ensemble, die Mischung aus groteskem Humor und düsteren Momenten glaubhaft auszubalancieren.
Franziska Werner übernimmt als Theaterdirektorin die zentrale Klammer des Abends. Sie führt durch die einzelnen Episoden und hält sie zusammen, ohne dabei an Präsenz zu verlieren. Ihre Darstellung bewegt sich sicher zwischen unheimlicher Ausstrahlung und bewusst überzeichnetem Humor, wodurch sie die verrückte Stimmung der Inszenierung maßgeblich prägt.
Konstantin Gries ist in mehreren Rollen zu sehen, darunter Struwwelpeter, Suppenkaspar, Hund, Maunz und als Teil der bösen Buben. Er setzt stark auf eine schräge, überdrehte Spielweise, die gut zum Ton des Abends passt. Die Figuren sind klar voneinander abgegrenzt, ohne ihre gemeinsame stilistische Grundlage zu verlieren.
Tamara Theisen überzeugt als Paulinchen und als Struwwelpeters Mutter. Besonders als Paulinchen entwickelt sie eine energiegeladene, selbstbewusste Präsenz, die der Figur eine eigene, fast rebellische Note verleiht. Gesanglich überzeugt sie mit einer kraftvollen Stimme, die sich mühelos gegen die Band und im Raum durchsetzt.
Klaas Schramm gestaltet den Vater von Struwwelpeter sowie den Jäger mit starkem komödiantischem Gespür. Obwohl die Figur inhaltlich eine tragische Dimension trägt, setzt er gezielt auf humorvolle Momente und lockert damit die düstere Grundstimmung immer wieder auf. Sein Timing sorgt dafür, dass viele Szenen sofort eine klare Wirkung entfalten.
Helen Wendt ist als Zappelphilippa, Suppenkaspars Mutter, Minz und Hasenkind zu sehen und überzeugt vor allem durch ihre körperliche Präsenz. Neben dem schauspielerischen Spiel bringt sie eine ausgeprägte Beweglichkeit ein, die sich in tänzerischen und akrobatischen Elementen zeigt und den Szenen zusätzliche Dynamik verleiht.
Hagen Bähr übernimmt unter anderem die Rollen von Hanns Guck in die Luft, einem der Väter von Zappelphilippa sowie weitere Ensemblefiguren. Er überzeugt mit klarer Figurenführung und einer soliden stimmlichen Leistung, die sich gut in das Gesamtbild einfügt.
In einer Vielzahl von Rollen stellt Paul Enev seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Ob als Konrad oder Friederich – er stattet jede Figur mit individuellen Eigenheiten aus, was bei der Menge an Charakteren maßgeblich dazu beiträgt, dass die einzelnen Episoden ihre jeweils eigene Farbe behalten.
Insgesamt überzeugt die Oldenburger Produktion durch ihre klare visuelle Handschrift, ein starkes Ensemble und eine gelungene Mischung aus Grusel und Humor. Die Erweiterung des Stoffes bringt zusätzliche Tiefe, auch wenn nicht alle inhaltlichen Ansätze konsequent weitergeführt werden.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Regie | Milena Paulovics |
| Bühne und Kostüme | Pascale Arndtz |
| Musikalische Leitung | Jochen Kilian |
| Choreografie | Lester René González Álvarez |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Theaterdirektorin / Jägersfrau | Franziska Werner |
| Struwwelpeter / Suppenkaspar / Hund /Maunz / Böhze Buben | Konstantin Gries |
| Paulinchen / Struwwelpeters Mutter | Tamara Theisen |
| Struwwelpeters Vater / Jäger | Klaas Schramm |
| Zappelphilippa / Suppenkaspars Mutter / Minz / Hasenkind | Helen Wendt |
| Hans-guck-in-die-Luft / Zappelphilippas 1. Vater / Hase / Böhze Buben | Hagen Bähr |
| Konrad / Friedrich / Fliegender Robert / Suppenkaspars Vater / Zappelphilippas 2. Vater / Hase / Böhze Buben | Paul Enev |
| Band | Jochen Kilian Christin Neddens Jonathan Maag Felix Behrendt |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 29.05.2026 20:00 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| So, 31.05.2026 18:30 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| Do, 11.06.2026 20:00 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| So, 21.06.2026 18:30 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| Di, 23.06.2026 20:00 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | |
| So, 28.06.2026 18:30 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | zum letzten Mal 2025/26 |
| Mi, 07.10.2026 20:00 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | Wiederaufnahme |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 25.04.2026 - 07.10.2026 | Kleines Haus des Staatstheaters, Oldenburg | 11 x |
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