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Actionreich, emotional und kurzweilig: Nach langer Abwesenheit von deutschen Bühnen feiert „Rocky“ mit seiner ersten Open-Air-Inszenierung überhaupt ein gelungenes Comeback. Atmosphärische Nachzeichnungen ikonischer Filmszenen, eine starke Figurenführung und intensive Darbietungen sorgen für einen mitreißenden Abend. Allen voran überzeugt Lucas Baier als Rocky Balboa mit einer schlagkräftigen Performance.
„Es gibt Stoffe, die man nicht erklären muss, Stoffe, die einfach wirken, und Rocky ist so ein Stoff“, sagt Markus Söllner, Intendant der Freilichtspiele Tecklenburg. In der Tat ist die Erfolgsstory von Sylvester Stallones Paraderolle schon durch die sechs Filme zwischen 1976 und 2006 sowie die drei Ableger über seinen Rivalen Apollo Creed offenkundig. Das Musical von Stephen Flaherty und Lynn Ahrens („Anastasia“) mit einem Buch von Thomas Meehan und Stallone höchstselbst dagegen ist bisher kein globaler Megahit geworden; es steht mit knapp 200 Aufführungen am Broadway und kurzen Intermezzi in Brasilien und Tschechien eher im Schatten seines Kino-Erbes. In Deutschland allerdings, wo Stage Entertainment das Musical für Hamburg in den Ring warf, erfreut sich das Stück über den ersten Teil der Rocky-Saga ungebrochener Beliebtheit, sodass die Ankündigung der Freilichtspiele Tecklenburg große Wellen schlug. Seit der Uraufführung 2012 mit einem bis heute für seine Darstellung gefeierten Drew Sarich und dem darauf folgenden Transfer nach Stuttgart ward das Stück nicht mehr auf den hiesigen Bühnen gesehen. Jetzt kommt es inhaltlich gestrafft und umstrukturiert auf Deutschlands renommierteste Freilichtbühne – und die atmosphärische Übertragung gelingt über weite Strecken gut.
Janina Niehus hat ein Händchen dafür, Emotionen und klare Charakterzeichnungen aus dem Stoff herauszukitzeln. Wolfgang Adenbergs und Ruth Denys deutschsprachige Texte sprühen vor Authentizität, Charme und Witz und zeigen in den balladenhaften Soli Tiefgang, was Niehus bei ihrer Ausgestaltung in die Karten spielt. Motive und Motivationen werden klar herausgearbeitet und tragen durch den kurzweiligen Abend, der weniger durch seine Kompositionen als durch die starken Darbietungen besticht. Die zwischen beliebiger Musicalnummer, Showmelodien und einigen wenigen dem Werk inhärenten Ohrwürmern changierende Partitur wird unter Giorgio Radojas Leitung souverän vertont und gewinnt durch die im Vergleich zur Uraufführung aufgestockte Band orchestrales Format und klangliche Tiefe. Das Sounddesign von Claudio Meyer und Sven Treeß ist in den ikonischen Trainings- und Endkampfszenen wuchtig und mitreißend, könnte aber zugunsten der Verständlichkeit der Darstellenden gerade in trubeligen Szenen noch etwas nachjustiert werden.
Das Lichtdesign von Niehus funktioniert freilichtbedingt vor allem ab dem zweiten Akt gewinnbringend und rahmt die großen, heroischen Rocky-Szenen sowie die exaltierten Showmomente um Apollo Creed stimmungsvoll ein. Zuweilen allerdings ist der Blickfokus auf das jeweilige Geschehen im Zentrum gerade bei zweigeteilten Szenen oder Gruppenmomenten nicht immer eindeutig. Das mag zum Teil an der etwas unentschlossen wirkenden Lichtführung liegen, andererseits aber auch daran, dass sich ein Großteil der Szenen auf den hinteren Bühnenteilen entfaltet und sich das Ensemble selten nach vorne spielen darf. Die Szenen auf der Vorderbühne sind für Auge und Ohr umso effektvoller, sodass in diesen Episoden eine fast schon immersive Intensität vom Kampfring ins Publikum überschwappt.
Das vielleicht größte Highlight sind die Kampfchoreographien, die nicht nur energetisch, packend und dynamisch, sondern vor allem verblüffend realistisch wirken – hier kommt der Choreographie von Faye Heather Anderson und Alec Agalarov auch Lucas Baiers Expertise zugute, der zusammen mit Fight Captain Mathias Meffert die Kämpfe als Fight Coordinator dramaturgisch wirkungsvoll ablaufen lässt, ohne an sportlicher Authentizität einzubüßen. Durch diese bemerkenswerte Gruppenleistung von Choreographie, Kampfkoordination, Licht, Regie und den ausführenden Darsteller:innen wird das große Finale des Musicals – der Kampf „Balboa vs. Creed“ – zum mitreißendsten Moment der Inszenierung, bei dem das Publikum das Geschehen gebannt verfolgt – beinahe wie die TV-Liveübertragung der an diesem Abend parallel stattfindenden Fußball-WM.
Auch die Tanzchoreographien von Anderson und Agalarov sind mithilfe von Dance Captain Jan Altenbockum stimmungsvoll in den Abend eingewoben und kommen vor allem in den Ensemblenummern wie „Patriotisch“, „Dieser Mann“ sowie den beiden bekannten Filmsongs „Eye of the Tiger“ und „Gonna Fly Now“ zur vollen Geltung: Sie verbinden klassischen Showtanz nach amerikanischem Vorbild mit modernen Elementen und großzügig eingebrachten, organischen Kampfkunstabläufen. Ein starker visueller Pluspunkt ist, wie gut Regie und Choreographie in den Gruppenszenen ineinandergreifen: Wenn die Bühne durch den von Gülfidan Söylemez einstudierten Chor gefüllt ist, wird sie durch Bewegungen, Interaktionen und spürbare Intentionen überaus lebhaft, sodass das Philadelphia der 70er aus dem Dornröschenschlaf erweckt wird.
Neben Fabienne Anks differenziertem, den Geist der Vorlage einfangendem und die unterschiedlichen Lebenswelten der Figuren widerspiegelndem Kostümkonzept hat auch Jens Jankes Bühnenbild großen Anteil. Er erschafft ein Konzept, das die Stadt wie ein Puppenhaus wirken lässt. Durch Aufklappen oder -schieben werden hinter den Graffiti-besprühten Fassaden im Zentrum der Hinterbühne die Wohnungen und Büros der Hauptfiguren – Adrian, Apollo und Paulie – sichtbar, die mit Liebe zum Detail ausgestattet sind und sich in ihren Farbkonzepten unterscheiden. Auf der linken Seitenbühne befindet sich Glorias Haustierbedarfsladen, der detailverliebt ausgestattet ist und für zahlreiche Szenen mit Adrian als Schauplatz dient. Auf der rechten Seitenbühne wird das Boxstudio von Mickey Goldmill durch Spinde, Boxsäcke und seine Schützlinge lebendig – ein Fokuspunkt für viele Rocky-Szenen, sodass beiden Hauptfiguren gewissermaßen gegensätzliche Spielseiten zugewiesen werden, die im liebevollen Heim in der Bühnenmitte zusammenkommen.
Auch die bekannte Schlittschuhfahrepisode, der ulkige Schlachthaus-Part und die ikonische Trainingsszene, in der Rocky die Treppen des Kunstmuseums von Philadelphia hinaufsprintet, werden mit einfachen Mitteln wirkungsvoll dargestellt. Zwei schiebbare Treppenpaare, die den Zugang zu den Wohnungen der Protagonist:innen gewähren, dienen zudem zur Trennung von Spielräumen und bekommen in der wohl bekanntesten Rocky-Szene ihren dramaturgisch wirkungsvollsten Auftritt, als sie sich durch eine wie von Geisterhand erscheinende, bis zur höchsten Stelle der Freilichtbühne emporragende Treppe erweitern und Balboas Trainingshöhepunkt umso triumphaler erscheinen lassen.Die zahlreichen Nebenfiguren zwischen Ringrichter, Apollos Trainings- und Cheerleading-Team und zwielichtigen Geldeintreibern werden durch das Ensemble hervorragend abgedeckt. Besonders bleibt Franziska Wagner als komödiantisch effektvoll überzeichnete Journalistin Linda in Erinnerung. Auch Lara Schitto und Gioia Heid als Freundinnen Angie und Joanne hinterlassen einen heiteren Eindruck. Wenn das Apollo-Girl-Ensemble und das Boxer-Ensemble ihre jeweiligen Gruppennummern unisono mit ihren Showtanz- und Box-Einlagen anstimmen, entstehen wohlige Gänsehautmomente.
Esther-Larissa Lach als heitere und lebensbejahende Gloria verkörpert die Ankerfigur für Adrians und Paulies Motivationen darstellerisch energiegeladen und gesanglich makellos – ihr „Philly Pie“ erntet zurecht großen Applaus. Benjamin Eberling spielt Mickey Goldmill, den über 70-jährigen, ruppigen Trainer mit dem Herz am rechten Fleck, facettenreich; sein Solo „Im Ring“, in dem er über Niederlagen und Hoffnung erzählt, berührt. Eberling und Lach verkörpern Mentorenrollen für die beiden Protagonist:innen und füllen sie mit Herzenswärme und Bestimmtheit aus. Apollo Creed wird durch die Interpretation von Vic Anthony als charmanter Gegenspieler des Italian Stallion lebendig, der in den großen, seine Figur und den amerikanischen Patriotismus zelebrierenden Shownummern Charisma entfacht und die explosive Energie des Endkampfes souverän spiegelt.
Gerben Grimmus ist ein Charakterdarsteller erster Güte: Er verkörpert Adrians problembeladenen Bruder Paulie mit großer Nuanciertheit und schauspielerischem Tiefgang als einen durch Alkoholsucht und Kindheitstraumata geformten Mann mit kindlich-optimistischer Seite, dem es letztlich gelingt, aus der Spirale der Gewalt und des Trübsinns auszubrechen. Was sich in der Trennung von Gloria langsam aufbaut, lässt Grimmus in der Konfrontation mit Rocky und seiner Schwester an Weihnachten so eindrucksvoll kulminieren, dass den Zuschauenden der Atem stockt. Celena Pieper kreiert eine Adrian, die sich anfangs nicht nur durch gesellschaftliche Erwartungen, sondern auch durch lange ausgehaltenen familiären Druck leiten lässt, um zu einer selbstbewussteren Frau zu reifen, die trotz ihres introvertierten Charakters lernt, zu dem zu stehen, was sie im Leben für wichtig hält. Ihr Solo „Wenn es weiter regnet“ interpretiert sie gefühlvoll und berührt damit tief. Zu „Vorbei“ erschafft Pieper einen Showstopper: Gesanglich und emotional schöpft sie aus den Vollen und lässt innerhalb eines Liedes ihre Figur erwachsen werden und sich von ihrem Bruder emanzipieren – zurecht erntet dieses Lied den größten Szenenapplaus für eine Gesangsleistung.
Lucas Baier als Rocky erweist sich als Idealbesetzung. Offenkundig ist ihm das Boxen eine Herzensangelegenheit, und er interpretiert seinen Rocky mit Ecken und Kanten: ein Vollblutsportler auf Abwegen, der seine Unzufriedenheit mit sich selbst überkommt und auch durch Adrian zu einem aufrichtigeren Leben findet. Immer einen witzigen Spruch parat und selbstironisch mit seinen nicht gerade hochtrabenden geistigen Fähigkeiten umgehend, legt er durchaus Selbstsicherheit an den Tag, wenn es um das geht, wofür er neben seiner Liebe zu Adrian brennt: den Boxsport und das Überwinden körperlicher Grenzen. All diese Facetten füllt Baier mit authentischem Schauspiel und einer beeindruckenden sportlichen Ausdauer. Seine Verkörperung des Rocky Balboa wirkt so nahbar, als sei ihm die Rolle auf den Leib geschneidert – einen Vergleich mit Sylvester Stallone und Drew Sarich muss er keineswegs scheuen. Neben seinem berührenden Duett „Wahres Glück“ sorgt er vor allem mit seinem stimmgewaltigen Solo „Standzuhalten“ auch gesanglich für Begeisterung.
Eine gelungene Neufassung des Musicals, die durch starke und authentische Darbietungen gesanglich, schauspielerisch und choreographisch eine mitreißende Wirkung entfaltet – Rocky, fight from the heart!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | Janina Niehus |
| Musikal. Leitung | Giorgio Radoja |
| Choreografie | Faye Heather Anderson Alec Agalarov |
| Bühnenbild | Jens Janke |
| Kostüme | Fabienne Ank |
| Maske | Philip Hager |
| Regieassistenz | Michael Berres |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Rocky Balboa | Lucas Baier (Jürgen Brehm) |
| Adrian Pennino | Celena Pieper (Lisa Kolada) |
| Apollo Creed | Vic Anthony |
| Mickey Goldmill | Benjamin Eberling |
| Paulie Pennino | Gerben Grimmius |
| Gloria | Esther-Larissa Lach |
| Joanne | Gioia Heid |
| Angie | Lara Schitto |
| Gazzo | Mathias Meffert |
| Jergens | Jan Altenbockum |
| Buddy | Tim Grimme |
| Shirley | Lisa Kolada |
| Linda | Franziska Wagner |
| Spider Rico | Jürgen Brehm |
| Mike / Tony Leonardo | Christian Rosprim |
| Dipper | Daniel Délyon |
| Apollos Trainer | Christian Julios |
| Bob Dunphy | Niklas Roling |
| Tommy Crosetti | Tillmann Schmuhl |
| Ringrichter | Henk Nagel |
| Apollo Girl | Myriam Akhoundov Anneka Dacres Lara de Toscano Annika Hagen Melissa Laurenzia Peters Julia Waldmayer |
| Swing | Michael Berres |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 03.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 04.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| So, 05.07.2026 19:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Fr, 10.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 11.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| So, 12.07.2026 19:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Fr, 17.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 18.07.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 01.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| So, 02.08.2026 19:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| ▼ 8 weitere Termine einblenden (bis 30.08.2026) ▼ | |||||||||
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| Do, 06.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Fr, 07.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 15.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| So, 16.08.2026 19:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Do, 20.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Fr, 21.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| Sa, 29.08.2026 20:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | ||||||||
| So, 30.08.2026 19:00 | Freilichtspiele, Tecklenburg | Dernière | |||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 19.06.2026 - 30.08.2026 | Freilichtspiele, Tecklenburg | 24 x |
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