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Regisseurin Solvejg Bauer verlegt den Musicalklassiker in eine postapokalyptische Welt nach einer nuklearen Katastrophe und macht den Kampf um Lebensraum in einem Bunker zum zentralen Konflikt. Ein spannender Ansatz, der vom Publikum von Anfang an Aufmerksamkeit erfordert.
Der Bunker ist in verschiedene Ebenen aufgeteilt, die in Christian Helds Bühnenbild durch ein Gerüst dargestellt werden. In der untersten, der Bühnenebene, lebt die weiße Bevölkerung. Die Jets (von Kostümbildnerin Gesa Gröning in helle, kalte Farben gekleidet) behaupten dieses Territorium für sich. In der obersten Bunkerebene – nah an der Erdoberfläche, die nur noch mit Schutzanzug und Gasmaske betreten werden kann – lebt auf engem Raum die migrantische Gruppe (Kostüme in dunkleren, kräftigeren Farben), deren Gang, die Sharks, immer wieder versucht, in die weniger verstrahlte untere Ebene vorzudringen. Für Ordnung sorgen wenig zimperliche Polizisten, die auch nicht viel für die perspektivlosen jugendlichen Jets übrighaben, sie gegenüber den Sharks aber bevorzugen.
Die verschnörkelte Schlossfassade, die sich sonst gern dominant im Hintergrund behauptet, gerät fast in Vergessenheit. Die Balkonbrüstung ist verkleidet und wirkt wie aus Beton, die Zugänge zum Schloss werden zu Panzertüren, der zentrale Eingang zu einem Schacht, in dem die Leichen von Riff und Bernardo entsorgt werden. Von solchen intensiven Bildern gibt es in Solvejg Bauers Inszenierung einige: Etwa Anita, die wütend das von ihr für Maria geschneiderte Ballkleid zerreißt, Maria und Anita an Bernardos Leiche oder Marias verzweifelter Versuch, den toten Tony in eine Umarmung zu bringen.
Leider gibt es im Programmheft keinerlei Hinweis auf Bauers Interpretation. Vor Beginn der Aufführung patrouillieren Polizisten auf der Bühne und ein Mann im Schutzanzug dekontaminiert den Balkon. Das Konzept erschließt sich daher nicht unmittelbar und verlangt dem Publikum von Beginn an Aufmerksamkeit ab.
Trotzdem verläuft die Kerngeschichte so, wie man sie kennt und erwartet – mit mehr oder weniger kleinen Verschiebungen in einigen Figuren. Graziella (Charlotte Beba), eigentlich nur schmückendes Beiwerk der Jets, ist ein vollwertiges Mitglied der im Grunde wenig sympathischen Gruppe; schon zu Beginn belästigen sie eine Passantin. Maria (Paulina Rodriguez Busquets) ist kein behütetes, naives Mädchen, das sich im Lauf der Handlung entwickelt, sondern tritt von Anfang an selbstbewusst auf. Auch das erste Zusammentreffen mit Tony auf dem Ball ist kein verstohlener Flirt. Maria zeigt direkt deutlich, dass sie an ihm interessiert ist. Und Tony ist nicht der brave Junge, wie man ihn aus anderen Produktionen kennt. Denis Riffel lässt wenig Zweifel daran, dass seine Figur, als sie noch Mitglied der Jets war, keinem Streit aus dem Weg ging und es ist ihm auch zuzutrauen, dass er welche angezettelt hat. Trotz der raueren Zeichnung, ist Riffels Ton wie von der Figur gewohnt lyrisch. Er meistert mit heller, klarer Stimme die berüchtigt hohe Parte.
Die rollengerecht aus Puerto Rico stammende Paulina Rodriguez Busquets steht Riffel stimmlich in nichts nach. Ihr klassischer Sopran harmoniert ganz wunderbar in den Duetten mit Riffels Gesang. Auch die Emotionen nimmt man ihnen ab – ein perfektes „West Side Story“-Paar.
Leander Bertholdt gibt den charismatischen Riff mit sicherem Auftreten, Ida Götz setzt als akrobatische Anybody’s markante Akzente. Als Anita verbindet Manar Elsayed große Bühnenpräsenz mit emotionaler Glaubwürdigkeit.
„Irgendwo“ wird in dieser Produktion von Marias Bräutigam und Tonys Mörder Chino (Maram El Dsoki in einer Hosenrolle) mit warmer Stimme und bedrohlicher Körpersprache interpretiert. Das Buch behandelt ihn stiefmütterlich als dramaturgisch funktionale Figur, der wenige Auftritte und wenig Text zugestanden werden. Bauer lässt ihn das Lied von der Hoffnung auf einen friedlichen Ort singen und sieht darin den Moment, in dem sich der unbeachtete junge Mann radikalisiert. Dieses „Irgendwo“ gibt es nicht mehr. Er greift zur Pistole und legt sie auch schon an. Chinos Radikalisierung zu zeigen, ist eine gute Idee. Ob „Irgendwo“ der richtige Moment ist, sei dahingestellt. Immerhin spricht der Text von „vergeben“.
Tanz ist ein wichtiger Bestandteil der „West Side Story“. In der besuchten zweiten Vorstellung werden Letícia Forattinis Choreografien vom Ensemble noch etwas zu kontrolliert ausgeführt. Forattini spielt mit aggressiver Körpersprache und bindet Kampfsport-Moves ein, immer nah an Leonard Bernsteins tückischen Rhythmen.
Bernsteins für ein umfangreiches Orchester angelegte Partitur wird in der kleineren Fassung aufgeführt. Unter Bernard Baggers Leitung klingt das Ettlinger Kammerorchester dank der Blechbläser überraschend voll. Auch die Percussion-Abteilung leistet Großes.
Solvejg Bauer wagt in ihrer letzten Inszenierung als Intendantin der Schlossfestspiele Ettlingen eine neue Sicht auf die „West Side Story“. Sie mag nicht immer leicht nachvollziehbar sein, spannend ist sie aber allemal.
Im Interview mit uns geht Denis Riffel auch auf das Regiekonzept ein. Klick einfach auf diesen Link.
Musical nach einer Idee von Jerome Robbins
Buch von Arthur Laurents
Musik von Leonard Bernstein
Gesangstexte von Stephen Sondheim
Deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | Bernhard Bagger |
| Regie | Solvejg Bauer |
| Chorografie | Letícia Forattini |
| Bühnenbild | Christian Held |
| Kostümbild | Gesa Gröning |
| Lichtdesign | Michael Grundner |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Riff / Action | Leander Bertholdt Beneon Stevenson |
| Tony | Denis Riffel |
| A-Rab | Sven Thimsen |
| Baby John | Max Hellmich |
| Graziella | Charlotte Beba |
| Anybody's | Ida Götz |
| Bernardo | Teodor Pop |
| Chino | Maram El Dsoki |
| Pepe | Maximilian Kikken |
| Indio | Maximilian Schneider |
| Maria | Paulina Rodriguez Busquets |
| Anita | Manar Elsayed |
| Rosalia | Anna Luca Faradi |
| Consuela | Aloysia Astari |
| Francisca | Nathalie Nongploi Plüss |
| Doc / Glad Hand | Nils Willers |
| Schrank | Davis Lison |
| Krupke | Thomas Kuhle |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Mi, 01.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Mo, 06.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
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| Mi, 08.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Sa, 11.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Di, 14.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
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| Mi, 22.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Do, 23.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Fr, 24.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
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| Mi, 29.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Do, 30.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Fr, 31.07.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Mo, 03.08.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | ||||||||
| Di, 04.08.2026 20:30 | Schlosshof, Ettlingen | Dernière | |||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 18.06.2026 - 04.08.2026 | Schlosshof, Ettlingen | 22 x |
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