Lange hat es gedauert, bis "Ludwig²" eine umfassende Live-Dokumentation bekommt. Mit "A Night Live in Shanghai" ist sie nun da – aufgenommen bei der konzertanten Premiere im Dezember 2024. Die Doppel-CD bringt vieles mit, was man sich lange gewünscht hat: ein großes Orchester, eine erfahrene Besetzung und den Anspruch, das Werk nahezu vollständig abzubilden. Und tatsächlich geht diese Rechnung auf – die Aufnahme überzeugt vor allem dort, wo sie sich ganz auf ihre musikalischen Stärken verlässt.
Der Film „Blue Moon“ über das Ende der Zusammenarbeit des Komponisten-Texter-Duos Richard Rodgers und Lorenz Hart, hat mich dazu gebracht, für die aktuelle Fernsehsessel-Ausgabe einen Film mit ihren Songs auszusuchen. Und dabei habe ich eine echte Entdeckung gemacht: „Love Me Tonight“ von 1932 ist ein Musical-Märchen, eine Operettenfilm-Parodie, ein Spiel mit Bild und Ton, mal geistreich, mal albern und sehr, sehr unterhaltsam. Eine mir bislang unbekannte Perle des Filmmusicals, die ich unbedingt empfehle.
Ethan Hawke glänzt als Songschreiber Lorenz Hart, der nach Team-Erfolgen mit dem Komponisten Richard Rodgers dessen Triumph mit „Oklahoma!“ – allerdings jetzt mit den Texten von Oscar Hammerstein II – verdauen muss. Der Film wirkt zwar wie elegant abgefilmtes Theater, besticht aber durch ein Drehbuch mit großartigen Dialogen und nuancierten Darstellerleistungen. Ein tragikomischer Blick in die Broadway-Geschichte.
Eine neue Fernsehsessel-Kolumne zu schreiben kann wie das Öffnen der Büchse der Pandora sein. Ich denke erst, ich sehe mir einfach einen Film an, mache ein paar Notizen, recherchiere einige Punkte nach und ruckzuck ist der Text fertig. Doch dann kommt während des Ansehens des Films der "Warte mal"-Moment. Ich stelle mir Fragen, ich wühle in Büchern und in den Tiefen des Internets und fördere immer mehr Dinge zu Tage. Diesmal kam dieser Moment, als ich mich fragte, warum ich nahezu alle Charaktere in "A Chorus Line" entweder unsympathisch oder einfach nur langweilig finde. Es muss doch einen Grund geben, warum das mal die erfolgreichste und am längsten laufende Show am Broadway war, dessen Buch sogar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Also kremple ich meine Ärmel hoch und los geht’s!
Wenn Frank Wildhorn die Bühne des Musiktheaters verlässt und seine Melodien in den Konzertsaal überführt, rückt ihre rein musikalische Erzählkraft in den Mittelpunkt. Nach großformatigen Werken wie seiner "Donau Symphonie" oder "Odessa" schlägt er mit "The Symphonic Suites" die Brücke zu seinem Schaffen für die Bühne. Während Motive aus "Dracula" und "Jekyll & Hyde" längst zum Standardrepertoire gehören, bietet die CD mit "Artus – Excalibur" und dem bisher nur in St. Gallen gezeigten "Einstein - A Matter of Time" auch für Kenner frische Impulse.
"All singing, all talking, all dancing!“ Diesmal mache ich eine Zeitreise - knapp 100 Jahre zurück ins Jahr 1929 - zum allerersten Filmmusical überhaupt. "The Broadway Melody“ war noch dazu der erste Tonfilm, der mit dem Oscar als "Bester Film" ausgezeichnet wurde, und die erfolgreichste Produktion des Jahres. Ein von der damaligen Kritik bejubelter Blick auf die Hollywood-Version der Roaring Twenties vor der Großen Depression, der durch seine neue Technik das Publikum von den Sitzen riss.
Mit der Veröffentlichung von "Maria Theresia“ dokumentiert das Label HitSquad eine Produktion, die den Wiener Musical-Herbst maßgeblich geprägt hat. Die nun vorliegende Live-Gesamtaufnahme auf Doppel-CD konserviert das Stück mit den bisher erfolgreichsten Vorverkaufszahlen einer VBW-Eigenproduktion für die heimische Sammlung. Dabei steht die Einspielung vor der Herausforderung, die moderne, temporeiche Energie...
Die virale Cartoonserie „Hazbin Hotel“, von der brandaktuell die zweite Staffel auf Amazon Prime Video erschienen ist, erweitert die Grenzen dessen, was wir als „Musical“ verstehen. Eine hochkarätige Broadway-Besetzung, originelles Storytelling, derber Humor, die solidarische Darstellung von Minderheiten und ein unverwechselbarer Animationsstil machen Vivienne Medranos Animationshit einen Blick wert.
Dezember bedeutet: Märchenzeit für mein Fernsehsessel-Programm. Zwar ist "Die tollkühne Hexe" kein Märchen im klassischen Sinn, sondern die Verfilmung eines Kinder-Fantasyromans, aber es geht um Hexen und Zauberei - das genügt mir, um in die Kategorie zu passen. Der Streifen hat eine ziemlich holprige Entstehungsgeschichte und die Disney-Studios gingen ganz schön rabiat mit ihm um, was dazu führte, dass die Songs schreibenden Sherman-Brüder nie mehr für Disneyfilme arbeiteten. Trotzdem besitzt er dank eines tollen Ensembles und der Mischung aus Real- und Animationsfilm Charme und unterhält ausgesprochen gut. Eigentlich überraschend, denn die Eingriffe und Schnitte sind unübersehbar.
„Come From Away“ hat in diesem Jahr mit der deutschsprachigen Erstaufführung am Theater Regensburg eine Sensation für die hiesige Musicallandschaft ausgelöst. Sebastian Ritschels Non-Replika-Inszenierung wurde mit hervorragenden Kritiken bedacht. Dabei trugen Sabine Ruflairs makellose Übersetzung und die intensive Darbietung der Besetzung zum großen Erfolg bei...
