Diese Compilation-Show rund um die Hits der legendären US-amerikanischen Plattenfirma bringt all die großen Hits auf die Bühne. Die Rahmenhandlung dafür ist konstruiert und unnötig, ihre musikalische Umsetzung umso grandioser.
Es soll die perfekte Hommage an das Motown-Plattenlabel werden. Deshalb proben Lance, Syd, Judy und Linda mit ihrer Band in einer Garage auf einem Abbruchgrundstück. Zack stößt wie immer zu spät zur Show-Truppe und entschuldigt dies mit absurden Argumenten. Währenddessen vermutet Linda, dass ihr Freund sie mit einer anderen betrügt. Abrupt müssen die Solisten und Musiker ihre Probe beenden, um der mit viel Getöse anrückenden Baumaschinerie samt Abrissbirne zu entkommen.
Diese von Mary Millane erdachte und von Stefanie Froer bearbeitete Handlung nervt, wirkt mit ihren aufgesetzt wirkenden Gags („Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Spaß und Spastik“) dümmlich und stört das Gesamtbild der Show. Denn auf der Bühne stehen exzellente Solisten und Musiker, die die großen Hits performen, die von Motown zwischen Ende der 1950er und den 1980ern auf Vinyl gepresst und erfolgreich verkauft worden sind.
Es ist ärgerlich, dass die Produzenten von „Motown – die Legende“ die gesamte Show nicht das sein lassen, was sie eigentlich ist: ein wirklich gut gemachtes Best-of-Konzert, bei dem die Interpreten zwischen ihren Gesangsbeiträgen Fakten und Anekdoten über Produzenten, Künstler und die Plattenfirma zum Besten geben. Genau diesen Weg beschreitet die Show zum Glück nach der Pause. Keine Handlung, keine Beton- und Wellblechwände, dafür fünf stimmgewaltige Solisten in Showgarderobe (Kostüme: Heike Seidler) auf einer Treppenkonstruktion (Bühnenbild: Rolf Spahn). Warum nicht gleich so?
Musikalisch ist der Abend einfach eine Wucht. Die fünfköpfige Band unter der Leitung des an seinem Keyboard elektrisiert auf- und abhüpfenden Hans Kaul groovt und schmachtet, powert und schwelgt in den Noten der vielen bekannten Hits wie „Stop In the Name Of Love“ oder „Never Can Say Goodbye“. Den Vollblutmusikern stehen die fünf Solisten (in der besuchten Vorstellung: Lana Gordon, Taryn Nelson, Alvin Le-Bass, Wilson D. Michaels und Victor Hugo Barreto) in Nichts nach. Es wäre absolut unfair, Einzelleistungen herauszustellen, da alle vom ersten Moment an Vollgas geben und die Songs von Stevie Wonder, Diana Ross, den Temptations und vielen weiteren Motown-Stars ohne Makel interpretieren. Andrew Hurt fordert sein Sänger-Quintett auch tänzerisch, seine Regie bleibt eher unauffällig.
Zur Zugabe reißt es das Publikum wie befreit aus seinen Sitzen: das brave Mitwippen der Knie ist endlich vorbei. Es wird getanzt, mitgesungen und im Takt geklatscht: frenetischer Jubel für ein tolles Konzert.
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