Die Stage präsentiert in Oberhausen eine solide Produktion mit Witz und Charme, die sicherlich auch im Ruhrgebiet ihr Publikum finden wird.
Nach Hamburg und Stuttgart legt das Musical mit der Musik von Udo Jürgens nun also als dritte deutsche Station in Oberhausen an. Leider haben es Regisseurin Carline Brouwer und das Kreativteam versäumt, auf dem Weg einige Mängel zu beseitigen, die besonders im ersten Akt dem Voranschreiten der Handlung im Wege stehen. So fühlt man sich zwischenzeitlich mehr in einem Revuepalast als in einem Musicaltheater, wenn nahezu jeder Song mit einer unmotivierten Chorus Line endet. Chorus Lines sind per se nichts Schlechtes, aber sie unterbrechen und bremsen die Handlung, auch wenn sie noch so schön anzusehen perfekt präsentiert sind.
So richtig Fahrt nimmt das Stück dann auch erst gegen Ende des ersten Aktes auf, wenn in einer wunderbar inszenierten Szene ein klassisches Merkmal der Boulevardkomödie zitiert wird. In der Hochzeitsuite mit mehreren Türen kommen und gehen die jeweiligen Protagonisten und müssen sich in den verschiedensten Konstellationen immer wieder in für den Zuschauer witzigen Situationen beweisen.
Im zweiten Akt wird zu Gunsten der Handlung der revuelastige Anteil minimiert und dafür werden starke intime Momente präsentiert, die den doch eher klischeebeladenen Figuren mehr Tiefe verleihen sollen und dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich auch emotional zu binden.
Zusätzlich wurden kleine Änderungen eingefügt, die sich auf die lokalen Begebenheiten beziehen. So kann man in einer Szene zu Beginn im Hintergrund den Gasometer von Oberhausen und auch einen Zechenförderturm sehen, in einer anderen Szene mit überdimensionalem Navigationssystem geht es vorbei an Castrop-Rauxel und Herne. Außerdem heißt die Leitung vom Altersheim passenderweise Frau Alteisen und spricht herrlichsten Ruhrpott-Dialekt.
Letztendlich dient dies alles nur als Rahmen für die beliebten und bekannten Songs von Udo Jürgens, die mit viel Drive vom Orchester wiedergegeben werden. Manchmal allerdings auch ein wenig zu laut und blechern scheppert die Musik durch den Theatersaal, was durchaus der Tonabmischung geschuldet sein kann, denn auch die Verständlichkeit der Darsteller war am Premierenabend nicht durchgehend gewährleistet.
Und das ist wirklich schade, denn das gesamte Ensemble, angeführt von Charlotte Heinke und Karim Khawatmi, präsentiert sich mit viel Elan und Spielfreude und versucht von Beginn an, das Publikum mitzureißen. Die beiden Hauptdarsteller haben ihre Rollen bereits in Stuttgart gespielt und geben ihre Charakterportraits dementsprechend routiniert. Beide können im ersten Akt mit Witz überzeugen, noch stärker allerdings liegen beiden die intensiven emotionalen Szenen im zweiten Akt.
Uli Scherbel und Vladimir Korneev als schwule Sidekicks machen das, was ihren Rollen in erster Linie zugeschrieben wird. Sie unterhalten, versprühen Spaß und präsentieren mit viel Verve „Ein ehrenwertes Haus“ und „Griechischer Wein“, zwei von vielen Hits, die das Musical zu bieten hat. Schade eigentlich, dass schwule Figuren immer noch typisch feminin ausgelegt werden müssen, verzerren diese Abziehbilder doch die allgemeine Wahrnehmung der homosexuellen Bevölkerung. Aber vielleicht kann das Publikum den innigen Kuss des Pärchens nur verkraften, wenn es vorher mit ausreichenden klischeebeladenen Kalauern befriedigt wurde.
Als Rentnerpaar auf der Flucht nach New York spielen sich schließlich Gisela Kraft und Ernst Wilhelm Lenik durch ihre natürlich sympathische Art ohne Umwege in die Herzen des Publikums. Besonders Lenik begeistert mit seinem komischen Timing und einer Mischung aus Trotteligkeit, Naivität und Verliebtheit. Solch einen Großvater möchte man gerne zu Hause haben.
„Ich war noch niemals in New York“ kann als reines Musical nicht durchgehend überzeugen. Wenn man es aber als kurzweiliges, seichtes, klischeebeladenes Vergnügen zwischen Revue und Boulevardkomödie betrachtet, dessen einziges Ziel es ist, zu unterhalten, und das vor allem durch die Songs und die Leistung der Darsteller getragen wird, kann man durchaus einen vergnüglichen Abend haben.
Musical von Udo Jürgens (Musik), Gebriel Barylli und Christian Struppeck (Buch)
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