Pretty Woman Cast © Helen Maybanks
Pretty Woman Cast © Helen Maybanks

Pretty Woman (2025)
FBM Entertainment Rent-a-Show AG, Zürich

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Die zeitlose Leinwand-Romanze zwischen Richard Gere und Julia Roberts hat sich längst als Kultfilm etabliert – ein echter Klassiker der ‚Romcoms‘, der als seicht unterhaltendes und doch anrührendes Musical schon in London und New York begeisterte. Und auch in der UK- und Irland-Tournee-Inszenierung von „Pretty Woman“, die für einen knappen Monat im Theater 11 in Zürich gastiert – einer originalgetreuen Replika der West-End-Produktion – funktioniert die Verwandlung von der Kinoleinwand ins Theater hervorragend. Mit eingängigen Melodien, einer starken Hauptbesetzung und sprühender Bühnenenergie wird die Geschichte rund um die ungleiche Liebe zwischen Vivian und Edward wieder lebendig.

Die Inszenierung bleibt dem Londoner Original in allen wesentlichen Punkten treu und nutzt die gleiche künstlerische Vision von Regisseur und Choreograph Jerry Mitchell, um die Liebesgeschichte von Vivian und Edward – trotz der Patina des bekannten Romcom-Films – auf eine frische und mitreißende Art zu erzählen. Die Choreographien sind energisch und passen perfekt zur vor allem im ersten Akt überaus dynamischen Erzählweise, während die Tänzer das Tempo der Story wunderbar unterstützen. Besondere choreographische Highlights sind die temperamentvollen Tangoschritte zu „On A Night Like Tonight“ und die rockige Modenschau zu „Rodeo Drive“ sowie die zwei großen Ensemblenummern „Welcome to Hollywood“ und „Never Give Up On A Dream“, die vor Dynamik schier übersprühen.

David Rockwells Bühnenbild von „Pretty Woman“ in Zürich ist in der Replika-Produktion genauso schick wie beim West End-Original und bringt den Zauber dieser Version gekonnt in die Schweizer Metropole. Bereits die ersten Szenen betonen die beeindruckende Gesamtoptik, die sich aus von oben hereingefahrenen Rahmenelementen und seitlich hereingeschobenen Möbelteilen zusammensetzt. Die aus dem Oberboden kommenden Backdrops fangen mit peppig leuchtenden Palmen, geschnörkelten Torbögen, protzigen Suiten mit riesigen Balkons und vielen funkelnden Lichtern den glitzernden Glamour von Beverly Hills perfekt ein. Die jeweilige Atmosphäre zwischen introvertiertem Rührungsmonolog und ausgelassener Party, und die großen Kontraste zwischen dem Beverly Wilshire Hotel und der Gosse von L.A. werden durch die prägnante und nicht gerade subtile Lichtgestaltung von Kenneth Posner und Philip S. Rosenberg noch verstärkt. Sie transportiert die Zuschauer zusammen mit dem Bühnenbild und den nahezu 1:1 aus dem Film entlehnten Kostümen von Tom Rogers direkt in die Welt der Reichen und Schönen der 80er, aber auch in die wenig ansehnlichen Hintergassen des Walk of Fame. Besondere Hingucker sind dabei Vivians aus dem Film bekannten Kostüme – vom knappen, geschmacklosen Callgirl-Zweiteiler über ihr schwarzes Cocktailkleid bis hin zum schneeweißen Designerfummel nach ihrem Shoppingwahn am Rodeo Drive und natürlich dem roten Opernkleid.

Mit ihren eingängigen Melodien und modernen, aber dennoch immer mit einem Gruß an die 80er versehenen Songs von Bryan Adams und Jim Vallance setzt die Show auf einen Soundtrack, der von Beginn an begeistert und zahlreiche Ohrwürmer liefert. Die teilweise vertraut wirkenden Melodien sorgen für nostalgische Momente. Auch die musikalische Umsetzung wurde dabei ähnlich präzise auf die Bühne gebracht wie in London; die fünfköpfige Band brilliert mit einer kraftvollen Darbietung, die die Emotionen der Charaktere perfekt unterstreicht. Die hallenartige Akustik im Theater 11 wird von der Tontechnik makellos gelenkt. Das energetische 22-köpfige Ensemble, aus dem mit markantem Schauspiel und toller Bühnenausstrahlung vor allem Stuart Maciver als knallharter Geschäftsmann Philip Stuckey, Chomba Taulo als Yachtverkäufer David Morse, sowie Victoria Rachael Mccabe als Scarlett in „Don’t Forget to Dance“ und Joseph Vella als sehr attraktiver Naked Cowboy hervorstechen, ist überaus gesangs- und tanzstark besetzt. Zürich wird hier mit einer erstklassigen Besetzung verwöhnt, die man vom West End gewöhnt ist.

Paige Fenlon als Vivian und John Addison als Edward sind das absolute Traumpaar auf der Bühne, deren Chemie dem Originalfilm entlehnt scheint. Fenlon kokettiert als extrovertierte Straßengöre mit dem in sich gekehrten Geschäftsmann, den Addison verkörpert, und ihr Zusammenspiel entwickelt sich zusehends von oberflächlicher Zuneigung und Neugier aufeinander zu einer erst erotischen, dann immer emotionaleren Anziehung, die am Ende in der großen Liebe mündet, welche alle Differenzen zwischen den beiden überwindet. Dabei ist Paige Fenlon die perfekte Bühnen-Julia Roberts, die ihrer Powerfrau auch verletzliche, zynische und sehr introvertierte Momente verleiht. Ihre großen Soli schmettert Fenlon mit beeindruckender Stimmfülle, wobei „I Can’t Go Back“ und „Anywhere But Here“ besonders nah gehen.

Addison gibt den Wandel vom distanzierten, skrupellosen Geschäftsmann zum romantischen Idealisten, der sein Herz auf der Zunge trägt, mit authentischer und im Vergleich zum Film deutlich wenig kitschiger Nuanciertheit, sodass seine eher ruhigen Soli „Something About Her“ und „Freedom“ als perfekte Werkzeuge für seine Charakterzeichnung dienen. Die zahlreichen gemeinsamen Momente der beiden, die zumeist in inniger Vereinigung und Leidenschaft münden, werden immer intensiver und für das Publikum anrührender, sodass auch einige Tränen fließen. Der Song „You And I“, bei dem Edward seine Vivian in der Oper bei der Aufführung von „La Traviata“ endlich mit liebenden Augen sieht, ist ein großer emotionaler Höhepunkt. Nicht zuletzt durch die gewaltige Darbietung von Lila Falce-Bass als Opernsängerin Violetta, die wohl das stimmliche Highlight der gesamten Produktion sein dürfte.

Graham Macduff in der Doppelrolle ‚Happy Man‘, einem Straßenverkäufer und Erzähler der Handlung sowie des charmanten Hotelmanagers Mr. Thompson ist ein Genuss – zumal Macduff sogar, fast unbemerkt, noch weitere Rollen im Stück verkörpert. Macduff gibt als Happy Man den großen Showmaster in „Don’t Forget to Dance“ und schmettert mit Annell Odarteys Figur Kit de Luca zusammen „Never Give Up On A Dream“, während er als Mr. Thompson zum Publikumsliebling avanciert. Ganz subtil zieht er die Fäden in Vivians und Edwards Romanze und wird zum wichtigsten Vertrauten der in der High Society zunächst sehr verlorenen Bordsteinschwalbe. In „On A Night Like Tonight“ avanciert er zum Tangomeister und schleudert einen Pagen Giulio lustvoll über die Bühne – ein Moment, der zum Showstopper wird.

Giulio wird herrlich schrullig und liebenswert von Noah Harrison gespielt. Ohne, dass er viele Worte verliert, serviert er mit eindeutiger Mimik und Gestik als stiller Sidekick ein wahres Buffet an Comedy-Schmankerln auf der Bühne. Annell Odartey als Kit de Luca gelingt es, aus dem Schatten der besten Freundin herauszutreten und ihre eigene Figur mit Wünschen, Träumen, Zweifeln und jeder Menge Manierismen zu spicken. Ihren großen gesanglichen Moment präsentiert Odartey mit „Rodeo Drive“ und brilliert im Duett mit Fenlon in der Freudenhymne „Luckiest Girl In The World“. Mit Macduff gemeinsam darf sie den weltbekannten und vom Publikum heiß erwarteten Roy-Orbison-Song „Pretty Woman“ am Ende des Stücks präsentieren, bei dem es keinen Zuschauer mehr in den Sitzen hält und nicht nur Fans des Kultfilms begeistert.

Wer die kurze Spielzeit der rundum wunderbaren Tournee-Inszenierung von „Pretty Woman“ in Zürich verpasst, der macht, um es mit Vivians fast schon ikonischen Worten zu sagen, einen „Big Mistake – Big – Huge!!“

 
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KREATIVTEAM
MusikBryan Adams
Jim Vallance
BuchGarry Marshall
J.F. Lawton
Regie und ChoreografieJerry Mitchell
 
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CAST (AKTUELL)
Vivian WardPaige Fenlon
(Stephanie Costi)
(Madeleine Hargrave)
Edward LewisJohn Addison
(Elliot Parkes)
Happy Man, Mr ThompsonGraham MacDuff
(Will Hopkins)
Kit de LucaAnnell Odartey
(LJ Neilson)
Philip StuckeyStuart Maciver
(Elliot Parkes)
David MorseChomba Taulo
(Aaron Aisoni)
AlfredoWill Hopkins
(Patrick Barrett)
GiulioNoah Harrison
(Matt Jones)
Naked CowboyJoseph Vella
Violetta, Bag LadyLila Falce-Bass
(LJ Neilson)
ScarletteVictoria Rachael McCabe
SwingMadeleine Hargrave
Matt Jones
Victoria Rachael McCabe
EnsembleStephanie Costi
Patrick Barrett
Olivia Bella
Elliot Parkes
Aaron Aisoni
Katie Dunsden
Lewis Bear Brown
Maddie Waller
LJ Neilson
  
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TERMINE
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TERMINE (HISTORY)
Fr, 04.04.2025 19:30Theater 11, ZürichPremiere
Sa, 05.04.2025 14:30Theater 11, Zürich
Sa, 05.04.2025 19:30Theater 11, Zürich
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