Iris Atzwanger (Grandma), Carlotta Hein (Wednesday), Emma Kretschmer (Pugsley), Michael Kamp (Gomez), Holger Kraft (Fester), Maike Elena Schmidt (Morticia), Gregor Loebel (Lurch) © Andreas Etter
Iris Atzwanger (Grandma), Carlotta Hein (Wednesday), Emma Kretschmer (Pugsley), Michael Kamp (Gomez), Holger Kraft (Fester), Maike Elena Schmidt (Morticia), Gregor Loebel (Lurch) © Andreas Etter

The Addams Family (2025 - 2026)
Staatstheater, Mainz

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

„The Addams Family“ ist quasi „La Cage aux Folles“ – nur in Schwarz statt in Rosa. Zwei sehr unterschiedliche Familien, eine unkonventionelle und eine konservative, treffen sich wegen der geplanten Hochzeit ihrer Kinder und das erste gemeinsame Abendessen endet in einem Fiasko. Die Musicalversion der schwarzhumorigen Comic-Strips und deren Verfilmungen für Kino und TV lebt ganz von den exzentrischen Charakteren der titelgebenden Sippe. In Mainz haucht das starke Ensemble, diesen mehr oder weniger Untoten Leben ein. Wegen der fabelhaften Darstellerinnen und Darsteller und witzigen Regieeinfällen möchte man die Produktion einfach gern haben – doch die flaue Vorlage steht dem teilweise im Wege.

Der erste Akt bietet in Christian Breys Inszenierung ein Füllhorn an Ideen, die die vorhersehbare Handlung aufwerten. Den Text hat er mit einigen gezielt gesetzten aktuellen Scherzen angereichert. Michael Kamp als temperamentvoller Gomez mit Hang zur Hyperaktivität holt jeden Gag aus seiner Rolle heraus. Für Morticia ist Maike Elena Schmidt in ein hautenges Kleid geschlüpft, in dem sie sich nur in Trippelschritten fortbewegen kann. Es sieht fast aus, als würde sie mit stoischer Miene versuchen, würdevoll zu gleiten – ein toller Effekt! Sie serviert ihre eiskalt-ironischen Pointen punktgenau und beeindruckt auch stimmlich.

Mit toller Singstimme und viel Bühnenpräsenz glänzt Carlotta Hein als Tochter Wednesday, die durch ihre Liebe zu Lucas Beineke die Handlung ins Rollen bringt. Passend zur Rolle und zum Vergnügen des Publikums darf Iris Atzwanger als Grandma völlig übertreiben. Ein überraschend ruhiger Pol im Bühnengeschehen ist dagegen Emma-Sophie König als Wednesdays Bruder Pugsley, der seine große Schwester nicht an Lucas verlieren möchte.

In einer der Rolle entsprechend eher schwerfälligen Ruhe bewegt sich Butler Lurch. Er lässt sich aber zu verwegen unbeholfenen Tanzschritten hinreißen und überrascht am Ende mit einen abgrundtiefen Bass; sein Darsteller Gregor Loebel ist Mitglied im Opernensemble.

Die Figur des Onkels Fester wirkt verschenkt. Zwar spielt ihn Holger Kraft auf eine naive, etwas kindlich-euphorische Art, die ihn zum Sympathieträger werden lässt, aber er fungiert hauptsächlich als Erzähler und hat mit der eigentlichen Geschichte wenig zu tun. Die Nebenhandlung mit seiner Liebe zum Mond gibt ihm zwar emotionale Momente, aber sie bremst das Stück aus.

Zwischen David T. Meyer (mit der fluffigsten Föhnfrisur seit Dieter Thomas Kuhn) als Lucas und „Wednesday“ Carlotta Hein stimmt nicht nur die Chemie, die ein Liebespaar braucht, auch seine Gesangsstimme muss sich hinter der seiner Kollegin nicht verstecken. Als seine verklemmte Mutter Alice, die unter Druck in Reimen spricht und tief drin doch wieder wild und frei sei will wie früher, überzeugt Anika Baumann durch ihr komödiantisches Timing, während Klaus Köhler als ihr steifer Ehemann überraschend blass bleibt.

Ein Pfund dieser Aufführung ist die Puppenspielerin Svea Schiedung, die nicht nur dem Eiskalten Händchen agiles Leben verleiht, sondern u.a. auch als im Keller hausender Tintenfisch, nach Personen schnappendes Eisbärfell oder Monster unter Pugsleys Bett zum Einsatz kommt. Ein besonders schöner Einfall: eine lebendige Quaste, in die sich der haarige Cousin Itt verliebt, beides ebenfalls verkörpert bzw. bewegt von Schiedung. Und Musicalfans freuen sich über einen Cameo-Auftritt von Audrey II aus der gerade abgespielten „Horrorladen“-Produktion.

Das naheliegend finstere Bühnenbild von Anette Hachmann und Elisa Limberg zeigt auf den ersten Blick den etwas schlichten Friedhof auf dem Grundstück der Addams Family mit Blick auf den New Yorker Central Park. Doch fahrende Treppen, die Hausfassade, die vom Schnürboden heruntergelassen wird, oder der nach oben gefahrene Kellerraum peppen die Szenerie in Verbindung mit Ulrichs Schneiders Lichtdesign auf. Die ebenfalls von Hachmann und Limberg verantworteten Kostüme sind bei den Addams‘ trotz aller Düsternis prächtig, bei den Ahninnen und Ahnen fantasievoll surreal und bei den Beinekes knallig im Stil der 1970er Jahre. Besondere Erwähnung verdienen die Perücken, die die Charakterzüge der Figuren unterstreichen.

Regisseur Christian Brey gibt dem Affen im ersten Akt ordentlich Zucker. Die Schwächen des Ausgangsmaterials werden mit Temperament, Witz und Spielfreude zur Seite gefegt. Nach der Pause geht es dann deutlich ruhiger zu. Es scheint, als habe sich Brey der Vorlage ergeben, die ohne große Ambitionen und Kniffe die einzelnen Handlungsfäden zum Happy End führt. Zwar gibt es auch hier noch Lacher und mit „Tango de Amor“ eine von Yoko El Edrisi mitreißend choreografierte Nummer, aber der Elan des ersten Akts wird nicht mehr erreicht.

Von Andrew Lippas Songs, die nur selten die Handlung vorantreiben, will sich keiner im Ohr festsetzen. Nichtsdestotrotz werden sie von Mitgliedern des Staatsorchesters und Gastmusikern unter der Leitung von Tobias Cosler in einer klangfarbenreichen Instrumentierung passgenau umgesetzt.

Auch wenn der Aufführung nach der Pause die Luft ausgeht, lohnt sich ein Besuch allein wegen des tollen Ensembles. Und wann sieht man Morticia Addams und Audrey II schon mal gemeinsam auf einer Bühne?

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
KREATIVTEAM
InszenierungChristian Brey
Musikalische LeitungTobias Cosler
AusstattungAnette Hachmann
Elisa Limberg
ChoreografieYoko El Edrisi
 
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CAST (AKTUELL)
GomezMichael Kamp
MorticiaMaike Elena Schmidt
FesterHolger Kraft
GrandmaIris Atzwanger
WednesdayCarlotta Hein
PugsleyEmma Kretschmer
Emma-Sophie König
Lara Deinhart
LurchGregor Loebel
Mal BeinekeKlaus Köhler
Alice BeinekeAnika Baumann
Lucas BeinekeDavid T. Meyer
PuppenspielerinSvea Schiedung
Ahnen und AhninnenAnna Heldmaier
Nicoletta Luna De las Casas
Vera Lorenz
Brady Harrison
Matthias Knaab
Maximilian Vogel
SwingsLukas Schwedeck
Rita Correia
BandPatrick Fa
Sebastian Kling
(Andreas Dittinger)
Marc Julien
(Phil Adam)
Jacob Stock
(Volker Kamp)
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
22.03.2025 - 17.05.2026Großes Haus, Mainz23 x
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