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Bombastisches Spektakel mit Botschaft, das optisch und akustisch von der Technik dominiert wird und wenig Raum zum Träumen lässt.
Auf den Hut gekommen: Mal sind es schlagende Schmetterlingsflügel, dann wieder üppige Federbäusche, ein windschiefer weißer Zylinder oder in den Farben des Regenbogens leuchtende Kopfputze. Als Design Director der Revue sorgt Modist Philip Treacy, der unter anderem auch für Queen Elizabeth, Lady Gaga oder Naomi Campbell arbeitet, dafür, dass die Darsteller in „VIVID“ stets gut behütet sind. Treacys Kreationen thronen allerdings nicht nur auf menschlichen Köpfen. Gleich nach der Pause bildet ein überdimensionaler, rosa-glitzernder, zweigeschossiger Hut die Kulisse für eine zügellose Party im Funhouse. In diesem tabulosen Raum sind alle Fantasien erlaubt und er steht für die Botschaft der Show: Entdecke und genieße die Vielfalt deines Lebens!
Krista Monson (Buch und Inszenierung) und Oliver Hoppmann (Co-Autor und -Regisseur) lassen dafür ein junges Mädchen, das mit seinem Vater in der Vorstellung sitzt, zu Beginn der Show neugierig auf die Bühne stürmen. Hier wird sie in eine anonyme Androidin verwandelt und muss im von Königin Androidonna (Glacéia Henderson) beherrschten Reich ein tristes, roboterartiges Dasein fristen. Ein Guru (Mehmet Yilmaz) zeigt der Gefangenen einen Ausweg, indem er ihr mit Hilfe der traditionellen türkischen Ebru-Malkunst eine vor Farben schillernde Straße in eine Parallelwelt erschafft. Hier herrscht der Entertainer (Andreas Bieber), der gemeinsam mit Glamour Girl (Sarah Manesse) der jungen Androidin die Vielfalt aber auch die Gefahren des Lebens näherbringt. Ausgestattet mit diesem Erfahrungsschatz wird das junge Mädchen als attraktive Reye (Devi-Ananda Dahm) im Happy-End-Finale wiedergeboren.
Es ist dem Friedrichstadt-Palast hoch anzurechnen, dass nach Jahren der dramaturgischen Durststrecke, endlich wieder eine Geschichte erzählt wird. Um fremdsprachige Touristen nicht abzuschrecken, werden die wenigen Sprechpassagen in einem Mix aus Deutsch und Englisch vorgetragen. Eine sinnvolle Lösung, die niemanden gegen den Kopf stößt. Gleichzeitig gelingt es dem Regie-Team die Handlung stringent und packend zu erzählen. Bühnenbildner Michael Cotten ist dabei das Wagnis eingegangen, die ohnehin schon riesig dimensionierte Bühne des Friedrichstadt-Palastes mit nach links und rechts in den Zuschauerraum ragenden Podesten zu vergrößern. In der Mitte dominiert eine gewaltige, drehbare Treppenkonstruktion, die um Hubpodien und Aufzüge ergänzt wird. Das passt perfekt in die triste Androiden-Welt und lässt sich in Sekundenschnelle mit Hilfe von Videos (Maxin10sity), Beleuchtung und Laser-Effekten (Chris Moylan) in eine bunte Welt verwandeln. Manchmal erschlagen diese Bilder das Publikum und lassen wenig Raum für das eigene Staunen – zu rasant ist der Wechsel und übersättigt fast das Auge des Betrachters.
Etwas verloren in diesem Hightech-Set wirkt das bereits erwähnte Hut-Funhouse. Vielleicht auch deshalb, weil Designer Stefano Canulli hier Fast-Nackte und Party-Volk in funkigen Disco-Outfits auf bayerische Trachten und deutsche Majoretten-Uniformen treffen lässt. Abgesehen davon kreiert er ein grandioses Kostümbild, das vom verschwenderischen Farb- und Paillettenrausch bis hin zu körperbetonten Lack- und Lederkreationen variiert.
Die Hauptlast der Auftritte trägt traditionell das Ballett des Hauses, das tänzerisch von fünf Choreografen, einem Akrobatik-Choreografie-Team und einem Stunt-Koordinator mächtig gefordert wird. In der besuchten Premiere waren noch nicht alle Schrittfolgen, Hebefiguren und akrobatischen Verrenkungen in der Luft synchron, das dürfte sich jedoch innerhalb der zweijährigen Spielzeit einschleifen. Etwas langweilig gerät die von Alexandra Georgieva choreografierte, weltbekannte Girl-Reihe, die auch wegen des dunklen Kostümbildes nicht alle Effekte voll ausspielen kann. Großartig sind die in die Handlung integrierten Artisten, vor allem das Flugartisten-Duo Sky Angels, das sich nur mit der Kraft der Zähne gegenseitig hält. Spektakulär auch die Truppe, die an zwei Todesrädern durch die Luft wirbelt und dabei waghalsige Sprünge vorführt.
Comedy ist immer Geschmackssache. Der albern-clowneske Auftritt von Jimmy Slonina spaltet daher die Geister. Als Vater von der entführten Reye entdeckt Slonina für sich die Bühne, schleppt dorthin als Assistentin eine Zuschauerin ab (in der Premiere Moderatorin Inka Bause) und performt zum Vollplayback mit vielen Grimassen „She’s Like The Wind“. Kurioserweise bleibt dieser Hit aus dem Film „Dirty Dancing“ der einzige Song, der sich während der Show in die Gehörgänge einschmeichelt. Dave Kochanski, Jasmin Shakeri und das Komponistenduo Arne Schumann/Josef Bach haben sich einen belanglosen Musikmix aus sphärischen Klängen und Techno-Gewummer ausgedacht, der gerade mal als Hintergrundmusik taugt. Songs wie „The Binary World“, „Danger Boys“ oder „Beauty of The Breakdown“ verpuffen als harmlose Melodienbögen. Allenfalls die „Jungle Extravaganza“ hat dank dauernder Wiederholung der Titelzeile Wiedererkennungswert. Die kleine, am hinteren Bühnenende postierte Band ist nur in wenigen Szenen sichtbar und es schleicht sich bei den computergenerierten Tonfolgen der Verdacht ein, dass nicht mehr alles live eingespielt wird. Zumal passt ein mit Taktstock leitender Dirigent im Frack (in der Premiere: Daniel Behrens) optisch nicht zu dem, was aus den Boxen wummert.
Cedric Beatty hat ganze Arbeit geleistet und beschallt mit glasklarem Sound und allerlei technischen Spielereien den riesigen Theatersaal. Auch die Solistenstimmen glänzen akustisch vor Perfektion, alles hört sich recht glattgebügelt und mit den Reglern perfekt austariert an. Darunter leidet insbesondere Andreas Bieber, dessen Stimme sich in der Premiere extrem fern und blechern anhört. Glacéia Hendersons soulig angeraute Tiefen wirken ebenso gebremst wie die Koloraturen von Sarah Manesse. Einzig Devi-Ananda Dahm darf im Finale nach ihrer Wiedergeburt so richtig losrocken. Ein Jammer, dass ihr nur der eine Song vergönnt ist.
Seit einigen Jahren predigt der Friedrichstadt-Palast, dass eine Revue kein Musical sei, da keine Geschichte erzählt werde. Mit „VIVID“ bewegt sich das Haus erfreulicherweise jedoch wieder in diese Richtung, liefert aber trotz immensem technischen und ausstatterischen Aufwand eine Show ab, die zwar gut behütet ist, aber in einigen Bereichen zu perfekt sein will.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Autorin, Inszenierung | Krista Monson |
| Co-Autor, Co-Regisseur | Oliver Hoppmann |
| Musikalische Leitung | Daniel Behrens Valentin Kunert Tobias Leppert |
| Kompositionen | Arne Schumann/Josef Bach Dave Kochanski Jasmin Shakeri |
| Kopfschmuck, Design Director | Philip Treacy |
| Kostüme | Stefano Canulli |
| Bühnenbild | Michael Cotten |
| Lichtdesign | Chris Moylan |
| Video-Design | Maxin10sity |
| Sounddesign | Cedric Beatty |
| Choreografie | Alexandra Georgieva Dean Lee Leo Mujic Frederik "Benke" Rydman Denis We |
| Choreografie Aktrobatik | Edesia Moreno Barata |
| Choreografie Sway Poles | Strange Fruit |
| Stunt Coordinator | Matthias Günther |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ab 09/2019 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Reye | Jaqueline Bergrós Reinhald | |||
| Reye als junges Mädchen | Friederike Cordes Marieza Kuhnke Janell Matuschek Maria Nurewa Ino Thanou-Koletsi Uliana Voronova Sofia Zukova Amelie Klein Maya Kornev Romy Marleen Danne Kamila Doda Riazuelo Helena Marianne Mattke Daria Press | |||
| Reyes Vater/The Explorer | Sebastian Matt | |||
| MJ | Mikael Johansson | |||
| The Guru (Ebru Malerei) | Mehmet Yilmaz (Mikael Johansson) | |||
| Androidonna | Glacéia Henderson (Amber Shoop) | |||
| The Entertainer | Andreas Bieber (Mikael Johansson) | |||
| Glamour Girl | Sarah Manesse (Amber Shoop) | |||
| Aerial Pole Act | Artem Lyubanevych | |||
| Contortion Act | Troupe Ayasgalan | |||
| Iron Jaw Act | Duo Sky Angels | |||
| Double Wheels of Steel Act | The Navas Troupe | |||
| Ballettsolisten | Adriana Bernic Nina Makogonova Arielle Martin Anudari Nyamsuren Sofia Schabus | |||
| Akrobatische Tänzer | David Aparecido Santos Nicholas Anthony Frey Christian Sanchez | |||
| Ballett des Palastes | ||||
| Show-Band des Palastes | ||||
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| CAST (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| bis 09/2019 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Reye | Devi-Ananda Dahm | |||
| Reye als junges Mädchen | Deborah Ciuraru Friederike Cordes Amily Fetter Marieza Kuhnke Janell Matuschek Maria Nurewa Ino Thanou-Koletsi Uliana Voronova Sofia Zukova Amelie Klein Maya Kornev Mieke Makatsch | |||
| Reyes Vater/The Explorer | Jimmy Slonina | |||
| MJ | Mikael Johansson | |||
| The Guru (Ebru Malerei) | Mehmet Yilmaz (Mikael Johansson) | |||
| Androidonna | Glacéia Henderson (Amber Shoop) | |||
| The Entertainer | Andreas Bieber (Mikael Johansson) | |||
| Glamour Girl | Sarah Manesse (Amber Shoop) | |||
| Aerial Pole Act | Artem Lyubanevych | |||
| Contortion Act | Troupe Ayasgalan | |||
| Iron Jaw Act | Duo Sky Angels | |||
| Double Wheels of Steel Act | The Navas Troupe | |||
| Ballettsolisten | Adriana Bernic Nina Makogonova Arielle Martin Anudari Nyamsuren Sofia Schabus | |||
| Akrobatische Tänzer | David Aparecido Santos Nicholas Anthony Frey Christian Sanchez | |||
| Ballett des Palastes | ||||
| Show-Band des Palastes | ||||
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| GALERIE | |||||||||
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| 27.09.2018 - 03.07.2021 | Friedrichstadt-Palast, Berlin | 748 x |
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