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Die aktuelle internationale Tournee-Inszenierung von „Cats“ kann im Deutschen Theater München beinahe rundum überzeugen. Zwar müssen beim Bühnenbild tourneegeschuldete Abstriche gemacht werden, allerdings wird man durch eine grandios aufspielende Besetzung und eine auf den Punkt gebrachte Inszenierung mehr als getröstet. Hier greift alles wunderbar ineinander. Die Lichtregie, die Choreografie, das Live-Orchester hinter der Bühne und – und das muss gerade bei einer Tournee besonders betont werden – die Tontechnik leisten ganze Arbeit: Die Mischung zwischen Orchester und Gesang ist optimal abgemischt und auf das Deutsche Theater München abgestimmt.
Wenn Andrew Lloyd Webber über die Entstehung von „Cats“ spricht, erzählt er beinahe immer die Geschichte vom Abend der ersten Preview vor der Weltpremiere in London. Er stand gemeinsam mit Cameron Mackintosh hinter der Bühne und machte sich Vorwürfe darüber, das Leben seiner talentierten jungen Cast ruiniert zu haben: Eine Show über Katzen mit Menschen in Katzenkostümen könne nicht gutgehen und er würde in den nächsten Minuten sicherlich die Katastrophe seines Lebens erleben. Dann waren die ersten Töne der Ouvertüre verklungen und nach einer – für ihn Ewigkeiten andauernden – Pause applaudierte das Publikum begeistert. Mittlerweile einundvierzig Jahre später funktioniert dieser Zauber in den vielen verschiedenen Leben von „Cats“ noch immer. So auch in der aktuellen internationalen Tournee, die im Juni 2022 im Deutschen Theater München zu Gast ist.
Dabei bietet die Inszenierung wenig Neues: Sowohl die überdimensionierte Müllhalde beim Vollmondschein wie auch die berühmten Kostüme sind im Großen und Ganzen über die Jahre unverändert geblieben. Sie wurden jetzt lediglich auf Tourneetauglichkeit getrimmt. So reicht die Müllhalde nicht wie in der aktuellen Wiener Inszenierung bis weit in den Publikumsraum hinein, sondern endet am Bühnenportal. Trotzdem muss man auf keine der vertrauten Elemente des Bühnenbilds verzichten: Sowohl die große verrostete Waschmaschine als auch der LKW-Reifen, auf dem zum Ende der Show Grizabella in den Katzenhimmel auffährt, sind dabei. Auch hier musste wieder eine kleine Veränderung zu Gunsten der Gegebenheiten der unterschiedlichen Spielorte vorgenommen werden: Die letzten paar Meter in die Bühnenhimmel legt Grizabella schwebend an einem Seil zurück. Dieser Effekt verstärkt aber eigentlich sogar noch viel mehr den Eindruck, des in-den-Himmel-Aufsteigens. Auch die Kostüme sehen im Gegensatz zur Wiener Inszenierung ein bisschen abgespeckter, aber auch in dem einen oder anderen Detail ein bisschen fantasievoller aus. So hat man beispielsweise Rum Tum Tugger eine riesige Schmalztolle à la Elvis Presley verpasst.
Eigentlich völlig untypisch für ein Musical von Lloyd Webber ist bei „Cats“, dass es drei verschiedene Fassungen der Show gibt. Diese unterscheiden sich jeweils im Song des Theaterkaters Gus und zwar, wenn er sich in seine größte Rolle zurückträumt. In der Ur-Inszenierung gab es an dieser Stelle den Song „The Ballad of Billy McCaw“, am Broadway dann ein Opernduett „In una tepida notte“. In einem späteren Broadway-Revival wurden die beiden Songs komplett gestrichen und durch einen kurzen Part „The Great Rumpus Cat“ ersetzt. Diese Version wurde nun auch für die aktuelle Tournee übernommen. Gesungen wird die Show mit den englischen Originaltexten. Dies ist insoweit erwähnenswert, da man sonst bei Inszenierungen im deutschsprachigen Raum in der Regel eher auf die Übersetzung von Michael Kunze zurückgreift.
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Bei der Choreografie hat man auf die ikonische Originalchoreografie von Gillian Lynne zurückgegriffen und nicht auf die modernisierte Fassung von Andy Blankenbühler von 2016. Getanzt wird bei „Cats“ quasi immer und zu jeder Zeit im Stück. Gerade hier fällt die Spielfreude des Ensembles besonders auf. Mit höchster Präzision und einer unglaublichen Leichtigkeit werden die komplizierten Choreografien wiedergegeben. Dabei gibt es immer wieder Interaktionen mit dem Publikum. Sei es, wenn der Rum Tum Tugger mit den Damen (und Herren) in den ersten Reihen flirtet, um sie danach – ganz in Rum Tum Tugger-Manier – zu ignorieren, oder wenn die Katzen sich bei ihren Auftritten durch die Stuhlreihen im gesamten Theatersaal schlängeln. Das Orchester, das fürs Publikum unsichtbar in einem separaten Raum spielt, liefert einen vollen Sound ab und gibt mit seinem Tempo die Geschwindigkeit der Show vor. Sowohl die großartig besetzen Hauptcharaktere als auch die kleineren Neben- und Ensemblerollen kommen mit dieser Herausforderung allerdings hervorragend zurecht. Es würde dem Ensemble-Charakter des Stücks an dieser Stelle nicht gerecht werden, einzelne Darstellerinnen und Darsteller hervorzuheben.
Vielleicht liegt die Antwort auf die Frage, was „Cats“ über so viele Jahre so erfolgreich gemacht hat, genau in dem eben Beschriebenen: Es macht einfach Spaß und es ist eine große Freude, eine so gelungene – wenn auch herkömmliche – Inszenierung mit so viel Enthusiasmus zu erleben.
Eine andere Geschichte, die Lloyd Webber gerne im Zusammenhang mit der Londoner Ur-Inszenierung erzählt, ist die des Besuchs von Barbra Streisand in der Show: Damit sie keiner erkennt, wurde sie erst an ihren Platz geführt, als das Licht im Zuschauerraum schon ausgeschaltet war. Hinter der Bühne war die Aufregung wegen des hohen Besuchs natürlich groß und man versuchte ihr den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Unter anderem wurde extra für ihren Besuch teurer Champagner besorgt und Lloyd Webber hatte sich beim Versuch die Flasche zu öffnen von oben bis unten mit Champagner übergossen. Auf die Frage, was Barbra Streisand in der Pause trinken wolle, antwortete diese dann aber, dass sie gerne ein Glas Milch hätte. Leider gab es im ganzen Theater keine Milch und so lief Lloyd Webber, der an diesem Abend als einziger keinen Job im Theater hatte, los in einen kleinen Supermarkt im Umkreis des Theaters. Wie es das Schicksal will, hatte man dort aber auch nur Milch in Kaffee-Portions-Größen. So kaufte Lloyd Webber mehrere Packungen davon und kippte sie alle zu einem Glas zusammen. Als die Pause dann kam, hatte Barbra Streisand das Theater bereits verlassen. Nach dem ersten Anspielen von „Memory“ zum Ende des ersten Aktes hatte sie beschlossen, dass sie den Song unbedingt aufnehmen wolle. Bis heute ist es die bekannteste Aufnahme eines Songs aus einem Musical und gleichzeitig wohl auch der bekannteste Song von Barbra Streisand. Jeder, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts von „Cats“ gehört hatte, kam spätestens jetzt nicht mehr daran vorbei. Der Siegeszug von „Cats“ um die Welt war nicht mehr aufzuhalten. So entstehen Legenden.
(Text: Frank Guevara Pérez)
Diese Produktion lief in folgenden Zeiträumen und Theatern:
06.05.2014 bis 17.05.2014 im New Wimbledon Theatre London
06.12.2014 bis 25.04.2015 im London Palladium London
23.10.2015 bis 02.01.2016 im London Palladium London
19.04.2016 bis 22.05.2016 im Musical Theater Basel
07.11.2016 bis 12.11.2016 im New Wimbledon Theatre London
25.04.2017 bis 07.05.2017 im Theater de Beaulieu Lausanne
18.07.2017 bis 06.08.2017 im Deutschen Theater München
09.08.2017 bis 19.08.2017 im Admiralspalast Berlin
23.08.2017 bis 27.08.2017 in der Alten Oper Frankfurt
29.08.2017 bis 03.09.2017 im Festspielhaus Baden-Baden
05.09.2017 bis 10.09.2017 im Musicaltheater am Richtweg Bremen
12.09.2017 bis 17.09.2017 im Theater am Marientor Duisburg
08.11.2017 bis 26.11.2017 im Musical Dome Köln
12.02.2019 bis 24.02.2019 im Theater 11 Zürich
13.05.2022 bis 29.05.2022 im Theater 11 Zürich
01.06.2022 bis 26.06.2022 im Deutschen Theater München
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musik | Andrew Lloyd Webber |
| Texte | T.S. Eliot |
| Regie | Trevor Nunn |
| Choreografie, Co-Regie | Gillian Lynne |
| Bühne | John Napier |
| Licht | David Hersey |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| =2022= | ||||
|---|---|---|---|---|
| Alonzo | Sebastian Goffin | |||
| Bill Bailey | Aaron Hunt | |||
| Bombalurina | Lizzie Nance | |||
| Bustopher Jones / Asparagus / Rumpus Cat | Hal Fowler | |||
| Carbucketty | Joel Cooper | |||
| Coricopat | Shakeel Kimotho | |||
| Demeter | Frances Dee | |||
| Grizabella | Jacinta Whyte | |||
| Jellylorum | Aimee Hodnett | |||
| Jemima | Lottie Stephens | |||
| Jennyanydots / Gumbie Cat | Sarah-Marie Maxwell | |||
| Mavavity / Admetus | Aaron Elijah | |||
| Mungojerrie | Harry Robinson | |||
| Munkunstrap | Russell Dickson | |||
| Old Deuteronomy | Martin Callaghan | |||
| Quaxo / Mistoffelees | Liam Mower | |||
| Rum Tum Tugger | Ed Wade | |||
| Rumpelteazer | Ella Kemp | |||
| Skimbleshanks | Philip Bertioli | |||
| Tantomile | Milam Cacacie | |||
| Vicotria / White Cat | Maija Hikasa | |||
| Swings | Anna Campkin Kayleigh Thadani Carrie Willis Daniel Timoney Roan Pronk Freddie Clements Daniel Timoney Connor McAllister | |||
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| CAST (HISTORY) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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