Raphael Groß (Marty McFly) & Jan Kersjes (Doc Brown) © Johan Persson
Raphael Groß (Marty McFly) & Jan Kersjes (Doc Brown) © Johan Persson

Zurück in die Zukunft (seit 03/2026)
Operettenhaus, Hamburg

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
 

Robert Zemeckis’ Kultfilm „Back to the Future“ ist längst mehr als nur ein nostalgischer Scifi-Trip: Das Musical hat sich vom Londoner West End aus auf eine regelrechte Weltreise begeben. Nach Erfolgen am Broadway, in Japan und auf Tour durch die USA landet die Produktion nun im Hamburger Operettenhaus – und bringt ihre technisch beeindruckende, visuelle Intensität mit. Auch in Hamburg rast der Plutonium-DeLorean mit eins Punkt zwei eins Gigawatt zum Erfolg!

Als Teil eines über Jahrzehnte gewachsenen Kult-Franchise lebt „Zurück in die Zukunft“ auch in Hamburg von seinem Erfolgspatent  – Marty McFly und Doc Brown auf der Mission zur Errettung des Raum-Zeit-Kontinuum. Mit dabei: Der überzeichnete Antagonist, die leicht aus der Zeit gefallene Familienidylle, der Generationenwitz, die Zeitkritik mit Augenzwinkern und die skurrilen Nebenfiguren, die das Hill-Valley-Universum bevölkern. Die bekannte Handlung wird durch facettenreiche Charaktersongs merklich aufgewertet.

Unter begeistertem Fanjubel betrat am Premierenabend Bob Gale, Schöpfer der Filmvorlage und Autor des Musicalbuchs die Bühne und zeigte sich sichtlich stolz, sein Werk nun in einer weiteren Metropole verankert zu sehen. Ein symbolischer Ritterschlag für die deutsche Produktion – und gleichzeitig ein selbstbewusstes Signal: Diese im Vergleich zum Film auch inhaltlich etwas entstaubte Version will nicht bloß kopieren, sondern die Energie und Zugkraft des Kulthits aufs Deutsche Publikum übertragen.

Mit Blick nach London stellt sich im eigens optisch zum Hill Valley-Rathaus umgestalteten Operettenhaus die Frage nach den Dimensionen. Die Bühne ist spürbar kompakter als im Adelphi Theatre, die Wege kürzer; die Illusionen und Choreographien müssen dichter gepackt werden. Doch erstaunlicherweise verliert das Spektakel nichts von seiner Wirkung – im Gegenteil: Die Inszenierung wirkt stellenweise sogar fokussierter und gewinnt so an Intensität.

Die großen Momente sind alle da: die rasanten Szenenwechsel, die ikonischen Schauplätze, die effektgeladenen Zeitreise-Sequenzen und alle Originalzitate aus der deutschsprachigen Synchronisation. Tim Hatleys Kostüme und besonders detailverliebte Bühnendesigns übertragen die filmische Vorlage auch in Hamburg nahtlos auf die Bühne. Vom Wohnzimmer der McFlys über Doc Browns Labor, Martys Schule und die Straßen von Hill Valley bis zum Rathausturm entsteht ein vertrautes Universum, das gleichzeitig durch moderne Projektionstechnik massiv erweitert wird. Finn Ross‘ Videodesign fungiert dabei als eigentlicher ‚Raumöffner‘: Die Projektionen sind nicht bloß Kulisse, sondern ein aktiver Spielpartner, der Perspektiven verschiebt, Räume vergrößert und die Inszenierung mit jener cineastischen Tiefenwirkung auflädt, die immer wieder zum Staunen versetzt.

Die technische Magie funktioniert: Trotz der kleineren Bühne entfalten Projektionen, Lichteffekte und optische Tricks ihre volle Kraft. Chris Fishers Illusionen und Tim Lutkins Lichtdesign sorgen weiterhin für genau jene Momente, in denen Realität und Bühnenmagie symbiotisch verschmelzen. Der DeLorean fährt, rast, leuchtet – und ja, auch in Hamburg hebt er ab. Vielleicht nicht mit exakt derselben räumlichen Opulenz wie in London, aber mit genügend Wucht, um den Saal in kollektive Euphorie zu versetzen.

Chris Baileys Choreographien greifen die filmische Rasanz und die vielen Schauplatzwechsel innerhalb jeder Szene auf und übersetzen sie in eine durchgehend energetische, präzise getaktete Körpersprache, die auch humoristische Elemente beinhaltet. In den Action- wie Comedy-geladenen Kampfszenen von Maurice Chan finden sich zusätzliche Stimmungshighlights.

Musikalisch bleibt sich die Produktion treu: Alan Silvestris orchestrale Klangwelten und Glen Ballards Songs liefern den bekannten Mix aus Filmmusik-Pathos, beschwingten 50s-Sounds und poppiger Eingängigkeit. Dabei klingt die Band unter der Leitung von Philipp Gras voll und wuchtig. Gerade in der kompakteren Architektur des Operettenhauses entfaltet das Sounddesign von Gareth Owen eine unmittelbare, fast körperlich spürbare Präsenz. Dass die deutsche Fassung dabei so rund funktioniert, ist der hervorragenden Arbeit von Heiko Wohlgemuth zu verdanken, deren Übersetzung weit mehr ist als eine bloße Übertragung: Mit feinem Gespür für Rhythmus, Humor und Sprachfluss gelingt es, die Dynamik der Vorlage für ein deutsches Publikum neu zu justieren, ohne den Geist des Originals zu verlieren – so reihen sich die Kult-Zitate aus dem Film an ganz neue Gags und makellos aufs Deutsche übertragene Songs.

Das Ensemble singt, spielt, tanzt und agiert auf höchstem Niveau. Besonders Raphael Groß als Marty McFly überzeugt mit jugendlicher Energie, stimmlicher Klarheit und genau jener Mischung aus Charme, Selbstironie und Verunsicherung, die die Figur trägt. An seiner Seite liefert Jan Kersjes als Doc Brown eine herrlich exzentrische, schrullige und pointiert gespielte Interpretation, die mühelos zwischen kauziger Genialität und emotionaler Tiefe balanciert. Besonders die zahlreichen hysterischen Wortsalven zwischen Groß und Kersjes sorgen für viele beherzte Lacher.

Terence van der Loo gibt einen George McFly, der die Entwicklung vom verschüchterten, marottenüberhäuften Außenseiter zum selbstbewussteren jungen Mann glaubhaft und mit feinem Gespür für komödiantisches Timing nachzeichnet, während Sandra Leitner als Lorraine Baines die Kontraste ihrer Figur – zwischen rebellischer Naivität, lustvoller Sehnsucht als Jugendliche und abgebrühter, in Süchte verlagerter Ernüchterung – mit starker Bühnenpräsenz ausspielt. Beide beweisen eine wunderbare Bühnenchemie in jeder der alternativen Zeit-  und Entwicklungsstufen der Geschichte, was zu beeindrucken weiß.

Eine besondere Erwähnung verdient Hope Maine, der in einer Doppelrolle als Marvin Berry und vor allem als Goldie Wilson nicht nur gesanglich grandiose Akzente setzt. Gerade als Goldie verleiht er der Figur jene ambitionierte Strahlkraft, die sie über ihre Funktion im Plot hinaushebt und für einen der markantesten Momente des Abends sorgt. Nicht zuletzt durch seine Portraitierung werden durchaus auch kritische Aspekte, z.B. die Behandlung von Minderheiten im Amerika der 50er und 80er, beleuchtet.

Auch in den Nebenrollen ist die Produktion durchweg treffsicher besetzt: Florian Sigmund gibt einen herrlich schmierigen Biff Tannen, der mit präzise gesetzter Überheblichkeit, verrückten Wortneuschöpfungen und physischer Präsenz genau die richtige Mischung aus Bedrohung und karikierter Großspurigkeit trifft. Michiel Janssens als Dave McFly und Teresa Krall als Linda McFly zeichnen die Geschwister mit feinem Gespür für pointierte Alltagskomik, ohne sie zur bloßen Staffage verkommen zu lassen. Sonya Lachmann punktet mit tollem Popgesang und leidenschaftlicher Ausstrahlung als Martys Flamme Jennifer Parker. Auch Siegmar Tonk setzt als Rektor Strickland markante Akzente und verleiht der Figur jene unnachgiebige, doch ulkige Autorität, die selbst in kurzen Momenten Eindruck hinterlässt. Julia Fechter als ‚Clock Tower Lady‘ – die ewige Mahnerin mit dem vehementen Blick fürs Renovieren – nutzt ihre Auftritte effektiv und sorgt dafür, dass eine vermeintlich kleine Rolle im Gesamtgefüge überraschend präsent und vor allem komisch in Erinnerung bleibt.

Am Ende zeigt sich: „Zurück in die Zukunft“ ist ein makellos konzipiertes Entertainment-Produkt, dessen größte Stärke seine visuelle Durchschlagskraft bleibt. Hamburg beweist dabei eindrucksvoll, dass Größe nicht allein eine Frage der Quadratmeter ist. Die Essenz der Show – ihre Geschwindigkeit, ihre Bildgewalt, ihr Spaß am Spektakel – bleibt vollständig erhalten.

Oder anders gesagt: DeLorean, Fluxkompensator und Zeitmaschine funktionieren einwandfrei – auch an der Elbe.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
Buch / StückentwicklungBob Gale
StückentwicklungRobert Zemeckis
Musik / TexteAlan Silvestri
Glen Ballard
InszenierungJohn Rando
Bühne / KostümeTim Hatley
ChoreographieChris Bailey
Musical Supervisor / Vocal ArrangementsNick Finlow
Licht DesignTim Lutkin
IllusionenChris Fisher
Video DesignFinn Ross
Sound DesignGareth Owen
ÜbersetzungKevin Schroeder
Heiko Wolgemuth
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Marty McFlyRaphael Groß
Lino Kalich
(Michiel Janssens)
Doc BrownJan Kersjes
(Siegmar Tonk)
(Marko Formanek)
Lorraine BainesSandra Leitner
(Teresa Krall)
George McFlyTerence van der Loo
(Flavio Marullo)
(Eiko Keller)
Dave McFlyMichiel Janssens
(Charles-Douglas Mitchell)
(Denys Magda)
(Eiko Keller)
Biff TannenFlorian Sigmund
(Samuel Hoi Ming Chung)
(Eiko Keller)
Goldie Wilson, Marvin BerryHope Maine
(Charles-Douglas Mitchell)
(Sacha Setubun)
StricklandSiegmar Tonk
(Marko Formanek)
(Denys Magda)
(Eiko Keller)
Linda McFlyTeresa Krall
(Louisa Newson)
(Lisa Neitzke)
(Grace Simmons)
(Brooke Ramsey)
Jennifer ParkerSonya Lachmann
(Indy Luna Correa)
(Louisa Newson)
Clock Tower LadyJulia Fechter
Louisa Newson
(Lisa Neitzke)
(Grace Simmons)
(Brooke Ramsey)
EnsembleTeresa Krall
Indy Luna Correa
Camilla Anna Esposito
Julia Fechter
Sonya Lachmann
Nicole Reeves
Samuel Hoi Ming Chung
Paolo Cifferi
Flavio Marullo
Michiel Janssens
Louisa Newson
Benjamin Dupont Igens
Sacha Setubun
SwingCharles-Douglas Mitchell
Matteo Vigna
Denys Magda
Lisa Neitzke
Eiko Keller
Brooke Ramsey
Dance CaptainGrace Simmons
  
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE
Mi, 22.04.2026 18:30Operettenhaus, Hamburg
Do, 23.04.2026 19:30Operettenhaus, Hamburg
Fr, 24.04.2026 19:30Operettenhaus, Hamburg
Sa, 25.04.2026 15:00Operettenhaus, Hamburg
Sa, 25.04.2026 19:30Operettenhaus, Hamburg
So, 26.04.2026 14:30Operettenhaus, Hamburg
So, 26.04.2026 19:00Operettenhaus, Hamburg
Di, 28.04.2026 18:30Operettenhaus, Hamburg
Mi, 29.04.2026 18:30Operettenhaus, Hamburg
Do, 30.04.2026 19:30Operettenhaus, Hamburg
▼ 269 weitere Termine einblenden (bis 20.12.2026) ▼
 
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 14.03.2026 19:00Operettenhaus, HamburgPreview
So, 15.03.2026 19:00Operettenhaus, HamburgPreview
Di, 17.03.2026 19:00Operettenhaus, HamburgPreview
▼ 38 weitere Termine einblenden (bis 21.04.2026) ▼
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