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Die Opern Youngsters treffen mit dem Musical „Carrie“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King, in diesem Jahr eine mutige Wahl. Die Band und das Ensemble bestehen aus jungen Laien, mit Ausnahme von Susanna Panzner, die die Mutter Margaret White spielt. Herzblut, Talent – und besonders viel Kunstblut – machen die Inszenierung zu einem intensiven, immersiven Musiktheatererlebnis, bei dem man ein durchweg professionelles Ensemble vermuten könnte. Die Wahl dieses Stücks fordert das Ensemble heraus – und es besteht mit Bravour.
Im Keller des Theaters Dortmund, dem Operntreff, beginnt das Stück auf ungewöhnliche Weise: Die Darsteller liegen mit blutverschmierten Laken bedeckt zu den Füßen der Zuschauer. Während des Openings beginnen sie plötzlich zu singen und führen in eine Geschichte ein, die sich um psychische wie physische Gewalt und deren Folgen dreht. Innerhalb der nächsten zweieinhalb Stunden begleitet das Publikum Tabitha Affeldt als Carrie auf einem Spießrutenlauf, der Mobbing in der Schule, sexuelle Belästigung durch Mitschüler und den emotionalen Missbrauch durch ihre Mutter thematisiert.
Carrie ist Außenseiterin, wird grundlos ausgegrenzt und angepöbelt. Als sie nach dem Sportunterricht unter der Dusche völlig unvorbereitet ihre erste Periode bekommt und erschrocken zusammenbricht, möchte man ihr als Zuschauer die Hand reichen – im Gegensatz zu ihren Mitschülerinnen, die sie anschreien, mit Hygieneartikeln bewerfen und vor den Jungen bloßstellen. Zu Hause offenbart sich Carries private Hölle: Sie leidet schwer unter dem seelischen Druck ihrer religiös-fanatischen Mutter, wird klein gehalten. Plötzlich entdeckt sie ihre telekinetischen Fähigkeiten und ist zum ersten Mal von sich selbst fasziniert, denn weder im Glauben noch in ihrer Mutter oder in anderen Menschen findet sie einen echten Spiegel ihrer Persönlichkeit. Die Dramaturgie unter der Regie Alexander Beckers bereitet die Opfer-Täter-Umkehr der Protagonistin auf mehreren Ebenen vor. Das Publikum ist Carrie emotional sehr nahe und kann ihre Wendung zur Rache nachvollziehen, als sie an den Rand jeder Ertragbarkeit getrieben wird.
Das Highschool-Setting wird auf engem Raum greifbar gemacht. Mit wenigen Umbauten verwandelt sich die Bühne hinter dem Vorhang in Carries düsteres Zuhause. Das Bühnenbild von Dorothee Schumacher kontrastiert gekonnt das grelle, beinahe blendende Licht der Schulräume mit der beklemmenden Dunkelheit von Carries Zuhause. In Zusammenarbeit mit dem Lichtdesign von Kevin Schröter entsteht ein stimmiges Wechselspiel zwischen ‚zu viel‘ und ‚zu wenig‘; ganz so wie in Carries Innenwelt.
Auch die Kostüme, ebenfalls nach Schumachers Idee, unterstützen die Charakterzeichnung. Die wohlerzogene Schülerin im Faltenrock und mit ordentlich gebundenem Zopf trifft auf die rebellische Freundin im zerrissenen Punk-Outfit. Besonders eindrucksvoll ist die Parade bunter Abendkleider und Anzüge beim Abschlussball.
Die Choreografie von Jutta Maas bringt mit „Die Nacht, die keiner vergisst“ jugendliche Leichtigkeit auf die Bühne. Sie sitzt zur Premierenvorstellung jedoch noch nicht bei allen Darstellern sicher.
Die Musik unter der Leitung von Andres Reukauf wird von der jungen Band kraftvoll und präzise gespielt. Michael Gores Partitur klingt dynamisch und wird überzeugend umgesetzt.
Tabitha Affeldt berührt als Carrie durch ihr intensives Spiel. Ihre klar geführte, glockenhelle Stimme und ihr differenziertes Schauspiel machen spürbar, wie viel Verletzlichkeit in der Figur steckt. Besonders die Wandelbarkeit Affeldts ist beeindruckend.
Gastdarstellerin Susanna Panzner als Margaret White ist ein absoluter Glücksgriff. Ihre Figur, selbst Gefangene in einer Opfer-Täter-Umkehr, lebt ihren religiös motivierten Wahn auf grausame Weise an der Tochter aus. Panzner verkörpert diese komplexe Rolle mit erschütternder Überzeugung, sowohl darstellerisch als auch stimmlich.
Selma Kirketerp zeigt eindrucksvoll die Katharsis ihrer Figur Sue Snell auf. Besonders bewegend ist ihre Darstellung in den Verhörszenen, wenn sie in Zwangsjacke zitternd die Geschehnisse rückblickend erzählt. Ihre Mimik, Körpersprache und ihr Gesang sind berührend. Im Duett „Plötzlich Nah“ mit ihrem Spielpartner Lennart Pannek als Tommy Ross weiß Kirketerp zu berühren und zu überzeugen. Pannek glänzt durchgehend mit Sensibilität und starker Präsenz und beeindruckt mit seiner facettenreichen, klaren Singstimme.
Jule Giesenkirchen als Chris Hargensen bringt mit ihrer kraftvollen Stimme und frechen Art eine vielschichtige Gegenspielerin auf die Bühne. Trotz ihrer Härte weckt sie beim Publikum Empathie: Sie wirkt wie ein verletztes Kind, das sich nie sicher fühlen durfte. Auch ihr Spielpartner Jan Kamischke als Billy Nolan zeigt diese verletzte Härte, die sich in Grausamkeit entlädt. Seine Darstellung ist verstörend glaubwürdig.
Michael Zengerink als Mr. Stephens bringt mit seiner leicht schnodderigen Art Humor in die Inszenierung. Carolin Bernhard als Miss Gardener ist für die Figur der Carrie die einzige emotionale Zuflucht. Ihre Sterbeszene trifft das Publikum entsprechend hart.
Viele Talente scheinen hier ihren Anfang zu nehmen. Das Ensemble überzeugt durchgehend mit Spielfreude, Leichtigkeit und Energie. Die Inszenierung wirkt eindrucksvoll, weil sie emotional so unmittelbar berührt und zur Reflexion anregt.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik | Michael Gore |
| Texte | Dean Pitchford |
| Buch | Laurence D. Cohen |
| Deutsche Texte | Martin Wessels-Behrens Judith Behrens |
| Regie | Alexander Becker |
| Musikalische Leitng | Andres Reukauf |
| Ausstattung | Dorothee Schumacher |
| Choreografie | Jutta Maas |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Carrie White | Tabitha Affeldt Lisa Pauli |
| Margaret White | Susanna Panzner |
| Sue Snell | Selma Kirketerp Leonie hagen |
| Chris Hargensen | Jule Giesenkirchen Freddy Kutz |
| Tommy Ross | Lennart Pannek |
| Billy Nolan | Jan Kamischke Jacob Ambrosius |
| Miss Gardener | Carolin Bernhard Kathrin Engelhardt |
| Mr. Stephens | Michael Zengerink Sabine Flora |
| Reverend Bliss | Martin Pfohl |
| Pfleger | Sabine Flora Michael Zenterink |
| Frieda | Katja Lehnen Amani Monthé |
| Norma | Lilli Bracklow Sarah Heckner |
| Helen | Johanna Niesse Sophie Marie Stein |
| Megan | Lena Frericks - Michelle Blaurock |
| George | Leander Overthun Lauritz Kirketerp |
| Stokes | Felix Brall Dominik Kulczynski |
| Freddy | Marcel Karau Martin Pfohl |
| Projekt-Band | Andres Reukauf Florian Koch Gereon Schmelter (Sophia Lilienthal) Peter Klose Theodor Carl (Ignacio Zudaire) Frederik Poth Tim Pree (Finn Birk) |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 17.05.2025 - 04.07.2025 | Opernhaus, Dortmund | 10 x |
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