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Das Curtain Call Studio in Recklinghausen hat mit „Amélie“ sein erstes abendfüllendes Musical auf die Beine gestellt. Mit viel Liebe zum Detail und einer feinfühlig vorbereiteten Cast kann das eigentlich aus LaiendarstellerInnen bestehende Ensemble professionell glänzen.
Musicaldarsteller Kevin Köhler und Tänzerin Tatjana Jentsch leiten das Curtain Call Studio in Recklinghausen, das mit Workshops und Trainings die bunte Welt der Bühne – Tanz, Bewegung, Musik, Gesang und Schauspiel – unter die Menschen bringt, die es im Berufsleben (noch) nicht auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gezogen hat. Mit dem Musical „Amélie“ in der ehemaligen Zechenhalle Ludwig ½ wird das jetzt anders: Köhlers und Jentschs Schützlinge stellen sich der Mammutaufgabe, ein Broadway- und West End-Musical auf die Beine zu stellen. Dabei übernimmt Kevin Köhler die Regie und Tatjana Jentsch zeichnet als Choreographin verantwortlich. Als musikalischen Leiter haben die beiden niemand geringeres als den Musical Director von „Starlight Express“, Matt Ramplin, mit ins Boot genommen. Ein hochprofessionelles und erfahrenes Kreativteam, das dieser Inszenierung und ihrer Cast eine große performative Qualität verleiht.
Die einfühlsame Regie kitzelt die Potenziale der DarstellerInnen heraus und rückt sie – auch buchstäblich – immer ins rechte und förderliche Licht. Hier wird die seit der 2021er West End-Produktion (nicht immer vorteilhaft) umgestellte und im Vergleich zur deutschen Uraufführung 2019 im Münchner Werk7-Theater massiv revidierte sowie neu übersetzte Version (rundum stimmige dt. Übersetzung von Alexander Suchardt) des Musicals „Amélie“ von Craig Lucas und Daniel Messé gespielt. Suchardts rundes Übersetzungswerk wirkt jederzeit – in Dialog, Monolog und Lied – authentisch, lebensnah und erfrischend unverschnörkelt [Anm. d. Red.: Es gibt aktuell zwei autorisierte Übersetzungen zu „Amélie“, die von der bekannten Stage-Entertainment-Fassung abweichen. Die zweite Version stammt von Frederike Haas und wird bspw. aktuell in Röttingen aufgeführt]. Die Recklinghausener Inszenierung wirkt durch Köhlers Regie hier besonders verträumt und schwelgend, ruhig und beseelt.
Durch die choreographischen Abläufe, in die zumeist die gesamte, als Erzählende auftretende Besetzung eingebunden ist, entstehen zahlreiche rührende Momente und schwelgende Bilder. Die Visualität dieser Inszenierung entzückt und geht ans Herz. Mithilfe schöner Projektionen wird die Geschichte fast schon cineastisch dargeboten. Zum Teil verschmelzen die Hintergrundbilder mit dem Geschehen auf der Bühne, was vielen Szenen und Songs weitere Dimensionen verleiht.
Das Bühnenbild ist für „Amélie“ perfekt: Eine Tribüne mit rechts und links verlaufenden Flankentreppen umrahmt den Hauptspielplatz darunter. Bühnenaufgänge werden über die Seiten und auch unterhalb der Treppe vollzogen. Eine drehbare Fotobox ist das zentrale Element der Inszenierung und erweist sich als überraschend vielseitig: Neben der Fotobox wird durch Drehen derselben mal ein Séparée, mal eine Haus- oder Eingangstür oder eine Versteckmöglichkeit für die Protagonistin geschaffen. Durch einfachste Mittel entstehen stimmige Szenenbilder: Mithilfe einer Bar, die mal für das Café Des Deux Moulins und mal als Tresen für einen Erotikshop genutzt wird, und Obstkisten, die wechselnd für Luciens und Collignons Waren und durch einfaches Überwerfen von typischen Brasserie-Tischdecken zum Sitzbereich des Cafés werden, können wunderbar runde Szenen entstehen. Inszenatorisch gefällt besonders der Abschnitt, in dem Amélies suizidaler Goldfisch in der Seine ausgesetzt wird: Hier wird mithilfe einer großen Folie der Fluss dargestellt; von der Tribüne, die eine überzeugende Brücke wird, gelangt der Fisch in die Freiheit und trifft sich in Amélies Fantasie mit ihr in den Fluten für ein Adieu. Amélies Kindheit wird mittels einer Puppe dargestellt, was aus der Originalinszenierung übernommen wurde und hier auch besonders schön umgesetzt ist.
Der seichte Score von „Amélie“ bricht nur zwei Mal etwas aus, was in dieser Inszenierung für Stimmungshighlights genutzt wird: Der Auftritt von Elton John mit Gospelchor sorgt für Jubel im Publikum am Ende des ersten Aktes, und das peppige Terzett von Amélies Freundinnen gegen Ende des zweiten Teils vermag es auch noch einmal, an diese Stimmung anzuschließen. Der Rest des Abends ist gefüllt mit behutsamer, subtiler Musik, die von der Bühnenstimmung des Ensembles auch Einfluss auf das Schauspiel zeigt. Der Moment, an dem sich Amélie und Nino nach dem langen Versteckspiel endlich näher kommen und zaghafte Küsse austauschen, sorgt im Publikum für mucksmäuschenstille Rührung.
Differenzierte Lichttechnik fehlt hier zwar, aber das Lichtdesign mit den in der Halle zur Verfügung stehenden Mitteln wirkt immer passend. Besonders schön sind die Szenen, in denen sich das Ensemble mit Taschenlampen gegenseitig ins Spotlight setzt und verträumte Lichtspiele die Bühne erfüllen. Nur die Tontechnik verschluckt bei der vom Band kommenden Musik immer wieder große Teile der gesprochenen und gesungenen Parts des Ensembles, was gerade im ersten Akt etliche Abschnitte unverständlich macht – auch für Teile des Publikums, die weit vorne und somit direkt auf Augenhöhe mit den DarstellerInnen sitzen.
Diese wiederum strahlen mit Spielfreude und sind auf feinfühlige Art aufgrund ihrer Fähigkeiten und jeweiligen Ausstrahlung größtenteils passend auf ihre Rollen besetzt. Alle 15 DarstellerInnen gefallen gesanglich in den Ensemblenummern als Chor, wobei Lisa Hesener als Gina und Melvin Schulz-Menningmann als stimmgewaltiger Elton John gesanglich auf Profi-Niveau begeistern. Im Frauenterzett mit Johanna König als Georgette und Meike Pöther als Suzanne zu „Ein bess’rer Haarschnitt“ generiert Hesener einen gesanglichen Höhepunkt, während Schulz-Menningmann mit „Goodbye, Amélie“ überzeugt. Besonders authentische schauspielerische Ausstrahlung beweisen zudem Richard Alexander Becker als Joseph und Rike Schütt als Philomène. Mit großer Bühnenenergie kann zudem Simon Luca We als Lucien und um die Welt reisender Gartenzwerg punkten. Timmy Thompson gibt einen grundsympathischen Nino, der stimmlich mit „Wird’s auf einmal hell“ und „Die Luft wird dünner“ überzeugen kann. Profundes, nuanciertes und differenziertes Schauspiel zeigt Ley Akpinar in der Titelrolle. Ihre Amélie ist gleichsam niedlich wie verschroben, introvertiert wie leidenschaftlich, liebevoll wie resolut. Gefühlvoll und zart singt sie ihre Duette: „Bleib“ zusammen mit Thompson und „Halbe Strecke“ mit Verena Strass, die Amélies verstorbene Mutter Amandine spielt. „Schwere Zeiten für die Träumer“, Amélies großes Solo und wohl das bekannteste Lied des Stücks, interpretiert Akpinar zerbrechlich, was der Rolle gut zu Gesicht steht. Jede Emotionsregung der jungen Schauspielerin ist authentisch und berührt. Eine Performance, die in Erinnerung bleibt.
Für das Curtain Call Studio ist „Amélie“ ein gelungener Einstand in die Welt der abendfüllenden Musicalunterhaltung und es bleibt zu hoffen, dass auch künftig das Ruhrgebiet durch Köhlers und Jentschs Visionen bereichert wird.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Regie | Kevin Köhler |
| Musikalische Leitung | Matt Ramplin |
| Choreografie | Tatjana Jentsch |
| Deutsche Übersetzung | Alexander Suchardt |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amélie Poulain | Ley Akpinar (Rike Schütt) |
| Raphael Poulain | Jens Fasel |
| Amandine Poulain | Verena Strass (Katrin Hoffmann) |
| Nino | Timmy Thompson |
| Sylvie | Judith Loick |
| Gina | Lisa Hesener (Kerstin Trant) |
| Collignon Bretodeau | Bernd Hetjens |
| Lucien | Simon Luca Wellner |
| Dufayel | Heinz Joachim Heinze |
| Georgette | Johanna König (Kerstin Trant) |
| Suzanne | Meike Pöther (Kerstin Trant) |
| Philomène | Rike Schütt (Nathalie Corhsen) |
| Joseph | Richard Alexander Becker |
| Hipolito / Elton John | Melvin Schulz-Menningmann Dennis Schäfer |
| Blinder Bettler / Tourist | Dario Kotte |
| Operndiva | Katrin Hoffmann |
| Ensemble | Nathalie Corhsen |
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| 21.06.2025 - 29.06.2025 | Halle König Ludwig 1/2, Recklinghausen | 8 x |
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