| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) |
Fabelhaft ist anders: Trotz einer textlich wie musikalisch schwachen Vorlage punktet bei den Frankenfestspielen in Röttingen die Musical-Fassung von „Amélie“ mit einem stimmigen Cast, schmucker Ausstattung und einer soliden, an der filmischen Vorlage orientierten Inszenierung von Intendant Lars Wernecke.
Eine neurotische Mutter und ein eiskalter Vater bilden nicht gerade ein ideales Elternpaar, in dessen Obhut ein Kind glücklich aufwachsen und sich wohlbehütet entfalten kann. Aufgrund eines irrtümlich diagnostizierten Herzfehlers ist Amélie in solch einem paranoid-lieblosen Elternhaus gefangen und wächst von der Außenwelt isoliert, nur mit einem Goldfisch als Freund, auf. Als die Mutter durch einen zufälligerweise auf sie herabstürzenden Selbstmörder stirbt, streut der Vater deren Asche in den Kopf eines Gartenzwerges, der fortan als ihr Mausoleum dient. Für Amélie ist das die Initialzündung, eigene Wege zu gehen. Gerade erwachsen geworden, heuert die junge, introvertierte Frau als Kellnerin in einem kleinen Pariser Bistro auf dem Montmartre an. Allerdings lebt sie auch dort in ihrem eigenen Kosmos, aus dem sie sich nur in kleinen Schritten hervortraut. Mit wachem Blick und schüchternem Charme zieht sie dabei andere Menschen in ihre fabelhafte Welt, indem sie ihnen mit kleinen Freudentaten hilft. Gleichzeitig schlägt mit dem geheimnisvollen Nino bei Amélie die erste große Liebe wie ein Blitz ein.
2001 eroberte dieser Stoff als romantische Komödie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ die Leinwände, wurde mehrfach preisgekrönt und zählt zu den größten Kassenschlagern des französischen Kinos. Das darauf basierende, 2015 uraufgeführte Musical behält die Handlung der Vorlage bei. Und das ist ein Problem, mit dem auch Lars Werneckes Inszenierung bei den Frankenfestspielen zu kämpfen hat, denn es mangelt Craig Lucas‘ Buch an einer fesselnden Handlung. Trotz vieler Reminiszenzen an den Film – wie das Probieren von auf die Fingerkuppen aufgesteckten Himbeeren, Amélies markanter Bob-Frisur oder das bunte Kostümbild von Angela Schuett – verliert sich Werneckes romantisch-poesievoll erzählende, solide Regiearbeit in einem langatmigen, belanglosen Seelen-Wirrwarr ohne Höhepunkte. Auch wenn die wie an einer Perlenkette aufgereiht präsentierten kleinen Geschichten das eine oder andere Mal berühren, und Stefan Mocks variables Bühnenbild viel frankophiles Flair verströmt: Vorlagenbedingt vermag es die Aufführung nicht, ihr Publikum zu elektrisieren.
Anders als noch bei der europäischen Erstaufführung 2019 in München, autorisiert die aktuelle deutsche Neufassung nicht mehr Heiko Wohlgemuths deutsches Buch. Es wurde vom Verlag durch zwei alternative Übersetzungen von Alexander Suchardt (2024) beziehungsweise eine in diesem Jahr entstandene, in Röttingen erstmals gezeigte Variante von Frederike Haas, ersetzt. Hintergrund ist, dass nicht nur textliche Änderungen aus der West End-Fassung von 2021 in das Musical eingeflossen sind, sondern auch die in Daniel Messés Original-Partitur nachträglich integrierten, populären Passagen aus Yann Tiersens Film-Soundtrack entfernt worden sind. Damit fehlt dem Stück genau das, was ein gutes Musical ausmacht: Mitreißende, abwechslungsreiche Kompositionen mit Ohrwurm-Charakter. Da mag sich die über der Bühne postierte, agile Acht-Personen-Band unter der Leitung von Rudolf Hild noch so engagiert ins Zeug schmeißen: Daniel Messés monotone Noten langweilen, klingen wie von der Resterampe und kaum eine Melodie vermag sich richtig im Gehörgang festzusetzen. Ein rühmlicher Ausreißer aus dem musikalischen Einheitsbrei ist lediglich die gospelige Hymne „Goodbye, Amélie“, die das Publikum beschwingt in die Pause entlässt.
Dennoch ist der Besuch des Musicals in der wirklich stimmungsvollen Spielstätte, dem Innenhof der hochmittelalterlichen Burg Brattenstein, zu empfehlen, insbesondere wegen eines stimmigen, bei den Frankenfestspielen stets aus Profis und Laien zusammengestellten Casts. Vielbeschäftigt und fast permanent in unterschiedlichen Rollen auf der Bühne, präsentiert er sich in Spiel und Gesang wie aus einem Guss und bewegt sich auch in den eher unauffälligen Gruppen-Choreografien von Patrick Stauf auf den Punkt.
Rein vorlagenbedingt steht im Zentrum natürlich Amélie, deren Partie sich im ersten Akt zwei Darstellerinnen teilen. Dabei begleitet Marie-Sophie Weidinger mehr oder weniger als Beobachterin und Kommentatorin ihr jüngeres Pendant durch ihre schwere Zeit im schwierigen Elternhaus. In der besuchten Vorstellung begeistert Marit Striffler nicht nur als bemitleidenswerte, heranwachsende Amélie, sondern überzeugt auch in ihren Gesangsaufgaben mit schöner Stimme. Weidinger nimmt sich in diesen Szenen als Profi etwas zurück, zeigt aber danach, dass in ihr eine sehr gute Darstellerin steckt, die mit Kulleraugen, kleinen Gesten, großer Stimme und elegantem Tanz begeistert. Gemeinsam mit Pascal Jounais in der Rolle des sonderbaren Nino, an den Amélie ihr Herz verliert, bringt sie zudem die schmachtenden Balladen auf hohem Niveau zu Gehör.
Mit wohltönendem Bariton interpretiert Martin Sommerlatte „Das Mädchen mit Glas“, einen Song, mit dem der an der seltenen Glasknochenkrankheit leidende Maler Julien Dufayel seine ihn beobachtende Nachbarin Amélie zu sich ins Atelier einlädt. Kristin Schulze und Stefan Reil setzen stimmliche Akzente unter anderem als verkorkst-tyrannisches Elternpaar, während Sebastian A. Ciminski-Knille als schriller Superstar Elton John im bereits erwähnten Pausen-Finale abräumt.
In verschiedenen Rollen gefallen außerdem Nadine König, Cathleen C. Fink, Robin Ziehbrunner und die sieben Mitglieder des Extra-Ensembles. Zum Abschluss eines durchwachsenen Abends trotzt der gesamte Cast in der besuchten Vorstellung den Widrigkeiten des zum Vorstellungsende einsetzenden Regens. Auf dem Montmartre in der Burg Brattenstein herrscht wie im Musical eben nicht nur eitler Sonnenschein.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inszenierung | Lars Wernecke |
| Musikalische Leitung | Rudolf Hild |
| Choreografie | Patrick Stauf |
| Bühnenbild | Stefan Mock |
| Kostüme | Angela Schuett |
| Deutsche Übersetzung | Frederike Haas |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amélie Poulain | Marie-Sophie Weidinger |
| Nino Quincampoix | Pascal Jounais |
| Amandine Poulain / Suzanne Sacripant | Kristin Schulze |
| Georgette Cornuel / Silvie Legrandin / Goldfisch / Madame / Frau | Nadine König |
| Gina Wells / Falsche Bretodeau 2 | Cathleen Chiara Fink |
| Hipolito Jeunet / Elton John / Priester / Gartenzwerg | Sebastian A. Ciminski-Knille |
| Julien Dufayel / Joseph Cottard / Fremder | Martin Sommerlatte |
| Raphael Poulain / Dominique Bretodeau / Tourist | Stefan Reil |
| Lucien Villeparisis / Blinder Bettler / Gutaussehender Typ / Falscher Bretodeau 1 | Robin Ziehbrunner |
| Junge Amélie Poulain | Emma Reißmann-Balling Marit Striffler |
| Philomene de Noirpois u. a. | Antje Eckhoff-Fieber |
| Collignons Mutter u. a. | Nicole Reißmann-Balling |
| Collignon u. a. | Ringo Wunderlich |
| Collignons Vater u. a. | Thilo Göbel |
| Adrien Wells / Mysteriöser Mann u. a. | Karl Kuhn |
| Diverse Rollen | Mariella Münig |
| Musiker | Ralf Brösamle Matthias Zippel Hubert Holzner Joe Krieg Christoph Reiss Alexander Berger Rudolf Hild Christiane Dehmer |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| GALERIE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
















| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| keine aktuellen Termine |
|---|
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Do, 19.06.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | Premiere | |||||||
| Sa, 21.06.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| Fr, 27.06.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| ▼ 8 weitere Termine einblenden (bis 23.08.2025) ▼ | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 28.06.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| So, 06.07.2025 19:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| Fr, 11.07.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| So, 20.07.2025 19:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| Do, 24.07.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| Sa, 09.08.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| So, 10.08.2025 19:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | ||||||||
| Sa, 23.08.2025 20:30 | Hof der Burg Brattenstein, Röttingen | Dernière | |||||||
| ▲ Termine ausblenden ▲ | |||||||||
Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.

