| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte |
Die Volksbühne am Rudolfplatz ist seit fünf Jahren Spielstätte des erfolgreichen Comedy-Musicals „Himmel und Kölle“. Mit großer Herzlichkeit erzählen Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob die Geschichte des schwäbischen Jungpfarrers Elmar, der mit seinem ersten Einsatzort in Köln hadert – hatte er doch auf eine ländliche Gemeinde gehofft. Doch der entwaffnenden Offenheit der Kölner – insbesondere einer ganz bestimmten Kölnerin – kann sich auch Elmar nicht entziehen, auch wenn er sich das zunächst nicht eingesteht. Das Stück zeugt mit viel Lokalkolorit von großer Immersion und vom Einbezug des Publikums.
Gil Mehmerts Regie erweckt Figuren mit kölschem Naturell mit viel Witz und Selbstironie zum Leben: das Herz auf der Zunge, offen, humorvoll und stets ein wenig im Feiermodus, geprägt von einer unverwechselbaren Mundart, die nicht nur im Karneval funktioniert.
Anfänglich scheinen sich die beiden Hauptfiguren Kathy und Elmar wie in zwei verschiedenen Welten über die Bühne zu bewegen, bis sie sich schließlich tatsächlich begegnen. Das Rummelige, Unruhige der Großstadt bleibt stets präsent, stiftet am Ende aber Verbindung anstatt – wie vielleicht vermutet – zu separieren.
Das Bühnenbild von Gil Mehmert und Julie Wiesen wird im Hintergrund von einer gekachelten Rückwand begrenzt, deren oberes Ende die Kölner Skyline ziert. Dahinter, zur Hälfte verdeckt, ist das dreiköpfige „Orchester“, wie es in der Ankündigung heißt, unter der musikalischen Leitung von HC Petzoldt platziert. Dank der ordentlichen Tonabmischung entfalten die drei Musiker die Partitur mit viel Schwung und unterstreichen damit die Lebendigkeit der Geschichte und der Stadt, von der hier erzählt wird. Vom Mischpult aus wird das Geschehen zudem wirkungsvoll mit Alltagsgeräuschen kommentiert – etwa dem Zuschlagen einer Tür oder dem charakteristischen ‚Plöpp‘ beim Öffnen einer Flasche Kölsch, was dem Abend einen authentischen Sound verleiht.
Ein großes Orchester wäre hier fehl am Platz – die Partitur von Andreas Schnermann wird vom dreiköpfigen Musiker-Ensemble gut zur Geltung gebracht. Pathos entfaltet sich trotzdem, etwa wenn Elmar mit sich, Gott und seinen aufkeimenden Gefühlen für Kathy ringt („Ich wollte Priester sein) oder wenn Kathy ihre bevorstehende Hochzeit infrage stellt („Die Liebe braucht kein Schloss“). Flotte Rhythmen ergeben sich bei Elmars Kampf mit dem „Zölibat“.
Ein besonderer, auch musikalischer, Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Gastdarsteller Kalle Pohl, der dem Neuankömmling – wie auch den Tourist:innen im Publikum – das „Kölner Echo“ erklärt: Gesungen wird gegen die gekachelte Wand, beziehungsweise die vierte Wand des Bühnenraums, die das Lied schließlich zu Ende singt. So stimmt Pohl die erste Zeile eines Liedes des 1. FC Köln an und das textsichere Publikum übernimmt den Rest. An dieser Stelle wird die Immersion für Einheimische wie Zugereiste gleichermaßen greifbar.
Die Kostüme folgen nach einer Idee von Judith Peter überwiegend einer schlichten, zeitlosen Alltagsästhetik. Der jeweiligen Szenerie angepasst, setzt sie jedoch immer wieder Akzente – beispielsweise mit den Skelettanzügen, in denen die Gebeine der Heiligen Drei Könige eine überraschend dynamische Steppchoreografie von Bernd Paffrath hinlegen. Auch die übrigen Choreografien von Yara Hassan wirken belebend für das Stück. Die Bewegungsabfolgen in den Ensemblenummern sind zwar häufig einfach gehalten, aber doch wirkungsvoll.
Zentrales Element des Bühnenraums sind variable Sitzklötze, die sich mithilfe austauschbarer, bunt gestalteter Silhouetten in Bänke, Zugabteile oder Sofas verwandeln lassen. Auch ein Großteil der Requisiten besteht aus solchen Silhouetten, was der Inszenierung einen comichaften, beinahe zweidimensionalen Look verleiht, der Geschichte aber auch ein Teil ihrer Natürlichkeit nimmt.
Julian Culemann bietet mit seiner Darstellung des Elmar Besucher:innen der Rheinmetropole, die Kölsch nicht verstehen, Möglichkeit zu Identifikation: Zunächst wehrt sich Culemanns Elmar zusehends mit verschlossener Körpersprache und harschem Ton gegen seine Berufung nach Köln. Er versteht nur Bahnhof als ihm die rheinische Mundart um die Ohren fliegt („Willkommen in Köln“), wird aber rasch immer milder in Ausdruck und offener in der Körpersprache („Da bin ich locker“). Nicht-Kölner, die vielleicht zunächst wegen der Sprachbarriere selbst verwirrt sind, können diese Entwicklung mitgehen und mit Culemanns Darstellung die Öffnung und das anschließende Ankommen Elmars emotional nachvollziehen. Culemann überzeugt durch die authentisch vermittelte Gutherzigkeit und emotionale Tiefe seiner Figur ebenso wie durch warme Klangfarbe und klare Intonation. Einzig sein Minenspiel wirkt stellenweise etwas überzogen.
Mit großer Spielfreude glänzt Vera Bolten als Haushälterin Moni mit ihren punktgenauen „Brüllern“. Schon ihr schelmischer Blick, mit dem sie den neuen Jungpfarrer in die Gepflogenheiten des Pfarrheims einführt, macht sie zur charismatischsten Erscheinung des Abends. Bolten beweist in dieser Rolle einmal mehr ihr schauspielerisches und gesangliches Können.
Auch Daniel Berger als sächsischer Taxifahrer, der an Köln vor allem kritisiert, dass man „nirgendwo links abbiegen kann“, bereichert das kleine Ensemble. Verschroben und liebenswert verkörpert er den Zugereisten, der nie ganz ankommt – bis er seine Liebe findet.
Kathy, die vermeintliche Braut in spe, wird von Nadine Kühn mit verspielter Leichtigkeit und gefühlvollem Gesang dargestellt. Besonders im Zusammenspiel mit Culemann kann sie glänzen und die emotionale Disharmonie mit ihrem Verlobten Mattes, Max Lochmüller, bringt sie glaubhaft auf die Bühne. Lochmüller gibt seiner Figur eine bewusst aalglatte, stereotype Note – passend zu einem Mann, der die Frau am Ende wohl nicht halten kann. Im Gesang und im Spiel der „Kachelspezialisten“ harmoniert er mit Tino Selbach deutlich stärker („Wir kacheln die Welt“).
Lochmüller und Berger übernehmen am Abend des Vorstellungsbesuchs zusammen mit Sharon Rupa und Jana Band, die das Ensemble als Brautjungfern, Tänzerinnen und Gesangschor ergänzen, zahlreiche weitere Rollen, wie beispielsweise einen türkischen Familienclan. Ihre Wandelfähigkeit schenkt dem Stück Dynamik.
Alles in allem ist „Himmel und Kölle“ ein herzerwärmendes Musical, das zwar optisch nicht durchweg überzeugt, dafür aber mit viel Lokalkolorit und Humor eine liebevolle Einführung in kölsche Gepflogenheiten darstellt.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Buch | Dietmar Jacobs Moritz Netenjakob |
| Script Consultant | Alistair Beaton |
| Musik | Andreas Schnermann |
| Musical Supervisor | Jürgen Grimm |
| Inszenierung | Gil Mehmert |
| Choreografie | Yara Hassan Bernd Paffrath |
| Musikalische Leitung | HC Petzoldt |
| Bühne | Gil Mehmert Julie Wiesen |
| Lightdesign | Michael Grundner |
| Kostüme | Judith Peter |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| == 2025/26 == | ||||
|---|---|---|---|---|
| Elmar, Pfarrer | Markus Schneider | |||
| Kathy, angehende Braut | Nadine Kühn | |||
| Mattes, Verlobter von Kathy | Raphael Grosch | |||
| Schwaadlappe, Kompagnon von Mattes | André Haedicke (Florian Sigmund) | |||
| Moni, Pfarrhaushälterin | Vera Bolten | |||
| Taxifahrer | Daniel Berger | |||
| Jenny, Freundin von Kathy | Sharon Rupa | |||
| Meike, Freundin von Kathy | Jana Band | |||
| Walk In Cover Elmar | Julian Culemann | |||
| Walk In Cover Taxifahrer | Tino Selbach | |||
| Walk In Cover Schwaadlappe | Tino Selbach | |||
| Walk In Cover Moni | Marie Lumpp | |||
| Swings | Janina Keppel Celine Vogt Maximilian Lochmüller Stefan Stara | |||
| Special Guests an ausgewählten Terminen | Tanja Schumann Henning Krautmacher Isabell Varel Jürgen Becker Kalle Pohl Mirja Boes Tom Gerhardt | |||
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| CAST (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| GALERIE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|













| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| keine aktuellen Termine |
|---|
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| SPIELORTE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 29.10.2020 - 29.03.2026 | Volksbühne am Rudolfplatz, Köln | 679 x |
Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.

