„Tarzan“ in Oberhausen funktioniert – wie schon die Vorgängerversionen in Hamburg und Stuttgart – bestens. Der New Yorker Original-Tarzan Josh Strickland bringt zudem ein gewisses „Broadway-Feeling“ an die Ruhr und überzeugt als Dschungelheld auf ganzer Linie. Die Titelrolle teilen sich Alexander Klaws, Josh Strickland und Anton Zetterholm. Die Spielzeit in Oberhausen endet im September 2018.
„Tarzan“ ist also nun in Oberhausen angekommen. Auch hier ist das Opening spektakulär inszeniert, auch hier hangeln sich die Affen-Darsteller durch das Publikum und auch hier faszinieren die akrobatischen Choreografien. Zum Inhalt und zur Inszenierung müssen nicht mehr viele Worte verloren werden, denn diese sind fast 1:1 mit den Vorgängern vergleichbar.
Einige Kleinigkeiten sind „tourneetauglicher“ geworden. Beispielsweise kommt das Hubpodium für die Szene, in der Tarzan seiner Angebeteten den Dschungel präsentiert, nicht mehr aus dem Bühnenboden, sondern wird von hinten hereingefahren. Auch wirkt der Dschungelhintergrund durch die etwas offener gestalteten „Absprungpunkte“ nun realistischer als die grünen Bänder vorher, die sehr plakativ wirkten.
Das eigentlich Neue bzw. Besondere an der aktuellen Spielserie ist jedoch, dass Josh Strickland – der „Ur-Tarzan“ vom New Yorker Broadway – erneut in die Rolle des Affenmenschen schlüpft, die er 2006 kreierte.
Zuallererst sei beruhigt: Sein Deutsch ist gut, und man merkt, dass an der Intonation stark gearbeitet wurde – wichtig für eine Hauptrolle in einem auf Deutsch gespielten Musical, sei der Darsteller auch noch so gut. Gesangstechnisch ist Strickland brillant. Grandios beispielsweise „Wer ich wirklich bin“, der Song bei dem sich Tarzan fragt, wo seine eigentliche Herkunft liegt: Selten hat man die Nummer so kraftvoll gehört, und selten hat ein Tarzan-Darsteller den Song in solche Höhen katapultiert. Ein Gänsehaut-Moment, bei dem man Stricklands Erfahrung mit dem Stück sowie seine Lust an der Rolle zu erkennen vermutet. Auch sonst gleitet er mühelos durch den anstrengende Part und harmoniert hervorragend mit „seiner“ Jane. Tessa Sunniva van Tol gefällt in dieser Rolle. Sie spielt die Forscherin gewohnt naiv und sympathisch, aber mit etwas dunkler gefärbter Stimme als ihre Rollenvorgängerinnen.
Der gesamte Cast ist mit Schwung bei der Sache, was sich besonders bei den ausdrucksstarken Choreografien des Stückes erkennen lässt. Hervorzuheben ist Massimiliano Pironti als Tarzans Kumpel Terk, der – trotz deutlicher Phonetikprobleme – mit Witz und guter Stimme überzeugen kann. Etwas flach dagegen Patrick Stanke als „Silberrücken“ Kerchack. Sein Bühnencharakter könnte etwas mehr herrisches Gehabe vertragen – den Anführer einer Gorillasippe stellt man sich imposanter vor.
Alles in allem bietet „Tarzan“ nach wie vor beste Disney-Unterhaltung, spektakuläre Choreografien und eine anrührende Geschichte, die derzeit in Oberhausen mit einer ausgezeichneten Cast zu sehen ist. Die Chance, den Original-Broadway-Tarzan noch einmal in seiner Parade-Rolle zu sehen – und das, ohne einen Transatlantik-Flug auf sich nehmen zu müssen – sollte man sich nicht entgehen lassen.
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