„Malle Olé – Das Musical, das ballert“ lässt zwei Welten aufeinanderprallen: Sämtliche Klischees bedienend und das Stilmittel der Überspitzung zu Tode strapazierend kommt die schrecklich flache Story daher, deren Stilistik vor Vulgärsprache nur so strotzt. Dennoch zündet die Show jedes Niveau vermissend nach sechs erfolgreichen Previews auch beim partymachenden Publikum seiner Weltpremiere im Theater am Marientor in Duisburg. An einem kalten Wintertag im Januar kommen ganz bestimmte Urlaubserinnerungen auf.
Das Buch von Sven-Oliver Müller, Matthias Dinter und Martin Ritzenhoff bindet genregerecht Mallorca-Party-Hits wie „Mamma Lauda“, „Layla“ oder „20 Zentimeter“, teils neu arrangiert, teils mit Textanpassungen, und auch ganz neue Nummern wie „Endlich keine Jungfrau mehr“ von Harald Reitinger in die Story ein. Diese ist rasch zusammengefasst: Installateur Alex flieht mit seinen Saufbrüdern nach Mallorca, um dort Party zu machen und seinen Liebeskummer im Bier zu ertränken. Am Flughafen begegnet er bereits seiner Ex-Freundin Laura, die mit ihrer Mädelsclique die gleiche (Schnaps-) Idee hatte. Beide unternehmen so einiges, um einander zu vergessen. Verstrickt in einen Skandal um das Kultlokal „Bierpark“ treffen die Verflossenen dann doch wieder aufeinander.
Ohne Scham und Scheu spart das Buch nicht an Obzönitäten: Da heißt die Nobel-Yacht auch schonmal „Vixe“, es werden anstößige Begriffe verwendet, die sich um sexuelle Begegnungen oder die Entleerung des Magens oder der Blase drehen. Zwischendurch wird gerülpst und schließlich der nächste Gesang angestimmt, den die Partygemeinde im Zuschauerraum – in die Szene eingebunden – lauthals mitgrölt. Ebenso werden die ersten Reihen angeleitet, bei Sprechchören wie „Schluck, Schluck, Schluck!“ mitzugehen. Der Versuch, eine Immersion für erfahrene Urlauber der Schinkenstraße zu schaffen, geht offensichtlich voll auf und entsprechend steigt die Partystimmung. Zuschauer: innen, die in der Erwartung eines Musicals die Show besuchen, wähnen sich jedoch im völlig falschen Film oder „wie auf einer Tupperparty auf Chrystal Meth“. Dabei lässt sich hier nicht einmal von einer geistreichen Persiflage des Genres sprechen: Der Gipfel der Geschmacklosigkeit ergießt sich schließlich in Form von Erbrochenem in einer Kapitänsmütze, das noch zur Schau gestellt wird, bevor Stefan Reil sich diese Abscheulichkeit in der Rolle des Viktor auch noch auf den Kopf setzt.
Das Kreativteam weist wahre Größen ihres jeweiligen Gewerkes auf: Unter Erik Petersens Regie sind schon zahlreiche klassische Musicals auf die Bühne gekommen. So kommen auch hier ästhetische und eindrucksvolle Gestaltungselemente zum Tragen, die aber über das Machwerk des Buches und des Musikstils einer scheinbar anderen Welt nicht hinwegtrösten können. Es bleibt dabei, dass die Inszenierung die eigentliche Zielgruppe des Genres „Musical“ am Ende schließlich verpasst. Eine „Sing-Along-Show“ hätte es begrifflich besser getroffen.
Die Choreographien nach Sabine Arthold sind das absolute Highlight der Inszenierung: Die Showtanzpassagen mit Hip-Hop- und Akrobatik-Einlagen können sich durchweg sehen lassen und heizen dem Publikum zu Recht ordentlich ein.
Isabella Reicheneder zeichnet für das Bühnendesign verantwortlich: Feinsinnig und treffend sind die mehrteiligen LED-Projektionen im Hintergrund und ermöglichen mit zusätzlichen Requisiten rasche Szenenwechsel vom Strand ins Bierlokal und auf die Luxusyacht. Mit ein paar Handgriffen schiebt und zieht das Ensemble a cappella singend bewegliche Teile des Bühnenaufbaus auf und ab und heizt mit seinem Gesang zugleich das Publikum zum Weitersingen an – was stets zündet.
Die Kostüme nach einer Auswahl und den Ideen Mara Lena Schönborns sind der jeweiligen Szenerie und Charaktere angemessen ein- und umgesetzt: Die Gäste der Partylocations tragen oft knallbunte Hemden, Shorts und knappe Röcke, dazu entsprechende Accessoires wie Sonnenbrillen und Handytaschen. Die Prostituierten treten in schwarzen Corsagen, Lack und Leder auf. Das Personal und die Gäste auf der Luxusyacht sind allesamt in edlem Weiß gekleidet. Securities und Polizist: innen tragen entsprechende Uniformen.
Bei diesem Jukebox-Musical zündet selbst die Musik aus der Retorte und trifft den authentischen Ton des Mallorca-Feelings, das scheinbar nur dann in die Gänge kommt, wenn sämtliche Ansprüche zurückgeschraubt werden. Dennoch wäre für künftige Vorstellungen eine ausgewogene Abmischung gerade der Chorgesänge wünschenswert – sollten entsprechende Zuschauer: innen auf einem Textverständnis bestehen. Die Partyhits ziehen vor allem durch ihre Popularität beim Publikum, das diese bereits von der mallorquinischen Partyszene kennt. Ein Fehlen auch des musikalischen Anspruchs und eine durchgehende Niveauflexibilität sind hier erforderlich.
Die Castlist weist ein paar im Musicalgenre bekannte Namen auf, die sich hier jedoch buchbedingt unter jedem künstlerischen Wert verkaufen:
Als größter Lichtblick im Cast mimt Stefan Reil den Antagonisten Viktor, der die Partykultur Mallorcas zum Erliegen bringen und die naive Laura flachlegen will. Gesanglich folgt er einer klaren Linie und bringt selbst Geschmacklosigkeiten, wie das Aufsetzen der vollgespuckten Mütze, mit einer gewissen Würde über die Bühne.
Anthony Curtis Kirby gestaltet seine Rolle des Peters selbst mit flachen Pointen unter der Gürtellinie, sodass man ihm diese zwar abkauft, aber auch sein Augenzwinkern dabei nicht verpasst. Mit Charme und einer gewissen Ironie in seinem Spiel weiß Kirby die Zuschauer: innen für sich zu gewinnen. Zudem heizt er dem Publikum mit coolen Tanzperformances ein.
Alex, der seiner verpassten Liebe Laura nachtrauert und alles andere als ein starker Charakter ist, wird dem Buch entsprechend weitgehend charismatisch von Peter Knauder gespielt. Das Trottelige seiner Figur nimmt man ihm dank seinem überzeugendem Spiel ab. Das Buch sieht dagegen nicht vor, Alex im Gesang glänzen zu lassen.
Knauders Spielpartnerin, Lisa Kimberly Schöppl, wirkt als Laura neben ihm blass und bleibt auch innerhalb der Mädchenclique neben Jessica Kessler als Michelle und Jennifer Siemann als Olivia sowohl gesanglich als auch im Spiel die schwächste Darstellerin. Ihre Rolle als Protagonistin erhält vom Buch unglücklicherweise wenig Profil, aber auch ihre Pointen sitzen einfach nicht.
Kessler singt ihre weiblichen Mitstreiterinnen an die Wand und gibt bei den Choreographien sichtlich Vollgas. Als Anheizerin stimmt sie zahlreiche Gesänge im Theatersaal an wie bei „Das Boot hat keine Bremse“.
[An dieser Stelle stand ein Absatz zu Jennifer Siemann (Olivia). Wir haben hierzu den Kontakt mit dem Team von “Malle Olé” gesucht und den Absatz bis zur Klärung der Sachlage zunächst ausgeblendet.]
Das durchweg tanzfreudige Ensemble zeichnet sich im Weiteren durch dünne stimmliche Besetzung aus. Die Dancemoves sitzen allerdings und sind vielleicht genau das gestalterische Element der Show, dem auch ein musicalerfahrenes Publikum etwas abgewinnen kann, wenn es über die oft allzu platten Songtexte und anzüglichen Dialoge hinweghört.
Menschen ohne Mallorca-Gen in der DNA ist ein Besuch der Show grundsätzlich nicht zu empfehlen. Partyurlauber Mallorcas können sich dieses Jahr aber vielleicht sogar die teure Anreise in den Süden sparen: Das Programm startet mit der Immersion und einem „Vorglühen“ vor der Show und endet erst weit nach dem Abschlussapplaus mit einer anschließenden After-Show-Party im Theater am Marientor, sodass vor allem Mallorca-Fans mit dem Gesamtpaket der Show auf ihre Kosten kommen.
| Kurzbewertung | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | ||||
| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Buch | Sven-Oliver Müller Matthias Dinter Martin Ritzenhoff |
| Produzenten | Harald Reitinger Sven-Oliver Müller |
| Arrangements | Ulrich Fischer Andreas Slavic Mike Rötgens Harald Reitinger |
| Inszenierung | Erik Petersen |
| Choreographie | Sabine Arthold |
| Lichtdesign | Dieter Bucco |
| Ton | Jens Sievers Martin Weber Franziskus Scharpff |
| Setdesign | Isabella Reicheneder |
| Ausstattung | Marika Antesberger |
| Requisite | Ines Göbel Daniela Feick |
| Kostüme & Maske | Mara Lena Schönborn |
| Kurzbewertung | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | ||||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Michelle | Jessica Kessler (Ann-Kathrin Amborn) |
| Alex | Peter Knauder (Robert Schmelcher) |
| Viktor | Stefan Reil (Robert Schmelcher) |
| Jonas | Till Jochheim (Robert Schmelcher) |
| Peter | Anthony Curtis Kirby (Robert Schmelcher) |
| Laura | Lisa Kimberly Schöppl |
| Olivia | Jennifer Siemann |
| Sabrina/ Sissi/ Carmen | Fiorina Bogatu |
| Ensemble | Amelie Rachbauer Victoria Lisowski Lisa-Victoria Ebner Martina Vinazza Adrian Infeld Liam Tiesteel Johannes Gratz Iman Khaleghi |
| On Stage Swings | Anna Reeves Antonello Papagno Johannes Breitsamter |
| In-House Swing | Lina Sbaita |
| In-House Cover | Julia Schillings |
| Walk-Ins | Nathalie Schöning Sascha Laue |
| Kurzbewertung | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | ||||
| GALERIE | |||||||||
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| Kurzbewertung | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | ||||
| TERMINE | |||||||||
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| Do, 12.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg | |
| Di, 17.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg | |
| Mi, 18.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg | abgesagt |
| Do, 19.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg | |
| Fr, 20.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg | |
| Sa, 21.02.2026 14:00 | Theater am Marientor, Duisburg | |
| Sa, 21.02.2026 19:00 | Theater am Marientor, Duisburg |
| Kurzbewertung | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | ||||
| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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