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Vor zehn Jahren ging ein erfreutes Raunen durch die Reihen der anglophilen Musicalfans. Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper„ sollte endlich nach Hause kommen: Eine französischsprachige Aufführung wurde für das Théâtre Mogador in Paris angekündigt. Doch kurz vor der Premiere dann die Hiobsbotschaft: Nachdem bei einem Brand Kulissen und Kostüme beschädigt wurden, musste die Show abgeblasen werden. Ob nun der Operngeist dahintersteckte oder doch die mauen Ticketverkäufe – das Theater wurde einige Monate später mit „Grease„ wiedereröffnet und vom „Phantom“ war nie mehr die Rede. Bis sich jetzt ein französisches Team, bestehend aus Komponist Marc Demais, Texter Pierre-Yves Lebert und Regisseur Julien Alluguette, der Sache annahm und eine ganz eigene Adaption des Buchs von Gaston Leroux auf die Bühne des plüschigen Théâtre Antoine brachte. In der französischen Berichterstattung schwang dann auch ein wenig Stolz mit, nun doch lieber eine eigene Version zu haben, statt des englischen Importes. Aber taugte sie nun was?
Das Urteil: Zwiespältig. Würde es sich hier um eine erste Workshop-Fassung handeln, wäre es Grund zu Begeisterung und Vorfreude, doch für ein fertiges Musical ist der knapp 80-minütige Einakter, bei dem gerade einmal sieben Personen auf der Bühne stehen, dann doch etwas wenig fürs Geld. Sehenswert ist diese Adaption jedoch allemal, schon alleine, weil sie ganz anders mit der Vorlage umgeht als die Lloyd-Webbersche Fassung.
Abgesehen von einer recht seltsamen Nebenhandlung um Operndirektor ‚Amadeus‘ Firmin (Fabian Richard) als verhinderten Komponisten, der „Don Juan Triumphant“ zunächst als sein eigenes Werk ausgibt, bleibt die Handlung wesentlich näher am originalen Schauerroman von Gaston Leroux. Im Mittelpunkt steht eher der junge, blendend aussehende Raoul (Louis Buisset), der hier wesentlich dreidimensionaler angelegt ist und gleich zu Beginn in einem schönen Solo von seiner mit Christine verbrachten Kindheit in der Bretagne singt. Der in einer Maske durch die Pariser Oper geisternde Erik (Bastien Jacquemart, der ironischerweise seinerzeit im ALW „Phantom“ als Raoul angedacht war) wird dagegen von Anfang an als Antagonist eingeführt: Ein Psychopath, der Christine für immer bei sich behalten will, sodass es ihr in ihrem einzigen Solo dann auch nicht schwer fällt, sich für Raoul und „Leben und Licht“ zu entscheiden. Christine (Maélie Zaffran) ist hier eine vergleichsweise kleine Rolle und es ist schade, dass ihr von Erik gecoachtes, gefeiertes Operndebüt nicht von einem eigenen Lied repräsentiert wird.
Eine deutliche Aufwertung erfährt dagegen Madame Giry (Catherine Arondel), die hier wie in der Roman-Vorlage als Platzanweiserin in der Oper arbeitet (und als solche die vierte Wand durchbricht, wenn sie zu Beginn der Vorstellung das reale Publikum begrüßt). Komplettiert wird das Ensemble von Ana Ka als eine aus den Cabarets von Montmartre hereingeschneite Carlotta und Victor Marichal als geheimnisvollen Perser, der Raoul schließlich den Weg in die Katakomben der Oper weist, um Christine aus den Klauen des Phantoms zu befreien.
Das letzte Wort hat dann schließlich doch Erik und Bastien Jacquemart gelingt es mit dem finalen großen Solo „Comme tout de monde“ die Herzen des Publikums zu brechen, wenn er davon singt, dass er doch eigentlich nur wie alle anderen sein wollte, ehe er endgültig in die Schatten verschwindet.
Auf das üppige Brimborium der Andrew Lloyd Webber Version warten Fans hier vergeblich – es gibt weder einen See samt Ruderboot noch einen fallenden Kronleuchter. Doch dies hat die Show auch gar nicht nötig, denn lebt sie kammerspielartig vor allem von den weit tiefgründigeren Charakteren und ihrer Interaktion. Das Bühnenbild von Casilda Desazars besteht vor allem aus zwei beweglichen Treppenteilen, die mal Christines Garderobe, mal die Opernbühne und mal die Katakomben andeuten, was aber durchaus ausreicht, um die jeweils richtige Atmosphäre zu erzeugen.
Die Musik von Marc Demais, die wie in französischen Shows oft üblich vom Band eingespielt wurde, orientiert sich eher am Franco-Pop der großen Spéctacles und hätte es mit ihren starken Solosongs verdient, zumindest auf Tonträger festgehalten zu werden.
Vor allem aber wäre es zu wünschen, dass diese Kurzfassung als eine Art Tryout dienen würde, auf die eine abendfüllende, üppigere Inszenierung aufgebaut werden könnte. Doch ob die Show, die noch bis Mitte Januar im Théâtre Antoine zu sehen ist, eine Zukunft hat, ist derzeit unklar. Wer sie also noch sehen will, sollte sich schnell Richtung Paris bemühen.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Texte | Pierre-Yves Lebert |
| Musik | Marc Demais |
| Buch | Benoit Solès |
| Inszenierung | Julien Alluguette |
| Bühnenbild | Casilda Desazars |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Raoul de Chagny | Louis Buisset |
| Erik le Fantôme de l’Opéra | Bastien Jacquemart |
| Christine Daaé | Maélie Zaffran |
| La Carlotta | Ana Ka |
| M. Firmin | Fabian Richard |
| Mme Giry | Cathy Arondel |
| Gaby / Persan | Victor Marichal |
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| GALERIE | |||||||||
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