Rachel Marron (Sidonie Smith) und Ensemble von "The Bodyguard" © Paul Coltas
Rachel Marron (Sidonie Smith) und Ensemble von "The Bodyguard" © Paul Coltas

NEUE REZENSION
The Bodyguard (seit 11/2025)
Tournee (ATG Touring GmbH)

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Superstar Rachel Marron und ihre Familie müssen von Bodyguard Frank Farmer vor einem gefährlichen Stalker beschützt werden – doch auch Liebe und Eifersucht mischen sich in das gefährliche Spiel: Die Tourversion von „The Bodyguard“ beweist Musical-Exzellenz in allen Gewerken. Wuchtiger Sound, dynamisches Storytelling, ein stimmiges Set Design, tolle Choreographien und ein Ensemble, das Weltklasse-Niveau beweist. Sidonie Smith in der Hauptrolle ist eine Offenbarung!

Schon in fünfzehn Ländern wurde „The Bodyguard“, basierend auf dem 1992er Filmhit von Lawrence Kasden mit Whitney Houston und Kevin Costner, auf die großen Bühnen geschickt. Das beweist die große Beliebtheit des Ausgangsstoffes, der Romanze mit Thriller vereint und mit den von Houston interpretierten Liedern untrennbar verbunden ist. Dass immer mehr UK-Touren auch Zwischenstopps in den hiesigen Gefilden – und dabei am verlässlichsten im Theater 11 in Zürich – einlegen, ist auch bei diesem Musical eine große Bereicherung. Internationales Flair erfüllt den Zuschauersaal, dessen Bühne sich für knapp zwei Stunden in einen Blockbuster verwandelt.

Das Buch von Alexander Dinelaris ist kurzweilig und straff erzählt, was unter Thea Sharrocks Regie glücklicherweise nicht ausgebremst wird. Kaum ein zweiaktiges Musical entfaltet seine Handlung so dynamisch und rasch, schafft es aber dank Regie, flotten und fließenden Szenenwechseln und ausdrucksstarker Besetzung, trotzdem nicht gehetzt oder oberflächlich zu werden. Auf das opulente Bühnenbild vom West End wird hier als Tourproduktion weitestgehend verzichtet. Dennoch wirkt Tim Hatleys Bühnenbild nicht reduziert, sondern stimmig, sinnvoll und wertig. Szenen werden in der Kombination von wenigen Requisiten – sei es ein Bett, ein Sofa oder eine Bar – mit Hängeprospekten gestellt. So entstehen im Handumdrehen unterschiedliche Schauplätze: Rachels Villa, Fletchers Schlafzimmer, eine Jazz-Kneipe, eine Disco, das Hinterzimmer des Stalkers, eine Karaoke-Bar, ein Tonstudio oder die Bühne des Dolby Theatres bei der Verleihung des Academy Awards.

Auch die umrahmte, leuchtende Aufmachung des Bühnenportals erweckt den Eindruck eines Live-Films. Mark Hendersons theatralisches Lichtdesign potenziert diese Blickweise auf das Stück um ein Vielfaches: Mit großen, stadionhaften Lichteinstellungen werden die Showballaden bewegend in Szene gesetzt und die den Bühnenrahmen komplett säumenden Scheinwerfer sorgen für eindrucksvolle Momente in den triumphalen Konzertszenen von Superstar Rachel Marron. Doch auch die reduzierten, intimen Szenen weiß Henderson perfekt auszuleuchten. Tim Hatleys Kostümbild wirkt in Symbiose mit Campbell Youngs Haar- und Make-Up-Design und erweckt visuell die ikonischen Szenen des Ursprungsmaterials zu neuem Leben. Vor allem Rachels Showkleider, allen voran das wunderschöne Kleid bei der Oscar-Verleihung, sind echte Hingucker. Duncan Mcleans Video Design, das mittels großer Projektionen dramaturgisch relevante Schlüsselszenen eindringlich visualisiert, rundet das optische Gesamtbild ab und besticht vor allem am Anfang mit den eindrucksvollen Aufnahmen von Rachel im Close-Up vor dem Opener „Queen of The Night“.

Dies gilt auch für Karen Bruces energetische, ausgesprochen anspruchsvolle und mitreißend moderne Showtanz-Choreographie, die sogar vor Akrobatik nicht zurückschreckt. Das Ensemble besteht aus exzellenten TänzerInnen, die sich auf höchstem Niveau befinden und die Gänsehaut-verursachenden Choreographien in Perfektion umsetzen. Bruce hat ganze Arbeit geleistet: Selten wirkt eine Tanzsprache so homogen, ohne auch nur eine Sekunde redundant zu werden, und gleichzeitig so ausdrucksstark und übersprühend.

Neben den herausragenden tänzerischen Fähigkeiten beweist das 11-köpfige Ensemble auch darstellerische Makellosigkeit und eine harmonische, optimal eingespielte Symbiose miteinander. Ob als „Where Do Broken Hearts Go“ trötende Karaoke-Mädels, Rachels Kreativteam, Sicherheitspersonal oder überschwängliche Fans der großen Diva: Alle Wechsel passieren so flüssig mit den filmischen Szenenwechseln, dass man wirklich von ‚Kino auf der Bühne‘ sprechen könnte. Während Matt Milburn als Rachels PR-Chef Sy Spector mit Charisma und Druck versucht, die Karriere seiner Klientin trotz aller Gefahren Richtung Oscar-Verleihung zu lenken, gibt John Macaulay als Manager Bill Devaney einen wohlwollenden, väterlichen Gegenpol.

James-Lee Harris verkörpert den gefährlich attraktiven Stalker mit Gänsehaut-Faktor: Seine langsamen Bewegungen, der besonnen wirkende Fokus und die überhebliche Süffisanz gepaart mit Schwermut macht seine Figur zu einem überzeugenden Antagonisten, dessen Bedrohlichkeit auch zu spüren ist, wenn er nicht physisch auf der Bühne anwesend ist. Die Rolle des kleinen Wirbelwinds Fletcher teilen sich vier Jungs auf der Tour. In der rezensierten Vorstellung waren aufgrund eines unplanmäßigen Wechsels im zweiten Akt zwei von ihnen zu sehen: Sowohl Cale Cole als auch Rio Chigwedere sind schon kleine Profis. Mit schauspielerischem Fokus und dem Wechsel von cooler, jungenhafter Lässigkeit zum verstörten, ängstlichen kleinen Kind spielen beide glaubhaft – zudem singen und vor allem tanzen sie fantastisch und mit sichtbarer Spielfreude. Dass Fletcher den emotionale Dreh- und Angelpunkt für die drei Hauptfiguren Rachel, Nicki und Frank darstellt, ist durch das authentische Schauspiel der Nachwuchs-Darsteller jederzeit nachvollziehbar.

Neben den drei genannten Charakteren könnte man für diese Inszenierung einen besondere vierte Hauptfigur ausmachen: das Sounddesign von Richard Brooker und seinem Team. Wuchtig fetzt der Sound der virtuos spielenden, sechsköpfigen Band unter der Leitung von Charlie Ingles durch das Auditorium. Der Bass dröhnt und bringt die Sitzplätze des Züricher Theater 11 zum Beben. Atemberaubende Toneffekte wie aus einem Hollywoodstreifen drücken das Publikum förmlich in die Sitze. Musik, Stimmen und Effekte gelangen in einem meisterhaften Wechselspiel von bewusster Zurückhaltung bei bedrückender Stille, unheilvollem Spannungsaufbau oder romantischer Zartheit mit der Kraft und dem Druck von ausgelassener Konzertlaune oder hochdramatischer Eskalation.

Broadway- und West End-Star Adam Garcia gibt Frank Farmer ganz nach dem Motto ‚Harte Schale, weicher Kern‘ und weiß damit zu gefallen. Charismatisch, empathisch und sichtlich zwischen Professionalität und Gefühlen hin- und hergerissen interpretiert Garcia seinen Bodyguard. Es braucht einen guten Vokalisten, um überzeugend einen schlechten Sänger zu mimen: Garcia darf in einer Karaoke-Szene zu „I Will Always Love You“ herrlich dämlich und unbeholfen durch das Lied nuscheln, was wohl das Comedy-Highlight der Story ist. Seine zwischen Zuneigung und Pflichtgefühl wankende Verbindung zu Rachel und ihrer Familie macht Garcia durch nuanciertes Schauspiel überzeugend nachvollziehbar.

Mit großer Stimme und tiefgehendem Spiel begeistert Sasha Monique als Nicki Marron, deren Rolle als Schwester, die immer in der zweiten Reihe stand, eine große Tragik entfaltet. Ihre Solo-Lieder „Saving All My Love for You“ im ersten Akt und das herzzerreißende „All At Once“ im zweiten Teil bewegen durch klare Stimmprägnanz und emotionales Spiel, wobei das Duett mit Sidonie Smith zu „Run To You“ besonders harmoniert und die Stimmen der beiden Sängerinnen sich gegenseitig zu potenzieren scheinen. Anrührend interpretiert sie die ambivalente Beziehung zu ihrer berühmten Schwester und ihr liebevolles Auge auf ihren Neffen Fletcher.

Sidonie Smith triumphiert in der Rolle der großen Diva Rachel Marron. Ihre Show-Persona für die Öffentlichkeit bestimmt jede der Konzertszenen und hat eine Strahlkraft, die ‚larger than life‘ scheint – auch tänzerisch gesehen. Rachel ist keine klassische Protagonistin; ihr wohnt eine gewisse Ambivalenz inne: So sehnt sie sich angesichts der an allen Ecken zu lauern scheinenden Katastrophe nach Ruhm und Anerkennung und auch ihre Liebe zu Sohn und Schwester wird oftmals von ihren Ambitionen überschattet. Im Kern jedoch ist sie tief und herzlich: Eine selbstbestimmte, starke Frau mit dem Drang nach Freiheit, die sich das nimmt, was sie will – aber aufgrund der Bedrohung plötzlich Angst und schwache Momente zulassen muss. Diese Komplexität so auszulegen, dass die Figur greifbar und nachvollziehbar bleibt, ist eine schauspielerische Meisterleistung, die Smith mittels unzähliger Nuancen gelingt. Zu keinem Zeitpunkt sind die Gedanken und Intentionen ihrer Rachel nebulös: Gefühle spielt sie mit Leidenschaft und Bewusstheit nach Außen, ohne je unnatürlich zu wirken. Ihr exzellentes Charakterportrait muss den Vergleich mit Broadway-Superstar Heather Headley, die die Rolle auf der Bühne kreierte, nicht scheuen. Gesanglich erschafft Smith ihre eigene Interpretation ihrer Rolle, die sich von Headley und dem immer über der Geschichte wabernden Geist von Houston abzusetzen vermag. Mit großer, von Emotionen getragener Stimme und einer fast unerschöpflichen gesanglichen Bandbreite werden so gleich vier Whitney-Balladen – „Greatest Love of All“, „I Have Nothing“, „One Moment in Time“ und das Liebeslied schlechthin, „I Will Always Love You“ – zu überwältigenden Showstoppern.

Nach einem filmreifen, intensiven Ende erweist sich Smith mit ihrem Ensemble als eisbrechende Entertainerin und bringt das Publikum mit „I Wanna Dance With Somebody“ zum Feiern.


Die englischsprachige Originalversion kommt für einige Vorstellungen ins Theater 11 in Zürich und tourt anschließend nach München, Berlin und Frankfurt.

 
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KREATIVTEAM
BuchAlexander Dilenaris
InszenierungThea Sharrock
Bühne / KostümeTim Hatley
ChoreographieKaren Bruce
Orchestrierung / zusätzl. MusikChris Egan
Musical Supervisor / Vocal ArrangementsRichard Beadle
Licht DesignMark Henderson
Video DesignDuncan McLean
Sound DesignRichard Brooker
Musikal. LeitungCharlie Ingles
BandJemma Starling
Tim Bloomer
Gareth Lieske
Dan Hall
Dave Stewart
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Rachel MarronSidonie Smith
Rachel Marron AlternierendMireia Mambo
Frank FarmerAdam Garcia
Nicki MarronSasha Monique
Sy SpectorMatt Milburn
Bill DevaneyJohn Macauley
Tony SibelliJonathan Alden
The StalkerJames-Lee Harris
Ray CourtRyan Bennett
FletcherRio Chigwedere
Cale Cole
Prince Conteh
Mason Dyett
EnsembleTaylor Bridges
Ohanna Greaves
Mireia Mambo
Alice Readie
Theo UK Rose
Luke Walsh
Zirihi Zadi
SwingKayne Gordon
Emma Jane Smith
Yiota Theo
Luke Woollaston
  
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TERMINE
Fr, 05.12.2025 19:30Theater 11, Zürich
Sa, 06.12.2025 14:30Theater 11, Zürich
Sa, 06.12.2025 19:30Theater 11, Zürich
So, 07.12.2025 13:30Theater 11, Zürich
So, 07.12.2025 18:30Theater 11, Zürich
Di, 09.12.2025 19:30Theater 11, Zürich
Mi, 10.12.2025 18:30Theater 11, Zürich
Do, 11.12.2025 19:30Theater 11, Zürich
Fr, 12.12.2025 19:30Theater 11, Zürich
Sa, 13.12.2025 14:30Theater 11, Zürich
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TERMINE (HISTORY)
Di, 25.11.2025 19:30Theater 11, ZürichPremiere
Mi, 26.11.2025 18:30Theater 11, Zürich
Do, 27.11.2025 19:30Theater 11, Zürich
▼ 8 weitere Termine einblenden (bis 04.12.2025) ▼
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