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Der Spielplan des Musical Frühlings in Gmunden war schon immer besonders innovativ. Nach Uraufführungen wie „Briefe von Ruth“, deutschsprachigen Erstaufführungen wie dem im vergangenen Jahr hochgelobten „Dear Evan Hansen“ oder Andrew Lloyd Webbers „Die Frau in Weiß“ schenken die beiden Intendanten des Musical Frühlings Markus Olzinger und Elisabeth Sikora sich und dem Publikum zum 10jährigen Jubiläum erneut eine Uraufführung: „Saving Mozart“ der jungen britischen Komponistin Charli Eglinton, die hier ihr Debüt im deutschsprachigen Raum gibt. Mit ihrer frischen musikalischen Handschrift und innovativer Erzählweise wirft sie einen ungewöhnlichen Blick auf die Geschichte Mozarts – überraschend modern, pointiert und emotional vielschichtig.
Anders als viele Biopic-Musicals stellt „Saving Mozart“ nicht die Titelfigur in den Mittelpunkt, sondern zwei Frauen, die in seinem Leben zentrale Rollen spielten: seine Schwester Maria Anna, genannt „Nannerl“, und seine spätere Ehefrau Constanze. Eglinton rückt dabei das eigentliche Wunderkind der Familie Mozart in den Fokus – eine hochbegabte Musikerin, die von ihrem Vater vor allem deshalb gefördert wird, um als Vorbild für ihren Bruder zu dienen. Constanze wiederum wird als Muse Mozarts gezeigt, die mit eigenem Willen und klarem Verstand nicht nur seine Kompositionen inspiriert, sondern auch Konflikte auslöst: Weder Mozarts Vater Leopold noch Constanzes Mutter Aloisia Weber befürworten die Ehe der beiden. Dass sich Wolfgang durch die Entscheidung, Constanze zu heiraten, von seinem Vater emanzipiert, bleibt dabei eher ein Nebenaspekt – die Handlung behält konsequent die Perspektive der beiden Frauen im Fokus.
Musikalisch schafft Eglinton einen Soundtrack, der wie eine Hommage an Mozart wirkt und doch ganz eigenständig bleibt. Immer wieder zitiert sie ihr großes Vorbild, ohne es plump zu kopieren. Einzelne Takte oder Motive erinnern deutlich an bekannte Werke, lösen sich dann aber in völlig neue, eigenständige Melodien auf. Auffällig ist dabei der starke Fokus auf Rhythmus: Nahezu alle Songs sind von mitgeklatschtem Takt unterlegt, was dem Score ein durchgehendes Tempo verleiht. Dieser Rhythmus wirkt dabei nie eintönig, sondern verleiht „Saving Mozart“ seinen besonderen, frischen Sound und eine spürbare Energie, die die gesamte Erzählung trägt.
Auch die Choreografien von Taylor Walker greifen diesen Impuls auf: Sie sind rhythmisch präzise, wirken energetisch, modern und zugleich ungewöhnlich – eine wirkungsvolle Ergänzung zur musikalischen Struktur und zur lebendigen Erzählweise der Show. Das Orchester des Musical Frühlings steht unter der mittlerweile bewährten Leitung von Jürgen Goriup. Nur elf Musiker sitzen im Orchestergraben, doch ihr Spiel klingt bemerkenswert voll: kraftvoll und mächtig in den lauteren Momenten, präzise und feinfühlig in den stillen. Die Abmischung zwischen Orchester und Cast ist hervorragend gelungen – ein entscheidender Faktor bei einer Show, die so stark auf Rhythmus setzt. Auch das Background-Ensemble ist klanglich bestens eingebettet und rhythmisch präzise aufeinander abgestimmt. Der Teufel liegt im Detail – und manchmal auch in der Live-Situation: Bei der Premiere musste zu Beginn des zweiten Akts eine Szene aufgrund eines Fehlers im Orchester kurz unterbrochen und neu gestartet werden. Eine kleine Panne, die zeigt, dass hier live musiziert wird – mit all der Energie, aber eben auch der Unvorhersehbarkeit, die das Theater ausmacht.
Die englischen Originaltexte stammen – ebenso wie die Musik und das Buch – von Charli Eglinton. Die deutsche Übersetzung stammt von Elisabeth Sikora. Ihr gelingt eine moderne, flüssige Sprache, die dennoch immer wieder Anklänge an die Zeit der Handlung aufnimmt. Besonders treffend fängt sie das leicht Derbe und Alltägliche ein, für das auch Wolfgang Amadeus Mozart bekannt ist. Dabei bleibt sie nah am Original und passt sich dennoch so präzise an die Melodien an, dass es stellenweise wirkt, als wäre das Stück ursprünglich auf Deutsch geschrieben worden.
Regisseur Markus Olzinger lässt die Inszenierung mit einem Bruch zur historischen Erzählweise beginnen: Mozart selbst tritt zu Beginn aus der Gegenwart auf und kündigt an, seine Geschichte erzählen zu wollen. In den ersten Szenen kommentiert er das Geschehen noch, da der junge Wolfgang zunächst von einem anderen Darsteller verkörpert wird. Mit dem Erwachsenwerden seiner Figur wird Mozart selbst Teil der Handlung – die Kommentare treten in den Hintergrund. Dieses Konzept erlaubt elegante Zeitsprünge und verbindet verschiedene Erzählebenen auf spielerische Weise.
Das Bühnenbild von Markus Olzinger setzt auf klare Strukturen mit historischer Anmutung: Vier große Wandelemente mit daran befestigten Spiegeln bilden den Hintergrund und verleihen der Inszenierung einen eleganten, zeitlich verorteten Rahmen. Zwei bewegliche Holzkonstruktionen werden flexibel eingesetzt – mal als Wohnung der Familie Mozart, mal als schlichtes Gästezimmer der Webers, in dem Wolfgang vorübergehend lebt. Eine der Konstruktionen verfügt über eine Treppe und ermöglicht so eine zusätzliche Spielebene. Wenige Requisiten wie Tische und Stühle genügen, um unterschiedliche Schauplätze anzudeuten. Im Hintergrund sorgt eine LED-Leinwand, die die gesamte Bühnenhöhe und -breite umfasst, für atmosphärische Projektionen. Unterstützt wird das Bühnenbild durch ein stimmungsvolles Lichtdesign von Ingo Kelp, das die Szenen in passende Farb- und Lichtstimmungen taucht.
Die Kostüme von Julia Pschedezki spielen gekonnt mit der Epoche, in der die Geschichte verortet ist, und vermischen historische Elemente mit modernen Akzenten. Während Figuren wie Leopold Mozart oder Mozarts Mutter in klassisch anmutenden Gewändern und Frisuren auftreten – mit nur dezenten zeitgenössischen Details –, wirkt Salieri mit schwarzem Spitzen-Outfit, großer goldener Brille und auffälliger Halskette wie ein Pop-Star seiner Zeit. Besonders bei Constanze und Nannerl zeigt sich der moderne Blickwinkel: Beide tragen häufig Hosen – ein bewusster Bruch mit der historischen Erwartung. Selbst wenn sie Kleider tragen, sind diese so transparent, dass die Hosen darunter sichtbar bleiben – ein stilistisches Mittel, das historische Silhouetten mit heutiger Ästhetik verbindet.
In der Rolle des Salieri überzeugt Jelle Wijgergangs mit ausdrucksstarkem Gesang und präzisem Spiel. Er verleiht der Figur eine souveräne Arroganz, die sowohl in seinen Bewegungen als auch in seiner stimmlichen Präsenz spürbar wird. Yngve Gasoy-Romdal gibt Leopold Mozart die notwendige Strenge und zeigt zugleich in leisen Momenten die innere Zerrissenheit der Figur. Besonders eindrucksvoll wirkt sein Duett „Ich sag Nein“ mit Meimouna Coffi als Aloysia Weber, in dem die beiden gegen die Beziehung von Wolfgang und Constanze ansingen. Leah Delos Santos als Anna Maria Mozart verleiht ihrer Figur große Wärme, die im Lied „Er ist noch ein Kind“ besonders zur Geltung kommt.
Denis Riffel spielt den erwachsenen Wolfgang Amadeus Mozart mit großer Präsenz und feinem Gespür für Zwischentöne. Er verleiht der Figur eine stimmige Mischung aus Leichtigkeit, Naivität, Nachdenklichkeit und künstlerischer Tiefe. Riffel wirbelt förmlich über die Bühne, ist zugleich kraftvoll und verletzlich, aufbrausend und sensibel – und fängt so die innere Zerrissenheit und Genialität seiner Figur überzeugend ein. Michaela Thurner verkörpert Constanze als wilde, ungezähmte junge Frau mit klarer Haltung. Ihr Zusammenspiel mit Denis Riffel wirkt glaubhaft und lebendig. Gesanglich überzeugt sie besonders in „Wie eine Nachtigall“, in dem sie Koloraturen, angelehnt an Mozarts Königin der Nacht, mit fester Stimme und großer Leichtigkeit meistert.
Tamara Pascual spielt Nannerl mit großer emotionaler Tiefe. Sie zeigt eindrücklich die Entwicklung des eigentlichen Wunderkinds, das sich – als Frau ihrer Zeit – dem Talent und Ruhm ihres Bruders unterordnen muss. Stimmlich überzeugt sie mit großer Bandbreite: kraftvoll in ihren Solos, mit sanfter, berührender Stimme im Duett „Musik, die in dir klingt“ mit dem jungen Wolfgang, berührend gesungen von Paulina Felice.
Auch das Ensemble, dem Meimouna Coffi, Jan-Eike Majert, Steven Seale und Monika Schweighofer angehören, überzeugt in mehreren kleineren Rollen. Alle vier zeigen sich wandlungsfähig und verleihen ihren Figuren trotz kurzer Auftritte jeweils ein eigenes Profil.
Im Interview mit der Musicalzentrale berichtet Charli Eglinton, dass sie lange nach dem richtigen Zugang gesucht hat, um Mozarts Leben musikalisch zu erzählen. Schließlich fand sie ihn nicht in der Titelfigur, sondern in zwei Frauen: seiner Schwester Nannerl und seiner Frau Constanze. Beide hatten maßgeblichen Einfluss auf Mozarts musikalischen Weg – als Inspiration, Korrektiv, Spiegel und später auch als Bewahrerin seines Erbes. Dass ihre Geschichten in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend unbeachtet geblieben sind, war für Eglinton als Komponistin Anlass und Auftrag zugleich. „Saving Mozart“ gibt diesen beiden Biografien nun erstmals eine eigene Bühne – klug, rhythmisch packend und voller musikalischer Ideen. Es wäre überraschend, wenn dieses Stück nicht über Gmunden hinaus seinen Weg in die Welt finden würde.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Regie & Bühnenbild | Markus Olzinger |
| Musikalische Leitung | Jürgen Goriup |
| Choreografie | Taylor Walker |
| Choreografie-Assistenz | Bonny Rose Brookes |
| Kostüme | Julia Pschedezki |
| Lichtdesign | Ingo Kelp |
| Visual Artists | VAME |
| Maske | Renate Harter |
| Tondesign | Roland Baumann |
| Regie- & Produktionsassistenz | Ana Wybkea Gutschke |
| Orchestermanagement & Korrepetition | Tomaš Küfhaber |
| Korrepetition | Daniela Fišerova |
| Kostümassistenz/Garderobe | Stephanie Thun-Hohenstein |
| Licht-Assistenz | Manuel Agril |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wolfgang Amadeus Mozart | Denis Riffel (Jelle Wijgergangs) |
| Maria Anna "Nannerl" Mozart | Tamara Pascual |
| Constanze Mozart | Michaela Thurner |
| Leopold Mozart | Yngve Gasoy-Romdal |
| Anna Maria Mozart | Leah Delos Santos |
| Antonio Salieri | Jelle Wijgergangs (Jan-Eike Majert) |
| Cäcilia Weber, Kaiserin Maria Theresia | Meïmouna Coffi |
| Erzbischof Hieronymus Colloredo | Steven Seale |
| Kaiser Franz Joseph | Jan-Eike Majert |
| Ensemble | Jan-Eike Majert Meïmouna Coffi Steven Seale Monika Schweighofer |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 11.04.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | Premiere | |||||||
| Sa, 12.04.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| Mo, 21.04.2025 16:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr, 25.04.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| Sa, 26.04.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| So, 27.04.2025 16:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| Fr, 02.05.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| Sa, 03.05.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| Sa, 10.05.2025 19:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
| So, 11.05.2025 16:30 | Stadttheater, Gmunden | ||||||||
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