Frank Winkels (Herod), Thomas Heyer (Pilate), Rob Fowler (Jesus), Ruud van Overdijk (Judas), Sharon Sexton (Mary)© Thomas Wunsch
Frank Winkels (Herod), Thomas Heyer (Pilate), Rob Fowler (Jesus), Ruud van Overdijk (Judas), Sharon Sexton (Mary)© Thomas Wunsch

Jesus Christ Superstar (2025)
Bergische Symphoniker, Solingen

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

Eine musikalisch aufwendige konzertante Version der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber sorgt im Teo Otto Theater in Remscheid für ein mitreißendes Musical-Erlebnis zur vorösterlichen Zeit. Die Passionsgeschichte wird auf eindrucksvolle Weise von hochkarätigen und charismatischen Solisten interpretiert und von den Bergischen Symphonikern, einer rocklastigen Band sowie über hundert Chorstimmen begleitet.

Unter der musikalischen Leitung Christoph Spenglers entsteht so ein klanggewaltiges Spektakel. Die Partitur – geprägt von Rock-, Gospel-, Folk- und Funk-Elementen – wird meisterhaft zum Leben erweckt und bietet dem Publikum ein wahres musikalisches Highlight.

Besonders hervorzuheben ist die starke Besetzung der Hauptrollen, allen voran die Darstellung der Jesus-Figur durch Rob Fowler. Er entführt das Publikum direkt in das Geschehen des Pessachfestes vor 2000 Jahren in Jerusalem – und zugleich in die Gegenwart eines Mannes mit all seinen menschlichen Zügen, dessen religiöse und politische Wirkung bis heute umstritten bleibt. Durch die nuancierte Darstellung der Interpreten werden alle ambivalenten Positionen innerhalb der Erzählung – die missverstandene politische Revolution seiner Zeit, der Umgang mit Ruhm und Manipulation sowie die Bedeutung von Demut – eindrucksvoll vermittelt.

Der Bühnenaufbau ist bewusst schlicht gehalten. Es wird gänzlich ohne Kulisse und Requisiten gearbeitet, sodass Musik und Gesang im Mittelpunkt der Darbietung stehen. Im hinteren Teil der Bühne ist der Chor vor einer dunklen Leinwand positioniert, auf die lediglich ein Kreuz projiziert wird. Die Band spielt zwischen Chor und den Bergischen Symphonikern, die einen Großteil der Bühne einnehmen. Spengler dirigiert im Sitzen, Rücken an Rücken mit Rob Fowler. Dieser nutzt zeitweise seinen Stuhl als „Bühne“, um den Chor als seine Jüngerschaft zu grüßen.

Auch auf aufwendige Kostüme wird verzichtet, nicht jedoch auf symbolhaftes Farbenspiel: Die Interpreten der politischen Gegner Jesu sind allesamt in Schwarz gekleidet und sitzen auf der linken Seite der Bühne. In der Mitte Fowler als Jesus in heller Jeans und weißem Hemd, daneben Ruud van Overdijk als Judas in Grau, Sharon Saxton als Mary in ein mehrschichtiges Gewand gehüllt sowie Florian Hinxlage als Peter/Simon in Alltagskleidung.

Fowler erweist sich als perfekte Besetzung für die Rolle des Jesus. Er versteht es, das Publikum bzw. seine ‚Gefolgschaft‘ in seinen Bann zu ziehen und allein durch sein Mienenspiel zu wirken. Dabei bedient er alle Emotionen, die der historische Jesus auch bei seinen Zeitgenossen hervorgerufen haben soll: Es mag zunächst unkonventionell wirken, wenn er rittlings auf seinem Stuhl thront und vorgibt, Kaugummi zu kauen. Auch der offensichtliche Flirt zwischen ihm und Maria Magdalena, dargestellt von Sharon Sexton, mag polarisieren. Besonders mitreißend sind jedoch die Szenen des Gebets („Gethsemane“) und der Geißelung, als er unter rein akustisch dargestellten Peitschenhieben schließlich zusammenbricht. Stimmlich beeindruckt Fowler durch seine enorme Sangeskraft, die besonders in „Gethsemane“ zur Geltung kommt – hier singt er bewusst kurzzeitig ohne Mikrofon und fleht Gott aus Leibeskräften an, bevor er das Mikrofon wieder nutzt. Sowohl Lautstärke als auch Präzision bleiben konstant – ob technisch verstärkt oder nicht.

Ruud van Overdijk gibt einen leidenschaftlichen Judas. Er scheut sich nicht, auch die hässlichsten Emotionen mimisch und gesanglich zur Schau zu stellen. Immer wieder begeistert er mit seiner kraftvollen ‚Rockröhre‘ und scheint mit Fowler als Jesus in Konkurrenz zu stehen. Das Publikum sympathisiert mit ihm, da seine Figur ein großes inneres Ringen durchlebt. Stimmlich überzeugt van Overdijk auf ganzer Linie und wechselt mühelos zwischen harten und sanften Tönen.

Sharon Sexton als Mary wirkt in ihrer Rolle der vermeintlichen Prostituierten so zart und liebevoll Jesus gegenüber, dass der Zuschauer jede Anfeindung ihrer Figur infrage stellen muss. Die zwischen ihr und Fowler vorherrschende Harmonie ist offensichtlich. Besonders gefühlvoll interpretiert sie „I Don’t Know How to Love Him“ – ein emotionaler Höhepunkt der Vorstellung.

Florian Hinxlage stellt in seiner Doppelrolle als Petrus und Simon eindrucksvoll den Wandel dar, den die Jünger durchlaufen – vom begeisterten Anhänger Jesu bis hin zur Verleumdung. Seine kraftvolle Stimme und die enorme Leidenschaft, die er in seine Darbietung legt, sind beeindruckend.

Thomas Heyer als Pilate wirkt rollendeckend unsicher und zeigt eindrucksvoll das Dilemma eines Mannes, der einen Menschen zum Tode verurteilen soll, gegen den er nichts Verbrecherisches vorzuweisen hat. Die Macht, die ihm zugesprochen wird, lastet schwer auf ihm. Besonders erschreckend ist der Moment, als er während „Trial Before Pilate“ die Hiebe der Geißelung zählt und die Schuld an Jesus überträgt. Seine Stimme geht hier durch Mark und Bein.

Frank Winkels gibt einen lässigen, fast spöttischen Herodes, dem Jesus von Nazareth zu unbedeutend scheint, um sich einzumischen. Diese Gleichgültigkeit trägt er als Beobachter des Geschehens zur Schau. Winkels versteht sich als Entertainer, der das Publikum mit nur einem einzigen Song („Herod’s Song“) nachhaltig beeindruckt.

Michael Kargus setzt als Annas seine markante, schnarrende Stimme ein, um sich geheimnisvoll und gefährlich zu geben. Seine dargestellte Überheblichkeit und Hinterlist widern das Publikum an. Gemeinsam mit Heribert Feckler als Caiaphas bildet er das wahre Antagonisten-Duo der Erzählung. Feckler überzeugt insbesondere durch seinen sonoren Bass, der tief nachhallt.

Einziges Manko der Aufführung ist, dass die Technik des Teo Otto Theaters in Remscheid zeitweise mit dem enormen Stimm- und Klangvolumen überfordert scheint. Hier und da wirkt der Klang zu schrill, und die Solisten reagieren entsprechend darauf. Dennoch ist „Jesus Christ Superstar“ in Remscheid ein absoluter Erfolg und ein unvergessliches Erlebnis für das Publikum!

 
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KREATIVTEAM
Musikalische LeitungChristoph Spengler
 
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CAST (AKTUELL)
JesusRob Fowler
JudasRuud van Overdijk
MarySharon Sexton
PilateThomas Heyer
HerodFrank Winkels
CaiaphasHeribert Feckler
AnnasMichael Kargus
Simon/ PeterFlorian Hinxlage
ChorProjektchor
MusikBand
Bergische Symphoniker
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
29.03.2025Teo Otto Theater, Remscheid2 x
30.03.2025Theater und Konzerthaus, Solingen1 x
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