China-Tournee 2024: Riccardo Greco (Lucheni), Lukas Mayer (Tod) © Zheng Tianran
China-Tournee 2024: Riccardo Greco (Lucheni), Lukas Mayer (Tod) © Zheng Tianran

Elisabeth (2024 - 2025)
Tournee (Semmel Concerts Entertainment GmbH)

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In den letzten Jahren ist es relativ still geworden um „Elisabeth“. Das Musical, mit dem nicht nur die Karrieren von Pia Douwes und Uwe Kröger richtig in Fahrt kamen, sondern auch der Siegeszug der Eigenproduktionen der Vereinigten Bühnen Wien begann, gilt bis heute als das erfolgreichste deutschsprachige Musical weltweit. Nach der konzertant-halbszenischen Open-Air-Inszenierung im Ehrenhof des Schlosses Schönbrunn in Wien, die diesen Sommer bereits zum vierten Mal gezeigt wurde, ging die überarbeitete Version auf China-Tournee und wird nun mit dem Untertitel „in der gefeierten Schönbrunn-Version“ erstmals auch auf Bühnen in Deutschland gezeigt. 

Am Premierenabend in der Alten Oper Frankfurt zeigte sich der Autor und Texter von „Elisabeth“, Michael Kunze, sichtlich gerührt und meinte, dass sein Musical auch nach über 30 Jahren noch immer jung wirke. Tatsächlich scheint es, als hätte die Kaiserin von Österreich eine äußerst erfolgreiche Frischzellenkur erhalten. Zwar mögen eingefleischte Fans die gekürzten Songteilen – etwa bei „Wir oder sie“ – oder die gänzlich gestrichenen Nummern wie die Reprise von „Wie Du“ schmerzlich vermissen, doch für die Gesamtkonstruktion der Story und auch musikalisch fallen diese Anpassungen kaum ins Gewicht. 

Dass „Elisabeth“ allerdings so frisch erscheint, wie Michael Kunze es beschreibt, liegt maßgeblich an zwei Faktoren: Zum einen an der beeindruckenden Kombination aus Bühnenbild und Lichtdesign – mit einer den gesamten Bühnenhintergrund überspannenden LED-Wand zaubert Michael Balgavy die Welt des untergehenden Habsburgerreiches imposant auf die Bühne: mal als Postkartenidyll, mal als albtraumhafte Halbwelt, ergänzt durch das stimmungsvolle Lichtdesign von Michael Grundner. Die Bühne selbst besteht aus Treppenaufgängen an den Seiten sowie in der Mitte. Dort steht auch eine Konstruktion, die mal als Türe, mal als Bilderrahmen des berühmten Elisabeth-Porträts von Franz Xaver Winterhalter dient. Zwischen den Treppenaufgängen ist in dieser konzertanten Fassung das rund zwanzigköpfige Orchester platziert. 

Das andere Pfund, mit dem diese Inszenierung zu wuchern vermag, ist die bis in die kleinen Rollen hinein enorm sorgfältig ausgewählte Besetzung. Angefangen bei Elisabeths Eltern, Janis van Dorsselear als Ludovika (und Frau Wolf) und Claus Dam als Herzog Max in Bayern, sowie Florine Schnitzel als Elisabeths Schwester Helene, die – wäre es nach den Schwiegermüttern gegangen – eigentlich Franz Joseph hätte heiraten sollen und damit Kaiserin von Österreich geworden wäre. Trotz ihrer nur kurzen Auftritte gelingt es ihnen, ihren Figuren Charakter zu verleihen. 

Dennis Hupka zeichnet einen dauerhaft getriebenen Kronprinzen Rudolf, der in seinen beiden Duetten „Die Schatten werden länger“ und „Wenn ich Dein Spiegel wär'“ nicht nur sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen kann, sondern auch mit seiner sanften Stimme punktet. Riccardo Grecco, der den Mörder Elisabeths bereits in der Wiener Open-Air-Inszenierung und auf der Konzert-Tournee durch China spielte, ist ein herrlich anarchistischer Luigi Lucheni. Mit den Allüren – und vor allem der Stimme – eines Rockstars wirbelt er die gesamte Show über die Bühne und erzählt die Geschichte der Kaiserin von Österreich, wie sie sich seiner Meinung nach zugetragen hat. Respekt empfindet er dabei nur vor dem Tod, den nur Elisabeth, Rudolf und er sehen können – und vor dem sogar er auf die Knie geht. 

Die beiden Hauptrollen des Stücks – die der Elisabeth und des Todes – sind besetzt mit Roberta Valentini, einer quasi Elisabeth-Veteranin, und Lukas Mayer, der auf der China-Tournee sein Rollendebüt gab und damit eine ganz neue Generation des ‚Todes‘ auf die Bühne bringt. Sein Tod schwankt hin und her zwischen trotzigem Kind, wenn er bei „Der letzte Tanz“ angewidert ausspuckt, dass er bei Elisabeths Hochzeit nur der Gast sei, und diabolischem Psychopathen, wenn sein „Elisabeth, ich liebe dich!“ wie eine Drohung klingt. Mit seiner gesamten Erscheinung und seinem Blick, der entweder Elisabeth gilt oder majestätisch ins Nichts geht, wirkt er wie nicht von dieser Welt und scheint damit zu jeder Zeit Herr des Geschehens auf der Bühne zu sein. Auch stimmlich bedient Lukas Mayer sowohl die leisen, einschmeichelnden als auch die rockig-lauten Parts seiner Rolle scheinbar völlig mühelos. 

Alle Augen richten sich aber natürlich auf Roberta Valentini in der Titelrolle. Sie spielte die unglückliche Kaiserin bereits in der Tournee-Inszenierung 2014/15 und 2006 alternierend bei den Thunerseespielen. Obwohl eine konzertante Fassung nochmals ganz anders als eine vollständige Inszenierung dem Kult um die Show – und in diesem Fall natürlich um die Figur der Kaiserin Elisabeth – huldigt, legt diese Inszenierung und vor allem Roberta Valentini ihren Fokus auf die Entwicklung vom jungen Wirbelwind zur strahlenden Kaiserin und schließlich zur für ihre Zeit schlichtweg zu modernen Frau, die zunehmend zum Mysterium wird. Wenn sie als junges Mädchen nach Bad Ischl reist, damit ihre Schwester den Kaiser kennenlernt, und sie dem Dirigenten frech den Taktstock abnimmt, um selbst für einige Momente das Orchester zu dirigieren, bringt sie genau die Frische auf die Bühne, die diese Szene vermitteln muss. Die Verzweiflung über ihre Rolle im Leben und die Schicksalsschläge – hinter denen im Musical natürlich der Tod steckt – zeichnet Roberta Valentini stimmig und glaubhaft nach. Den großen Hit der Show „Ich gehör nur mir“ singt sie mit großer Stimme und wird dafür mit langanhaltendem Szenenapplaus bedacht. 

Stückbedingt ist die Rolle des Kaisers Franz Joseph eher blass angelegt. Dennis Henschel vermag es jedoch, mit seiner kräftigen und doch weichen Stimme sowie einem feinen Minenspiel, seiner Rolle Tiefe zu geben. Ariane Swoboda, die in der besuchten Premiere die Rolle der Sophie, der bitteren und strengen Mutter des Kaisers, spielte, ist sowohl schauspielerisch als auch stimmlich eine tolle Besetzung. Verbissen zieht sie ihre Mundwinkel zusammen, wenn sie auf Elisabeth und deren Familie trifft, und in ihrem Gesichtsausdruck spiegelt sich stets der nächste Schritt der machtbewussten Kaisermutter wider. 

Mit seinem Regieansatz, der die Kostüme der Inszenierung aus dem Raimundtheater 2012 von Yan Tax mit den neuen – digitalen – Bühnenbildern verbindet und eine gute Personenführung zeigt, demonstriert Gil Mehmert, wie ein gut gebautes Musical auch ohne spektakuläre Effekte wirken und seine Geschichte berührend erzählen kann. Das Orchester unter der Leitung von Bernd Steixner klingt am Premierenabend voll und ist sehr gut ausgesteuert. Steixner führt seine Musikerinnen und Musiker mit genau dem richtigen Tempo durch Levays Kompositionen. Der Untertitel dieser Tournee – „in der gefeierten Schönbrunn-Version“ – wird in dieser rundum gelungenen Produktion somit nicht nur zum werbeträchtigen Slogan, sondern zu einem Qualitätsversprechen. 

 
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KREATIVTEAM
RegieGil Mehmert
Musikalische LeitungBernd Steixner
ChoreographieSimon Eichenberger
LichtdesignMichael Grundner
VideodesignMichael Balgavy
SounddesignThomas Albert Strebel
KostümeYan Tax
 
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CAST (AKTUELL)
ElisabethKristine Emde
Annemieke van Dam,
(Florine Schnitzel
Sofie De Schryver
Celena Pieper)

Der TodLukas Mayer,
(Christian Funk
Christoph Apfelbeck
Robin Reitsma)

Luigi LucheniRobin Reitsma [02/25-],
(Nicolas Christahl)
(Jan Ungar)
Kaiser Franz JosephDennis Henschel
(Christoph Apfelbeck)
(Lander van Nuffelen)
RudolfDennis Hupka
(Gerrit Hericks)
(Frederik Stuhllemmer)
(Nicolo Soller)
junger RudolfElliot Lützkendorf
Valentin Leiner
Sam Schweizer
Erzherzogin SophieMasha Karell
Bettina Bogdany [07/25-]
(Marie-Louise van Kisfeld
Ariane Swoboda
Caroline Sommer)

Ludovika / Frau WolfJanis von Dorsselaer
(Sophie Bauer
Susann M. Ketley
Nina Links)

Herzog MaxClaus Dam
(Kevin Arand
Alex Bellinkx
Pieter Tredoux)

Helene von WittelsbachFlorine Schnitzel
Madleen Dederding [04/25-]
Maximilian von MexikoFrederik Stuhllemmer
Graf GrünneChristian Funk
Ein ProfessorChristoph Apfelbeck
Kardinalerzbischof RauscherAlex Bellinkx
Kevin Arand
Fanny FreifalkPaula Bresnik
Gräfin SztarayCelena Pieper
GouvernanteSophie Bauer
Mary VetseraVivienne Dejon
Baron KempenJan Ungar
Fürst SchwarzenbergLander van Nuffelen
Ein ungarischer AdligerPieter Tredoux
Baron HübnerGerrit Hericks
Fräulein WindischSofie De Schryver
Gräfin EsterhazyAriane Swoboda
Caroline Sommer
Eine HofdameMarie-Louise van Kistfeld
SwingNicolas Christahl
Giulia Wegmüller
Fabian Kaiser
Felicitas Bauer
Susann M. Ketley
Nicolo Soller
Nina Links
Martijn Smids
Dance CaptainFabian Kaiser
Wir haben die Besetzungs-Planung der Titelrolle für einige Monate der Tour in unserer Terminübersicht lt. Angaben auf der Produktionsseite gekennzeichnet.
Bettina Mönch
(BM),

Roberta Valentini
(RV)

Kristine Emde
(KE)

Annemieke van Dam
(AvD)

Änderungen vorbehalten!
 
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CAST (HISTORY)
ElisabethRoberta Valentini [12.12.24-04.04.25]
Bettina Mönch [14.12.24-27.04.25]
Kristine Emde [04/25-]
Annemieke van Dam [02.05.25-]
Luigi LucheniRiccardo Greco [12.12.2024 - 31.01.2025]
Erzherzogin SophieIsabel Dörfler [12.12.24-03/25]
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
Do, 12.12.2024 19:00Festspielhaus Neuschwanstein, FüssenPremiere RV
Fr, 13.12.2024 19:00Festspielhaus Neuschwanstein, FüssenRV
Sa, 14.12.2024 14:30Festspielhaus Neuschwanstein, FüssenBM
▼ 257 weitere Termine einblenden (bis 24.08.2025) ▼
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