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„Evita“ ist ein Stück über Machtinszenierung, politische Verführung und den Kult um eine charismatische Figur – Themen, die aktueller kaum sein könnten. Die Frage, wie anfällig Gesellschaften für populistische Strömungen sind, stellt sich heute wieder mit neuer Dringlichkeit. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum sich „Evita“ regelmäßig auf den Spielplänen wiederfindet – demnächst etwa in der Musical-Metropole London und aktuell auch an der Oper Leipzig. Getragen von einer durchgehend starken Besetzung überzeugt die Leipziger Produktion vor allem musikalisch, lässt inszenatorisch jedoch gelegentlich die Frische vermissen, mit der sich der Stoff auch heute noch packend erzählen ließe.
Regisseur Cusch Jung wählt für seine Inszenierung den Ansatz eines Theaters im Theater – und das im wortwörtlichen Sinn. Das Bühnenbild zeigt die angedeutete Architektur eines Zuschauerraums mit Balkonen, Rängen und einer zentralen Loge, die an eine ‚Königsloge‘ erinnert. Diese Raumgestaltung verschiebt die Perspektive: Das Publikum wird nicht nur zum Beobachtenden, sondern gleichzeitig zum Teil der Inszenierung. Zugleich wirkt es, als richte sich der Blick von Evita und ihrem Gefolge bewusst zurück auf das Publikum – ein doppelseitiges Spiel mit Macht, Wirkung und Inszenierung. Die seitlichen Logen dienen als Auf- und Abgänge für das Ensemble, während die zentrale Loge ganz Eva und Juan Perón gehört. Hier spielt sich etwa die berühmte Balkonszene auf der Casa Rosada ab. Der Raum unterhalb der Loge wird für szenische Verwandlungen genutzt: So wird hier zu Beginn Evas Sarg auf die Bühne gebracht, ebenso wie später das Ehebett der Peróns. Allerdings verlässt sich Jung stark auf diesen konzeptionellen Kniff. Über weite Strecken orientiert sich die Inszenierung ansonsten deutlich an der ikonischen Broadway-Produktion von Hal Prince, deren Elemente weitgehend übernommen und lediglich in den neuen Bühnenraum übertragen wurden.
Die Kostüme (Aleksandra Kica) sind hochwertig gearbeitet und orientieren sich klar an der Zeit, in der „Evita“ spielt. Die gesellschaftlichen Unterschiede werden dabei deutlich sichtbar: Während die Aristokratie in eleganten Anzügen und Kleidern erscheint, trägt das Volk bewusst schlicht gehaltene, teils abgetragene Kleidung. Eva Perón selbst durchläuft in ihren zahlreichen Szenen eine stetige visuelle Transformation – nahezu jede Szene bringt ein neues, zunehmend aufwendiger gestaltetes Kostüm mit sich. Ihre äußere Erscheinung wird so zum Spiegel ihres Aufstiegs und zur bewussten Selbstinszenierung im öffentlichen Raum.
Unter der musikalischen Leitung von Christoph-Johannes Eichhorn bringt das große Orchester der Musikalischen Komödie die Partitur von Andrew Lloyd Webber mit viel Tempo und Präzision auf die Bühne. Zwar sind die Original-Arrangements kraftvoll und pointiert, doch in der Umsetzung bleiben sie stellenweise etwas konventionell – eine individuellere Handschrift hätte dem musikalischen Gesamtbild zusätzliche Kontur verliehen. Insgesamt wirkt der Orchesterklang ein wenig zu zurückhaltend: Gerade in den großen, dramatischen Momenten – von denen „Evita“ einige bietet – fehlt es mitunter an der nötigen Wucht, sodass manche musikalische Wirkung nicht voll zur Entfaltung kommt. Die Balance zwischen Bühne und Graben ist hingegen gut abgestimmt, und die Textverständlichkeit überzeugt auch in den dichten Chorszenen.
Einer der berührendsten Momente des Abends ist „Du nimmst den Koffer wieder in die Hand“ – eine der wenigen Szenen, in denen die Figuren auf der Bühne, dem Stück entsprechend, Emotionen offen zeigen. Evita vertreibt darin wortlos die bisherige Geliebte von Juan Perón, um ihren Platz einzunehmen. Maria Hammermann verleiht dieser kurzen, aber zentralen Szene mit einem klar geführten, lyrischen Sopran eine eindrückliche Tiefe. Ihr stiller Abgang bildet einen feinen Kontrapunkt zur großen Geste Evas. Jeffrey Krueger gibt einen Agustín Magaldi, wie man ihn sich klischeehafter kaum vorstellen könnte – ein schmieriger Tangosänger mit großer Geste und viel Pathos. Auch Michael Raschle ist als Juan Perón rollendeckend besetzt. Sein Perón wirkt machtbewusst und zielstrebig, bleibt aber zugleich ein Mann, der mit dem zunehmenden Verfall seiner Frau sichtbar überfordert ist. Raschle bringt diese Ambivalenz mit ruhiger Präsenz und kontrollierter Zurückhaltung überzeugend auf die Bühne.
Die beiden zentralen Figuren der Inszenierung – Eva und Che – tragen den Großteil der Show: Beide stehen nahezu durchgehend auf der Bühne und prägen das Geschehen mit ihrer jeweiligen Perspektive. Che fungiert als Erzähler der Geschichte und ist bei Cusch Jung ganz im Stil von Che Guevara gezeichnet – mit wilder Mähne, Militärkleidung und kritischem Blick auf das Geschehen. Olivia Delauré übernimmt die Titelrolle der Eva Perón – eine Figur, die wie kaum eine andere im Musicalgenre für Wandel, Selbstinszenierung und Ambivalenz steht. Mit feinem Gespür, starker Bühnenpräsenz und technischer Präzision gestaltet, wirken beide Figuren durchdacht, emotional aufgeladen und vielschichtig. Dominik Hees bringt als Che eine energiegeladene Mischung aus Wut, Zynismus und Spielfreude auf die Bühne. Mit großem Bewegungstalent wirbelt er durch die Szenen und kommentiert das Geschehen stets mit einem sarkastischen Unterton. Ein Höhepunkt ist sein Auftritt in „Spendengelder fließen“ – ein songdramatischer Kraftakt, bei dem er den komplexen, textreichen Part lupenrein singt und gleichzeitig choreografisch gefordert ist. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit seiner Darstellung besonders deutlich. Olivia Delauré ist in der Titelrolle sehr überzeugend besetzt. Sie zeichnet die Entwicklung von der zielstrebigen jungen Frau zur machtbewussten First Lady Argentiniens bis hin zur gebrochenen, todkranken Figur im letzten Akt mit großer Wandlungsfähigkeit nach – sowohl stimmlich als auch im körperlichen Spiel. Mit welcher Energie sie zu Beginn der Show „Buenos Aires“ singt und dabei präzise auf das Ballett abgestimmt tanzt, steht in starkem Kontrast zu ihrer Sterbeszene, in der sie kaum noch die Kraft hat, sich aufzurichten.
Das Ensemble besticht schon allein durch seine beeindruckende Größe – eine Seltenheit im heutigen Musicalbetrieb. Mit sichtbarer Spielfreude, starker Gesangsleistung und präziser Bewegung trägt es wesentlich zur Wirkung der Inszenierung bei. Die Choreografien von Mirko Mahr orientieren sich in Teilen deutlich an der ursprünglichen Broadway-Fassung: So bewegen sich etwa die Aristokraten wie auf einem Tableau über die Bühne – in Gruppen angeordnet, teils vorwärts, teils rückwärts schreitend, als seien sie in ein Gespräch vertieft, lästernd über den Aufstieg der verhassten Eva Perón. Diese stilisierten Abläufe sind sorgfältig erarbeitet und werden vom Ensemble mit hoher Genauigkeit und großer Präsenz umgesetzt.
„Evita“ wirkt in der Leipziger Inszenierung nicht wie ein nostalgischer Rückblick, sondern vielmehr wie ein Spiegel aktueller gesellschaftlicher Mechanismen. Gerade deshalb wäre es spannend gewesen, dem bekannten Stoff inszenatorisch neue Perspektiven abzuringen – eine Möglichkeit, die diese Produktion nur punktuell nutzt. Die musikalische und darstellerische Umsetzung sorgt dennoch für viele starke Momente und trägt die Inszenierung über weite Strecken.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | Christoph-Johannes Eichhorn Michael Nündel |
| Inszenierung | Cusch Jung |
| Choreographie | Mirko Mahr |
| Bühne | Beate Zoff |
| Kostüme | Aleksandra Kica |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Eva Perón | Olivia Delauré |
| Júan Perón | Michael Raschle |
| Augustín Magaldi | Jeffery Krueger |
| Che | Dominik Hees |
| Juan Peróns Geliebte | Da-yung Cho Maria Hammermann |
| Eva Pérons Mutter | Claudia Otte |
| Eva Pérons Schwester 1 | Maria-Teresa Martini |
| Eva Pérons Schwester 2 | Miranda Caasmann |
| Eva Pérons Bruder | Hernán Atilio Vuga |
| Eva Peróns Tante | Cornelia Drechsler |
| Eva Peróns Onkel | Radoslaw Rydlewski |
| Offizier 1 | Tobias Latte |
| Offizier 2 | Georg Führer |
| Offizier 3 | Richard Mauersberger |
| Offizier 4 | Peter Waelsch |
| Offizier 5 | Björn Grandt |
| Geheimpolizist 1 | Stefan Dittko |
| Geheimpolizist 2 | Björn Grandt |
| Admiral | Thomas Mierzwa |
| Tangotänzerin | Larissa Gomes Stella Perniceni |
| Tangotänzer | Claudio Valentim Pietro Pelleri |
| Chöre | Chor der Musikalischen Komödie Extrachor Kinderchor der Oper Leipzig |
| Tanz | Ballett der Musikalischen Komödie |
| Statisterie | Komparserie der Oper Leipzig |
| Musik | Orchester der Musikalischen Komödie |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 09.05.2026 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | Wiederaufnahme |
| So, 10.05.2026 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | |
| Sa, 16.05.2026 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | |
| So, 17.05.2026 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | |
| Di, 23.06.2026 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | |
| Mi, 24.06.2026 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 29.03.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | Premiere | |||||||
| So, 30.03.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Mi, 02.04.2025 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| ▼ 14 weitere Termine einblenden (bis 26.06.2025) ▼ | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr, 04.04.2025 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Do, 10.04.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Do, 10.04.2025 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Sa, 19.04.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| So, 20.04.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Fr, 25.04.2025 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Sa, 03.05.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| So, 04.05.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Sa, 31.05.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| So, 01.06.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Sa, 07.06.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Sa, 21.06.2025 19:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| So, 22.06.2025 15:00 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
| Do, 26.06.2025 19:30 | Musikalische Komödie, Leipzig | ||||||||
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