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Roman-Adaption

Das scharlachrote Siegel

The Scarlet Pimpernel


© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
"The Scarlet Pimpernel" ist nicht unbedingt Frank Wildhorns stärkstes Werk: zu unausgegoren ist die Mischung aus Verwechslungs-Komödie und Kostüm-Schmonzette. Wie man jedoch mit gutem Gespür für Timing und Personenregie sowie einem charismatischen Hauptdarsteller-Trio das Maximum aus dem Stück herausholt, zeigt die spritzige Inszenierung von Roland Hüve. Diese wurde bereits 2010 am Theater Bielefeld aufgeführt und ist nun in Chemnitz zu sehen. Einziger Wermutstropfen: das unsäglich billig anmutende Bühnenbild, das so gar nicht zu Inszenierung und Stück passt.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:15.10.2016
Rezensierte Vorstellung:15.10.2016
Letzte bekannte Aufführung:11.06.2017


Hüve spielt die Stärken des Musicals gekonnt aus und legt den Fokus auf die humoristische Seite des Stoffes. Mantel-und-Degen Action und Herzschmerz-Momente kommen nicht zu kurz – aber wahrhaft grandios ist die Inszenierung immer dann, wenn Sir Percy Blakeney (Veit Schäfermeier) vorgibt, ein nichtsnutziger, ahnungsloser Dandy zu sein, um Bürger Chauvelin (Alexander Franzen) von der Fährte des mysteriösen Helden Scarlet Pimpernel zu locken.

Dass das so gut funktioniert, ist auch der brillanten Besetzung zu verdanken. Schäfermeier kostet es sichtlich aus, das überspitzt trottlige Fashion-Victim zu geben. In den ernsteren, dramatischen Momenten nimmt man ihm aber auch den zweifelnden Liebhaber und degenschwingenden Rächer ab – vor allem deshalb, weil er stimmlich die Gravität und Glanzkraft mitbringt, die so eine Rolle verlangt. Seine Soli erklingen enorm kraft- und klangvoll. Insbesondere "Gebet" im ersten Akt wartet mit viel Emotion und einem atemberaubenden Schlusston auf.

© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH


Percys verbaler Schlagabtausch mit seinem verbissenen Verfolger Chauvelin sorgt immer wieder für amüsiertes Gelächter aus dem Publikum. Franzen darf als fanatischer Ordnungshüter im Dienste der Revolution genussvoll böse und hinterhältig sein. Er singt mit passend harter, kräftiger Stimme und interpretiert seine Songs – allen voran die Kampfansage "Falke auf der Jagd" – hervorragend aus. Nicht nur seine Gefühle für Percys Ehefrau Marguerite (Stefanie Köhm), sondern besonders seine spürbare Frustration in den Szenen mit Percy machen Chauvelin dabei auch menschlich.

Als die Frau, die zwischen den beiden charismatischen Kampfhähnen steht, bleibt Marguerite rollengemäß etwas auf der Strecke. Dennoch ist Stefanie Köhm der emotionale Fokus der Inszenierung. Sie singt den Part mit angenehm klarer und warmer Stimme und setzt mit ihren Soli Glanzlichter. Das Zusammenspiel der drei Hauptdarsteller funktioniert großartig – gesanglich wie auch darstellerisch, was besonders dem Terzett "Das Verwirrspiel" am Ende des ersten Akt eine große Dynamik verleiht.

© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH


Auch das restliche Ensemble, angeführt von Thomas Klotz als Marguerites Bruder Armand und Sylvia Schramm-Heilfort als Künstlerin Marie, kann auf ganzer Linie überzeugen. So werden nicht nur große Chornummern wie "Mitten ins Feuer" zum Genuss – auch die vielen kleinen Momente, in denen Nebencharaktere in Erscheinung treten, verkommen nie zu bloßem Beiwerk.

Aus dem Orchestergraben erklingt das von Jakob Brenner gut geführte Orchester im satten Klang, der nur an wenigen Stellen im ersten Akt von tontechnischen Problemen in Sachen Aussteuerung getrübt wird.

© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH


Eigentlich könnte alles nahezu perfekt sein – wenn da nicht das Bühnenbild von Christof Cremer wäre. Wo die Kostüme (ebenfalls von Cremer) aus dem Vollen schöpfen und den vorgetäuschten Modewahn von Percy und seinen Kumpanen mit großer Detailverliebtheit wunderbar auskosten, kommen die Kulissen völlig unpassend minimalistisch daher. Weiße, hintereinander gereihte Rahmen geben der Bühne Tiefe, sind aber für ein Epochen-Drama viel zu modern. Der Bühnenhintergrund wird mal farblich ausgeleuchtet, mal mit einer simplen Ornament-Tapete bekleidet, die je nach Szene in einem anderen Farbton strahlt. Andere Bühnenelemente – seien es die aufgemalten Kronleuchter der Ballszene oder der Gartenpavillon – wirken unangenehm billig. Absoluter Negativ-Höhepunkt ist die Überfahrt nach Frankreich, bei der das Schiff aus Personen, einem Tisch und einem Laken stilisiert wird, während zwei Darsteller im Vordergrund bemalte Papp-Wellen hin- und herbewegen.

Das Bühnenbild wird zum Ärgernis, denn es stört eine ansonsten fast makellose Inszenierung. Wer darüber hinwegsieht, kann einen mit pointiertem Humor gespicktem, unterhaltsamen und musikalisch hochklassigen Theaterabend mit charismatischen Darstellern genießen.

(Text: Claudia Leonhardt)




Verwandte Themen:
Produktion: The Scarlet Pimpernel (Theater Bielefeld)



Kreativteam

Musikalische Leitung Jakob Brenner
Inszenierung Roland Hüve
Bühne und Kostüme Christof Cremer
Choreografie Jochen Schmidtke
Dramaturgie Jón Philipp von Linden


Besetzung

Sir Percy BlakeneyVeit Schäfermeier
Marguerite St. JustStefanie Köhm
ChauvelinAlexander Franzen
Armand St. JustThomas Klotz
Marie GrosholtzSylvia Schramm-Heilfort
DewhurstFrank Bahrenberg
OzzyPhilipp Dietrich
EltonJohannes Brüssau
HalChristoph Apfelbeck
BenAndreas Goebel
FarleyThomas Mäthger
SwingPatrick Nitschke
Coupeau, Adjutant
Jessup, Percys Butler
Prince of Wales
Tussaud, Maries Verlobter
John Wesley Zielmann
Mercier, Adjutant Mario Radosin
Marquis de St. Cyr
Swing
Patrick Nitschke




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Dieter Wuschanski / Die Theater Chemnitz gGmbH
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Wildhorns Revolutions-Drama inszeniert mit pointiertem Humor und grandiosen Darstellern. Schwachpunkt: das unpassende, billig wirkende Bühnenbild.

16.10.2016

 Termine

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