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Ein besonderes Event erwartet die Zuschauer im TheaterHangaar. Die spannende, im Zweiten Weltkrieg spielende Spionage-Geschichte wurde mit enormem Aufwand und hohem Unterhaltungswert an einem ganz besonderen Aufführungsort inszeniert.
Eine Drehbühne ist für Musical-Großproduktionen schon fast Standard, aber eine sich drehende Zuschauertribüne stellt dann doch etwas Besonderes dar. Ein Flughafen-Hangar in der niederländischen Stadt Katwijk wurde für „Soldaat van Oranje“ aufwändig umgebaut. Das Musical basiert auf der gleichnamigen Biographie von Erik Hazelhoff Roelfzema (1917-2007). In den ersten Kriegsjahren flüchtete er nach England und führte von dort aus als Vertrauter der niederländischen Königin Wilhelmina Spionage- und Schmuggelaktionen für den Widerstandskampf durch.
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Herzstück der Musical-Produktion ist eben jene runde Zuschauertribüne, die sich während der Vorstellung immer wieder in Bewegung setzt und sich vor den jeweiligen Spielort dreht. Es gibt in diesem Theater also keine klassische Bühne – die gesamten 360° rund um die Tribüne stehen als Spielfläche zur Verfügung, so dass alle benötigten Handlungsplätze fest nebeneinander installiert sind. Das komplette Rondell ist dabei von grauen verschiebbaren Wänden verdeckt, die immer nur das gerade benötigte Teilstück den Blicken des Publikums freigeben. So sind beeindruckende Szenen möglich. Es gibt z.B. das mehrstöckige Studentenwohnheim, in dem Erik und seine Freunde Abhörmanöver durchführen und ihre Aktionen planen, einen großen Audienzraum der Königin oder das Quartier der örtlichen Nazi-Gruppe, in dem in fesselnder Intensität die Verhöre und Misshandlungen der Widerstandskämpfer gezeigt werden. Den imposantesten Eindruck aber hinterlässt eine gigantische Strandszenerie, die mit echtem Wasser und Wellengang aufwarten kann. Hier findet z.B. der erste Fluchtversuch von Erik und seinen Freunden statt. Sie starten in einem kleinen Ruderboot, das durch das Wasser fährt, aber schon nach wenigen Metern kentert, so dass alle Insassen ins Wasser fallen und klatschnass zurück ans Ufer kommen. Eine fast schon filmartige Szene…
Zum Ende des Stückes gibt es dann sogar noch eine Portion Open-Air-Feeling. Ein Tor wird geöffnet und gibt den Blick auf ein echtes altertümliches Flugzeug auf dem Rollfeld frei, aus dem die nach Kriegsende wieder zurückgekehrte Königin ihr Volk begrüßt und anschließend von einer standesgemäßen Limousine abgeholt wird.
Doch nicht nur die baulichen und technischen Gegebenheiten der Produktion beeindrucken. Die Story ist mit viel Spannung und Dramatik bestens für eine theatralische Umsetzung geeignet. In der fast 3 1/2-stündigen Aufführung kommt keine Langeweile auf. Dramaturgisch geschickt über das Stück verteilt, sterben mehrere von Eriks Freunden und – wie sollte es anders sein – zwei Liebesgeschichten sind selbstverständlich auch in das Geschehen integriert, stehen aber erfreulicherweise nur am Rand, um das eigentlich wichtige Geschehen nicht zu verwässern.
Außerdem stehen hier exzellente Darsteller auf der Bühne. Inzwischen fand bereits der zehnte Castwechsel statt (das Musical läuft seit 2010); das aktuelle Ensemble ist bestens aufeinander eingespielt und lässt keine Wünsche offen. Dorian Bindels ist als Erik kein strahlender Held, sondern einfach ein mutiger junger Mann, der sich kein Unrecht gefallen lassen möchte. Da er zumeist gemeinsam mit seinen Freunden agiert, fügt er sich immer wieder gut ins Ensemble ein. Aus der Gruppe seiner Kommilitonen stechen Kevin Schoonderbeek als geradliniger Brüderschafts-Präsident Fred sowie Dennis Willekens als immer zu einem Schalk aufgelegter Chris, der besonders bei seinen tapsigen, letztlich aber erfolgreichen Versuchen, mit der Hofdame der Königin anzubändeln, gefällt, hervor. Jonathan Demoor hat als Anton eine besondere Rolle. Anfangs gehört auch er zu der Brüderschaft, wendet sich aber sehr bald den Nazis zu und führt einige der brutalen Verhöre seiner ehemaligen Freunde durch. Diese extreme Wandlung des Charakters gelingt dem jungen Schauspieler absolut überzeugend. Und dann ist da noch die Königin, die von Henriëtte Tol als bodenständige, grundsympathische Landesmutter gezeigt wird; im Laufe des Stückes entsteht der Eindruck, dass sie trotz aller formeller Vorgaben fast schon mütterliche Gefühle für Erik Hazelhoff entwickelt.
Tom Harrimans Musik kann als typische moderne Musical-Partitur eingestuft werden: Eine Prise Levay, ein bisschen Wildhorn, gerne auch mal ein paar rockige Elemente à la Larson – vieles klingt wie schon einmal gehört. Die Melodien – von einem hinter der Bühne platzierten Live-Orchester souverän dargeboten – bieten eine abwechslungsreiche Mischung und gehen ins Ohr, bleiben dabei aber in den meisten Fällen unverbindlich, wirken austauschbar. Viel zu selten geht die Musik mit der Bühnenhandlung eine Symbiose ein, wie z.B. die brodelnde Swing-Nummer „Niedts houdt me tegen“, die die überschwängliche Stimmung auf dem Fest der Studenten bestens einfängt, oder das majestätisch-energisch klingende „Thee“, in dem sich Königin Wilhelmina darüber aufregt, dass ihr im englischen Exil Tee auf dem Silbertablett serviert wird, während ihr Volk um sein Leben kämpft.
Selbstverständlich wird das Musical in niederländischer Sprache aufgeführt. Nichtsdestotrotz bietet es auch Besuchern, die diese Sprache nicht perfekt beherrschen, einen hohen Unterhaltungswert. Zum einen aufgrund der beschriebenen Besonderheiten des Theaters – zum anderen, da es eine bekannte Story ist und es ausreichend Möglichkeiten gibt, sich im Voraus zumindest grob mit dem Stoff zu befassen, um der Handlung folgen zu können.
Leider gibt es von Seiten der Produzenten gegenüber internationalen Besuchern nur wenig Entgegenkommen: Weder bietet die Homepage eine englische Version, noch befinden sich im Programmheft englischsprachige Hinweise. Auf Nachfrage ist allerdings ein Zusatz zum Programmheft mit englischen Erläuterungen zu jeder Szene am Merchandise-Stand erhältlich. Anscheinend besteht derzeit keine große Notwendigkeit, sich über das einheimische Publikum hinaus zu orientieren, denn gut besucht ist das Stück auch so. Kurzfristig ist es auch im sechsten Jahr immer noch kaum möglich, mehrere zusammenhängende Tickets zu erhalten. Die teuersten Eintrittskarten kosten am Samstag Abend derzeit 79 Euro. Wann gelingt es endlich einmal einem deutschen Musical-Produzenten zu solchen annehmbaren Preisen eine derartig imposante Aufführung auf die Bühne zu bringen?
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik | Tom Harriman |
| Buch | Edwin de Vries |
| Songtexte | Pamela Phillips Oland |
| Regie | Theu Boermans |
| Musikalische Leitung | Bjorn Dobbelaere Michal Vanoucek |
| Choreografie | Sarah Miles |
| Bühne | Bernhard Hammer |
| Kostüme | Catherine Cuykens Margriet Procee |
| Licht | Gerhard Fischer |
| Sound | Jeroen ten Brinke |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 30.10.2010 - 29.11.2020 | TheaterHangaar, Katwijk | 1280 x |
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