Pluderhose contra Hotpants. In diesem vom indischen Bollywood-Kino inspirierten Musik- und Tanzspektakel prallen Tradition und Moderne in einer süßlichen Lovestory aufeinander. Prunkvoll ausgestattete Show mit deutschen Übertiteln.
Das Oberhaupt der Tanz-Dynastie ist entsetzt. Seine Enkelin setzt als weniger der Tradition verpflichtete Choreografin in der indischen Kintopp-Fabrik Bollywood nicht mehr nur auf wiegende Becken, kreisende Hände und Trippelschrittchen in anmutig wippenden Saris. Sie behält zwar die traditionellen, streng nach Geschlechtern getrennten Gruppierungen mit je acht Tänzerinnen und Tänzern und einem Solo-Paar bei, gleichzeitig trimmt Ayesha ihr Ensemble für die Einlagen in den zeitgenössichen Filmen auf westliche Bewegungsmuster. Wie in einem Musikvideo springen zum aus den Boxen wummernden Indien-Pop Mädels in Glitzerminis umher, muskulöse Tänzer in Polizei-Uniformen zeigen Breakdance-Elemente. Diese Folge von modernen Tanz-Tableaus schreckt nicht nur Großvater Shantilal auf der Bühne, sondern scheinbar auch eine ganze Reihe von Zuschauern, die nach der Pause nicht mehr auf ihre Plätze zurückkehren. Zu Unrecht, denn die von Vaibhavi Merchant entwickelten rasanten Choreografien werden von Solisten und Tanz-Ensemble in atemberaubender Perfektion umgesetzt: Jeder schnelle Schritt, jede noch so kleine Drehung und selbst jede Fingerregung erfolgen absolut synchron. Diese Leistung begeistert das Publikum sowohl bei den eher der Popkultur verpflichteten Aktschlüssen als auch im zweiten Teil der Show, den die erwarteten traditionell-folkloristisch inspirierten Tänze dominieren.
Hierfür verlegt Toby Gough (Buch und Regie) die Geschichte in die dörfliche Provinz, in die Ayesha (überragend: Carol Furtado) zurückkehrt, um sich mit ihrem Großvater (blass: Arif Zakaria) kurz vor dessen Tod zu versöhnen. Und da sich die Geschichte ganz dem Bollywood-Kino verpflichtet fühlt, heiratet die inzwischen zur Top-Choreografin aufgestiegene junge Frau schließlich ihre Jugendliebe Uday (rollendeckend als Schönling: Deepak Rawat). Damit das Publikum der zuckersüßen Handlung folgen kann, werden die teilweise sehr albernen englischsprachigen Dialoge deutsch übertitelt. Die manchmal recht eigenwilligen Übersetzungen (aus „I am the director of the film“ wird nicht dessen Regisseur, sondern der Direktor des Films) und die Rechtschreibschwäche insbesondere bei Anreden (Du – dir) sind dabei noch zu verzeihen. Wenn aber wie in der besuchten Vorstellung die Übertitelung entweder hinterherhinkt, davongaloppiert oder ganz ausfällt, dann ist das ärgerlich und unprofessionell.
Wie in den Bollywood-Filmen üblich, wird auch in der Bühnen-Show nicht live gesungen: Zu den aus Produktionen der vergangenen Jahre zusammengestellten Songs des Komponisten-Bruderpaares Salim und Salaiman Merchant bewegt das aus knapp 50 Personen bestehende Ensemble in den Gesangs- und Tansszenen lediglich seine Lippen. Falguni Thakore hüllt alle Darsteller in einen nicht enden wollenden Rausch aus Farben und Pailletten. Seine in jeder Szene wechselnden, prächtigen Kostüme sind eine wahre Augenweide. Das Einheitsbühnenbild mit Tempel- und Treppenanlage (Sabu Cyril) und das von Liz Berry entworfene Lichtdesign komplettieren den positiven optischen Gesamteindruck dieser über zweistündigen Reise auf den indischen Subkontinent.
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