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Mit der Deutschen Erstaufführung von „Something Rotten!“ haben sich die Bad Hersfelder Festspiele 2026 einen echten Knaller an Land gezogen. Der hochwertigen Ausstattung, der vortrefflichen Besetzung und dem genussvollen Klangerlebnis zum Trotz gelingt die Übertragung der hoch gelobten Linzer Inszenierung, der ersten deutschsprachigen Inszenierung des Stückes, jedoch nur bedingt: Das hier erneut eingesetzte Bühnenbild wirkt bei der Weitläufigkeit des Bühnenraums in der Stiftsruine etwas verloren und büßt dadurch an Strahlkraft ein.
Die Schauspielertruppe um die Bottom-Brüder Nick und Nigel kann sich gerade so über Wasser halten. Während der dichterisch begabte Nigel den gefeierten William Shakespeare bewundert, sucht Nick nach einem eigenen Weg zum Erfolg und wendet sich an das Orakel Nancy Nostradamus.. Diese sagt den weltweiten Erfolg eines neuen Genres voraus: Musicals seien die Zukunft des kommerziellen Theaters. Es kommt zum Zwist zwischen den Brüdern, die als Autoren unterschiedliche Wege gehen wollen, was der verschlagene Shakespeare für sich zu nutzen weiß.
Roman Hinzes und Niklas Wagners deutsche Übersetzung von Karey Kirkpatricks und John O´Farrells Werk „Something Rotten!“ funktioniert im Wortwitz ausgesprochen gut. Die deutsche Fassung ergänzt die Vielzahl der Zitate aus Shakespeares Werken und internationalen Musicals noch um weitere Zitate deutschsprachiger Musicals wie „Rebecca“ oder „Elisabeth“. Das Programmheft regt das Publikum dazu an, die entdeckten Zitate abzuhaken und mitzuzählen. Adam Nee lässt das Ensemble in farbenprächtigen, von der Renaissance inspirierten Kostümen auftreten. Daneben finden sich Elemente derberen Humors – wie der silberne Genitalschutz Shakespeares, der dessen kokettes Auftreten unterstützt. Kim Duddys Choreographien sind das absolute Highlight der Inszenierung: Sie lässt die Darstellenden energiegeladen über das Bühnenzentrum wirbeln und schafft wahre Glanzmomente durch präzise getanzte Steppeinlagen. Spiel und Tanz konzentrieren sich auf den Raum vor dem Bühnenaufbau von Andrew D. Edwards, der der bis ins Querschiff ausladenden Bühne der Hersfelder Stiftsruine nur bedingt gerecht wird. Die Kulisse selbst ist jedoch ästhetisch wie funktionell: Der Aufbau ist der Anlage eines auf zwei Ebenen bespielbaren elisabethanischen Theaters nachempfunden, das durch bewegliche Elemente schnelle Wechsel der Spielorte ermöglicht. Michael Grundner sorgt durch die Ausleuchtung der alten Ruine hinter der Hauptbühne für eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Das achtzehnköpfige Orchester spielt unter der Leitung von Christoph Wohlleben die Partitur von Wayne Kirkpatrick und Karey Kirkpatrick lebendig auf: Die vielseitige Hommage an das klassische Broadway-Genre verbindet Big-Band-Sound mit modernen Popelementen und zitiert viele bekannte Musicals wie „Rent“, „A Chorus Line“ oder „Jesus Christ Superstar“. Dank des ausgewogenen Tondesigns von Joerg Grünsfelder erreicht der kraftvolle und transparente Orchesterklang auch die hinteren, höher gelegenen Sitzreihen.
Die Besetzung passt wie das inszenierte „Omelett“ in die Pfanne: Energetisch und übermütig lassen die Darstellenden ihre Figuren umherwirbeln und spielen die Zitate bekannter Musicals pointiert aus. Besonders mit den hervorragenden Tanz- und Steppeinlagen überzeugt das Ensemble durch Präzision und große Spielfreude.
Christopher Bolam gibt einen sprunghaften Nick Bottom. Besonders im Zusammenspiel mit Johanna Zett als Bea zeigt seine Figur eine sympathische Naivität, ohne dabei an Ausstrahlung und Treffsicherheit im Spiel einzubüßen. Zett wiederum zelebriert mit Leichtigkeit eine Bea, die in der Beziehung sprichwörtlich die Hosen anhat. Benjamin Sommerfeld lässt seinen Nigel als das eigentliche dichterische Genie der Bottom-Brüder erkennen, das dennoch im Schatten Shakespeares steht. Gemeinsam schaffen Sommerfeld und seine Spielpartnerin Valerie Luksch, der die Rolle der Portia bereits aus Linz vertraut ist, zahlreiche komische Momente innerhalb des Stücks, wenn sie sich gegenseitig durch gehobene Sprache sexuell anheizen.
Mit Gayle Tufts ist Nancy Nostradamus mit einer Koryphäe der Stand-Up-Comedy bestens besetzt: Treffend verschroben und schrullig schaut sie in die Zukunft – auch wenn ihre Figur nicht so recht zu wissen scheint, wo diese überhaupt liegt. Mit mütterlicher Präsenz, verpeilt und zugleich verschlagen wickelt sie den jungen Nick ein und sorgt mit ihrem „Ein Musical“ für den Showstopper des Abends.
Riccardo Greco ist ein absolutes Match für die Rolle des exzentrischen Shakespeare. Überspitzt und doch charmant zeichnet er den Pop-Barden und spielt wie gewohnt mit dem Publikum. Wenn er als Shakespeare seine Spion-Rolle des Toby einnimmt, wirkt seine Spielfreude besonders ansteckend.
Ein überaus spielfreudiges und talentiertes Ensemble lässt sich voller Genuss musikalisch von dem klangstarken Orchester durch die Geschichte des Comedy-Musicals tragen. Die Story selbst, mit Hang zur Überspitzung und Albernheit, trifft am Ende aber trotz handwerklich gelungener Umsetzung vielleicht nicht jedermanns Geschmack .
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Buch | Karey Kirkpatrick John O’Farell |
| Musik und Gesangstexte | Wayne Kirkpatrick Karey Kirkpatrick |
| Deutschen Fassung | Roman Hinze Niklas Wagner |
| Arrangements | Glen Kelly |
| Orchestration | Larry Hochman |
| Regie | Matthias Davids |
| Musikalische Leitung | Christoph Wohlleben |
| Choreografie | Kim Duddy |
| Bühne | Andrew D. Edwards |
| Kostüme | Adam Nee |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Shakespeare | Riccardo Greco |
| Nick Bottom | Christopher Bolam |
| Nigel Bottom | Benjamin Sommerfeld |
| Nancy Nostradamus | Gayle Tufts |
| Bea | Johanna Zett |
| Portia | Valerie Luksch |
| Bruder Jeremiah | Nicolas Tenerani |
| Lord Clapham, Richter | Ulrich Talle |
| Shylock | Klaus Brantzen |
| Hellseherin, Virus | Veronika Hörmann |
| Helena | Janina Steinbach |
| Miranda | Natascha Cecilia Hill |
| Rosalind, Dance Captian | Claudia Artner |
| Sad little Egg | Hanna Kastner |
| Minstrel, Spion | Davide Venier |
| Tom Snout | Luuk Hartog |
| Francis Flute, Bote | Sjoerd Knol |
| Diener, Dance Captain | Matthew Levick |
| Peter Quince, Bard Boy | Fabian Grimmeisen |
| Bard Boy | Calum Melville Luuk Hartog |
| Robin, Ansager, Bard Boy | Jelle Wijgergangs |
| Snug, Virus | Nicolo Soller |
| Ensemble | Veronika Hörmann Janina Steinbach Natascha Cecilia Hill Claudia Artner Hanna Kastner Davide Venier Luuk Hartog Sjoerd Knol Matthew Levick Fabian Grimmeisen Calum Melville Jelle Wijgergangs Nicolo Soller |
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 27.06.2026 - 15.08.2026 | Stiftsruine, Bad Hersfeld | 23 x |
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