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Shakespeare mal ganz anders: Beim ursprünglich als Open-Air für den Werkstatthof geplanten „Katharina“ im Studio des Theaters Hof muss ein Security-Team kurzerhand für die Darsteller von „Der Widerspenstigen Zähmung“ einspringen – frech, witzig und trotzdem tiefgreifend. Garniert mit einer kleiner Band und schmissigen Songs wird daraus ein ganz besonderes Theatererlebnis.
Die Besucher der Uraufführung von „Katharina“ – einer Adaption von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ – beim Theater Hof werden durch die ‚Security‘ kontrolliert. Eine Mitarbeiterin kontrolliert Taschen und überprüft mit einem Metalldetektor die Theaterbesucher am Einlass. Ein zweiter Mitarbeiter scannt die Iris der Gäste.
Im kleinen Studio in Hof steht im Hintergrund ein geschlossener königsblauer Hauptvorhang, eingerahmt durch rubinrote Portalvorhänge. Davor links und rechts 6 Ankleidepuppen mit den Kostümfragmenten von Bianca (schöne aber einfältige Tochter von Battista), Gremio und Hortensio (Freier von Bianca), Battista (will 2.Tochter Katharina unbedingt von Bianca vermählen) und Petruccio (verarmter Adliger, will Katharina gegen ihren Willen wegen der Mitgift heiraten) und Katharina (männerhassende Kratzbürste).
Alle warten auf das Eintreffen der Schauspieler. Kurz vor Beginn erscheint der Chef der Security auf der Bühne und weist mit seinen Mitarbeitenden das Publikum auf die obligatorischen Regeln zu Urheberrecht, Fluchtwegen und die Verfügbarkeit der Toiletten hin.
Ein Anruf lässt den Chef erblassen: Die Schauspieler stecken mit dem Bus im Verkehr fest. Die 3 Sicherheitsleute beschließen kurzentschlossen, für das Ensemble einzuspringen und in die Rollen „Der Widerspenstigen Zähmung“ zu schlüpfen. Und so nimmt ein Stück seinen Lauf, das Kraft und Komik aus der Interaktion auf verschiedenen Ebenen bezieht.
Klaus – gespielt von Ralf Hocke – ist der abgeklärte Chef vom dynamischen Nachwuchs Jochen – Maurice Daniel Ernst – und der selbstbewussten Anna – Cornelia Löhr. Und hier fängt das Schlamassel an: 3 Darsteller ohne Bühnenerfahrung sollen 6 Rollen aus Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ spielen. Es beginnt mit einem Streit, wer die Rolle der Katharina spielen soll. Gerade Anne weigert sich, den Part zu übernehmen, und so wird die Rolle im Verlauf des Abends wie eine heiße Kartoffel zwischen den Wachleuten hin und her gegeben.
Regisseurin Jasmin Sarah Zamani greift die Idee der Shakespeare-Adaption von „Kiss Me, Kate“ von Cole Porter auf: Schauspieler, die Schauspieler spielen, die mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ auf eine Tournee durch Italien gehen und deren Streitereien die Bühnenstreitereien der Figuren überlagern, was für eine witzige Handlung sorgt. Jasmin Sarah Zamani perfektioniert in „Katharina“ die Idee und so hat das Publikum viel zu lachen – nicht durch plumpe Gags, sondern dank feinsinnigem Humor, Situationskomik und grandioser Ideen. Nicht weniger als sieben Ebenen überschneiden sich und machen das Stück zu einem echten Erlebnis.
Die Basisebene ist die überbordende echte Freude, mit der Ralf Hocke, Maurice Daniel Ernst und Cornelia Löhr zu Werke gehen. Gerade Cornelia Löhrs schauspielerische Ausdruckskraft ist sensationell. Alleine schon ihre Mimik ist ein echtes Erlebnis: gekräuselte Nase, hochgezogene Augenbraue, geschürzte Lippen – immer auf den Punkt, ohne ins Lächerliche abzugleiten. Ihr Gesang ist mitreißend: mal gehaucht geheimnisvoll, mal im Sopran strahlend, mal rockig röhrend.
Da wären zum Zweiten die dynamische und humorvolle Interaktion der von den Darstellern gespielten Sicherheitsleute: Anna, Jochen und Klaus bringen ihre eigenen Persönlichkeiten in einer einzigartigen Mischung aus Humor und Tiefe ein. Anna stellt die emanzipierte, widerspenstige Frau dar, die sich gegen Bevormundung wehrt, was einen wichtigen Kontrapunkt zur autoritären Haltung von Klaus bildet. Jochen ist das auflockernde Bindeglied.
Als das Security-Personal in die Rollen der Shakespeare-Figuren schlüpft, entsteht eine spannende Wechselwirkung zwischen der modernen Welt und den klassischen Charakteren. Katharina und Petruchio sind eine Mischung aus Tradition und modernen Elementen, was die Frage aufwirft, wie authentisch klassisches Theater wirklich ist, das von Menschen im Hier und Jetzt gespielt wird.
Als vierte Ebene sind die drei Musiker mehr als nur Begleiter der Handlung. Michael Falk am Stagepiano, Ralf Wunschelmeier am Bass und Harry Tröger am Schlagzeug setzen die Songarrangements von John R. Carlson eindrucksvoll um. Von Tango bis zum Swing ist alles dabei. Die Musik in „Katharina“ reagiert auf die Handlung, kommentiert sie und trägt aktiv zur Entwicklung der Geschichte bei. Die Musiker sind in das Stück eingebunden und werden zu Mitspielern im Theaterprozess. Sehr witzig ist die Szene, als die Musiker die Darsteller um eine Pause bitten, weil sie Hunger haben.
Der Gesang folgt den verschiedenen Metaebenen und wird zu einer eigenen Ebene, wenn die Darsteller sowohl in ihren ‚echten‘ Rollen als auch in den gespielten Shakespeare-Rollen singen. Jochen – als Security ein Tenor – singt zum Beispiel als Katharina im Falsett, was einen humorvollen, aber auch skurrilen Kontrast zur traditionellen Zähmung von Katharina setzt.
Die sechste Ebene wird erst Stück für Stück sichtbar: Das Musical setzt sich zunächst auf subtile, dann aber in kritischer Weise mit den traditionellen Geschlechterrolle auseinander. Es wird immer deutlicher, dass sich keiner der Sicherheitsleute in der Rolle der Katharina wohlfühlt und am wenigsten die einzige Frau am Set, Anna. Am Ende wird aus der ‚Gezähmten‘ eine ‚Gebrochene‘. Ob Katharina wirklich gebrochen ist, oder ihre Freiheit in einem symbolischen Akt der Selbstbestimmung auf eine neue, unerwartete Weise beansprucht, bleibt offen. Diese Lesart fordert das Publikum dazu auf, die patriarchalen Strukturen im Originalwerk zu hinterfragen.
Last but not least ist das Musical eine Reflexion über das Theater selbst. Durch die ständige Wechselwirkung zwischen der ‚realen‘ Welt der Sicherheitskräfte und der fiktiven Welt der Shakespeare-Figuren wird das Stück zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Natur von Theater und Performance. Schauspieler und Musiker bewegen sich ständig zwischen verschiedenen Ebenen und Rollen auch als Teil des Theaterprozesses. Die Zuschauer werden nicht nur Zeugen eines Stücks, sondern auch Teil des Theaters, was den gesamten Akt der Inszenierung hinterfragt. Wie verhalten sich Realität und Fiktion? Was passiert, wenn Theater die Grenzen zwischen den Welten auflöst? Diese Ebene lädt das Publikum ein, über die Künstlichkeit des Theaterbetriebs und die Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, nachzudenken.
„Katharina“ ist ein außergewöhnliches Musical, das cleveren Humor, zweideutige Satire und eine scharfsinnige gesellschaftliche Reflexion miteinander vereint. Die cleveren Wechsel zwischen vielen Ebenen, die humorvolle Darstellung von Macht und Kontrolle sowie die musikalische Vielfalt machen das Stück zu einem unterhaltsamen, aber auch tiefgründigen Theatererlebnis. Und so ergeben 3 Schauspieler + 3 Musiker nicht nur 7 Ebenen; 3 Schauspieler + 3 Musiker ergeben auch 6 Personen + 1 ganze Menge Spaß, der das Publikum schließlich von den Sitzen reißt.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik, Buch, Texte | Peter Dehler |
| Songarrangements | John R. Carlson |
| Musikalische Leitung | Michael Falk |
| Inszenierung | Jasmin Sarah Zamani |
| Bühne und Kostüme | Monika Frenz |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Klaus | Ralf Hocke |
| Jochen | Maurice Daniel Ernst |
| Anne | Cornelia Löhr |
| Band | Michael Falk Ralf Wunschelmeier Harry Tröger |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Sa, 07.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | Premiere | |||||||
| Fr, 13.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| Fr, 20.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
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| Sa, 21.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| Fr, 27.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| Sa, 28.06.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| So, 29.06.2025 18:00 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| Fr, 04.07.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| Sa, 12.07.2025 19:30 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
| So, 13.07.2025 18:00 | Werkstatthof, Hof | ||||||||
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