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Der König kehrt zurück und das Publikum im Füssener Festspielhaus tobt. Obwohl das Stück von Konstantin Wecker, Nic Raine und Christopher Franke (Musik) sowie Rolf Rettberg (Libretto, Liedtexte) im ersten Akt recht holprig daherkommt und einige Längen aufweist, gibt es insgesamt doch mehr Licht als Schatten. Der Premierenabend wird getragen von einem großartigen Matthias Stockinger in der Titelrolle, aber auch Uwe Kröger als Dr. Gudden und Kevin Tarte als Schattenmann hinterlassen einen bleibenden Eindruck.
Das Revival von „Ludwig²“ – für viele Fans ein wahr gewordener Traum. Ermöglicht wurde er durch das – laut Veranstalterangaben – wohl erfolgreichste Crowdfunding der europäischen Theatergeschichte. Für knapp 30 Vorstellungen kehrt das Musical rund um den bayrischen „Märchenkönig“, dessen Leben und mysteriöser Tod alles andere als märchenhaft waren, zurück an den Ort seiner Erstaufführung. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit der Diskrepanz zwischen Ludwigs träumerischen Wesen, seinen künstlerischen Neigungen und den Anforderungen seiner Lebenswirklichkeit, die durch Krieg, Machtkämpfe und politische Sachzwänge geprägt ist. Dabei integriert der Autor eine bis heute nicht nachgewiesene Verschwörungstheorie in die Handlung, die im Tod Ludwigs als Folge eines Auftragsmords kulminiert.
Gespielt wird die Kemptener Fassung, die anders als die Urversion nicht in Rückblenden, sondern chronologisch erzählt. Was künstlerische Freiheiten angeht, waren Regisseur Benjamin Sahler vertraglich die Hände gebunden: Bedauerlicherweise durfte er an Texten und Songs keine Änderungen oder Umstellungen vornehmen, von denen vor allem der erste Akt zweifellos profitiert hätte. Dieser ist wesentlich kürzer als der zweite Teil und wirkt etwas unrund. Die Eröffnungsnummer „Meine Zukunft“, in der Ludwig als Kind gemeinsam mit seiner Erzieherin Sybille Meilhaus über sein späteres Leben als König reflektiert und sein erwachsenes Alter Ego schemenhaft im Hintergrund zu erkennen ist, erscheint als Prolog ungeeignet und vermag nicht zu fesseln. Dramaturgisch liegt einiges im Argen, aber zumindest im zweiten Akt kann das Stück an Fahrt aufnehmen und wartet mit einigen Highlights auf.
Auch Bühnenbilder (Elemente 2005: Gerd Friedrich; Elemente 2016: Benjamin Sahler) und Kostüme (Gerd Friedrich, Sonja Schweizer und Claudia Krämer) wurden zum großen Teil von den beiden Vorgängerversionen übernommen – die Fassade des Palastes etwa oder die Baustelle Neuschwansteins. Einen ganz besonderen Zauber üben die Szenen aus, in denen der direkt unter dem Bühnenboden liegende und in die Bühne integrierte See zum Einsatz kommt. Ansonsten arbeitet die Produktion mit teilweise ein wenig einfallslosen, teilweise aber auch aufwändigen Projektionen (etwa bei der Kriegsszene, wenn vier Skelette sich vor einem Meer aus Gräbern bekämpfen) sowie raffinierten Licht- und Lasereffekten. Aber es braucht mitnichten aufwändige Bühnenbilder und ausgeklügelte technische Effekte, um große Bilder zu schaffen. Da reicht schon der rote Theatervorhang, den sich Stockinger um die Schultern drapiert und der dann wasserfallartig herabfällt – eine royalrote Schleppe. Schlicht, aber effektiv.
Gegen Ende des ersten Aktes gibt es einen ersten großen Gänsehaut-Moment, wenn der erwachsene Ludwig in einem aus Laser, Licht und Nebel erzeugten Tunnel auf sein jüngeres Ich (beeindruckend: Nico Brade) trifft und dieser ihn zum ersten Mal daran erinnert, was von seinen kindlichen Träumen übrig geblieben ist – nämlich nicht viel.
Matthias Stockinger als Ludwig II. ist der strahlende Stern der Inszenierung. Er liefert ein darstellerisch sehr differenziertes und ausdrucksstarkes Porträt des naiv-verträumten, aber auch trotzig-resignierten und schließlich desillusionierten Königs. Stimmlich begeistert er mit gekonnter Interpretation der großen Balladen, wie beispielsweise sein herausragendes „Kalte Sterne“. Eindrucksvoll auch die Interaktion mit Julian Wejwar als Prinz Otto in „Wann kommst du wieder?“ – wenn auch die Irrenhausszene insgesamt ein wenig lang gerät. Wejwar sorgt mit seinem eindringlichen Monolog über die Schrecken des Krieges für den mit Abstand beklemmendsten Moment der Inszenierung.
Darstellerisch muss Uwe Kröger als Dr. Gudden den Vergleich mit dem starken Protagonisten nicht scheuen und beweist sich als exzellenter Schauspieler mit viel Gespür für feine Nuancen. Körpersprache und Mimik transportieren Guddens Gewissenskonflikte, ohne dass noch viele Worte notwendig wären. Wirklich gut gelungen und tief berührend ist die Finalszene am und im See, bei der Kröger und Stockinger ein wahres Feuerwerk der Spielfreude abbrennen. Das Licht erlischt, zwei Schüsse fallen, der Vorhang fällt. Zurück bleibt ein Kloß im Hals und eine Atmosphäre, die so dick ist, dass man sie schneiden könnte. Es sind Momente wie diese, die „Ludwig²“ sehenswert machen.
Dass manchmal nur ein kurzer Moment – in diesem Fall die knapp fünfminütige „Schattenarie“ reicht, um sich nachhaltig ins Hirn zu brennen, stellt Kevin Tarte als zwielichtiger Schattenmann unter Beweis. Dunkel gekleidet und den Hut tief ins Gesicht gezogen, steht Tarte ganz alleine auf der Bühne, ein Gewehr in der Hand. Niemand kann sich in diesem Augenblick seiner starken Bühnenpräsenz entziehen, niemand der dunkel-schmeichelnden Stimme, die so verlockend Unheil verkündet.
Stets an Ludwigs Seite: Sein treuer Weggefährte Graf Dürckheim, verkörpert durch Oedo Kuipers. Dieser singt die Partie zwar schön, es fehlt ihm allerdings noch an Ausdruckskraft. Besonders deutlich wird das beim „Freundschaftsduett“. Ebenfalls hinter den Erwartungen zurück bleibt Anna Hofbauer als Kaiserin Elisabeth. Obwohl sie mit einem schönen Sopran ausgestattet ist, geraten ihre Soli stimmlich etwas dünn. Auch darstellerisch bleibt sie – vor allem im Zusammenspiel mit Stockinger – blass. Der sonst Gänsehaut-erzeugende Stimmungswechsel bei „In Palästen geboren“ verpufft damit relativ wirkungslos.
Ausgesprochen gut gefallen hingegen Suzan Zeichner als Sybille Meilhaus und Dorothea Baumann als Sophie. In der Verschwörungsszene „Es muss etwas gescheh’n“ überzeugen William Cohn (Kaspar), Harald Tauber (Graf Rettenberg), Alexander Kerbst (Freiherr von Lutz) und Pablo Bottinelli (Graf Holnstein) auf ganzer Linie. Aus ihren eher undankbaren Rollen haben Jens Rainer Kalkmann (Max von Bayern), Stefanie Kock (Marie von Preussen) und Marina Krauser (Ludovica) das Beste gemacht. „Schon wieder gibt’s Familienkrach daheim im Hause Wittelsbach“ (Kalkmann, Kock, Meilhaus, Brade) und „Der König ist nicht ganz bei Trost“ (Krauser) ernten so manchen amüsierten Lacher.
Das Orchester kommt vom Band, die Qualität der verwendeten Playbacks ist allerdings hervorragend. Schade nur, dass die Soundanlage überfordert scheint und auch die Abmischung alles andere als optimal ist: Über weite Strecken ist die Musik zu dominant und der Gesang zu leise. Die zusätzlich auf dem Playback enthaltenen Chorstimmen verschmelzen manchmal mit der Musik zu einem Klangbrei, was die Textverständlichkeit erschwert.
Was die Choreographien von Till Nau und Stefanie Gröning angeht, bleibt besonders der grazile Tanz des weißen Schwans (Stefanie Gröning) im See in Erinnerung oder auch die heitere Choreographie bei der wunderbar pointiert gespielten Ensemble-Nummer „König Technik“.
Trotz aller Schwächen, ist „Ludwig²“ die Reise nach Füssen wert. Schon alleine die traumhafte Location am Fuße des Forggensees mit Blick auf Neuschwanstein und das Wissen, dass sich an eben dieser Stelle Teile der hier erzählten Geschichte tatsächlich zugetragen haben, üben ihren ganz eigenen Reiz aus. Und die Gänsehaut-Momente gepaart mit der teils exzellenten Besetzung lassen über so einige Unstimmigkeiten hinwegsehen.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Regie | Benjamin Sahler |
| Co-Regie | Martin Markert |
| Regieassistenz | Susanne Wimmer |
| Musik | Konstantin Wecker Nic Raine Christopher Franke |
| Buch & Liedtexte | Rolf Rettberg |
| Musikalische Leitung | Florian Appel Konstantinos Kalogeropoulos |
| Choreographie | Stefanie Gröning |
| Bühnenbilder | Gerd Friedrich Benjamin Sahler |
| Kostüme | Gerd Friedrich Sonja Schweizer Claudia Krämer |
| Technische Leitung | Erasmus Gerlach |
| Lichtdesign | Soundfuture Tino Tiesler |
| Lichttechnik | Tino Tiesler Oliver Benecke Michael Preuß |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| 11.08.2016 - 31.12.2026 | Festspielhaus Neuschwanstein, Füssen | 542 x |
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