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Über dem Zuschauerraum hängt ein riesiger Aufbau einer Modelleisenbahn. Eine Kinderstimme aus dem Off, aktuell gesprochen von Lamin Timera, führt in die Geschichte des weltweit erfolgreichsten Musicals an einem Standort in der Ruhrmetropole Bochum ein. Dass das Erfolgskonzept des einzigen Longrun-Musicals auf Rollschuhen nach zwischenzeitlichen Flauten vor allem auf Ansprache der breiten Masse und mehrerer Generationen baut, lässt viele kritische Stimmen an der Qualität des Erfolgsmusicals Andrew Lloyd Webbers zweifeln. Über 18 Millionen Zuschauer (Stand 2022) und eine mittlerweile über 36-jährige Spielzeit geben dem Konzept jedoch Recht und machen „Starlight Express“ in Bochum zu einer Ausnahmeerscheinung. Mit zahlreichen eigens für den Standort vorgenommenen Überarbeitungen des dynamischen Stücks ist hier ein Phänomen zu beobachten: Mittlerweile setzt sich das Publikum aus drei Generationen zusammen. Mit gespannter Erwartungshaltung folgen alle dieser besonderen Show immer wieder aufs Neue, da sie bereits im nächsten Jahr schon wieder andere Nuancen aufweisen kann.
Ein Kind träumt von seiner Eisenbahn: Loks verschiedenen Antriebs und Charakters treten bei der Weltmeisterschaft der Züge an. Dazu müssen sie sich mit Waggons verkuppeln. Es geht es um die große Liebe, Betrug, Hochmut vor dem Fall, und die Entwicklung von Selbstvertrauen. Die kindlich eingeleitete, vermeintlich flache Story vermittelt eine simple, jedoch starke Botschaft: Dass ein jeder (Zug) Kraft, Größe und Selbstvertrauen in Form des „Starlight Express“ nur in sich selbst finden kann, dafür aber auch in Kauf nehmen muss zu polarisieren. In diesem Sinne nimmt es Andrew Lloyd Webbers auf der Kinderbuchreihe „The Railway Series“ basierende Werk schon seit Jahrzehnten mit seinen Kritikern auf.Oft wurde Webbers Stück nachgesagt, sexistisch, klischeehaft und inhaltlich hohl zu sein. Spätestens die große Überarbeitung der Bochumer Inszenierung von 2018 will jedoch sämtliche Vorwürfe widerlegen:
Die Stärkung der Frauenrollen wird durch neue Lieder („Ich bin ich“, „Pfeife mir zu“) sowie einen Wechsel der Geschlechter zweier Loks, die ursprünglich alle männlich besetzt waren, verfolgt: .
Frauen werden nicht mehr nur als Anhängsel der Männer oder in ihrer Mutterrolle abgebildet. Vor allem die Rolle der Dinah, die nun den neuen Waggon Pearl in die Gruppe einführt, ist viel stärker im Charakter gezeichnet und hat deutlich mehr Profil bekommen. Die Figuren unterliegen alle insgesamt viel weniger einer Schwarz-Weiß-Malerei. So bleibt Dinah trotz stärkeren Profils auch weiterhin der toxischen Männlichkeit Greaseballs verfallen.
Dem Wandel der Zeit angemessen wurde Rauchwaggon Ashley zusammen mit dem alten Barwagen Buffy durch den Gepäckwagen Carrie sowie Belle, den neuen Barwagen, ersetzt. Mit der britischen Lok Brexit führt Webber seine eigene Nation vor, wird diese während der Show von den Zuschauern doch mit einem Schmunzeln bedacht, nachdem sie sich auf eigenen Wunsch aus dem Rennen nimmt. Ebenso an die aktuelle politische Situation angepasst wird bei der Vorstellung der internationalen Züge auf die Präsentation der russischen Flagge verzichtet. Turnov, der Trans-Sibirien-Express, hält sie nur eingerollt hoch, alle anderen Fahnen werden im Fahrtwind siegessicher geschwenkt.
Neben inhaltlichen Nuancen ist ebenfalls die Performance und Choreographie immer wieder überarbeitet worden. Die Rockys sind nach elf Jahren Abstinenz seit 2018 zurück und heizen mittlerweile zum Teil weiblich besetzt dem Zuschauer mit waghalsigen Choreographien ein. Noch waghalsiger sorgt Tony Hoggan mit seinen Stunts auf Inlinern für besondere Spannungsmomente.
Der gesamte Look der Darsteller, die Kostüme wie die Maske entsprechen ebenfalls nicht mehr dem klassischen 80-er-Jahre-Stil, was das Stück dynamisch und modern hält und zugleich zeitlos macht. Besonders ins Auge springt die optische Überarbeitung Pearls: Der ehemals toupierte pinke Zopf und das leicht schrille Outfit ist einem klassischen Zopf sowie einem schlichten weißen Kostüm gewichen. So scheint Pearl bereits rein optisch viel besser zu ihrem Spielpartner Rusty zu passen. Electra wurde im Laufe der Jahre mit jeder Überarbeitung immer schillernder, trägt nun eine beleuchtete Perücke und sein Kostüm ist mit diversen Displays und Spots gespickt.
Die Entwicklung, die Webber seinem Hauptcharakter Rusty im Verlaufe des Stückes zuschreibt, überträgt sich auf das gesamte Musical. Nicht zuletzt passt das Streben nach Entwicklung auch zur Region des Spielortes Bochum: Das ehemalige Kohlerevier muss sich nach Schließung der letzten Zechen auch immer wieder neu erfinden. „Starlight Express Bochum“ ist lebendig und entwickelt sich weiter – ebenso wie sein Publikum.
Der Bühnenaufbau des eigens für das Stück erbaute Theater ist seit seiner Einweihung 1988 weitestgehend gleichgeblieben. Stetiges Herzstück der Bühne ist die riesige, bewegliche Brücke, die während der Rennen drei verschiedene Ebenen der Bühne miteinander verbindet und für besondere Auftritte sorgt. Zur Halfpipe, den Tunneln und auf verschiedenen Ebenen befindlichen Rennbahnen sind bereits vor Jahren zwei zusätzliche Bahnen gekommen, die das Parkett durchziehen und somit den Zuschauer am Bühnenrand (z.T. auf Drehsesseln sitzend) noch mehr in die Dynamik des Stücks hineinholen.
Pyroeffekte wie die brennenden Rollschuhe Greaseballs sorgen gemeinsam mit einem ausgeklügeltem Licht- und Laserdesign dafür, die Lokomotiven und Waggons angemessen zu be- und durchleuchten. Bei „Starlight Sequenz“ steht Max Luca Maus als Rusty voller Selbstzweifel zunächst wie von Laserstrahlen von seinem Umfeld abgeschnitten mit dem einzigen Ausblick – nach vorn. Wie festgeschweißt verharrt er schließlich in einer Säule aus zahlreichen beleuchteten Drohnen, die ihm die ersehnte Erleuchtung bringen. Deutlich erstarkt kehrt Maus nach dieser Szene in die Reihen des Ensembles zurück und wirkt wie verwandelt.
Die Pop-, Rock-, Blues- und Electroklänge aus der Feder Andrew Lloyd Webbers werden von der mittlerweile nur noch siebenköpfigen Band unter der Leitung von Tim Davies mal rockig, mal sanft aufgespielt. Das Sounddesign klingt in der besuchten Vorstellung jedoch eingangs etwas blechern und hohl, als habe man auf einen Soundcheck verzichtet. Die Singstimmen und die Verständlichkeit der Texte leiden darunter. Im Laufe der Show steigert sich die Klangqualität rasch, sodass ein wohlklingender Sound den Hörgenuss garantiert und die Texte wie auch die Emotionen angemessen transportiert werden.
Max Luca Maus interpretiert Rusty stimmlich hervorragend und sticht aus dem insgesamt starken Cast in puncto Sicherheit auf den Rollschuhen und im Spiel mit den Emotionen besonders heraus. Glaubhaft vermittelt er, dass die naive kleine Dampflok zu einem Weltmeister heranreift. Sophie-Rose Middleton ist ihm als Pearl eine ebenbürtige Spielpartnerin. Sie schafft es trotz unstetigen Charakters ihrer Figur die Sympathie des Publikums für sich zu gewinnen und zu wahren. Gesanglich berührt sie besonders mit ihrem verzweifelt gehauchten Solo „Hilf´ mir verstehen“ sowie ihrer klaren Ansage „Pfeife mir zu!“.
Reva Rice, die Ur-Pearl des Broadways, geht nun als Mama in Bochum in der ihr zugeschriebenen Rolle vollends auf. Sie weiß wie keine andere Darstellerin des Casts durch ihr liebevolles Spiel, ihre wahrhaft mütterliche Art und ihre soulige Stimme das Publikum abzuholen.
Rory McCollum ist als Womanizer Greaseball eine Paradebesetzung. Coole Performance, der Flirt mit den Ladies und seine rockige, sonore Stimmfarbe machen ihn schnell zum vermeintlichen Star unter den Lokomotiven. Mit Witz und Selbstironie spielt er jedoch auch die Läuterung Greaseballs und gibt im falschen Spiel mit seiner Partnerin Molly McGuire als Dinah weitere Nuancen zum Besten. McGuire spielt sich mit großer Leichtigkeit in die Herzen der Zuschauer.
Jamie Rose-Jones verkörpert den androgynen Electra kalt in Emotionen und schlicht im Charakter, wie die Rolle es vorgibt.
Daniel Ellison beeindruckt als Red Caboose durch Präzision auf den Rollen und gibt den eigentlichen Antagonisten der Show so geschickt durchtrieben, dass auch er nicht nur unsympathisch wirkt, da er seiner Figur eine eigene Tiefe verleiht: Der Zuschauer wird umgarnt und geht ihm auf den Leim.
Der beeindruckte Besucher von „Starlight Express“ muss weder Kind noch Mitglied der Cosplay-Szene sein, um sich immer wieder neu in das Stück zu verlieben und darf (hoffentlich auch weiterhin) immer wieder auf Neuerungen gespannt sein. Eine neu arrangierte Urfassung des Titelsongs lässt die Zuschauer aus erster Generation aktuell nostalgisch werden. Genau das macht den Zauber des Mehrgenerationen-Stücks aus – wie auch seine Botschaft, auf die sich ein jeder in dunklen Stunden immer wieder neu besinnen darf: „.. und Du schaffst es mit der Kraft in Dir!“
Anm. der Redaktion: Wir haben „Starlight Express“ in Bochum bereits 2013 rezensiert. Hier entlang zur alten Rezension!
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Cast (Historie) | Galerie | Termine | Spielorte | ||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Matthew Ramplin |
| Musikalische Supervison | Graham Hurman |
| Regie / Choreografie | Arlene Phillips |
| Abendspielleitung | Steven Rosso |
| Rollschuhtrainer / Race Supervisor | Michal Fraley |
| Bühne und Kostüme | John Napier |
| Licht- und Showdesign | Bob Sinclair |
| Tondesign | Gareth Owen |
| Video- und Projektionsdesign | Duncan McLean |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| CAST (HISTORY) | |||||||||
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| 12.06.1988 - 31.12.2026 | Starlight Express Theater, Bochum | 8080 x |
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