Sarah Artley (Julia), Timo Aust (Romeo), Ensemble ©DAS DA THEATER | Kris Borreck
Sarah Artley (Julia), Timo Aust (Romeo), Ensemble ©DAS DA THEATER | Kris Borreck

Romeo & Julia (2026)
Das Da Theater, Aachen

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

Das Das-Da-Theater inszeniert „Romeo & Julia“ als Pop-Rock-Musical in einer Bühnenfassung von Maren Dupont in der Burg Wilhelmstein. Der Versuch, Shakespeares Klassiker mit moderner Pop- und Rockmusik zu verbinden, gelingt nur stellenweise. Das Ensemble, die musikalischen Interpretationen und die Ausstattung überzeugen, doch das Crossover-Konzept entfaltet nicht immer die gewünschte emotionale Wirkung.

William Shakespeares Tragödie um die tragische Liebe zweier Kinder der bis aufs Blut verfeindeten Häuser Capulet und Montague ist bis heute nicht nur als schulischer Unterrichtsstoff, sondern außerdem durch zahlreiche Adaptionen in Literatur und Film sowie durch Neufassungen für die Bühne bekannt. So setzt sich das Das-Da-Theater mit seiner Eigeninszenierung den verschiedenen Erwartungshaltungen seiner Zuschauenden aus, die mit dem klassischen Stoff größtenteils bestens vertraut sind und oft bereits ihre ganz eigenen Favoriten unter den vielen Variationen  haben. Im Programmheft heißt es, dass die Neuinterpretation eine Brücke schlagen will zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Insgesamt bleibt Maren Duponts Bearbeitung nah an der Vorlage der deutschen Übersetzung. Bei der Übertragung der Textvorlage in die Gegenwart geht die Inszenierung sehr vorsichtige Schritte. Im Programmheft heißt es weiter, dass nur an wenigen Stellen sprachliche Bilder ausgetauscht wurden, die zu Unverständnis geführt oder die Szene ins Lächerliche gezogen hätten, ansonsten bleiben die Dialoge der shakespeareschen Vorlage erhalten. Irritierend ist auch daher die Entscheidung, Benvolio als männliche Figur beizubehalten und zugleich mit einer Schauspielerin zu besetzen. Eine tatsächliche Geschlechteranpassung der Rolle hätte die angestrebte Zeitlosigkeit des Stoffes konsequenter unterstrichen.

Wer „Romeo & Julia“ neu entdecken möchte, stolpert in dieser Fassung über die in Shakespeares Tragödie eingestreuten Lieder, auf die man inhaltlich auch verzichten könnte, da sie die Handlung eher verzögern als vertiefen. Die Pop- und Rocksongs decken eine Bandbreite von Michael Jackson über Queen und Meat Loaf bis hin zu No Doubt und Eminem ab. Die Songauswahl erschließt sich zwar über den Inhalt, jedoch entsteht kein durchgehender, musikalischer Flow und die Stimmung der tragischen Liebesgeschichte wird nicht immer eingefangen. Der erwartete emotionale Sog im Sinne der Story setzt sich nur vereinzelt durch: Zu groß ist der Bruch zwischen Original-Texten und den oft poppig arrangierten, nicht handlungstragenden Songs.

Die Partitur wird jedoch mit Druck durch die vierköpfige Das-Da-Band unter der Leitung von Christoph Eisenburger einwandfrei gespielt. Hier gibt es mit klarem Sound ordentlich etwas auf die Ohren!

Das Bühnenbild beeindruckt durch die optische Annäherung an das Globe Theatre, das schon im 17. Jahrhundert Spielstätte Shakespeares Werke war. Ähnlich wie das mehrstöckige, historische Rundtheater wirkt hier ein dreistöckiges Stahlgerüst, das viel Raum für Interpretationen lässt. Zusammen mit der alten Burgmauer in der Kulisse der Burg Wilhelmstein entsteht so ein besonderer historischer Flair. Auf mehreren Ebenen entstehen verschiedene Spielorte von Julias Balkon bis hin zu öffentlichen Plätzen Veronas. In der Mitte der Hauptbühne befindet sich ein Podest, das als Brücke für Auf- und Abgänge und als Versteck von Requisiten und Kulissen wie beispielsweise den Marktständen fungiert. Gleichzeitig rücken die ausgeklügelten Kampf-Choreographien von Mathias Kunzler ins Zentrum des Geschehens. Teils dem Gesellschaftstanz des elisabethanischen Zeitalters entsprechend, teils mit mitreißenden Contemporary- und Showtanzelementen verbinden die Choreographien von Eveline Gorter Klassik und Moderne. Hier funktioniert der Crossover einwandfrei.

Für die Kostüme wie für die Requisite zeichnen Rebekka Rück und Nadine Dupont verantwortlich. So wirkt optisch alles wie aus einem Guss und eindeutig in Shakespeares Epoche verortet. Entsprechend ist das Kostümbild dem Kleidungsstil des elisabethanischen Zeitalters nachempfunden: Mehrteilige Corsagenkleider zieren die Damen der beiden herrschaftlichen Häuser. Die Herren der gehobenen Gesellschaft tragen Pumphosen und Strumpfstiefel. Die Capulets sind überwiegend in Rot-, die Montagues in Blautönen gekleidet. Das Farbkonzept sorgt vor allem während der turbulenten Kampfszenen für eine sichere Zuordnung.

Das Gelingen des Stücks wird maßgeblich durch die Besetzung der beiden Hauptcharaktere bestimmt: Timo Aust gibt einen zunächst melancholischen Romeo, der durch seine neue Liebe in ein Wechselbad der Gefühle geworfen wird. Treffend kopflos und zugleich berauscht erklimmt Aust das Stahlgerüst bis hinauf zu seiner Julia, Sarah Artley. Mit jugendlich anmutendem Charme verwandelt sich Artley innerhalb weniger Szenen vom zurückhaltenden jungen Mädchen zur Verführerin ihres Geliebten und wieder zurück. So steigt sie aus höchsten Höhen an der Außenseite des Stahlgerüsts wieder hinab in das Tal der Tränen. Die Chemie stimmt zwischen Aust und Artley, wie sie im Spiel und Gesang („I Would Do Anything for Love“) unter Beweis stellen.

Weiterhin stechen aus dem 15-köpfigen Ensemble Tobias Steffen (als Tybalt, Ansager und Bruder Lorenzo) sowie Dennis Papst (als Mercutio und Julias Vater) heraus. Scheinbar mit einem Wimpernschlag wechseln sie die Rollen, gehen hitzig aufeinander los und ergeben sich voller Leidenschaft in ihr tragisches Spiel, ohne dabei jedoch ihre Rollen zu überzeichnen. Nicole Elisabeth Lehmann als Lady Capulet gibt eine treffend damenhafte und emotional überforderte Mutter Julias. Nelly Bucholdt zeichnet ihre Amme mit Julia emotional tief verbunden.

Die Stärken des Abends liegen eindeutig im engagierten Ensemble, der musikalischen Qualität und der stimmigen Ausstattung. Das ambitionierte Crossover-Vorhaben geht jedoch nicht durchgängig auf.

Nach William Shakespeare. Bühnenfassung von Maren Dupont.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
KREATIVTEAM
InszenierungMaren Dupont
Musikalische LeitungChristoph Eisenburger
ChoreographieEveline Gorter
Kampf-ChoreographienMathias Kunzler
BühnenbildFrank Rommerskirchen
Kostüme, Ausstattung, MaskeNadine Dupont
Rebekka Rück
 
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CAST (AKTUELL)
JuliaSarah Artley
RomeoTimo Aust
Ansager / Tybalt / Bruder LorenzoTobias Steffen
Capulet / Mercutio Dennis Papst
Lady CapuletNicole Lehmann
Lady Montague / Zofe Capulets / Schwester JohannaAnna van Grootel
Julias Amme / SimsonNelly Bucholdt
Diener Montagues / Graf ParisJan Fritz Meier
BenvolioJenny Friesecke
FürstinSammy-Jo Wooley
Anja Mathar
Zofe Capulets / KräuterfrauLisa Stephan
Freund Tybalts / Zofe CapuletsRebecca Hollender
Natalie Scheidgen
Freund Mercutios / Zofe CapuletsLisa Graff
Mascha Kamenskikh
BandChristoph Eisenburger
Tom Schreyer
Martin Löhrer
Lukas Dahle
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
04.06.2026 - 28.06.2026Burg Wilhelmstein, Würselen13 x
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