CD Cover © HitSquad Records
CD Cover © HitSquad Records

Musicalstars singen Levay
Live Doppel-CD / DVD / 2025

Mit einem Gala-Konzert feiert die Wiener Musicalszene im Frühjahr den 80. Geburtstag von Sylvester Levay. Die nun veröffentlichte Live-Aufnahme – erhältlich als CD, DVD und demnächst auch als Blu-ray – bietet einen abwechslungsreichen Überblick über sein Schaffen. Neben Klassikern wie „Elisabeth“ oder „Rebecca“ stehen neu arrangierte und teils überraschend interpretierte Versionen im Mittelpunkt – etwa wenn „Sie ergibt sich nicht“ als beinahe hypnotisches Duett zwischen den beiden Mrs. Danvers der letzten Wiener Rebecca-Inszenierung, Willemijn Verkaik und Annemieke van Dam erklingt. Ergänzt wird die Retrospektive durch Ausschnitte aus hierzulande weniger bekannten Werken wie „Crest of the Royal Family“ oder dem jüngsten Musical „Beethoven’s Secret“.

Durch den Abend führen Mark Seibert und Lukas Perman, der zugleich auch als Produzent des Konzerts verantwortlich ist. In kurzen Moderationen leiten sie die thematischen Blöcke ein, die jeweils einem Musical aus Sylvester Levays Schaffen gewidmet sind. Dabei geben sie nicht nur einen Überblick zur jeweiligen Show, sondern teilen auch persönliche Anekdoten – ein Zusatz, der ausschließlich auf der DVD enthalten ist und in der reinen Audiofassung fehlt. Den Auftakt des Konzerts bildet ein Block mit Songs aus „Mozart!“. Oedo Kuipers übernimmt dabei erneut die Rolle des Wolfgang und interpretiert jene Lieder, mit denen er bereits in der letzten Wiener Inszenierung überzeugte. Mark Seibert schlüpft – wie auf der Bühne – in die Rolle des strengen Colloredo. Besonders eindrucksvoll ist Anton Zetterholm mit einer wütend zugespitzten Version von „Schließ dein Herz in Eisen ein“. Barbara Obermeier bringt mit „Irgendwo wird immer getanzt“ eine Darbietung, die gleichzeitig kraftvoll und voller Leichtigkeit wirkt.

Von Wien geht es weiter ins England der Tudorzeit: Lady Bess wird durch ein eindrucksvolles „Gott soll dich schützen“ eröffnet, gesungen vom Chor des Instituts Musikalisches Unterhaltungstheater der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Der Chor hat im Verlauf des Abends nicht nur eigene Auftritte wie diesen, sondern verstärkt auch immer wieder die Solistinnen und Solisten. Dabei überzeugen die jungen Sängerinnen und Sänger durch klare Artikulation, präzise Betonung und eine sorgfältige Akzentuierung. Einen weiteren Akzent setzt Marjan Shaki mit „Du bist nicht allein“ – stimmlich souverän und in ihrer Gestaltung nuancenreich.

Im anschließenden Rebecca-Block erklingen mehrere Titel aus dem Musical, darunter „Zeit in einer Flasche“, „Hilf mir durch die Nacht“ und eine orchestrale Version von „Ich hab geträumt von Manderley“. Willemijn Verkaik und Barbara Obermeier setzen mit dem Titelsong ein intensives Duett, das durch klare Dynamik und stimmliche Präsenz überzeugt. Gemeinsam mit den weiteren Beiträgen beschließt der Block den ersten Teil des Abends und erweist sich mit dem Titelsong als eindrucksvolles Aktfinale.

Ein besonderes Glanzlicht des zweiten Teils ist der Block mit Songs aus „Marie Antoinette“. Drew Sarich überzeugt mit einer intensiven Interpretation von „Illusionen“, Barbara Obermeier bringt „Blind vom Licht der vielen Kerzen“ zum Strahlen und in „Ich weine nicht mehr“ vereinen sich Annemieke van Dam, Willemijn Verkaik, Barbara Obermeier und Marjan Shaki zu einem bewegenden Quartett. Damit sind erstmals zentrale Songs des Musicals in einer großen Orchesterfassung auf Deutsch festgehalten. Getragen wird der gesamte Abend vom Györ Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Bernd Steixner, das zusammen mit einer sechsköpfigen Band für den durchgehend kraftvollen und detailreichen Klang sorgt.

Einen kurzen Einblick gibt das Konzert auch in Levays Arbeiten für den asiatischen Raum. Aus dem Manga-Musical „Crest of the Royal Family“, das 2016 am Imperial Theatre in Tokio uraufgeführt wird und hier bislang noch nie zu sehen ist, präsentiert Willemijn Verkaik den Song „Torn Emotions“. Aus „Beethoven’s Secret“, das seine Premiere in Seoul erlebt hat, folgen zwei weitere Kostproben: Annemieke van Dam mit „What Now“ und Drew Sarich mit „My Destiny’s Me“.

Den Höhepunkt der Aufnahme bildet ein rund zwanzigminütiges Medley aus Elisabeth. Die bekannten Songs werden in starken Interpretationen präsentiert und bündeln noch einmal die Essenz von Levays größtem Musicalerfolg. Besonders eindrucksvoll gelingt „Die Schatten werden länger“, das in einer Quartettfassung von Drew Sarich, Lukas Perman, Mark Seibert und Anton Zetterholm eine fesselnde Kraft entfaltet. Auf der DVD erhält das gesamte Medley zudem eine besondere visuelle Ebene: Sandmalerin Irina Titova erzählt parallel zur Musik die Geschichte des Musicals in fantasievollen Bildern, die live auf eine große Leinwand projiziert werden – ein berührendes Geschenk an den Komponisten und ein optisches Erlebnis, das allein schon den Griff zur DVD lohnenswert macht.

Auch klanglich überzeugt die Veröffentlichung, eine Produktion aus dem Hause HitSquad, das sich seit Jahren auf Musical-Aufnahmen spezialisiert hat. Die Balance zwischen Orchester, Band und Solistinnen wie Solisten ist klar ausgesteuert, sodass sowohl die orchestrale Fülle als auch die Stimmen gut zur Geltung kommen. Auf der DVD ergänzt ein sauberes Bild mit stimmungsvoller Lichtregie das Konzertgeschehen. Kleinere Einschränkungen zeigen sich lediglich in der Bildschärfe einzelner Totaleinstellungen aus dem Zuschauerraum, die nicht ganz die Qualität der Nahaufnahmen erreichen – sie mindern den insgesamt positiven Gesamteindruck jedoch nicht.

In der CD- und DVD-Veröffentlichung von „Musicalstars singen Levay“ spiegelt sich sowohl die Erinnerung an einen festlichen Konzertabend als auch ein eindrucksvoller Streifzug durch das musikalische Schaffen von Sylvester Levay. Eine klare Empfehlung für alle, die seine Werke bereits kennen und in neuen, spannenden Fassungen wiederentdecken möchten, ebenso wie für jene, die sich einen Überblick über das Schaffen eines der prägenden Komponisten des deutschsprachigen Musiktheaters verschaffen wollen – ohne dessen Beiträge weder der Musicalboom im deutschsprachigen Raum noch Wiens Stellung als Musicalhauptstadt des europäischen Festlands denkbar wäre.

 
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