Company © Johan Persson
Company © Johan Persson

Paddington - The Musical (seit 11/2025)
Savoy Theatre, London

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Es gibt in Großbritannien Kinderbuchfiguren, die man mag – und es gibt Paddington. Der Bär mit Schlapphut und einem stets griffbereiten Marmeladensandwich gehört seit Jahrzehnten fest zum emotionalen Inventar britischer Kindheiten – ob als Buchfigur von Michael Bond, als Fernsehheld mit Stop-Motion-Charme oder als Kinostar an der Seite der Queen. Seit der Premiere Ende November zeigt „Paddington – The Musical“ im Savoy Theatre, wie sich diese vertraute Welt ins Musicalformat übertragen lässt – ein Stück kollektiver Kindheitserinnerung, das auf der Bühne erstaunlich lebendig wird.

Arti Shah and James Hameed (Paddington) © Johan Persson

Schon in den ersten Minuten zeigt die Inszenierung, worauf sie setzt: warmherzigen Humor, ein flottes Tempo und eine Atmosphäre, die sich sofort vertraut anfühlt. Die Adaption folgt der Grundlinie des Originalromans, nimmt sich jedoch charmante Freiheiten, sodass Familien genauso abgeholt werden wie Erwachsene, die in Paddington ein Stück ihrer eigenen Kindheit wiederfinden. Dass die ersten zehn Minuten so unmittelbar ans Herz gehen, ist kein Zufall – die Show legt den nostalgischen Kern der Geschichte mit bemerkenswerter Klarheit frei. Einen entscheidenden Anteil daran hat das Puppendesign von Thara Zafar: Ihr Bühnen-Paddington ist kein simples Kostüm, sondern eine fein gearbeitete Figur, deren Mund, Augen und sogar Mimik beweglich sind. Dieser kleine Bär wirkt vom ersten Moment an so lebendig, dass man unweigerlich in die Emotion der Geschichte hineinrutscht.

Jessica Swales Buch setzt auf eine ausgewogene Mischung aus Dialogen und Songs, die gemeinsam für einen dramaturgisch flüssigen Verlauf sorgen. Sowohl die gesprochenen Szenen als auch die musikalischen Nummern treiben die Handlung stetig voran, ohne das Tempo der Show auszubremsen. Luke Sheppards Regie nutzt diesen Rhythmus geschickt und nimmt sich zugleich die Freiheit, die komödiantischen Momente auszukosten – besonders in der Szene „Don’t touch that“, in der Paddington kurz nach seinem Einzug bei den Browns mit neugieriger Energie das gesamte Haus in Aufruhr versetzt. Was als kleiner Fehltritt beginnt, eskaliert binnen Sekunden: Während Mr. Brown ihn entnervt aus dem Blickfeld verbannt, taucht Paddington im nächsten Moment mit Bademütze und laufendem Wasserhahn wieder auf der Treppe auf – begleitet von einem Meer aus Seifenblasen, das sich unaufhaltsam ausbreitet. Als schließlich die Badewanne aus dem unsichtbaren oberen Stockwerk durch die Wohnzimmerdecke kracht, zeigt sich, wie präzise Buch und Regie Slapstick, Timing und musikalischen Impuls verzahnen.

Teddy Kempner (Mr. Gruber) © Johan Persson

Tom Pyes Bühnenbild setzt ganz auf Wandelbarkeit und bildet zusammen mit Ash J. Woodwards Videodesign sowie den Illustrationen und Animationen von Majid Adin eine visuelle Welt, die sich in rasantem Tempo verändert. Hintergründe wechseln innerhalb weniger Sekunden, oft mehrfach in einer Szene, während auf der Bühne detailreiche Ausstattungselemente präzise zusammenspielen. So verwandelt sich etwa Milicent Clydes Esszimmer mühelos in eine grell ausgeleuchtete Showbühne, und die Projektionen sprengen bewusst den Bühnenrahmen: Der peruanische Dschungel oder Mrs. Browns gezeichnete Superhelden erscheinen plötzlich auch im Zuschauerraum. Ergänzt wird diese visuelle Beweglichkeit durch kleine, aber wirkungsvolle Puppenmomente – allen voran Hank the Pidgeon (Ben Redfern), dessen hysterisch flatternde Auftritte unerwartete Komik freisetzen und die Regiehandschrift noch einmal schärfer konturieren. Während viele große Produktionen der letzten Jahre eher auf reduzierte, funktionale Bühnenlösungen setzen, geht „Paddington – The Musical“ den entgegengesetzten Weg. Hier entsteht ein Ausstattungspektakel, das nicht nur durch den Bären, sondern auch durch eine Bühne beeindruckt, die permanent mit neuen Details aufwartet.

Die Kostüme von Gabriella Slade greifen die späten 1950er-Jahre charmant auf und verankern die Geschichte sichtbar in jener Zeit, in der Paddington erstmals die Londoner Literaturbühne betrat. Die Browns bewegen sich in klar konturierten Alltagsfarben, die ihre Familienwelt erden und den warmen Realismus ihres Haushalts unterstreichen. Milicent Clyde tritt dem gegenüber in scharf geschnittenen Silhouetten und markanten Farbakzenten auf, die ihr einen operettenhaften Einschlag verleihen. Mr. Curry wiederum trägt eine Mischung aus pedantischer Korrektheit und leichtem Verfall, die sein Erscheinungsbild komisch überhöht und seine Rolle als liebenswert-unsympathischer Dauergrantler perfekt zeichnet. Zusammen entsteht ein stimmiges Zeitbild, das sich mühelos in die wandelbare Bühnenwelt einfügt, ohne sie zu dominieren.

James Hameed (Young Man) © Johan Persson

Tom Fletchers Musik verbindet poppige Elemente mit klassischem Musical-Sound und trifft dabei einen Ton, der zugleich zeitgemäß und unverkennbar britisch wirkt. Songs wie „Explorer and the Bear“ oder „The Rhythm of London“ besitzen einen spürbaren Hit-Charakter und funktionieren auch außerhalb des Bühnengeschehens erstaunlich gut. Gleichzeitig hält der Score das Stück dramaturgisch zusammen. Die zehnköpfige Band unter der Leitung von Laura Bangay spielt kraftvoll und präzise aus dem Orchestergraben, wobei selbst in lauteren Passagen und großen Ensemblenummern die Textverständlichkeit hoch bleibt. Bangay wird zudem immer wieder augenzwinkernd in die Handlung einbezogen, wenn sich Mr. Curry für die musikalische Untermalung seiner Sprechparts bedankt – ein Running Gag, der musikalisches Timing und komödiantische Regie geschickt verbindet. Die Texte fügen sich insgesamt stimmig in diesen Sound ein: witzig, flüssig und organisch, sodass die Übergänge zwischen Dialog und Song mühelos wirken.

Die Rolle des Paddington ist in dieser Bühnenfassung zweigeteilt: Eine Darstellerin übernimmt die körperliche Präsenz des Bären, während ein separater Sänger die Stimme beisteuert. In der besuchten Vorstellung steckte Abbie Purvis im Kostüm und bewegt sich darin mit einer Selbstverständlichkeit, die man einem solch komplett umschließenden Ganzkörperkostüm kaum zutraut. Gerade weil die Bewegungsmöglichkeiten sichtbar eingeschränkt sind, entsteht eine erstaunlich präzise, beinahe tänzerische Körpersprache. James Hameed leiht Paddington die Gesangsstimme und trifft mit seinem warmherzigen Klang genau den Ton, den die Musik von Tom Fletcher verlangt. Gemeinsam schaffen die beiden eine Bühnenfigur, die trotz der ungewöhnlichen Aufteilung geschlossen wirkt und emotional sofort greifbar ist.

Adrin de Gregorian als Mr. Brown trifft mit seiner Darstellung die typische Steifheit eines britischen Familienoberhaupts – ein ruhiger Gegenpol zu Paddingtons Chaos. Amy Ellen Richardson rührt als Mrs. Brown mit „One of Us“ zu Tränen; sie verbindet schauspielerische Klarheit mit einer emotional offenen, hervorragend gesungenen Interpretation. Die beiden Brown-Kinder Deliah Bennett-Cardy (Judy) und Joseph Bramley (Jonathan) bringen mit spürbarer Spielfreude und natürlichem Spiel viel jugendliche Energie in die Handlung.

Victoria Hamilton-Barrit (Milicent Clyde) © Johan Persson

Victoria Hamilton-Barritt ist für die Rolle der Milicent Clyde praktisch geboren. Jede ihrer Gemeinheiten erhält einen eigenen, perfekt getimten Gesichtsausdruck, und mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme trifft sie einen Ton, der zugleich fies, komisch und vollkommen unverwechselbar ist. Die Darstellung erinnert bisweilen an ihre böse Stiefmutter aus der glücklosen Londoner „Cinderella“-Produktion und zeigt erneut, wie meisterhaft sie solche Figuren ausfüllt. Tom Edden ist als Mr. Curry der ideale Gegenpart: Auch er führt nichts Gutes im Schilde, bleibt aber durch sein trockenes Spiel und das präzise Timing stets ein Publikumsliebling. Gemeinsam bilden die beiden ein Duo, das den Humor des Abends immer wieder trägt.

Bonnie Langford setzt als Haushälterin Mrs. Bird einen ganz eigenen Akzent: Mit über sechzig zeigt sie eine tänzerische Beweglichkeit inklusive Spagat aus dem Sprung, die regelmäßig für verblüffte Reaktionen sorgt. Die Rolle ist ihr spürbar auf den Leib geschrieben, ergänzt durch selbstironische Spitzen, die sie mit sichtbarem Vergnügen ausspielt. Tony und seine Mutter Tanya – gespielt von Timi Akinyosade und Brenda Edwards – bringen in „The Rhythm of London“ große sängerische und tänzerische Leichtigkeit auf die Bühne und setzen einen warmen, alltagsnahen Kontrapunkt zur fantastischen Welt des Stücks.

Bonnie Langford (Mrs. Bird) © Johan Persson

Teddy Kempner verleiht Mr. Gruber eine großväterliche Wärme, die die Rahmenhandlung charmant zusammenhält. Tarinn Callender überzeugt als Grant mit einem humorvollen Wechsel vom überforderten Museumsangestellten zum selbstbewussten Mitgestalter des Geschehens. Amy Booth-Steel steuert mehrere pointierte Minirollen bei, unter anderem als Lady Sloane, deren affektierter Upper-Class-Dialekt – inklusive des markant gedehnten „Mamber“ – sie sofort als Snob der alten Schule markiert.

Beim Hinausgehen aus dem Savoy Theatre stellt sich ein Gefühl ein, das man als Erwachsener kaum noch erwartet: Man trägt ein Stück der eigenen Kindheit mit sich hinaus, so selbstverständlich, als hätte Paddington selbst einem heimlich ein Marmeladensandwich in die Jackentasche gesteckt. Vor allem aber schenkt die Produktion etwas, das selten geworden ist – das warme, vertraute Gefühl, für einen Abend in eine Welt zurückgekehrt zu sein, die man längst verloren glaubte – und sie dort genauso wiederzufinden, wie man sie in Erinnerung hatte.

 
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KREATIVTEAM
InszenierungLuke Sheppard
Musical Supervision / Orchestrierung / ArrangementsMatt Brind
ChoreographieEllen Kane
BühneTom Pye
KostümeGabriella Slade
LichtNeil Austin
SoundGareth Owen
Video Design / AnimationAsh J Woodward
Illustration / Additional AnimationMajid Adin
Musikal. LeitungLaura Bangay
Paddington Bear DesignTahra Zafar
Bear Physicality Associate DirectorAudrey Brisson
Remote Puppetry CoachPhil Woodfine
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastCast (Historie)Ter­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Paddington on-stage performerArti Shah
Abbie Purvis
Ali Sarebani
(Hassan Taj)
Paddington off-stage performer / Young ManJames Hameed
Mr BrownAdrian Der Gregorian
Mrs BrownAmy Ellen Richardson
Judy BrownDelilah Bennett-Cardy
JonathanJoseph Bramley
Leo Collon
Stevie Hare
Jasper Rowse
TonyTimi Akinyosade
Lady SloaneAmy Booth-Steel
GrantTarinn Callender
Mr CurryTom Edden
TanyaBrenda Edwards
Millicent ClydeVictoria Hamilton-Barritt
Mr GruberTeddy Kempner
Mrs BirdBonnie Langford
EnsembleTiago Dhondt Bamberger
Aimée Fisher
Jacqueline Hughes
Kellianna Jay
Natasha Leaver
Sunny Lee
Vicki Lee Taylor
Jáiden Lodge
Ben Redfern
Simon Shorten
SwingsEsme Bacalla-Hayes
David Birch
Sam Lathwood
Katie Lee
Andilé Mabhena
Rose Mary O'Reilly
Hugo Rolland
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastCast (Historie)Ter­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (HISTORY)
Paddington on-stage performerArti Shah [01.11.25-]
Abbie Purvis [01.11.25-]
Ali Sarebani [01.11.25-]
Paddington off-stage performer / Young ManJames Hameed [01.11.25-]
Mr BrownAdrian Der Gregorian [01.11.25-]
Mrs BrownAmy Ellen Richardson [01.11.25-]
Judy BrownDelilah Bennett-Cardy [01.11.25-]
JonathanJoseph Bramley [01.11.25-]
Leo Collon [01.11.25-]
Stevie Hare [01.11.25-]
Jasper Rowse [01.11.25-]
TonyTimi Akinyosade [01.11.25-]
Lady SloaneAmy Booth-Steel [01.11.25-]
GrantTarinn Callender [01.11.25-]
Mr CurryTom Edden [01.11.25-]
TanyaBrenda Edwards [01.11.25-]
Millicent ClydeVictoria Hamilton-Barritt [01.11.25-]
Mr GruberTeddy Kempner [01.11.25-]
Mrs BirdBonnie Langford [01.11.25-]
Ensemble 25/26Tiago Dhondt Bamberger
Aimée Fisher
Jacqueline Hughes
Kellianna Jay
Natasha Leaver
Sunny Lee
Vicki Lee Taylor
Jáiden Lodge
Ben Redfern
Simon Shorten
Hassan Taj
(Paddington Understudy)
Swings 25/26Esme Bacalla-Hayes
David Birch
Sam Lathwood
Katie Lee
Andilé Mabhena
Rose Mary O'Reilly
Hugo Rolland
  
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TERMINE
Mo, 27.04.2026 19:00Savoy Theatre, London
Mi, 29.04.2026 19:00Savoy Theatre, London
Do, 30.04.2026 14:00Savoy Theatre, London
Do, 30.04.2026 19:00Savoy Theatre, London
Fr, 01.05.2026 19:00Savoy Theatre, London
Sa, 02.05.2026 14:00Savoy Theatre, London
Sa, 02.05.2026 19:00Savoy Theatre, London
So, 03.05.2026 14:00Savoy Theatre, London
Mo, 04.05.2026 14:00Savoy Theatre, London
Mi, 06.05.2026 19:00Savoy Theatre, London
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TERMINE (HISTORY)
Sa, 01.11.2025 19:00Savoy Theatre, LondonPreview
Mo, 03.11.2025 19:00Savoy Theatre, LondonPreview
Di, 04.11.2025 19:00Savoy Theatre, LondonPreview
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