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Der Musical-Welterfolg „Hadestown“ wird als Replika-Produktion im Amsterdamer Theater Carré erstmals auf dem europäischen Festland gezeigt. Die internationale Cast erzählt die optisch und musikalisch ins amerikanische Südstaatenmilieu transferierte griechische Sage um Orpheus und Eurydike mit großem Gefühl und bewegt sich uneingeschränkt auf Weltklasse-Niveau.
Anaïs Mitchells Bühnenwerk ist eines der eindrucksvollsten Phänomene des modernen Musicalkanons: Vom Off-Broadway 2016 über Kanada und London an den Broadway, wo es mit acht Tony-Awards ausgezeichnet wurde, dann auf mehrere Touren durch Nordamerika, nach Südkorea und schließlich 2024 zurück ans West End, hat es „Hadestown“ 2025 nicht nur nach Australien, sondern mit dem neuesten Ableger in die Niederlande geschafft. Mit einer Mischung aus niederländischen und bereits „Hadestown“-erprobten West End-Veteranen hat die Besetzung für Interesse in der Branche gesorgt. Nun spielt das populäre Musical unter großem Publikumsandrang im königlichen Theater Carré direkt an der Amstel, unweit der malerischen, von Grachten durchsäumten Innenstadt Amsterdams.
Die Produktion in der niederländischen Hauptstadt übernimmt dabei filigran nach dem Motto „Never Change a Winning Team“ alle wichtigen Gewerke. Paul van Ewijk setzt Rachel Chavkins Originalregie um: Stringent wechselnd zwischen ausgelassener Lebensfreude und bleiern schwerem Weltschmerz changieren die Szenen der Tragödie exakt wie am West End. David Neumanns Choreographien reihen sich mit reduzierter Macht und aussagekräftiger Bewegungssymbolik in den bekannten Eindruck ein. Zumeist sind die Abläufe bis ins Kleinste kontrolliert – zu wichtig sind die Bedeutungen, die in den Choreographien an jeder Ecke versteckt sind, als dass man ihnen freie Hand lassen könnte. Immer wieder entstehen bildreiche Momente, wenn die Fates die Hände ausstrecken und Eurydike zu Fall bringen, Hermes eine Kerze ausbläst oder Persephone exaltiert vor Verzweiflung über die Bühne wirbelt. Rachel Haucks Szenendesign wird für die etwas größere Bühnenfläche des Theaters in Amsterdam leicht in die Breite angepasst, verfügt aber über die gleichen Funktionen wie in London. Wenn die Südstaatenspelunke mit der rechts und links platzierten Band und dem Balkon, auf dem Hades thront, während „Wait for Me“ auseinander fährt und den Blick auf die gigantisch wirkende, grell leuchtende Mauer der Unterwelt freigibt, verfehlt das auch in den Niederlanden nicht den überwältigenden Effekt. Das zentrale Element, die Hebebühne im Zentrum, sorgt für zahlreiche Gänsehautmomente, beispielsweise wenn Persephone und Hades in die Unterwelt hinabfahren, und einzelne AkteurInnen zu bedeutungstragenden, oft lyrischen Sätzen über die anderen erhoben werden, um sie und ihre Interaktion in den Fokus der fließenden Handlung zu rücken. Fast schon ikonisch ist die das Hebeelement umgebende Drehbühne, die in zahlreichen Szenen für Dynamik und Dramatik, Ordnung und Chaos sorgt. Ohne Bradley Kings minutiöses Lichtdesign wäre das Storytelling von „Hadestown“ nur halb so effektiv. In wenigen Stücken wird das Spiel mit Licht und Schatten, mit Nuancen von Helligkeit zwischen gleißendem Blenden und dämmernden Halbdunkel so filigran genutzt. Die Aus- und Beleuchtung rahmt nicht nur die Handlung ein und potenziert die Szenenstimmungen, sondern treibt die Geschichte voran, akzentuiert Gesagtes und Gesungenes, Gefühltes und Gefürchtetes – angerührt, bedroht, tragisch, komisch, träumerisch und melancholisch wird das Publikum mittels dieser meisterhaften Technik durch die Handlung geleitet. Das makellose Sounddesign von Nevin Steinberg und Jessica Paz büßt in Amsterdam seine Wirkung ebenso wenig ein. Mit dem Spiel zwischen Lautstärke und Wucht auf der einen, und mystisch-schauriger, manchmal erdrückender Stille auf der anderen Seite wird die Achterbahn der Gefühle von „Hadestown“ auditiv eingerahmt.
Anaïs Mitchells zwischen New Orleans Jazz, Blues, Indie-Folk, Americana und Gospel situierte Partitur spielt die siebenköpfige, in die Handlung eingebundene Band unter George Francis an den Keys perfekt, sodass sowohl in den leisen als auch den erschütternd lauten Liedteilen sich das Publikum bewegt zeigt.
In sauberem, von keinem starken Dialekt durchzogenen Englisch spielt das Ensemble homogen zusammen. Die energiegeladenen Worker, deren individuelle Stimmungen und Gedankenregungen durch die optimal gecasteten Ensemblemitglieder jederzeit spürbar sind, werden von Christopher Short, Melissa Otten, Tiago Dhondt Bamberger, Winny Herbert und in den besuchten Vorstellungen vom Swing Willemijn Maandag (in Deutschland zuletzt die alternierende Anna in Hamburgs „Die Eiskönigin“) hervorragend und essentiell wichtig für die Handlung verkörpert. Gesanglich und harmonisch bewegt sich das Quintett auf höchstem Niveau.
Selbiges gilt auch für die drei verführerisch-bedrohlichen, hämisch-gefährlichen Fates, die an diesem Tag von Aïcha Gill, April Darby und Mickey Vermeer gegeben werden. Letztere bestreitet in den besuchten Shows ihre makellose Premiere als eine der drei bösartigen Götterschwestern. Wenn das Trio gemeinsamen Gesang anstimmt, mal bebend stimmgewaltig und mal in gespenstisch ruhigen, aber immer astreinen Harmonien, entsteht wohlige Gänsehaut. Als zentrales Symbolbild und eigentliche Antagonisten des Stücks sind sie immer präsent und ziehen sich wie ein markanter, roter Faden durch das Schicksal der vier Hauptfiguren.
Die Rolle des göttlichen Erzählers Hermes spielen in Amsterdam alternierend die beiden bekannten Entertainer Claudia de Breij und Maarten Heijmans. De Breij legt ihre Hermes als mütterliche Begleiterin von Orpheus an, die sich ihren Optimismus als Schutz vor der verstörenden Wahrheit zu behüten versuchen scheint. Heijmans‘ Hermes ist eher Showmaster, der das Rampenlicht für sich nutzt, aber genaues Gespür dafür mitbringt, wann er den Staffelstab an seinen Schützling zu übergeben hat. Beide beweisen außerordentliches erzählerisch-dramaturgisches Geschick und schaffen es, das Publikum anzuheizen, mitzunehmen und am Ende zu Tränen zu rühren.
Als Liebespaar Orpheus und Eurydice stehen Jeangu Macrooy und Sara Afiba im Theater Carré auf der Bühne. Afibas Eurydice ist zerrissen, temperamentvoll, feurig und leidenschaftlich, nahezu extrovertiert verzweifelt. Macrooy als stiller, zurückhaltender, oft niedlich-naiver Orpheus ist ihr ideales Gegenstück. Beide spielen ihre leiderprobten, zu Unglück verdammten Figuren mit anrührender Romantik und großer Dramatik, die sich oft in den kleinen, ruhigen Momenten besonders entfaltet.
Den größten Eindruck hinterlassen die Verkörperungen des Götterpaars: Edwin Jonker ist ein süffisanter, verhärmter Hades, der seine Macht in Wut und Weltverdruss begründet, gerne mit Seelen zu spielen scheint und genießt, das Zentrum seiner eigenen Welt zu sein. Seine Liebe zu Persephone wird in jedem Moment spürbar, und als er gegen Ende der Handlung von Orpheus besungen wird, brechen bei Jonkers Hades alle Dämme: Der vielleicht berührendste Moment des Stückes, jedenfalls in der Amsterdamer Inszenierung. An seiner Seite spielt Joy Wielkens die Persephone mit einer faszinierenden Vielschichtigkeit, die sie durch Stimme, Mimik und Körperhaltung mit jeder Faser umsetzt. Verzweiflung, Ekel, Mitleid, Gleichgültigkeit – Wielkens gelingt es, ihre Königin der Unterwelt so menschlich zu zeichnen, dass das Herz der Zuschauer mit dem Erblühen ihrer lang verloren geglaubten Liebe mitschlägt.
Alle AkteurInnen schaffen es, mit hervorragenden Stimmen und intensivem Schauspiel große musikalische Momente zu schaffen, die gut und gerne an Broadway und West End heranreichen. Als Persephone und das Ensemble die Geschichte von Orpheus zur finalen Zugabe „We Raise Our Cups“ beschließen, verfällt das Theater berechtigterweise in Jubelstürme. Eine hervorragende Interpretation von „Hadestown“, die den Weg in die Niederlande lohnt!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musik, Songtexte, Buch | Anaïs Mitchell |
| Regie | Rachel Chavkin |
| Choreographie | David Neumann |
| Bühnendesign | Rachel Hauck |
| Kostüme | Michael Krass |
| Lichtdesign | Bradley King |
| Tondesign | Nevin Steinberg Jessica Paz |
| Orchestrierung | Michael Chorney Todd Sickafoose |
| Musikalischer Leiter | George Francis |
| Regie in den Niederlanden | Paul van Ewijk |
| Dramaturgie | Ken Cerniglia |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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