Anna Rosa Döller, Timotheus Hollweg, Liviana Degen, Jens Emmert, Jan-Eike Majert, Mariella Hofbauer © Christian Husar
Anna Rosa Döller, Timotheus Hollweg, Liviana Degen, Jens Emmert, Jan-Eike Majert, Mariella Hofbauer © Christian Husar

Songs for a New World (2025 - 2026)
Bühne Baden, Baden

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Mit „Songs for a New World“ präsentiert Musicalstar Dominik Hees seine erste Regiearbeit, die den Liederzyklus mit berührenden Bildern und einer Vielzahl von schlüssigen Inszenierungsideen emotional in Szene setzt. Neben der einwandfreien Orchestrierung sind es vor allem die sechs Talente des Young-Artists-Ensembles, die an diesem Abend brillieren.

Das Leben ist eine Reise; jedes neue Jahr bringt große wie kleine Umbrüche – die eigene Welt verändert und erneuert sich fortwährend. Jason Robert Browns Liederzyklus thematisiert genau diese Scheidepunkte im Leben unterschiedlichster Menschen: Jedes Lied erzählt eine eigene Geschichte und ist ein Schlaglicht auf das Überthema „Songs for a New World“. Manchmal schildern sie skurrile Einzelschicksale, manchmal stehen sie sinnbildlich für unterschiedliche Lebensrealitäten, zuweilen auch für globale Themen, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht. Ein Kleinod, das 1995 seine Uraufführung am Off-Broadway hatte und auf deutschen Bühnen noch immer großen Seltenheitswert besitzt. Wolfgang Adenberg hat eine deutschsprachige Gesamtübersetzung angefertigt, die ihren Fokus nicht auf verschnörkelte Gesangslyrik legt, sondern deren Texte oft mit den Melodien verflochten sind und wie ganz alltagssprachliche Gespräche wirken – mal im Dialog, mal im Monolog.

Das neu gegründete Young Artists Ensemble der Bühne Baden hat sich der Herausforderung dieses musikalischen und darstellerischen Mosaiks angenommen: Die Melodien reichen von Pop und Funk über Gospel und Jazz bis hin zu klassischen Musicalballaden mit Operetten-Anklang, während auch die schauspielerisch abzudeckende emotionale Bandbreite einiges an darstellerischen Mut und Expressivität abverlangt. Musicaldarsteller Dominik Hees gibt mit dieser kammerspielartigen Inszenierung sein Regiedebüt und bringt eine schier unglaubliche Vielfalt an Ideen mit hinein. Browns Lieder geben zumeist nur die Innenwelt von Figuren vor, alles andere überlässt er der Regie. Keine einfache Aufgabe, die Songs auch visuell nahbar zu machen. Die Gefahr ist groß, bei so einem Projekt den Fokus aus den Augen zu verlieren. Hees gelingt es jedoch, seine Ansätze so zu lenken, filtern und verknüpfen, dass trotz der voneinander isolierten Songthematiken ein übergeordnetes Narrativ spürbar wird. Hier wirkt „Songs for a New World“ ganz und gar nicht wie eine Revue oder bloßer Liederabend; in dieser Inszenierung steckt die inszenatorische und performative Qualität einer vollwertigen Musicaltheaterproduktion.

Das denkmalgeschützte, verstuckte Max-Reinhard-Foyer des Theaters Baden fasst rund 100 Menschen und kann logistisch nicht für eine Bühnenproduktion umgestaltet werden. Trotzdem gelingt es dem Team um Stephanie Affleck mittels Scheinwerfergerüsten im Deckenwerk und der klugen Nutzung der örtlichen Lichtgegebenheiten hervorragend, das gewisse Theatergefühl zu erwecken und die dargebotenen Liedgeschichten ins adäquate Licht zu setzen. Der Ton ist glockenklar und filigran abgemischt, was für Johnathan Hoffmanns Sounddesign in dieser außergewöhnlichen Location wohl eine Herausforderung darstellen durfte. Die Bühne besteht aus einem in zwei Teile trennbaren Podest, das immer wieder neu arrangiert und mit kleineren Requisiten garniert wird und so erstaunlich vielseitige Mikroperspektiven eröffnet. Die zehnköpfige, von den Instrumenten her orchesterartig ausgerichtete Band unter Viktor Petrov agiert musikalisch auf höchstem Niveau. Die langen Partien, die in schneller Abfolge komplett die Stilrichtung wechseln, vertont das Mini-Orchester gefühlvoll und ausgesprochen differenziert: Ein großes Highlight dieser Inszenierung!

Auch Dominique A. Brooks-Daws Choreografien sind ein Höhepunkt: besonders beeindruckend zeigt sich die Künstlergruppe in den Ausdruckstanz-Elementen und den Contemporary-Paartänzen. Hier werden große Gefühle durch körperlichen Ausdruck vermittelt und gehen ans Herz. Herausragend im Tanz: Liviana Degen und Jan-Eike Majert.

Das sechsköpfige junge Ensemble wird den jeweiligen Stärken entsprechend von Dominik Hees pointiert auf die 18 Lieder besetzt, sodass jeder Song maximal erstrahlen kann. Das Sextett zeigt sich hochtalentiert in Schauspiel, Gesang, Tanz und tiefgehender Songinterpretation. Popgesang mit Phrasierungen und Riffs sitzen genauso perfekt wie klassische Vocals und Musicalstimmen.

Mariella Hofbauer darf die anrührendsten Passagen des Zyklus singen: Mit „Ich hab nie Angst“ zeigt sie sich als schwerkranke Frau, die auf ihre Lieben zurückblickt und feststellt, dass sie stärker ist, als sie denkt. Und mit „Weihnachtswiegenlied“ betrauert sie als Mutter ihr verstorbenes Kind, hofft aber – wie es der heiligen Maria zuteilwurde – auf Nachwuchs, der die Welt verändern könnte. Jens Emmert begeistert unter anderem in „Der Dampfzug“ als ein junger Mann im Rollstuhl, der Basketballstar werden möchte und mit „Ich fliege heim“ als die Seele eines getöteten Soldaten, der nun endlich Ruhe findet. Timotheus Hollweg bewegt bei „Als die Welt tanzte“ und „Sie weint“ nicht nur mit charismatischer Präsenz, sondern vor allem mit großer emotionaler Tiefe zwischen unbändiger Verliebtheit, tiefer Verzweiflung, verklärtem Zynismus und dem Absturz in schiere Aussichtslosigkeit. Mit „Surabaya-Santa“ gibt sich Liviana Degen als frivole Frau des Weihnachtsmannes, die über dessen Treulosigkeit wettert, und generiert damit fast schon ekstatische Stimmung und Jubelrufe im Publikum. Doch auch im Ernsten kann sie begeistern, als sie mit „Die Flaggenmacherin“ vom Schicksal zweier Frauen im Krieg erzählt. Anna Rosa Döller entpuppt sich als Optimalbesetzung für viele weibliche Musicalrollen: Ihr Auftreten, ihr Duktus, ihre Stimme und ihr Spiel überzeugen als hysterische Ex-Freundin in „Nur ein Schritt“ und als sehnsuchtsvolle Frau auf der Suche nach dem Glück zwischen Wohlstand und Liebe in „Sterne und Mond“. Jan-Eike Majert beeindruckt mit starken Pop-Phrasierungen und authentischem Schauspiel in „König der Welt“ als ein dem Wahnsinn anheimzufallen drohender Häftling und als Kapitän „Auf dem Deck eines spanischen Segelschiffs, 1492“, dessen Geschichte sich als erschreckend zeitlos erweist. Letzteres beinhaltet auch eines der Ensemble-Parts, in dem die Sechs symbiotisch zusammen agieren und so große Gänsehautmomente erschaffen. Dazu gehört auch der Schluss-Song „Hör mein Lied“, der der zuweilen düsteren Färbung der vorangegangenen Songs wieder Hoffnung entgegensetzt und das Publikum so mit einer positiven, beschwingenden, aber dennoch nachdenklich stimmenden Note in den Abend entlässt.

Für Liebhaber nahbarer, intensiver und emotionaler Lieder und Zuschauer, die gerne Musical-Kleinode goutieren, ist Dominik Hees‘ Inszenierung von „Songs for a New World“ in Baden mit dieser Besetzung unbedingt empfehlenswert!

 
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KREATIVTEAM
Musik und GesangstexteJason Robert Brown
ÜbersetzungWolfgang Adenberg
Musikalische LeitungVictor Petrov
Inszenierung und RaumDominik Hees
KostümeFriederike Friedrich
 
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CAST (AKTUELL)
mitAnna Rosa Döller
Mariella Hofbauer
Liviana Degen
Timotheus Hollweg
Jens Emmert
Jan-Eike Majert
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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SPIELORTE
31.10.2025 - 28.02.2026Max-Reinhardt-Foyer des Stadttheaters Baden, Baden9 x
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