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Mit 12 Nominierungen bei den Niederländischen Musical Awards 2025 und unter anderem der Auszeichnung für das beste Musical, tourt aktuell der Kunze-Levay-Klassiker an etwa 170 Terminen mit Pia Douwes und Milan van Waardenburg in einer eindrücklichen, düsteren Inszenierung durch unser Nachbarland. Intensiv, atmosphärisch und dramatisch weiß diese Reinkarnation des Erfolgsmusicals zu begeistern.
Der Schleier fällt, in einem kargen Atelier ragen graue Stahlsäulen empor, auf einem Podest im Zentrum liegt die Leiche der Kaiserin Elisabeth. Gespenstisches Licht umhüllt eine Schar von Malern, die mit Staffeleien ihre Ikone dauerhaft beobachten. Aus dem Schatten schreitet der Tod in rotem Ledermantel und der omnipräsente Luigi Lucheni erweckt die Geister der Vergangenheit: Elisabeth ersteht auf, umwabert von ihren Wegbegleitern und Gaffern, und ihr schwarzes Trauerkleid verwandelt sich in ein weißes Nachthemd – die Schwere und Lebensmüdigkeit der späten Monarchin weicht der kindlichen Unschuld und Träumerei. So beginnt die Inszenierung von Frank van Laecke, die mit zahllosen großartigen, dramatisch und einprägsamen Bildern gespickt ist.
Carla Janssen Höfelts Bühnenbild kommt mit wenigen physischen Requisiten aus und wirkt in seiner Kargheit, die einen weiten, dunklen Raum andeutet, geradezu erdrückend klaustrophobisch. Flankiert wird das mittige Bühnenpodest von großen Bildschirmen, die wie eine Bildergalerie angeordnet sind. Auf ihnen erscheinen und verschwinden fließend die Szenerien aus Elisabeths Leben – so beispielsweise Bad Ischl, Budapest oder die Wiener Hofburg – und zahlreiche ihrer berühmten Portraits, für die Sisi noch heute zelebriert wird. Dass das Ensemble als KünstlerInnen auftritt, die durchgängig das Leben der Kaiserin beobachten, kommentieren, spiegeln und malen, ist ein genialer Coup, der am Ende seine volle Wirkung entfaltet, als der Geist der ermordeten Elisabeth von den Malern lauter leere, schwarze Leinwände präsentiert bekommt. Das Lichtdesign von Marc Heinz und das Videodesign von Arjen Klerkx unterstützt die düstere, erdrückende Atmosphäre, die sich durch die gesamte Inszenierung zieht. Zwar wird vom Ensemble die gesamte Bühne bespielt, doch finden die Schlüsselmomente nahezu durchweg auf dem zentralen Podestquader statt, auf welchem zumeist – ebenfalls ein geniales, symbolisches Bild des Regisseurs – ein großer Steinsarg positioniert ist. Elisabeth kauert an ihm, wälzt sich mal lustvoll, mal sehnsüchtig und mal seelisch am Boden auf ihm; Lucheni tanzt auf ihm, die zum Ende verurteilte Aristokratie diniert und intrigiert an ihm wie an einem Banketttisch.
Arno Bremers Kostümdesign zieht einen starken Kontrast zwischen Prunk und Zurückhaltung: In den meisten Szenen tritt die Kaiserin in einem weißen, später schwarzen Nachthemd auf, und das Ensemble trägt graue, mit Farbspritzern besudelte Kostüme. Der Wiener Adel ist dagegen authentisch historisch gewandet. Der Tod wirkt mit seinem roten Ledermantel und seiner blonden Frisur wie ein verführerischer Aufreißer, beinahe wie ein Bösewicht aus japanischen Animeserien und steht damit im krassen Kontrast zu den sonst eher naturalistischen Erscheinungsbildern. In einzelnen Szenen liefern vor allem die Frauenkostüme wahre Hingucker: Neben den aufreizenden Gewändern in Frau Wolffs Salon sind es vor allem die Festkleider der Kaiserin, die wunderschön gestaltet sind: Ihr Hochzeitskleid und ihr violettes Kleid, das sie beim Besuch des Irrenhauses trägt, werden nur von der ikonischen Robe am Ende des ersten Aktes übertroffen, das von Sisis wohl bekanntestem Portrait inspiriert ist.
Die sehr intensiven, fast schon aggressiven Choreographien von Roy Jonathans und Dan Wijnands entfalten ihre Wirkung vor allem in den Ensemblenummern wie „Melk“ („Milch“), „Alle vragen zijn gesteld“ („Alle Fragen sind gestellt“) oder dem Naziaufmarsch im zweiten Akt zu „Haat“ („Hass“). Aber auch die intimeren Szenen sind eindrücklich choreographiert: Wie der Tod seine Elisabeth als Püppchen zu „De laatse dans“ („Der letzte Tanz“) über die Bühne schleudert und ihr ihre erste Zigarette fast gewaltsam zuführt, oder die beiden später zu „Als ik dansen will“ („Wenn ich tanzen will“) ausgelassen, erotisch und siegessicher im Exzess zusammen einer fast zügellos euphorischen Elisabeth ihren ersten Herionschuss setzen, sind intensive, intime Momente, die im Gedächtnis bleiben. Frank van Laecke kreiert in symbiotischem Zusammenspiel mit Bühnenbild, Licht und Choreographie weitere großartige Szenen. Wenn sich zum Finale des ersten Aktes zu „Mijn leven is van mij“ („Ich gehör nur mir“) die Bühne zu öffnen scheint und Pia Douwes großer Auftritt kommt, erschallt begeisterter Szenenapplaus. Während die Welt im Chaos versinkt und bei „Haat“ um die Kaiserin herum die Hakenkreuze prangen, wälzt sich Douwes‘ Elisabeth auf dem Grab ihrer Kinder und spritzt sich Drogen mit dem Wunsch, ihr todessehnsüchtiges Leben zu ertragen. Douwes‘ Solo im zweiten Akt bestreitet sie als hochverzweifelte Sisi, die an einem übergroßen Gefängnisgitter entlang klettert, wie die Patienten des Sanatoriums, ohne Aussicht auf Befreiung. Die Reprise zu „Er valt een zwarte schaduw“ mag dabei die eindrucksvollste Szene sein: Während Rudolf an einem riesigen Tau vom Tod in Richtung seines Verderbens gezogen wird und die Meute den jungen Prinzen traktiert, verfällt Lucheni in einen Wahn und schneidet sich mit der bedeutungsschwangeren Feile, welche hier aus einer Scherbe eines von Elisabeth zerschlagenen Spiegels besteht, die Brust auf und die Kaiserin kauert schmerzerfüllt im Halbschatten mit einer Herionspritze im locker sitzenden Nachthemd. Die Anordnung der Szenen divergiert vom Original und wirkt viel schlüssiger. Beispielsweise ist der Ablehnung ihres Sohnes bei „Was ik jouw spiegel maar“ („Wenn ich dein Spiegel wär“) ihr Gespräch mit dem Geist des Vaters zur Reprise von „Als jij“ („Wie du“) und mehrere körperliche Zusammenbrüche vorgeschaltet, was den roten Faden, der mit ihrem psychischen Verfall ab der Irrenhausszene zu „Niets, niets, echt niets“ („Nichts, nichts, gar nichts“) beginnt, einen schlüssigeren Verlauf gibt und ihre Motive und eigenen Dämonen greifbarer werden lassen. Diese krassen, schonungslosen, zum Teil brutalen und intimen Szenen sind ein absolutes Novum, das diese Inszenierung deutlich herausstechen lässt. Das 12-köpfige Orchester unterstreicht die Dramatik in den richtigen Momenten und lässt Gänsehaut entstehen, die durch das makellose Tondesign von Jeroen ten Brinke unterstützt wird. Einer so großartigen Inszenierung hätte eine umfassendere, üppigere musikalische Vertonung an vielen Stellen allerdings gut getan.
Die grandiose Besetzung lässt dagegen keinerlei Wünsche offen: Liss Walravens gibt eine herrlich röhrende, vulgäre Frau Wolff. Saskia Schäfer und Sjoerd Oomen verleihen Ludovica und Max, den Eltern der Kaiserin, Temperament und wunderbare Gesangsstimmen. Isaura Kuyt sticht nicht nur als Esterhazy aus dem Ensemble hervor: In vielerlei Rollen brilliert sie mit großer Bühnenpräsenz, Sinn für Dramatik und intensivem Schauspiel, als sie unverhohlen spöttisch über die Kaiserin in „Onze keizerin moet baden“ („Uns’re Kaiserin soll sich wiegen“) ihre Wut über die Dekadenz der Monarchin äußert. Ronald Jorritsma spielt seinen Kronprinz Rudolf herzzerreißend tragisch. Bei seiner Todesszene herrscht im gesamten Auditorium eine überwältigend betroffene Stille. Guido Gottenbos legt seinen Kaiser Franz Joseph ebenso tragisch an, sodass beinahe eine generationsübergreifende Schwere fühlbar wird. Konstant fremdbestimmt tanzt er wie eine leere Hülle nach der Pfeife seiner Mutter und posiert wie eine personifizierte Blaupause eines beliebigen Adeligen vor den Hofmalern, bevor er seine eigene Stimme findet und Leidenschaft für seine Sisi entdeckt. Nach der Hochzeit wird er beinahe konstant von seiner Frau abgewiesen, und Gottenbos‘ Franz bricht merklich sukzessive das Herz. Kulminierend in „Schepen in de nacht“ („Boote in der Nacht“) erfährt er zwar Zuneigung seiner Elisabeth, doch verliert sie zeitgleich für immer, was ihn gebrochen zurücklässt und seinen eigenen Tanz mit dem Tod und dem Ende seiner Dynastie einleitet.
Ann van den Broeck gibt eine herrische, aber mütterliche Erzherzogin Sophie, die im ersten Akt überstark und unbesiegbar zu „Onze keizerin moet stralen“ („Eine Kaiserin muss glänzen“) mit ihrem Hofstaat der jungen Kaiserin auf die Pelle rückt. Im zweiten Akt offenbart sie mit „Wij tegen haar“ („Wir oder sie“) ihre Gerissenheit – ihr großer Fall in die Selbsterkenntnis und der fast prophetische Appell an ihren Sohn zu „Bellaria“ sorgt für Gänsehaut. William Spaaij ist vielleicht nicht der stimmgewaltigste Lucheni, aber mit authentischem, immer hämisch-zynischem Schauspiel gelingt es ihm, diese antagonistische Rolle zum Publikumsliebling zu mausern. Als einziger Charakter ist er durchgehend als Stiller Beobachter auf der Bühne, der dem Untergang des Hauses Habsburg subtil auf die Sprünge hilft. Dabei vollzieht er fast unbemerkt in der Retrospektive seine eigene Wandlung und seinen ganz persönlichen Tanz mit dem Tod, der ihn Wahnsinn und Selbstmord endet. Großes Kino, was Spaaij hier in dieser Rolle schauspielerisch auf die Bühne zaubert. Als verführerisches, selbstgefälliges Raubtier, das siegessicher seine Zigaretten raucht und herrisch über die Protagonisten auf der Bühne verfügt, als seien sie alle seine Marionetten, weiß Milan von Waardenburg in der Rolle des Tod („De Dood“) zu begeistern. Mit seinem stimmlichen Mix aus mächtigem Baritenor und poppigem Falsett dominiert er auch gesanglich das Geschehen und hat mit allem Hauptfiguren, ob Lucheni, Rudolf, Elisabeth oder sogar Franz Joseph, sein jeweils eigenes Spielchen im Gange. Dabei ist die Dynamik zwischen van Waardenburg und den beiden Inkarnationen der Kaiserin gefüllt mit Spannung und wechselnden Dynamiken, die das Publikum intensiv mitreißen. Danique Dusée gelingt der Wandel vom fröhlichen Mädchen mit Träumen zur wütenden, rebellierenden Aristokratin mit Bravour. Ihr großes Solo „Mijn leven is van mij“, das in den Inszenierungen, in denen die Rolle der Elisabeth geteilt wurde, zumeist als Transitionsszene zwischen der jungen und älteren Kaiserin genutzt wird, darf Dusée alleine bestreiten und interpretiert diese große Ballade mit emotionaler Zerrissenheit und fantastischem Stimmumfang. Ihre Energie wird im zweiten Akt geradezu organisch von Pia Douwes aufgenommen, die noch einmal in ihre Paraderolle schlüpft. Die vom Leben gezeichnete Elisabeth steht der Grande Dame des hiesigen Musicals vortrefflich und es gelingt ihr, eine unglaubliche Tiefe in diese Figur zu bringen, die Douwes‘ vorige Elisabeth-Darstellungen nochmal um Weiten übertrifft. Was sie aus dieser Figur herausholt, ist bedrückend, berührend, mitreißend und erschütternd – durch ihre Darbietung wird diese so mutige, intensive Inszenierung auf eine Weltklasse-Ebene erhoben. Unbedingt sehenswert!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Übersetzung | Seth Gaaikema |
| Regie | Frank van Laecke |
| Choreographie | Roy Jonathans Dan Wijnands |
| Bühnendesign | Carla Janssen Höfelt |
| Köstümdesign | Arno Bremers |
| Perücken und Make-up | Sébastian van der Ham |
| Lichtdesign | Marc Heinz |
| Tondesign | Jeroen ten Brinke |
| Videodesign | Arjen Klerkx |
| Musical Supervisor | Ad van Dijk |
| Musikalische Leitung | Marco Braam Steven van Gool |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Elisabeth | Pia Douwes |
| Junge Elisabeth | Danique Dusée |
| Der Tod | Milan van Waardenburg |
| Lucheni | William Spaaij |
| Franz Joseph | Guido Gottenbos |
| Sophie | Ann van den Broeck |
| Rufolf | Ronald Jorritsma |
| Ludovica | Saskia Schäfer |
| Max | Sjoerd Oomen |
| Frau Wolff | Liss Walravens |
| Esterhazy | Isaura Kuyt |
| Junger Rudolf | Joël Boek Kees ten Cate Carlos Amno Noah Fontijn Waylon Elzer Noah Bellaart Alderick Broekmeijer Max Geevers |
| Ensemble | Axelle Verfaillie Femke van der Endt Joost van der Aa Kevin Manuputty Laura Seys Mees de Heus Niels Batens Nori de Winter Quinten de Smedt Gené van der Velden Julius de Vriend Joris Braster Walter de Kok |
| Swing | Melinda de Vries |
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| GALERIE | |||||||||
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