Lisa Habermann (Mina Murray), Jan Amann (Graf Dracula) © Nico Moser
Lisa Habermann (Mina Murray), Jan Amann (Graf Dracula) © Nico Moser

Dracula (seit 01/2026)
Tournee (ShowSlot GmbH)

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„Immordite Nosferatu“ – so wispern die Stimmen dreier geheimnisvoller Frauen, als das Licht im Saal erlischt. Bedrohlich und erotisch zugleich, durch gespenstisch blaues Licht und wabernden Nebel wogend, scheinen sie das nahende Unheil anzukündigen. Fließend, gar cineastisch, wechselt die Szene zu einem Liebespaar, das sich schmerzlich für eine Reise verabschiedet und dabei aus der Ferne mit sehnsuchtsvollen, begierigen Augen beobachtet wird: der Aufbruch in eine packende Geschichte zwischen Horror, Thriller und Romanze – eine begeisternde „Dracula“-Inszenierung voller eindrücklicher Momente, die sich sehen und hören lassen kann.

Alex Balga ist ein „Dracula“-Virtuose, hat er doch bereits die gefeierte Ulmer Version als Regisseur verantwortet. Genau wie 2021 gelingt es ihm auch diesmal, ein eindringliches Theatererlebnis auf die Bühne zu zaubern. Mit starkem Fokus auf die Extreme nimmt Balga die Zuschauenden mit auf eine hochdramatische und emotionale Achterbahnfahrt, die gekonnt zwischen schaurigen, tragischen und spannenden Momenten rast. Frank Wildhorns epischer Score, der klare Rock-Elemente mit fast epochalen Klängen vermischt, wirkt wie ein Katalysator für Balgas starke Bildsprache. Irina Hofers Kostüme spielen mit Farbkontrasten und der Diskrepanz zwischen der zügellosen Frivolität der Wesen der Nacht und dem tugendhaft zugeknöpften viktorianischen Zeitalter; historisch akkurat und gerade bei den Damen sind ihre Kreationen modisch-ästhetische Hingucker.

Sam Madwars Bühnenbild erinnert an die letzte „Dracula“-Inszenierung des Regisseurs: Eine beidseitig begehbare Treppe führt zu einer erhöhten Brücke, von der aus die Hauptbühne eine Etage tiefer betrachtet werden kann, sodass zwei Spielebenen entstehen, die oftmals zeitgleich genutzt werden. Auch der sowohl gotisch als auch viktorianisch anmutende Bühnenprospekt, der Draculas Schloss in Transsylvanien sowie Minas und Lucys Anwesen in England andeutet, erinnert an die Inszenierung in Ulm. Doch Balga nutzt diese Gegebenheiten, die als Tourversion besonderen Ansprüchen standzuhalten haben, anders als in seinem letzten Vampir-Projekt: Er setzt die obere Ebene nicht nur ein, um längere Reisen und Ortswechsel innerhalb der Geschichte zu mimen, sondern auch, um geografisch voneinander entfernte, jedoch zeitgleich ablaufende Geschehnisse zu erzählen. Vor allem die Figur des Dracula lässt Balga hier wie einen omnipräsenten, stets lauernden und sich sehnenden Beobachter auftreten. Durch dieses inszenatorische Mittel wird die bedrohliche Situation, in der sich die Protagonisten befinden, jederzeit spür- und greifbar, sodass sich die Anspannung unmittelbar auf das Publikum überträgt.

Im Vergleich zu früheren Inszenierungen wird der Vampirfürst durch das ursprünglich in der koreanischen Version hinzugefügte Lied „Sie“ deutlich verständlicher in seinen Beweggründen: Er sieht in Mina die wiedergeborene, vollkommenere Seele seiner geliebten Frau, die einst, als Dracula noch menschlich war und im Namen des Herrn als Kriegsheld und gefürchteter Schlächter hervortrat, ums Leben kam. Dies erklärt auch, warum Minas Seele seit jeher den Drang verspürt, den Weg zu Dracula zu finden – die tiefe, transzendente Verbindung der beiden bekommt mehr Tragkraft.

Immer wieder gelingen cineastische, einprägsame und hochdramatische Bilder, die mit den Melodien Wildhorns verschmelzen. Das ist zu einem Großteil auch Michael Grundners fantastischem Lichtdesign zu verdanken. Das zumeist mit starken Kontrasten arbeitende Konzept, das mit Licht und Dunkelheit, Nebel und gleißender Helligkeit spielt, geht vollends auf. Mit scheinbar einfachen Mitteln wie wabernden und flatternden Tüchern und der passenden Ausleuchtung entstehen episch anmutende Momente mit Gänsehaut-Faktor. Vor allem die zahlreichen Reiseszenen von England nach Transsylvanien und zurück über Land und Meer sowie die Verwandlung Draculas in einen jüngeren Körper, nachdem er Jonathans Blut gekostet hat, sorgen für offene Münder. Dennis Heises wuchtiges Sounddesign tut sein Übriges, um der Geschichte Nachdruck zu verleihen – zuweilen gehen dabei jedoch die Stimmen auf der Bühne etwas unter, und die Akustik der gefühlvoll unter Simon Münzmays Leitung spielenden Band, für eine Wildhorn-Partitur aufgrund der kleinen Besetzung stellenweise etwas dünn klingend, rückt damit zu stark in den Vordergrund. Die großen Schlüsselszenen gelingen jedoch glücklicherweise im Zusammenspiel von Band, Ton und Bühnengeschehen intensiv und anrührend.

Natalie Holtomys Choreografie fügt sich stimmig ins Gesamtbild ein und unterstreicht die Mystik und Dramatik des Stücks vortrefflich, ohne aufdringlich zu wirken. Die raschen Szenenwechsel ermöglicht sie durch fließende Bewegungsabläufe, was das Kino-Gefühl dieses Bühnenwerks zusätzlich verstärkt.

Sandra Bitterli, Johannes Pinkel und Vincent Treftz schlüpfen im Ensemble in unterschiedliche Rollen und komplettieren den starken Cast mit Präsenz und Stimme. Felix Heller als Jack Seward, Thomas Schreier als Quincey Morris und Vincent van Gorp als Arthur Holmwood sind darstellerisch starke Sidekicks für die Leading Ladies und den Vampirjäger im Kampf gegen Dracula, mit ganz individuellen Färbungen, die fein für jede Figur herausgearbeitet werden. Nicole Klünsner, Noraleen Amhausend, Duygu Yüzbasioglu sind als omnipräsente Vampirbräute und Sinnbild für alles Verbotene und Unheilvolle ein kleines Highlight der Inszenierung – jeder ihrer Auftritte sorgt für einen Schauer und gespannte Erwartung.

Nico Went übernimmt von Matthias Trattner die Rolle des dem Wahnsinn anheimgefallenen Renfield, der mit „Das Lied des Meisters“ schauspielerisch glänzt. Philipp Dietrichs Jonathan Harker hat seine prägnanten Bühnenmomente zu Beginn des ersten Aktes, wo er durch seine sympathische Ausstrahlung und sein authentisches Spiel die Rolle des männlichen Protagonisten überzeugend ausfüllt. Marius Bingel zieht diesen Fokus als Van Helsing im zweiten Akt auf sich. Bestimmend und analytisch kühl beginnt seine Darstellung des Professors am Krankenbett der an Vampirismus erkrankten Lucy, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er erfährt, dass seine eigene Vergangenheit mit eben jenem Vampir verknüpft ist, den er zu jagen versucht und der nun in London für Unheil sorgt. Während seines Solos „Roseanne“ sieht er im Drogenrausch seine geliebte Frau, die von Dracula getötet wurde.

Dieser wird durch hervorragendes Schauspiel von Jan Ammann mit Leben erfüllt. Trocken und durchaus humorvoll ist seine Darstellung des Dracula zu Beginn eine klare Hommage an die frühen Grusel-Ikonen, bis er sich verjüngt und nach London aufbricht. Wie ein lauerndes Ungeheuer mit allzu menschlichen Sehnsüchten schwebt er fortan über der Handlung, agiert mit dominanter Präsenz und stürzt Lucy so in ihr Verderben. Als sein Hauptziel Mina schließlich ohne weitere Hindernisse vor ihm liegt, zeigt Ammann Verletzlichkeit und Sympathie – der klare Antagonist der Geschichte wandelt sich überzeugend zum tragischen Antihelden, der nicht aufhalten kann, was seine Natur mit ihm und denen, die er liebt, anrichtet. So rührt durch seine Darbietung auch das etwas pathetisch anmutende Ende der Geschichte zu Tränen. Der größte Moment kommt allerdings kurz zuvor: Als er sich leidenschaftlich und einfühlsam seiner Mina zu „Die Verführung“ anbietet, sie sich ihm hingibt und Van Helsing die Szene unterbricht, wandeln sich Ammanns Ausdruck, Stimme und Körpersprache innerhalb eines Augenblicks vom Verliebten zum blutrünstigen Monstrum, das in „Zu Ende“ den finalen Kampf mit dem Vampirjäger aufnimmt. Großes Schauspiel!

Navina Heyne, die sich mit Lisa Habermann in der Rolle der Mina abwechselt und unter Balgas Regie bereits als Lucy zu sehen war, brilliert darstellerisch wie stimmlich auf ganzer Linie. Gleiches gilt uneingeschränkt für Munja Viktoria Meier als Lucy. Die starken Balladen und schauspielerisch intensive, emotionale Reise ihrer Figuren interpretieren die beiden Darstellerinnen gleichermaßen mit beeindruckender Präzision. Meier scheint mit ihrer Verwandlung zur Vampirin sichtlich Freude an der neu gewonnenen Zügellosigkeit und dem starken Kontrast zur fidelen, mädchenhaften Lucy vor ihrer Transformation zu haben. Heynes „Lass mich dich nicht lieben“ und „Wär’ ich der Wind“ zählen zu den gesanglichen Höhepunkten dieser Inszenierung; auch ihr feines Spiel zwischen Verzweiflung, Angst, Sehnsucht, Selbstbeherrschung, Resignation und unendlicher Liebe offenbart zahlreiche Nuancen und Facetten.

Diese Inszenierung geht unter die Haut!

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
InszenierungAlex Balga
Choreografie, Co-RegieNatalie Holtom
KostümeIrina Hofer
BühnenbildSam Madwar
Resident DirectorFranziska Schuster
 
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CAST (AKTUELL)
Graf DraculaJan Ammann,
(Felix Heller
Thomas Schreier)

Mina MurrayLisa Habermann
Navina Heyne
Jonathan HarkerPhilipp Dietrich
Lucy WestenraMunja Viktoria Meier
(Nicole Klünsner)
Professor Van HelsingMarius Bingel
RenfieldMatthias Trattner
(Christopher Wernecke)
Arthur HolmwoodVincent Van Gorp
Dr. Jack SewardFelix Heller
Quincey MorrisThomas Schreier
(Christopher Wernecke)
VampirbräuteNicole Klünsner
Noraleen Amhausend
Duygu Yüzbasioglu
EnsembleSandra Bitterli
Johannes Pinkel
Christopher Wernecke
Cross SwingsStephanie Löblich
Carolina Murg
Walk-In Cover / Principal SwingNico Went
SwingVincent Treftz
Emergency SwingFranziska Schuster
  
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TERMINE
Do, 12.03.2026 19:30Theater am Aegi, Hannover
Fr, 13.03.2026 14:30Theater am Aegi, Hannover
Fr, 13.03.2026 19:30Theater am Aegi, Hannover
Sa, 14.03.2026 14:30Theater am Aegi, Hannover
Sa, 14.03.2026 19:30Theater am Aegi, Hannover
Fr, 20.03.2026 19:30TipsArena, Linz
Sa, 21.03.2026 14:30TipsArena, Linz
Sa, 21.03.2026 19:30TipsArena, Linz
So, 22.03.2026 14:30TipsArena, Linz
Fr, 27.03.2026 19:30Georg-Friedrich-Händel-Halle, Halle (Saale)
▼ 101 weitere Termine einblenden (bis 05.12.2027) ▼
 
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TERMINE (HISTORY)
Di, 27.01.2026 19:30Museumsquartier - Halle E, WienPremiere
Mi, 28.01.2026 19:30Museumsquartier - Halle E, Wien
Do, 29.01.2026 18:30Museumsquartier - Halle E, Wien
▼ 32 weitere Termine einblenden (bis 08.03.2026) ▼
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