Die Freilichtspiele Tecklenburg zeigen eine klug gekürzte Version des Broadway-Erfolgs „Shrek“, die als kurzweiliges Vergnügen durchaus auch für Erwachsene empfehlenswert ist.
Janina Niehus und Jan Altenbockum haben als Regie die anspruchsvolle Aufgabe inne, ein abendfüllendes Musical, welches so eingekürzt ist, dass es für ein jüngeres Publikum leichter verdaulich wird, schlüssig und rund zu inszenieren, einen Spannungsbogen aufzubauen und kurzweilige Unterhaltung zu gewährleisten. Dies gelingt dem Duo einwandfrei. Der Grundhumor des Stücks und der einzelnen Charaktere bleibt trotz Kürzungen erhalten – die meisten Songs werden erfreulicherweise gespielt, aber entweder um einige Strophen gekürzt oder nur angesungen. Nur wenige Titel sowie ein paar Reprisen wie „Die Ballade von Farquaad“ und „Believer“ wurden gänzlich gestrichen, sodass sich diese Version von „Shrek“ doch fast vollständig anfühlt. Lustige Regieeinfälle wie das Wedeln mit ‚Red Flags‘ durch Shreks Eltern und Lord Farquaad erheitern auch die erwachsenen Zuschauer und schenken dieser Inszenierung einzigartige Aspekte.
Diese Version lebt zudem durch Jens Jankes schönes Bühnenbild, das sich über die gesamte Breite der Tecklenburger Freilichtbühne erstreckt und so ohne jegliche Umbauten auskommt. Shreks Sumpf, ein verwunschener Wald, das Schloss Duloc, Fionas Turm und das Verlies des Drachen finden allesamt ihren Platz auf der großen Bühne und wirken optisch hochwertig wie fantasievoll an das Original angelehnt. Niehus und Altenbockum haben wunderbar differenzierte Gruppenchoreographien gezaubert, die das übergroße, mindestens zur Hälfte aus Kindern und Jugendlichen bestehende Ensemble energetisch umsetzt. „Freie Fahrt für Freaks“ und „Was für’n Märchen ist das“ sind neben der „Willkommen in Duloc“-Szene besonders eindrückliche Beispiele für die schönen Gruppentänze. Auch Fabienne Anks Kostümbild und Philip Hagers Maskenbild fügen sich in den stimmigen Gesamteindruck ein. Fionas glitzerndes Kleid, Shreks gut umgesetzter Oger-Look und die zahlreichen Märchen- und Fantasiekostüme zwischen Disney, Struwwelpeter, Minions und den Grimms erlaubt vielerlei Entdeckungen und sorgt für Entzücken im Publikum. Vor allem das Kostüm des Drachen und die überzeichneten Roben von Lord Farquaad sind echte Hingucker. Die Musik kommt zwar vom Band, aber der Ton ist einwandfrei abgemischt und das Timing sitzt auf den Punkt.
Franziska Wagner gefällt als Teenie Fiona in „Heut ist der Tag“ stimmlich und auch Bernadette Fröhlich kann als Lebkuchenmännchen Gingy stimmstark und aufgedreht für einige Lacher sorgen. Nadine Baas schmettert sich mit „Für immer“ als Drachenlady in die Herzen der Gesangsliebhaber im Publikum. Nicolai Schwab wirkt als Lord Farquaad auch ohne künstliche Beinverkürzungen durch Gestik und Sprachduktus ganz wie sein Film-Ebenbild. Verlässlich performt er den Stimmungsmacher „Wie geht’s Duloc“ und krönt den Song mit Cynthia Erivos „Wicked“-Kampfschrei am Ende von „Defying Gravity“. Christian Rosprim begeistert mit ausdrucksstarker Körpersprache und großem Charisma als Pinocchio. Als Esel beweist Michael Berres ulkiges Schauspiel und wuselt sich zum Publikumsliebling.
Stimmgewaltig ist Caroline Hat als Fiona eine Idealbesetzung, die zwischen rotzig und träumerisch, ladylike und burschikos gekonnt wechselt und ihren Song „Der frühe Vogel“ souverän performt. Ihr Duett mit Shrek „Ich glaub das schlägst du nie“ verführt nicht nur das junge Publikum zu Lachsalven. Mathias Meffert passt sowohl stimmlich als auch darstellerisch sehr gut auf die Titelrolle des Shrek. Trotz seiner grummeligen Art schafft er es, die Figur sympathisch und nahbar zu zeichnen und lässt so das Publikum an seiner Reise teilhaben. Neben „Heut ist der Tag“ ist das Terzett mit Hat und Berres zum Aktfinale „So möchte ich sein“ das gesangliche Highlight der Inszenierung.
Wer in der Nähe wohnt oder eins der zwei großen Produktionen dieser Tecklenburg-Saison („Priscilla“ und „Titanic„) besucht und sich fragt, ob „Shrek“ sich mitzunehmen lohnt, dem sei ein beherztes „Ja!“ entgegnet.
Wie ist Deine Meinung zu dieser Produktion? Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.
Mehrere Begriffe ohne Anführungszeichen = Alle Begriffe müssen in beliebiger Reihenfolge vorkommen (Mark Seibert Hamburg findet z.B. auch eine Produktion, in der Mark Müller und Christian Seibert in Hamburg gespielt haben). "Mark Seibert" Wien hingegen findet genau den Namen "Mark Seibert" und Wien. Die Suche ist möglich nach Stücktiteln, Theaternamen, Mitwirkenden, Städten, Bundesländern (DE), Ländern, Aufführungsjahren...