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Das bombastische Jukebox-Musical „Moulin Rouge!“ verwandelt für die nächsten Wochen das Zürcher Theater 11 in den legendären frivolen Pariser Nachtclub – mit allem Prunk, Pepp, Pop und Pathos des Bühnen-Kultstücks. Wer hochkarätige West-End-Grandezza und das auf Baz Luhrmanns Filmhit basierende, weltweit erfolgreiche Musical in Originalsprache erleben will, muss dafür für kurze Zeit nicht nach London reisen!
Nach Broadway, West End, den Niederlanden, Australien, Ostasien und natürlich Köln bezieht der UK- und Welt-Tour-Ableger von „Moulin Rouge!“ erstmals Station in der Schweiz – und das auf Englisch mit namhaften Darstellenden des Londoner West Ends. Ein vielversprechendes Konzept, das, beispielsweise mit einem Blick zum aufwändig und eigens für die rote Mühle umgestalteten Kölner Musical Dome, im Vorfeld die Frage aufwirft: Kann die ausufernde, überwältigende Visualität der Ensuite-Produktionen des Stücks in einem Toursetting bestehen?
Auch, wenn nicht das gesamte Auditorium dem Pariser Nachtclub-Flair angepasst wurde, ist im Theater 11 für eine Tourproduktion beeindruckende Sorgfalt aufgefahren worden: Das Bühnenportal flankieren die bekannte rote Mühle und der Elefant, die zum festen Look der Show gehören und auch in Zürich den Eindruck stilvoller, leicht verruchter, geheimnisvoller Eleganz vermitteln. Auch hier werden in einer so genannten „Pre-Show“ die Zuschauer durch Kokotten und Gentlemen, Bardamen und Artisten, die die Bühne schon vor Anfang der Geschichte schwelgend-sexy zum Leben erwecken, in den Bann gezogen.
Sonya Tayehs moderne und dynamische Choreographien sowie Catherine Zubers herausragend ästhetisches und Maßstäbe setzendes Kostümdesign haben nicht nur dazu beigetragen, „Moulin Rouge!“ den jetzigen Kultstatus zu verleihen, sondern wissen auch in Zürich ohne Abstriche im Vergleich zur Ensuite-Großproduktion zu begeistern. Auch Justin Townsends cineastisches, zwischen Dramatik und Show-Prunk, großen Momenten und introspektiven Schlaglichtern changierendes Lichtdesign übersetzt sich makellos auf die Zürcher Tourbühne des technisch perfekt ausgestatteten Theater 11. Peter Hylenskis wuchtiges Sounddesign wirkt im Vergleich zur Kölner Version im kleineren Theater sogar noch nachdrücklicher und immersiver. Gekonnt wird auch hier mit dröhnendem Bass und Emotionalität auslösender Ruhe gespielt.
Unter Alex Timbers zügigem Regieansatz entsteht auch in Zürich kein Moment der Langeweile: Exaltiertheit und Tragik, Comedy und Romantik sind so meisterhaft durch John Logans Buch mit zahllosen Musikhits in der Geschichte um den jungen Bohémien Christian und die überirdisch erscheinende Kurtisane Satine verwoben, dass es nicht verwundert, dass „Moulin Rouge!“ so erfolgreich, beliebt und fast schon unzerstörbar ist. Das Bühnenbild von Derek Mclane hat im Vergleich zur Ensuite-Produktion wohl die größten Kompromisse einzugehen, doch erstaunlicherweise sind die Unterschiede zu beispielsweise Köln so marginal und an einer Hand abzuzählen, dass sie so gut wie gar nicht ins Gewicht fallen. So wird Satine hier nicht mit theatralischem Momentum von der Bühnendecke herunter gefahren, wie es beispielsweise in Köln während des Stücks zweimal passiert, sondern erscheint bereits auf einer Schaukel sitzend im Bühnenportal. Trotz solcher Tour-bedingten, der Praktikabilität dienenden Mikro-Anpassungen wird in Zürich ein technisch vollwertiges, visuell auf allen Ebenen anspruchsvolles und ausgesprochen dynamisches Bühnenbild präsentiert, das keine Wünsche offen lässt. Ob das Innere von Satines Elefanten-Refugium, die Künstlerbleibe auf dem Montmartre, die protzige Champs-Elysées und die Nachtclub-Extravaganza: Von A bis Z stimmt die Optik.
Die in dieser Inszenierung sichtbar im Orchestergraben und nicht backstage spielende, 10 Mitglieder zählende Live-Band unter Ben Ferguson erntet zurecht begeisterten Applaus. Das hochkarätige, 15-Köpfige Ensemble vom Londoner West End gibt tänzerisch alles. Die Besetzung schafft mit den Choreographien zu „Welcome to the Rouge!“, „Sparkling Diamond“ und „Backstage Romance“ energetische Highlights zwischen Vogueing, Can-Can, Hip-Hop und sinnlichen Contemporary-Tänzen. Auch die 10 Hauptrollen sind hervorragend besetzt und zeigen am besuchten Vorstellungsabend abermals, dass Cover, Alternates, Swings oder Walk-Ins ihren Hauptbesetzungen ins Nichts nachstehen und die performative Qualität einer Show in keiner Weise negativ beeinträchtigen:
Statt Rodrigo Negrini als argentinischer Tanz-Gigolo Santiago steht in der besuchten Vorstellung Gianni Galeandro auf der Bühne und füllt seine Rolle mit liebenswerter Unbeholfenheit, die er hinter grandiosem Tanz zum „Tango de Roxanne“ versteckt. Seine Partnerin, die Nachtclubtänzerin Nini, spielt Tosca Fischer (statt Kahlia Davis) und überzeugt mit Weltklasse-Tanz und frivoler Überlegenheit.
Das Nachtclub-Trio Arabia, Baby Doll und La Chocolat ist mit Summer Priest, Scott Sutcliffe und Ellie Jane Grant besetzt. Ihre poppigen Riffs und energetischen Auftritte als die drei besten Zugpferde des Moulin Rouge bleiben in Erinnerung und reißen das Publikum immer wieder zu Jubelstürmen hin. Der Duke, aus dem Dreiecksdrama im Zentrum der Liebesgeschichte der klare Antagonist, wird von Jams Bryars mit dominierendem Charme und stilvollem Bad-Boy-Image interpretiert. Kurt Kansley brilliert als Toulouse-Lautrec vor allem in den tragischen Momenten seiner Figur: der unerwiderten Kindheitsliebe zu Satine und dem melancholisch-sehnsüchtigen Leben als brotloser Künstler mit großen Träumen. Cameron Blakely legt Harold Zidler, den Showmaster des Kabaretts, Conférencier des Moulin Rouge und Partner-in-Crime für Satine, mit britischer Süffisanz und kameradschaftlicher Zuneigung an.
Nate Landskroner ist als Christian in seinem Element: Der naive, junge Künstler ist bei ihm nahbar, sympathisch und spürbar leidenschaftlich. Sein großes Solo „Roxanne“ ist Landskroners stimmlicher Höhepunkt, wobei sein Duett mit Satine zu „Crazy Rolling“ besondere Strahlkraft erzeugt. Das liegt vor allem an der fast unwirklichen, stimmlichen Symbiose mit Patrice Tipoki, die neben Verity Thompson die Rolle der Satine alternierend verkörpert: Während Landskroner in den hohen Belt-Passagen, Pop-Tenor-Riffs und einer starken Mixed Voice begeistert, scheint Tipoki genau dort stimmlich anzusetzen. Mit ihrem wuchtigen Phrasierungen und großer Range, die in den Höhen durchdringend und in der Tiefe beeindruckend nuanciert und voluminös brilliert, komplettiert sie die Duette, weiß aber auch in ihren Solos für Staunen zu sorgen: Zu „Firework“ oder „Diamonds Are Forever“ stellt sich durch Tipokis grandiose Gesangsstimme Gänsehaut ein. Ihr authentisches Schauspiel unterscheidet sich durch seine subtile Auslegung deutlich von vielen anderen Satines. Unweigerlich zieht sie durch beinahe hypnotische Bühnenpräsenz und Star-Appeal jede Szene an sich; im sonst eher geschwätzigen Zürcher Auditorium ist bei Tipokis emotionalen Momenten als Satine eine ehrfürchtige Stille wahrzunehmen. Hier ist ein wahrer „Sparkling Diamond“ am Werk, der auch den Vergleich mit einer Nicole Kidman nicht scheuen muss.
Abschließend soll auch das Theaterpersonal und die Publikumskommunikation des Theater 11 an dieser Stelle als positives Beispiel herausgestellt werden, da sie das Musicalerlebnis hier maßgeblich beeinflussen: Selten ist das Saalpersonal und das Hausmanagement so um die Stimmung im Auditorium bemüht. Es wird konsequent, flott und diskret bei Störungen interveniert und im Vorfeld der Show nicht nur das Filmverbot nachdrücklich kommuniziert, sondern auch, dass Mitsingen, leuchtende Handybildschirme und Störgeräusche den Musicalgenuss für alle beeinträchtigen. Diese Deutlichkeit wäre in vielen hiesigen Häusern durchaus wünschenswert, um die generelle Theateretikette endlich wieder auf einen höheren Standard zu heben.
In diesem Sinne: Wer nach Köln einen weiten Weg hat, keinen West End-Besuch auf der Agenda vorsieht und trotzdem in den Genuss einer makellosen Produktion auf London-Niveau kommen will – oder einfach nur ein Fan des Phänomens „Moulin Rouge!“ ist – dem sei ein Besuch im Theater 11 geraten! Welcome to The Rouge!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Buch | John Logan |
| Regie | Alex Timbers |
| Choreografie | Sonya Tayeh |
| Orchestrierung und Arrangements | Justin Levine |
| Bühnenbild | Derek McLane |
| Kostüme | Catherine Zuber |
| Licht Design | Justin Townsend |
| Ton Design | Peter Hylenski |
| Perücken und Haardesign | David Brian Brown |
| Make-up Design | Sarah Cimino |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Satine | Verity Thompson Patrice Tipoki |
| Christian | Nate Landskroner |
| Harold Zidler | Cameron Blakely |
| Toulouse-Lautrec | Kurt Kansley |
| Santiago | German Santiago |
| The Duke | James Bryers |
| Nini | Kahlia Davis |
| Arabia | Summer Priest |
| Baby Doll | Scott Sutcliffe |
| La Chocolat | Ellie Jane Grant |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 21.01.2026 - 01.03.2026 | Theater 11, Zürich | 47 x |
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